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Ausgabe:

1925

Spalte:

392-393

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ubbink, J. Th.

Titel/Untertitel:

Het evangelie van Johannes 1925

Rezensent:

Windisch, Hans

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392

handhabt wird; man möchte deren Methoden dargelegt
und an einigen Beispielen erläutert sehen (vgl. Becker,
Prinzipielles zu Lammens Slra-Studien im Islam 4 (1913)
S. 263 ff. (= Islamstudien I (1924) Nr. 19). Ebenso
hätte in eine Darstellung des islamischen Traditionswesens
auch Tafsir und Slra einbezogen werden müssen,
die nur eine andere Anordnung desselben Materials
bieten. Immerhin ist dieses Buch für die, welche des
Deutschen nicht mächtig sind, um Ooldzihers klassisches
Werk selbst durchzuarbeiten, ein brauchbarer Ersatz.
Noch einige Bemerkungen zu Einzelheiten:

Zu S. 30: Die älteste bisher bekannt gewordene Buhän-Hand-

schrift ist vom Jahre 402 d. H. aus Andalusien; sie ist über 150 Jahre
älter als die Vulgata-Rezension des Muhammad al-Janini. Daher für

die textliche Überlieferung von hohem Werte (Vgl. Levi-Provencal in

Journal Asiatique T. 202 (1023) S. 200).--S. 38/0: Vgl. Becker,

Die Kanzel im Kultus des alten Islam in der Nöldeke-Festschrift
1006 und Becker, Zur Geschichte des islamischen Kultus im Islam 3
(1012) S. 374—300. (= Islamstudien I (1024) Nr. 16 H. 17.) Vgl.

dazu auch Mielck im Islam 13 (1023) S. lOOff.--S. 88: Eine

Reihe der geläufigen Termini der Hadit-Kritik, wie muttasil ,

munqati', da'if, mursal, hasan finden sich schon hei as-säfi'i, K. al-

umm Bd. 7 S. 202 f.--S. 136 u. S. 150 vgl. das Buch von Tor

Andrae, Die Person Muhammeds in Lehre und Glauben seiner Gemeinde
. Stockholm 1018. — — S. 158 zum Mi'räg vgl. Horovitz,
Muhammeds Himmelfahrt im Islam 0 (1010) S. 150—183. — —
S. 150 ff.: Der Anhang über „Das Kalifat in der Tradition" bringt
tatsächlich cinjm Abriß des islamischen Staatsrechts nach Ihn
Haldem u. a., wobei von den Traditionen über das Imamät nur wenig

die Rede ist. Auch wird von den wichtigen Studien des russischen
Orientalisten Barthold über das Kalifat keine Notiz, genommen (vgl.
Becker im Islam 6 (1016) S. 350—412). — Von den zahlreichen
Druckfehlern in den Transkriptionen verbessere vor allem S. 112:
ruffä' und S. 103: barä'at.

Bonn. W. Heffening.

Lflhr, Prof. Dr. Max : Beiträge zur Geschichte des Chassidismus.

I. Begriff und Wesen des Chassidismus. Leipzig: M. W. Kaufmann
1025. (33 S.) 8". Rm. 1.25.

Das Heftchen bietet die Übersetzung einiger Abschnitte
einer umfangreichen chassidischen Handschrift
aus dem Ende des 18. Jahrh. Diese berichten von einer
Reise des als Bettler verkleideten R. Jakob Schimschon,
eines Schülers des Baal Schemtob, des Stifters des
Chassidiismus, nach Prag und von seinen Gesprächen
mit dem dortigen Talmudisten und Gegner des Chassidismus
R. Jehesqiel Landau, dem er sich überall überlegen
erweist. Kurze einleitende Bemerkungen weisen
darauf hin, wie sich in diesen Gesprächen das Wesen
des Chassidismus offenbart. Gleichwohl scheint mir der
Titel des Heftchens etwas zu viel zu versprechen; man
lernt doch nur gewisse Charakteristika des Chassidismus
aus diesem kleinen Bruchstück kennen. Die der Übersetzung
beigegebenen erklärenden Anmerkungen reichen
zum Verständnis der Einzelheiten nicht ganz aus.

Breslau. C. Steuer nage 1.

Schröder, Franz Rolf: Germanentum und Hellenismus. Untersuchungen
zur germanischen Religionsgeschichte. Heidelberg: Carl
Winter 1024. (VIII, 160 S.) 8° — Germanische Bibliothek, 2. Abt.,
17. Band. Rm. 6—; geb. 7.50.

Eine Bemerkung zuvor: die „germanische" Seite
des vorliegenden Buches bin ich nicht imstande zu beurteilen
; ob die sprach- und literargeschichtlichen Darlegungen
richtig sind, muß ich dahin gestellt sein
lassen. Mit ganzer Aufmerksamkeit aber bin ich den
reli.gionsgeschichtlich.en Untersuchungen gefolgt, die
Sch. vorlegt, bei denen er im Ziele grundsätzlich mit
Gustav Neckel (s. bes. Die Überlieferungen vom Gotte
Balder 1920) übereinstimmt, bei denen er aber im einzelnen
sich immer wieder mit ihm auseinandersetzt, ein
Verfahren, das die Lektüre des Buches ziemlich erschwert
. Die Thesen, auf deren Erweis es Sch. ankommt,
sind diese: 1) die germanische Religion hat verschiedentlich
Einflüsse von Süden und Südosten her erfahren;

2) innerhalb der germanischen Religionsüberlieferung
müssen 2 wesensverschiedene Schichten auseinandergehalten
werden, die germanische und die hellenistische;

3) die germanische Religion hat in den den Mittelmeerländern
am nächsten ansässigen Stämmen schon in den
ersten christlichen Jahrhunderten ihre Gestaltung gewonnen
. Das überaus reiche Material, das Sch. darbietet
, das er auch durch recht dankenswerte, sehr ausgiebige
Literaturangaben stützt, läßt die Folgerungen,
die er daraus zieht, als durchaus richtig erscheinen: zu-

i nächst sind es kosmische Zahlen und Astralvorstellungen
(die Zahl 12 und ihr Mehrfaches z. B. 24,
72, 144, 432, die Milchstraße, der Regenbogen), die
einen Einfluß antiker bez. orientalischer Vorstellungen
auf die germanische Religion in den ersten 4 christlichen
Jahrhunderten erweisen (die 144 000 Versiegelten Off.
Joh. 7, 4 ff. hat sich Sch. entgehen lassen). Indem dann
die agrarischen Mythen, die in den Vegetationsmvthen
ihren Niederschlag haben, als die ältere Schicht der germanischen
Religion aufgezeigt werden — der Balder-
mvthus wurde dafür als bestes Paradigma herangezogen
und durch seine mannigfaltigen Beziehungen zu Vege-

I tationskulten (Balder ein Fruchtbarkeitsgott, seinem We-

| sen nach Freyr aufs engste verwandt) deutlich herausgestellt
—, wird dann zuletzt das, was Balders Gestalt
als charakteristisch von den anderen nordischen Göttern
abhebt, — und das ist das eigentlich religiöse Moment
— auf den Einfluß zurückgeführt, den orientalische,
hellenistische, christliche Vorstellungen durch die
namentlich auf dem Balkan und an der Nordküste des
Schwarzen Meeres wohnenden Südgermanen (Goten)

j auch auf die Germanen im Norden ausübten: Balder,
die Schöpfung eines germanischen Priesters, „der ein
grübelnder und suchender Geist, seine Entwicklung der
gärenden Völkerwanderungszeit verdankt. Er hat versucht
, das Problem zu lösen, wie der Glaube der Väter
mit den neuen Gedanken sich vereinen ließe". „Er schuf,
aufs tiefste ergriffen von dem neuen Glauben, die Erlösergestalt
Balders" (S. 139). So dient Sch.'s anregendes
Buch der religionsgeschichtlichen Forschung in

j bester Weise und stellt ihr weitere Aufgaben.

Jena. P. G 1 a u c.

Ubbink, J. Th.: Het evangelie van Johannes. Groningen:

J. B. Wolters 1624. (162 S.) 8°.
, W i 11 e m z e, S.: De openbaring van Johannes. EM. 1924. (172 S.)
= Tekst en Uitleg. Praktische Bijbelvertaline;. je H. 2.90.

Mit diesen beiden Bändchen ist die neutestament-
liche Abteilung dieser populärwissenschaftlichen Bibelauslegung
abgeschlossen.

U b b i n k ' s Arbeit ist trotz ihrer stark hervortretenden
Tendenz und trotz ihrer häufigen Anlehnung
an die exegetischen Auskünfte von Zahn u. A. doch eine

j beachtliche wissenschaftliche wie theologische Leistung.

I Der Verf. ist in der Literatur gut bewandert, hat sich

j soviel angeeignet als sein Standpunkt ihm erlaubt und
flicht gelegentlich, wie mir scheint, auch eigene Ge-

1 danken und Kombinationen in die Erklärung ein.

Die kurze Einleitung handelt über das Verhältnis des

I Joh. zu den Synoptikern (natürlich ist der Zweck nicht,
diese zu verdrängen, sondern sie zu ergänzen und zu verdeutlichen
), über den Christus (Joh. erstrebt eine Synthese
zwischen dem Logos-Christus seines Glaubens und dem
Jesus der Geschichte, doch ist Jesus auch in Joh. nur
der „verborgene Messias"?!; eine gewisse Freiheit
gegenüber dem Buchstaben, ein freies Kombinieren der
Worte und ein Übersetzen der Überlieferung in die
eigene Sprache gesteht der Verf. zu), weiter über
den Zweck (neben dem Hauptzweck, der Bestätigung

] des Glaubens in Christus, sind Nebenzwecke: Ergänzung
und indirekte Richtigstellung der Synoptiker, Be-

I kärnpfung des Judentums, und der Gnosis, aber nicht der
Täufersekte), über den Verfasser (hier bemüht sich
Ubbing u. a. vergeblich die Person des Lieblingsjüngers-
Zeugen mit dem Zebedaiden der Synopt. und der

I Apg. in Harmonie zu bringen), endlich über die Zeit