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Ausgabe:

1925 Nr. 16

Spalte:

378-381

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kühnemann, Eugen

Titel/Untertitel:

Kant. Zweiter Teil: Das Werk Kants und der europäische Gedanke 1925

Rezensent:

Stephan, Horst

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 16.

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Die ist anfangs und überhaupt die größte Zeit seines Lebens
hindurch dichotomisch.

Im Übrigen muß aber gesagt werden, daß R. seine
Darstellung der Christologie des Apoll, mit großer
Sorgfalt und Geschick durchgeführt und ihre Wurzeln
aufgezeigt hat: insbesondere die Betonung der Kampfes-
stellung gegen die aufkommende antiochenische Schule
ist durchaus zu billigen. Gut ist auch seine Wertung der
Kenosislehre und später die Untersuchung über den
noch unscharfen Gebrauch der Worte mala, cpvoig,
VTtootaoiG (p. 221 ff.). Gewünscht hätte ich ein genaueres
Eingeben auf die Bedeutung der Erlösungslehre
für die Christologie: Apoll, betont diesen Zusammenhang
mehrfach (fr. 74. 76—80. 93. 95. 116. Tom.
synod. p. 263). R. schildert seinen Helden mit großer
Wärme: als tapferen, aufrechten Menschen, als innigen
Christen, als glänzenden hellenischen Denker — er gibt
ihm den Ehrenplatz neben Origenes (S. 230) — und
seine Kritik an ihm ist in den ersten Kapiteln gut vorbereitet
und in der feinen Kontrastierung des Theodor
von Mopsuestia wirkungsvoll ausgeführt.

Berlin. Hans Lietzmann.

Vaccari, Alberto, S. J.: La Grecia nell Italia merldionale.

Studi lettcrari e bibliografici. Appendices: PH PP. XI curae de
Oriente. Korn: Pontificio Istituto Orientale 1025. (50 S.) irr. 8°.
= Orientalia Christiana Vol. III, Nr. 13.

Eine gelehrte und lehrreiche Studie über die Bedeutung
der ehemaligen Basilianerklöster in Apulien
und Calabrien, der sog. Grecia, für das Bibelstudium. Es
waren namentlich die beiden heiligen Äbte Nilus und
Bartholomäus von Rossano, die nicht nur selbst Bibelhandschriften
abschrieben, sondern auch ihre Mönche
zu Schönschreibern ausbildeten. Noch jetzt finden sich
in aller Welt, im Morgenland wie im Abendland,
Bibelhandschriften, die aus diesen Klöstern Unteritaliens
stammen, und es gibt für sie drei Erkennungszeichen, die
teils zur Gewißheit teils zu einer größeren oder geringeren
Wahrscheinlichkeit führen: die Schlußbe-
merkung (Kolophon), die Herkunft von Süditalien, die
Paläographie (ein besonderer ,ductus', rauhes Pergament
, Bilder und Verzierungen). Auf diese Weise lassen
sich allein für das N.T. etliche hundert Handschriften
feststellen, die aus Unteritalien oder Sizilien stammen
und dem 10.—12. Jahrhundert angehören. Sie zerfallen
in drei Familien, von denen die erste, nach ihrem ersten
Erforscher Ferrar benannte für die Textgeschichte und
ein wenig auch für die Kanonsgeschichte lehrreich ist;
so bringt sie die Perikope von der Ehebrecherin nicht
bei Johannes c. 7 und 8, sondern bei Lukas am Ende
von c. 21. Die zweite enthält am Schluß des Matthäus-
Ev. eine Bemerkung, daß sie auf alte Handschriften
von Jerusalem zurückgehe, also auf einen Archetyp,
den aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem arabischen
Einbruch geflohene Mönche ins Abendland brachten.
In 4 Handschriften dieser Familie findet sich zu 5
Stellen des Mt. am Rande eine mit lovdaixAv bezeichnete
Lesart. Nun hat eine ebenfalls aus Unteritalien
stammende Handschrift von Kosinitza am Rande 10
solcher lovdcuxöv - Anführungen, von denen sieh nur
2 mit den vorhin genannten decken, 8 neu sind. Von
diesen acht stimmt aber die griechische Anführung zu
Mt. 18,22 wörtlich überein mit dem lateinischen Zitat bei
Hieronymus dial. contra Pelag 3, 2, von dem er sagt,
daß es dem von den Nazaräern gebrauchten Hebräerevangelium
entnommen sei, das viele für das ursprüngliche
Evgl. des Mt. hielten, das sich auch in der Bibliothek
von Cäsarea befinde und das er aus dem Hebräischen
ins Griechische übertragen habe. V. hält es
darum für zweifellos, daß die Anführungen in der
Handschrift von Kosinitza auf eine griechische Übersetzung
eines für den echten Mt. gehaltenen aramäischen
Evangeliums in der Bibliothek von Cäsarea zurückgehen.
Was das A. T. betrifft, so sind in der Oktateuch-
Ausgabe von Brooke und Mc Lean (Cambridge) im

i zweiten kritischen Apparat, der die hexaplarischen
Bruchstücke aus den Randbemerkungen der Handschriften
sammelt, fast auf jeder Seite die Miuuskul-

I handschriften s v z, seltener, aber mit um so bemerkenswerteren
Lesarten, i angegeben: alle 4 Handschriften

i stammen aus Calabrien oder wenigstens aus Italien.
Ein Vergleich der beiden codd. v und z (aus dem 10.
Jahrh.) fordert als Vorlage, von der beide, aber unabhängig
von einander, abgeschrieben sein müssen, eine
Unzialhandschrift, die demnach zwischen dem 9. und
10. Jahrh. in Italien vorhanden gewesen sein muß, und
die Spuren dieser Handschrift führen nach Palästina.
Von den drei codd. s v z weisen aber nicht bloß die
Randbemerkungen, sondern auch der Text nach Palästina
, da er, wie der erste Apparat der Ausgabe von
Cambridge zeigt, neben den codd. e j häufig gegen alle
andern steht, diese beiden Handschriften aber Katenen
enthalten von der Art der (noch ungedruckten) Okta-
teuchkatene Prokops von Gaza. Die drei codd. f i r
mit ihren Sonderlesarten hängen ebenfalls mit Kala-
brien zusammen und ihr Archetyp muß aus Ägypten gekommen
sein; vielleicht enthielt er die Rezension des
Hesychius. Wahrscheinlich steht auch das von Abt
Amelli herausgegebene Psalmbuch von Monte Cassino,
das einen nach dem Hebräischen und einer Abschrift
der Hexapla überarbeiteten alten lateinischen, vorwiegend
afrikanischen Text bietet, mit den Basilianer-
klostern Calabriens in Verbindung. So kommt V. zum
Schlußergebnis, daß die griechischen Mönche, die Sizilien
und nachher Calabrien bevölkerten, aus Palästina
und aus Ägypten kamen und die heiligen Schriften mitbrachten
, die sie dann nicht bloß zum Heile der Seelen,
sondern auch zur Belehrung und zum Nutzen der Nachwelt
studierten und vervielfältigten. Angehängt ist diesem
1. Teil ein geographisch geordnetes Verzeichnis
der aus Unteritalien stammenden griechischen Handschriften
des N.T.s. Der 2. Teil bringt im Anschluß an
das Werk von Vogel und üardhausen (die griechischen

i Schreiber des M A.s und der Renaissance 1909), aber
mit stillschweigender Verbesserung der Irrtümer, ein
wieder geographisch geordnetes Verzeichnis der süd-
italienischen Herkunftsorte griechischer Handschriften
mit Anführung der Abschreiber und der Besitzer (xrojTopee)
nach Angaben der Handschriften selber. Dem Ganzen
sind ein paar Aktenstücke angehängt, um die Aufmerksamkeit
, die Papst Pius XL der griechischen Kirche schenkt,
ins Licht zu setzen. V. betrachtet nämlich Apulien und
Calabrien als ,die beiden Arme, die das lateinische
Abendland nach dem Osten, besonders nach Griechen-

! land ausstreckt', und er sieht darin, daß in diesen Gegen-

; den der griechische Ritus ohne Bruch mit der römischen
Kirche beibehalten wurde, die Aufgabe vorgebildet
, die sie für die Vereinigung der beiden Kirchen
zu übernehmen hätten.

München. Hugo Koch.

Kühnemann, Kugeii: Kant. Zweiter Teil: Das Werk Kants und
der europäische Oedanke. München: C. H. Beck 1924. (VII, 719 S.)
8". Rm. 9—; geb. 12.50.

Der«.: Kant und die deutsche Kultur. Berlin: Pan Verlag Rolf
Heise. (S. 280-303). gr. 8«. = Sonderdrucke der Kant-Studien,
Bd. XXIX, Heft 1/2. Rm. -60.

Der 2. Band des im Vorjahr besprochenen Werkes
zeigt schon durch seinen Untertitel, daß die Einstellung
Kants in die Gesamtbewegung des abendländischen Gedankens
das eigentliche Ziel des Ganzen ist. Natürlich
nimmt den Hauptraum (erstes Buch) die Darstellung
der Kantischen Philosophie unter diesem Gesichtspunkt
ein. Nach einer im allgemeinen orientierenden Einleitung
erfolgt sie in 4 großen Abschnitten: die Wahrheit
(S. 75—323), die Sittlichkeit (S. 324—400), die
Schönheit (401—83), der Sinn der Welt und Gott
(484—530). Ist schon die Darstellung überall auf den
großen Rahmengedanken abgestimmt, so nimmt diesen
dann ein sehr viel kürzeres 2. Buch, das wieder den
Titel des ganzen Bandes trägt, ausdrücklich und mit