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Ausgabe:

1925 Nr. 15

Spalte:

348-349

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schellenberg, Ernst Ludwig

Titel/Untertitel:

Die deutsche Mystik. 2., überarb. Aufl 1925

Rezensent:

Clemen, Otto

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 15.

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Philosophie heranzuziehen, um mit Hilfe derselben sich
auch einen klaren Begriff von der Homousie zu gestalten
" (S. 82). Selbst das opoiog, das er gebraucht,
wird ihm freundlich gedeutet, da es N. „für möglich
hält, daß C. die Wendung öfioiog -/iura ttävra als Ersatz
für das so vielfach kontrovertierte oftoovaiog gehalten
hat" (S. 86). Auf diese etwas einfache Art würden
sich dem o^woüaiog noch manche Zeugen gewinnen
lassen. Von einem Standpunkt, für den Dogmengeschichte
nicht zensurierende Patrologie ist, wird man i
einer so gerichteten Untersuchung, die im 4. Jahrhundert j
mit „dem ständigen Korrektiv des offiziellen kirch- j
liehen Lehramtes" rechnet (S. 48 u. ö.), nicht viel j
Förderung für die Erkenntnis der wirklichen Geschichte j
des Dogmas abgewinnen können, weil für diese die Ein- i
sieht in die Entwicklung der Orthodoxie selbst grund- I
legend ist. Aber man mag von der übersichtlichen Zusammenstellung
des Stoffes gelegentlich mit Dank Ge- j
brauch machen; eigentümlich berühren die in die fast j
durchweg deutsch gegebenen Zitate bisweilen lateinisch
(!) eingerückten Bibelstellen. S. 84 A. 4 ist eine Äußerung
A. v. Harnacks (Grundriß der Dogmengeschichte5
S. 223) dahin mißverstanden, daß H. einen zweimaligen
Übergang Cyrills annähme: vom "fioiog zum ofxoiovaiog
und von da zum o/uootoiog; das ist nicht H.s Meinung, I
und mit dem von C. nicht gebrauchten fyiotovoiog
will er nur dessen „in der Sache orthodoxe" Stellung
charakterisieren (vgl. Lehrbuch der DG1 II S. 249 A.).
Marburg. H. v. Soden.

Mehlis, Georg: Plotln. Stuttgart: Fr. Frommann 1924. (VII, 14S S). !
8". Frommanns Klassiker der Philosophie XXI.

Rm. 3—; geb. 4-.

Eure allgemeinverständliche mit viel Liebe zur Sache
geschriebene Darstellung ohne allen gelehrten Ballast.
Die Schilderung der alexandrinischen Welt, aus der j
Plotin hervorwuchs, die nötigen Angaben über sein
Leben und seine Persönlichkeit und eine Erörterung über
das Wesen der plotinischen Philosophie und ihr Verhält- !
nis zur Vergangenheit legen den Grund, auf dem der
systematische Gedankenbau der Weltanschauung Plotins !
errichtet wird in den Kapiteln: Die Gotteslehre, die
Lehre vom Geist, die Weltseele, Plotins Erkenntnislehre,
die Mystik Plotins. Das Religiöse wird mit Recht stark
hervorgehoben und im Gegensatz zur Deutung der Neukantianer
, die hier nur orientalische Mystik zu finden
glaubten, das Griechische an Plotins Denken herausge- 1
arbeitet. Für den Laien ist das Buch gewiß erbaulich zu
lesen, dem auf diesem Gebiete arbeitenden Gelehrten
bringt es nichts Neues.

Am Schluß der sehr dürftigen Literaturangabe heißt es: „Die [
Studien von Max Wimdt über Plotin sind ganz: besonders geeignet,
das Verständnis seiner Schriften zu fördern". Wo, wann und unter
welchem Titel diese Studien erschienen, wird nicht gesagt. Wenn der
Verfasser selbst den hier gegebenen Aufschlüssen gefolgt wäre, hätte
er wohl das plotinische System nicht nach der üblichen Methode der
Deduktion von oben nach unten entwickelt, so daß man sich zuerst in
der dünnen Luft reiner und so für sich unverständlicher Abstraktionen
befindet, während erst am Schluß das persönliche Erleben in der
Mystik Plotins aufbricht, obwohl dieser selbst die Methode der
ih'i'.ymyi] pflegte und wollte, daß man mit ihm von unten nach oben
aufsteigen sollte. Wie Plotin erst von hier aus ganz verstanden wird,
hat Oskar Söhngen in seinem Buch: Das mystische Erlebnis in
Plotins Weltanschauung (Leipzig 1923), gezeigt. Hütte der Verfasser
diese Arbeit gekannt, so wäre seine Schilderung der Mystik Plotins
nicht so dürftig ausgefallen, und er hätte wahrscheinlich die ganze I
Aufgabe anders angegriffen. Ebenso ist er an J. Heinemanns Buch:
Plotin, Forschungen über die plotinische Frage, Plotins Entwicklung
und sein System (Leipzig 1921), vorübergegangen; sonst hätte er die
Gliederung in eine platonische, aristotelische und stoische Periode so
nicht mehr gebracht, wie sie hier steht, und er wäre nicht so elegant j
über mancherlei Schwierigkeiten hinweggeglittcn, die wir erst durch
Heinemann, dem ich übrigens in vielen Punkten gar nicht zustimme,
sehen gelernt haben. Das Buch ist ferner, besonders in den Partien, j
die allgemein von der hellenistischen Kultur- und Geistesgeschichte I
handeln, durchsetzt von Behauptungen, die oft recht weit gehende
Harmlosigkeit in Dingen der philologisch-historischen Forschung auf
diesem allerdings sehr schwierigen Gebiete verraten. Auch würde kein

Philologe schreiben: die Gnost/A, der Kultus der Serapis, Epikureer,
Epictet, Empedocles, Apuleyus, von den stehengebliebenen Akzent-
fehlem in griechischen Wörtern S. 44, 108, 123, 132 und dergl. ganz
zu schweigen.

Leipzig. Hans Leisegang.

San tif aller, Leo: Das Brixner Domkapitel in seiner persönlichen
Zusammensetzung im Mittelalter. I. Bd.: Allgemeiner
Teil. Gedruckt mit Unterstützung v. Freunden und
Förderern heimischen Schrifttums. Innsbruck: Wagner 1924. (XII,
248 S.) gr. 8". Sehlem-Schriften, 7.

Rm. 16—; Subskr.-Preis Rm. 14—.
Die vorbildliche Arbeit über die Geschichte eines
Domkapitels verdanken wir Albert Brackmann, der
bereits 1898 in einer stark erweiterten Dissertation der
Halberstädter Diözese eine eingehende Darstellung
auf quellenmäßiger Grundlage widmete. Inzwischen sind
die auf diesem Gebiete liegenden Fragen eingehender
durchforscht; die domkapitelsche Mitregierung, die
Wahlkapitulationen, die Stellung zum Reich, die Archi-
diakonats- und Sendverhältnisse, die Stellung zur Kurie,
zum Rrovinzial- und Diözesanbischof, das Recht der
ersten Bitten u. dergl. m. sind in Arbeiten unter anderen
von Bauer, Bückmann, Bruggaier, H. E.
Feine, die Ref. in dieser Zeitschrift eingehend besprochen
hat, in verschiedenem Umfange mit lokaler
und chronologischer Abgrenzung behandelt. Santi-
f all er hat sich insofern ein schwieriges Gebiet vorgenommen
, als er vielfach auf ungedrucktes und sonst
verstreutes Material — insbesondere in den Archiven in
Bozen, Brixen und Innsbruck — zurückgehen muß,
während z. B. Brackmann im Wesentlichen recht gut
edierte und kritisch bearbeitete Urkundenbücher benutzen
konnte.

Nach dem Titel des Buches und insbesondere nach
dem einleitenden Programm der Arbeit sollte man annehmen
, daß es dem Verfasser in erster Linie darauf ankommt
, die Standesverhältnisse der Mitglieder des
Brixener Domkapitels quellenmäßig darzulegen. Die
Schilderung der Standesverhältnisse aber, die S. angeregt
durch Alois Schulte's epochemachendes Buch
über den Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter
(1910) gibt, nimmt nur einen geringen Raum in diesem
Buche ein. Freilich, es ist außerordentlich interessant zu
sehen, wie sich die ständische Gliederung des Tiroler
Landes in der Zusammensetzung des Brixener Domkapitels
wiederspiegelt. Grafen und Freiherren spielen
nur eine geringe Rolle. Neben ministerialbürtigen Mitgliedern
treten im späteren Mittelalter immer mehr
Bauern und Bürger in das Domkapitel ein. Doch
handelt es sich wohl um Bauern und Bürger in sozial
und wirtschaftlich gehobener, etwa patriziatischer Lage.
Diese Standesverhältnisse sind aber in 65 Seiten abgemacht
. Der weitere Inhalt des Buches ist kulturgeschichtlich
wertvoller; es werden Schul- und Bildungsverhältnisse
, literarische und künstlerische Bestrebungen
der Domherren, Reisen und weltliche Beziehungen,
Besuch von Universitäten und Erwerb akademischer
Grade aus den Quellen mitgeteilt. Ebenso aber gehen
die anderen Abschnitte über die Mitregierung der Domherren
in der Diözese, über die Domherren als Inhaber
anderer, mehrerer Pfründen, als Pfarrer usw. über den
Titel des Buches hinaus. Es sind wertvolle Beiträge
zur kirchlichen Kultur- und Rechtsgeschichte, die S.
hier bietet und die er in geschickten Tabellen veranschaulicht
. — Das Buch ist sehr üppig gedruckt und
in allen Punkten, die wir nachprüften, solide und zuverlässig
.

Weimar. Otto Lerche.

Schellenberg, Ernst Ludwig: Die deutsche Mystik. 2,

äbererb. Aufl. Illustr. nach den Orig. zeitgenössischer Meister.
Berlin-Lichterfelde: H. Bermühler. (IV, 152 S. m. 10 [7 Dopp.-|
Taf. 8°. Rm. 1.80.

Die 1. Auflage dieses warmherzig geschriebenen Büchleins habe
ich Th.Lz. 1921, Sp. 33 angezeigt. Daß eine 2. Auflage sich
nötig gemacht hat, ist ein neues Zeichen dafür, daß die deutsche