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Ausgabe:

1925 Nr. 14

Spalte:

320-326

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Draguet, René

Titel/Untertitel:

Julien d‘Halicarnasse et sa controverse avec Sévère d‘Antioche sur l‘incorruptibilité du corps du Christ 1925

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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319

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 14.

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chines. Laiengläubigen noch als lebendige Kraft wirkt,
wie ein solcher ihn in sich gestaltet, mit Gründen ihn zu
empfehlen und durch Erzählungen ihn zu erläutern
sucht. Das „reine Land", zu dem der chines. Verf. den
Weg zeigen will, ist das Paradies des Dhyänibuddha
Amitäbha. Die Schrift ist im 12. Jh. n. Chr. verfasst,
wird aber bis heute viel gelesen und immer wieder neu
gedruckt. Sie hat es nur mit der Lehre zu tun, die als
die besondere Lehre „der Schule des Reinen Landes" bekannt
ist. Wertvolles Eigenes gibt H. im Schluß-Kap.,
das über die chines. Verhältnisse zur Zeit der Entstehung
dieser Schrift, über den damaligen chines.
Buddhismus u. a. handelt.
Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

S a t o m i, Kisbio: Ein neues Licht aus Osten, der Nitschirenismus.

Aus dem Englischen übers, von Küthe Franke. Berlin: (Schmitz
u. Bukofzer [; BerlinSW. 11, Königgrätzer Str. 87: Käthe Frankel)
1024. (55 S.) kl. 8°. Rm. 1—.

„Auch die Liebe ist ein wundervoller Begriff.
Nichtsdestoweniger ist Liebe dem ausgesetzt, sich selbst
bis auf eine verwandte Tugend einzuschränken. Sehr
oft birgt Liebe, als Erzeugnis des Gefühls, einen egoistischen
Sinn. Wenn A. B. nicht mag, wie kann er
B. lieben? Immer bleibt als unleugbare Tatsache bestehen
: ,Ich liebe ihn, weil ich ihn leiden mag' und
ebenso ,Ich liebe sie nicht, weil ich sie nicht leiden
mag'. Geringe Macht hat Liebe vor Mißfallen" (S. 21).
— Es gibt dunklere Sätze in dem kleinen Heft als die
hier als Kostprobe ausgeschriebenen. Ob das an dem
japanischen Autor, ob's an der deutschen Übersetzerin
liegt? Oder aber: „Von ungefähr mußt' einen Blinden
ein Lahmer auf der Straße finden"? —

Nitschiren (1222—1282) ist ein berühmter Bonze,
der gefeierte Begründer einer sehr populären Schule des
japanischen Buddhismus, „der japanische Luther", wie
ihn der auch bei uns bekannte japanische Prediger
Utschimura genannt hat. In einem Japaner der Gegenwart
, Chigaku Tanaka, hat er seinen späten Apostel
gefunden. Diesem hinwiederum will Kishio Satomi in
Europa sich zum Interpreten machen. Das Verdienstliche
seiner gutgemeinten Publikation liegt darin, daß sie
unsere Aufmerksamkeit auf eine religiöse Bewegung
chauvinistischen Charakters in seinem Vaterlande lenkt,
über die uns in Deutschland zu unterrichten Superint.
D. Schiller in Kyoto der rechte Mann sein möchte.
Diese Bemerkung will ihm Anregung sein.

Leipzig. H. Haas.

Masani, R. P., M. A.: The Conference of the Blrds. A

Sufi allcgory Oeing an abridged Version of Farid-ud-din Attar's
Mantig-ut-tayr. London: Oxford Universitv Press 1024. (XI,
128 S.) 8°. " geb. sh. 6/—.

Das allegorische Dichtwerk des persischen Sufi,
das R. P. Masani, ein mir bisher nicht bekannt gewesener
Autor, hier in Auszügen und in ziemlich freier
Version englisch darbietet, ist uns — und das unverkürzt
— seit 1863 schon durch Garcin de Tassys französische
Prosaübertragung zugänglich. Die „Vogelgespräche
" — die Vögel symbolisieren die Sufi-Pilgrime
— sind bekanntlich das berühmteste von allen Werken
des großen Dichters Ferideddin Attar (1119—1230).
Seine Grundidee haben wir im Abendlande in Bunyans
„The Pilgrim's Progress". Den ins Englische übersetzten
, wo nötig mit erläuternden Anmerkungen versehenen
, Exzerpten geht (S. 1—46) eine Einführung
voraus, die sich — hauptsächlich auf Reynold Nichelson,
also auf einen wirklichen Kenner, gestützt — über die
persische Mystik, ihr Wesen, ihre Ursprünge und ihre
Entwicklung, ausläßt. Biographische Notizen über den
Dichter, etwas über 3 Seiten, sind als Anhang an den
Schluß gestellt. Den Anspruch, als wissenschaftliche
Leistung gewertet zu werden, erhebt das Werkchen
wohl nicht.

Leipzig. H. Haas.

Bruppacher, Pfarrer Dr. Hans: Die Beurteilung der Armut
im Alten Testament. Zürich: Verlag SeldVyla 1924. (XII, 120S.)
gr.8°. Rm. 4—; geb. 5.20.

Die Arbeit stellt einen Beitrag zur Geistesgeschichte,
nicht zur Wirtschaftsgeschichte Israels dar. Nicht den
objektiven Gründen wirtschaftlich - sozialer Mißstände
in Israel will der Verf. nachgehen, sondern der
subjektiven Seite der Sache. Er stellt und beantwortet
die Fragen, welchen Eindruck die Armut auf den
Israeliten gemacht habe (I. Der Eindruck von der Armut
im A. T. S. 1—44); wie die im A. T. vorliegende
Beurteilung der Armut zu erklären sei (II. Die Motive
der alttestamentlichen Armutsbeurteilung S. 45—95);
worin das A. T. die Ursachen der Armut gesucht habe
(III. Die Ursachen der Armut nach dem Urteil des
A. T. S. 96—118). Die auf die einzelnen Fragen und
Unterfragen gegebenen Antworten (Die Armut unter
allen Umständen ein Übel; keine positiv-asketische Wertung
der Armut; Zusammenhang der Vorliebe Jahwes
für die Geringen und Armen mit seinem Kampf gegen
die Trotzigen und Stolzen usw.) sind durchweg zutreffend
und lassen erkennen, daß der Verf. nicht nur
mit der hier inbetracht kommenden gelehrten Literatur
vertraut ist, sondern auch über ein eigenes Urteil verfügt
. Das letztere zeigt sich namentlich in seiner Auseinandersetzung
mit Max Weber und Troeltsch,
die des öftern soziologisch-wirtschaftliche Faktoren in
Ansatz bringen, wo in Wahrheit religiös-ethische Motive
wirksam sind. Auch in der Exegese von Stellen, die
für den Gegenstand besonders wichtig sind, legt der
Verf. gesunden Sinn für das Schlichte und Natürliche an
den Tag; gekünstelte und spitzfindige Ausführungen
(S. 108—110) treten dem gegenüber zurrück. —

Aber die Arbeit hätte straffer und damit wirkungsvoller
aufgebaut werden können. Teil III hätte mit
Teil I als Darstellung des im A. T. vorliegenden Tatbestandes
zusammengefaßt werden sollen, und in einem
zweiten Teil hätte dann die Erklärung für diesen Tatbestand
aus dem Lebensideal und der Gottesvorstclhmg
des A.T. heraus gegeben werden müssen. Sodann ist die
bedeutsame Wandlung in der Beurteilung der Armut,
wie sie im Verlauf der isr.-jüd. Geschichte — um die
Zeit des Exils herum — eingetreten ist, wohl berücksichtigt
(I, 3 Die Armutsauffassung im Volke Israel im
Wandel der Zeiten), aber bei weitem nicht genügend ge
würdigt. Hier bleibt die Arbeit hinter Graf Bau-
dissins Aufsatz „Die alttestamentliche Religion und
die Armen" (Preuß. Jahrb. 1912), der sonst gebührend
gewertet und benutzt wird, zurück. Schließlich hätte der
Verf. es nicht nötig gehabt, die Zitate in der Regel nach
Kautzsch zu geben. Er verfügt offenbar über eine so
gute Kenntnis des Hebräischen, daß er sich getrost mit
seiner Übersetzung hätte hervorwagen können. Aber
diese Wünsche sollen die Tatsache nicht verdunkeln, daß
die vorliegende Arbeit, wohl eine Erstlingsarbeit, Anerkennung
und Dank verdient.

Halle (Saale). Otto Eißfeldt.

Draguet, D. Rene: Julien d'Halicarnasse et sa controverse
avec Severe d'Antloche sur rincorruptibilite du corps du
Christ. Etüde d'histoire litteraire et doctrinale suivie des Fragments
dogmatiques de Julien. (Texte syriaque et traduetion grecque.)
Louvain: P. Smeesters 1924. (XI, 276 u. 79 S.) gr. 8°. = Uni-
versitas catholica Lovaniensis, II, 12. Fr. 30—.

Die auf S. 3 u. 4 dieses Buches gedruckte Liste
der 55 Abhandlungen aus den Jahren 1841—1904, die
in der series prior der Löwener theologischen Doktordissertationen
geboten werden, weist unter den Verfasser
-Namen u. a. die dreier Gelehrten auf, die um die
Erschließung der syrischen Literatur sich anerkannte
Verdienste erworben haben: Th. J. Lamy (Nr. 9; 1859),
J. B. Abbeloos (Nr. 19; 1867) und J. B. Chabot (Nr
44; 1892). Von den Autoren der 1905 einsetzenden, mit
dem oben genannten Buche bis zu „Tomus 12" gelangten
series secunda ist schon J. Lebon (II, 4; 1909)
in die Fußstapfen dieser Männer getreten. Seine, bei