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Ausgabe:

1925 Nr. 1

Spalte:

14

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bürckstümmer, Christian (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte. 30. Bd 1925

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 1.

14

Und auch das Joh.-Ev., das durchaus geistige Schöpfung
, nicht nur Wiedergabe von Tradition enthält, ist
doch mit dem Ausdruck „Panlogismus" (S. 350) viel
zu theoretisch charakterisiert. Solange D. in der Beurteilung
der urchristlichen Literatur bei dieser Position
beharrt, scheint mir eine Auseinandersetzung mit ihm
über die Konsequenzen dieses Urteils aussichtslos.

Es ist darum auch nicht die Absicht dieser Anzeige,
zum soundsovieltesten Male in eine Diskussion von
Einzelheiten einzutreten; ich wollte dem Leser vielmehr
Vorstellung von dem Inhalt des Buches geben und D.
durch Würdigung des Werkes im Zusammenhang seiner
anderen Arbeiten Gerechtigkeit widerfahren lassen. D.
schmeichelt sich, daß seine Idee der „Gedanke der
Zeit'' sei, der nach Hermann Linggs Vers „trotz allem
Widerspruch ewig wiedergeboren" werde; ich bin überzeugt
, daß spätere Geschlechter der Argumentation des
Karlsruher Philosophen und der „Drews-Debatte" überhaupt
nicht im mindesten eine solche ein Zeitalter tragende
Kraft zuerkennen, ihr aber den Charakter eines
bezeichnenden Zeit-Exponenten nicht versagen werden.
Heidelberg. Martin Dibelius.

Blätter für württembergische Kirchengeschichte, im Auftrag
des Vereins für Württemberg. Kirchengeschichte herausgeg. von
Dr. Julius Rauscher, Stadtpfarrer in Tuttlingen. Neue
Folge XXVI11: Jahrg. 1924. Heft 1 u. 2. Stuttgart: Chr.
Scheufeie 1924.

In das Mittelalter führt die große Abhandlung von
G. Hoffmann „Zur kirchlichen Geschichte des Bezirks
Gaildorf". Er zeigt, daß der Bezirk bis zur Einwanderung
der Franken ein unbewohntes Waldland
war und erst allmählich christianisiert wurde. Genau
behandelt er den Einfluß der Hirsauer Bewegung. Sehr
verdienstlich ist die Verwendung der Flurnamen für unsere
Kenntnis des Reichtums an Kirchengebäuden am Schluß
des Mittelalters. Wenig bedeutend für Württemberg
sind die Beiträge von Hans Christ „Die politischen
Skulpturen des Straßburger Münsters und ihre Einwirkung
auf Schwaben", eigentlich nur eine Besprechung
von Otto Schmitts zweibändigem Werk über die
gotischen Skulpturen des Straßburger Münsters. Nicht
recht verständlich ist die Aufnahme der Abhandlung von
Otto Seriba über Wimpina in den Bl. f. w. KG., da
sie rein nichts für Württemberg bietet. Scriba gibt auf
Grund einer Wimpfener Urkunde einiges Neue zur
Lebensgeschichte und Charakteristik Wimpinas. Sehr
zweifelhaft ist S. 151 seine Annahme einer Reise desselben
von Frankfurt a. O. zur Teilnahme an den Disputationen
in Leipzig während Luthers dortigem Aufenthalt
im Spätsommer 1512. Ref. gibt ein Lebensbild
von „Markus Heiland", Reformator von Calw, gelehrter
Pfarrer ohne Universitätsbildung, die viel Neues für den
nicht unbedeutenden Mann, seine Bildung, seinen
Aufenthalt im Kloster, seine Beziehungen zu Pellikan,
seine Tätigkeit als Pfarrer in der Umgebung von Basel,
seine Anstellung in Württemberg bietet. Eine fast aufregende
Arbeit gibt Pf. Fritz mit der Abhandlung
„Jon. Jak. Rues, ein pietistischer Seelsorger und seine
Schicksale unter Herzog Karl Alexander". Der Dürrmenzer
Pfarrer ist ein sehr eifriger Seelsorger, der
aber in die Gefahr eines unzarten treiberischen Wesens
gerät." Schmerzlich ist das Bild der religiösen Unwissenheit
und der sittlichen Zustände der Gemeinde
und der Eingriff des katholisch gewordenen Herzogs
Karl Alexanders in die Angelegenheiten der evangelischen
Kirche auf Grund der Anklage eines schlechten
Amtmannes und seines Anhangs gegen den Pfarrer,
der auf eine andere Pfarrei versetzt wird, weil das Konsistorium
nicht genug Mut hat, den Willen des Herzogs
abzuweisen. Sehr wertvoll ist die große Arbeit von
Prälat D. K o 1 b „Zur Geschichte der Generalsuperintendenten
und des Synodus". Er zeigt den ganzen Entwicklungsgang
der Generalsuperintendenz, die zuerst
recht unbedeutend war und erst im Lauf des 19. Jahrhunderts
zu einer Bedeutung kam, während nach der

neuesten Kirchenverfassung die Generalsuperintendenten
Mitglieder der Oberkirchenbehörde geworden sind. Der
Synodus, die durch Zusammentritt der Generalsuperintendenten
mit dem Konsistorium zu ein- oder zweimaligen
Sitzungen des Jahrs gebildete hohe Kirchenbehörde
, hat die Fehler und Mängel der Kirche und
ihrer Diener und der Gemeinden zu behandeln und
den Kampf mit den Sektierern, im 16. Jahrhundert vorzüglich
mit den Wiedertäufern, im 18. mit Papisten, Reformierten
und Separatisten zu betreiben. Sehr schön
ist der Mut des Synodus gegenüber dem katholischen
Herzog Karl Alexander. Einen Nachtrag zu seinen Mitteilungen
„die Stiftsakten über David Friedrich Strauß"
gibt Prof. D. T r a u b aus dem Briefwechsel von Strauß
und Steudel, der dessen Unschuld an der Entlassung
von Strauß aus dem Stift und von Tübingen beweist.
Stuttgart. O- Bossert.

Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte, begr. v. D. Theodor
v. Kolde, fortgef. v. D. Hermann Jordan unt. stand. Mitw. v.
Prof. Dr. Beckmann u. a. hrsg. v. Prof. D. Dr. Christian
Bürckstümmer. 30. Bd. Erlangen: Junge & Sohn 1923.
(46 S.) gr. 8°. Gm. —70.

Unter dem Druck der Zeit konnte der 30. Band der
B. B. K. G. nur mit 46 S. ausgegeben werden und bildet
zugleich den Abschied des am 11. April 1924 verstorbenen
Herausgebers. Die Aussicht auf ein neues Konkordat
Bayerns mit dem römischen Stuhl gibt der Arbeit
des vor 2 Jahren verstorbenen früheren Herausgebers
Hermann Jordan „Das bayerische Konkordat
und die Protestanten im Jahr 1818" eine besondere
Bedeutung. Jordan schöpft aus den amtlichen Quellen
in so umfassender Weise, wie dies noch keine Darstellung
tun konnte. Er zeigt, wie „die Aktion der
Protestanten nicht einer allzugroßen unberechtigten
Besorgnis entsprang, sondern eine in den Verhältnissen
liegende Notwendigkeit war", welche eine starke,
aber willkommene Wirkung auf die Regierung ausübte.
Er zeigt, wie die erste Anregung zum Kampf für die
durch das Konkordat bedrohte Parität der Konfessionen
von Anselm von Feuerbach ausging, dann aber von dem
Nürnberger Dekan Veillodter besonders stark betrieben
wurde. Sehr schön ist die Arbeit von C1 a u ß „Ein
Kirchenbau Ottos von Bamberg im Altmühlgau" mit
der genauen Beschreibung der Kirche von Pfofeld.
Unhaltbar ist die Annahme der Herkunft Ottos von
Mischelbach, wie Seefrier wollte. Clauß kennt nicht die
j große Abhandlung des Referenten über die Herkunft
I Ottos in den Württb. Vierteljahrsheften 1883, 93—102,
297—304. Alle alten Quellen nennen Schwaben als
die Heimat Ottos. S t ö 1 z 1 e gibt einen Brief Wessen-
bergs an den Würzburger Professor Überthür, der beweist
, wie sehr Wessenberg die wissenschaftliche Hebung
des Klerus am Herzen lag. Beyschlag behandelt
den Ausdruck „Fremde und Kunden", der sich auch
in den Nibelungen findet. Er zeigt, daß den Waldesiern
die rechtgläubigen Katholiken als Fremde galten, ihre
Genossen als Kunden d. h. bekannte. Zu der Inschrift
des alten aus Landau verschwundenen Kelches ist noch
zu bemerken, daß „Maria Selbdritt" auch so dargestellt
wird, z. B. in Weilheim bei Kirchheim, daß Maria auf
dem Schoß von Anna sitzt und Jesus im Arm hat.
Stuttgart. Q. Bossert.

Mirbt, Carl: Quellen zur Geschichte des Papsttums und des
römischen Katholizismus. 4., verb. u. wsentl. verm. Auflage.
4 Lfgn. Tübingen: J. C. B. Mohr 1924. (XXXII, 650 S.) 4".

Gm. 14.40; geb. 17—.

Über dieses allgemein nicht nur als nützlich, sondern
als unentbehrlich anerkannte, mit größter Sach-, Quellen-
und Literaturkunde gearbeitete musterhafte Buch braucht
denke ich in diesen Blättern nichts weiter gesagt zu
werden, als daß die 4. Auflage mit Recht eine verbesserte
und wesentlich vermehrte genannt wird. Die Vermehrung
geht besonders in der Richtung, neben dem
Papsttum auch den gesamten Katholizismus in seinen