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Ausgabe:

1925 Nr. 1

Spalte:

9-10

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Groot, Johannes de

Titel/Untertitel:

Die Altäre des salomonischen Tempelhofes. Eine archäologische Untersuchung 1925

Rezensent:

Galling, Kurt

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9

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 1.

LO

die oft kühnen Kombinationen bleiben innerhalb der
Schranken, die dem Historiker gezogen sind, und endigen
ebenso oft mit dem Bekenntnis des Ignoramus. So
zahlreich auch die Vermutungen sind, dennoch häuft er
nicht eine auf die andere, um ein Kartengebäude zu errichten
, das zusammenstürzen muß, sobald sich der
Boden als nicht tragfähig erweist, sondern er kehrt,
auch wenn er sich einmal in luftige Höhen verirrt hat,
regelmäßig und schnell wieder zur Tradition zurück,
sodaß man ihm bis zuletzt willig folgt und den vielfältigen
Reiz ungeahnter Ausblicke dankbar genießt.
Die Sprache ist klar, oft geistvoll und fein pointiert.
Berlin-Schlachtensee. Hugo Oreßmann.

Groot, Pfarrer D. Johannes de: Die Altäre des salomonischen
Tempelhofes. Eine archäologische Untersuchung. Stuttgart: W.
Kohlhammer 1924. (VII, 88 S. m. 9 Abb.) gr. 8°. = Beiträge zur
Wissenschaft vom A.T., N.F., Heft 6. Gm. 3.60.

Die These der Untersuchung, daß auf dem salomon.
Tempelhof zwei Altäre gestanden haben, ein kleiner
eherner unmittelbar vor dem Eingang des Tempels (im
Folgenden mit dem Siegel: kl. e. A. abgekürzt) und ein
großer „in der Mitte des Vorhofs", wird in drei Kapiteln
(die Zahl der Altäre, der kleinere Altar, der größere
Altar) mit Einbeziehung einer Fülle altorientalischer
Parallelen dargelegt. Daran schließen sich Bemerkungen
über das Altargesetz (Ex. 20), die religiöse Bedeutung
der beiden (salomon.) Altäre, die Treppe des Ahas-
Altars und die Hörner.

Die Beweisführung des Verf. geht von 2. Reg.
12, 10 aus, wo gesagt wird, daß die Geldlade des
Priesters Jojada aufgestellt sei „rechts neben dem Altar,
wenn jemand in den Tempel Jahwes hineinging". Dieser
Altar wird in 2. Reg. 16 vorausgesetzt. König Ahas
läßt einen neuen Altar (nach assyrischem Muster) anfertigen
, den er bei seiner Rückkehr von Damaskus im
Tempelhof vorfindet und auf dem er opfert. Den
kl. e. A., „der vor Jahwe stand", läßt er „von der
Vorderseite des Tempels, von der Stelle zwischen dem
(neuen) Altar und dem Hause Jahwes" fortrücken und
spätei vernichten (v. 15).

Die Existenz des kl. e. A. ist danach unbestreitbar,
aber der Beweis für das Vorhandensein des größeren
(salomon.) „Brandopfer"-altars, das de Groot mit der
bisherigen Forschung annimmt, scheint mir nicht erbracht
.

Nach 1. Reg. 8,64 ist Salomo der kl. e. A„ wenigstens
für das feierliche Einweihungsfest, zu klein und
er „weiht" deshalb „die Mitte des Vorhofs", d. h. wohl
die heutige sahra. Daraus folgt einmal, daß diese
Stelle — von den Israeliten— vordem nicht als Opferplatz
benutzt wurde, sonst wäre das „Weihen" sinnlos; I
mithin kann der vorauszusetzende davidische Altar nicht
auf der sahra gestanden haben, die Tenne Araunas
(2. Sam. 24, 25) nicht die sahra gewesen sein. Eher
könnte man nach 2. Sam. 6, 13 auf eine Identität des
davidid. Altars mit dem kl. e. A. schließen (so Groot,
S. 27, der nach S. 28 und 31 zwei davidid. Altäre anzunehmen
scheint), oder an eine Ablösung eines (steinernen
) davidid. Altars durch den (salomon.) kl.e. A.
denken.

Zum Andern ist der Ausdruck qiddas zu beachten.
Von einem Altar bau, den man immer aus dem Text
(veranlaßt durch 2. Chron. 4, 1) herausgelesen hat, ist
keine Rede. Unter Salomo besteht also nur e i n Altar,
der kl.e.A., und die (wohl nur bei der Einweihung benutzte
) „geweihte" sahra. Der Reihenfolge West-Ost:
Tempeleingang, kl. e. A„ sahra unter Salomo entspricht
die unter Ahas: Tempeleingang, kl.e.A., neuer Altar.
Daß der (neue) Ahas-Altar auf der sahra gestanden
hat, der dann durch die nachexil. Altäre abgelöst
wurde, ist allgemein anerkannt. Der kl.e.A. ist unter
Ahas verschwunden, und wir haben fortan, wie unter
Salomo, nur einen Altar, dessen Standplatz sich jedoch
unter Ahas verändert hat.

Das Neue der These Groots, der Nachweis des
kl. e. A„ scheint mir zwingend bewiesen, während ich
sie als Ganzes aus den oben dargelegten Gründen ablehne
.

Von untergeordneter Bedeutung ist die Frage nach dem Erbauer
des kl. e. A., den ich in Salomo sehen möchte, einmal, weil ein Altar
(vgl. 1. Reg. 7, 13) für die Zeit Davids (nach Groot, 28 aus Silo!)
wenig wahrscheinlich, und in l.Rg. 9,25 von einem Altarbau Salomos
die Rede ist. Dem Chronisten (2. Chr. 6,13), der die ursprünglichen
Maße noch zu kennen scheint, waren diese für einen Altar zu klein,
weshalb er absichtlich ungenau von einem kijor spricht.

Für verfehlt halte ich die Aufnahme der Hypothese Kittels
(S. 54 ff ), daß der Ezechiel-Altar (oder gar der Ahas-Altar) etwas
mit den babylonischen Stufentürmen zu tun hat, da man nicht auf
ihnen opferte, sondern dazu besondere Altäre neben den Zikkurats aufstellte
. Eher wird man für den Ezechiel-Altar und die nachexilischen
Altäre an persische Altarterassen denken müssen, wenn man nach
Vorbildern sucht (vgl. meine demnächst erscheinende Arbeit über den
„Altar in den Kulturen des alten Orients"). Die stufenförmige Gliede-
rung ist auch ohne dies als architektonische Notwendigkeit für einen
5 m hohen Würfel verständlich.

Für bedenklich halte ich es, aus dem Mythos von Gen. 15 auf
transportable Öfen und Altäre (S. 23), nicht minder, aus Ex. 20 auf
drei Arten von Altären (solche aus Erde, aus Stein und „doch wohl
auch" aus Erde und Steinen) zu schließen (S. 63).

Bei der Behandlung des Hörnerproblems (S. 76 ff.) hätte eine
Auseinandersetzung mit der These Greßmanns (Die Ausgrabungen in
Palästina und das A.T. 1908, S. 28), daß die „Hörner" Masseben
seien, nicht fehlen dürfen.

Die anregende und in der Zusammenstellung der
altorientalischen Funde wertvolle Untersuchung de
Groots, der seine archäol. Studien mit einer bisweilen
zu wenig beachteten Arbeit über die „Palestijnischen
Masseben" 1913 einleitete, mag aufs Neue beweisen,
wie wichtig für den Alttestamentier die orientalische
Archäologie sein kann und soll.

Berlin. K. Galling.

Beyer, Alexander: Der Menschensohn. Christusstadien. Berlin:
Der Weiße Ritter Verlag 1923. (48 S.) gr. 8". = Bausteinbücherei
, Heft 9. Gm. —60.

Die Schrift sucht im Leben Jesu verschiedene Stadien
und Wandlungen nachzuweisen: vor der Taufe ein
Stadium des selbstgerechten Judentums (das als Anti-
christentum zu gelten hat), nachher die Stadien der dionysischen
, der revolutionären, der mystischen Frömmigkeit
. Wissenschaftlich ist sie nicht, will sie auch nicht
sein; es sei unmöglich, über die Richtigkeit des Endresultats
zu streiten, weil jeder Einzelne nur das
Christusbild hat und haben kann, das seiner eigenen Art
entspricht. Die Vorfrage nach der Geschichtlichkeit
Jesu wird nicht erörtert, weil die einfache Tatsache genüge
, daß „hinter den als von Jesus überlieferten Aussprüchen
eine geschichtliche Persönlichkeit stehen muß,
weil sonst eben jene Aussprüche nicht vorhanden
wären". Natürlich wird dann mit dem Material der
Evangelien beliebig operiert. Immerhin bietet das glatt
geschriebene Heft wenigstens manche anregende Gedanken
; auch ist es als Symptom für die Art, wie Nicht-
fachmänner sich mit dem Problem Jesus auseinandersetzen
, von Interesse.

Breslau. M. Schi an.

Drews, Arthur: Die Entstehung des Christentums aus dem
Gnostizismus. 1. u. 2. Tausend. Jena: E. Diederichs 1924.
(II, 389 S.) gr. 8°. Qm. 8—; geb. 10-.

Seit dem Erscheinen der beiden Bände seiner
„Christusmythe" 1910/11 hat Arthur Drews an der
Ausgestaltung seiner Anschauungen von der Entstehung.,
des Christentums unablässig gearbeitet. Er hat mit der
Methode gebrochen, die historischen Fragen bloß mit
der These von der Nichtexistenz Jesu zu konfrontieren,
er hat angefangen sie um ihrer selbst willen zu prüfen
und zu diesem Zweck Quellen und Darstellungen
— auch solche der verachteten Theologen — zu lesen
und eifrig zu benutzen. Er hat aber vor allem dem
Eklektizismus seiner früheren Jahre, der bedenkenlos
alles annahm, wenn es nur gegen die Geschichtlichkeit