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Ausgabe:

1925 Nr. 9

Spalte:

215

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wenzl, Aloys

Titel/Untertitel:

Das Verhältnis der Einsteinschen Relativitätslehre zur Philosophie der Gegenwart, mit bes. Berücksichtigung auf d. Philosophie d. Als-Ob 1925

Rezensent:

Winkler, Robert

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215

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 9.

216

Blick. Ruhig und sicher schreitet der Gedanke weiter.
Um so lebendiger gestaltet sich die innere Größe der
Glaubensgewißheit. Charakteristisch tritt ihre Souveränität
hervor: „der unüberbietbare Wert der christlichen
Weltanschauung" soll deutlich werden. Nichts wird angeschmeichelt
oder angeglichen. Der Glaube bewahrt
Ernst und Wucht seiner überragenden Wahrheit, und er
bewährt sie im Zusammenhang der Idee der Menschheit
, die dem Blick (wie Stange mit Recht betont) ungeahnte
und unendliche Horizonte frei gibt. Die Weltanschauung
im engeren Sinn, Erörterung über Grund
und Sinn der Welt steht voran. Von hier aus haben die
Fragen der Lebensauffassung ihre eigene Wahrheit.
Das Wesen des persönlichen Lebens wird charakteristisch
umgrenzt und das schwierige Problem Seele und
Leib. Besonders wertvoll ist, daß nicht nur diese allgemeinen
Umrisse gezogen sind, sondern daß auch die
Problematik, die den Menschen wieder und wieder bedrängt
, umsichtig dargestellt ist: Schicksal und Freiheit
, und das Ende der Dinge. Diese ruhige und vornehme
Art der „Apologetik" d. h. der inneren Auseinandersetzung
mit den Fragen der Zeit ist vorbildlich.
Heidelberg. Willy I.üttge.

Wenzl, Dr. Aloys: Das Verhältnis der Einsteinschen Relativitätslehre
zur Philosophie der Gegenwart, mit bes. Rücksicht
auf d. Philosophie d. Ais-Ob. München: Rösl & Cie. 1924.
(162S.) 8°. -= Bausteine zu einer Philosophie des „Als-Ob", 9. Bd.
Die Abh. bietet keine — auch nicht zusammenfassende — Darstellung
der Relativitätstheorie. Unter Voraussetzung völliger Vertrautheit
mit dem Wesentlichsten ihres mathematisch-physikalischen Apparats
wird ihre philosophische Tragweite untersucht. In Auseinandersetzung
mit der Philosophie des Ais-Ob, dem Positivismus und Aprio-
rismus gestaltet sich als Resultat: Die Theorie Einsteins will nicht
bloß unter bewußtem Verzicht auf Erfassen des Wirklichen die Welterfahrungen
zwecks besserer Überschau und leichterer Beherrschung
möglichst einfach zusammenordnen, sondern vielmehr durch Wegräumen
auch der letzten subjektiven Bedingungen einen Blick in die
Wirklichkeit vermitteln. Sie will nicht Fiktion, sondern Hypothese
sein. So bekommt sie metaphysische Bedeutung. Die S. 144 ff. angeführten
Sätze aus der Relativitätsliteratur nebst der angedeuteten
eigenen Stellungnahme des Verf. sind typische Beispiele für die Neu-
einstcllung der Naturwissenschaft zur Metaphysik, wie sie gerade durch
die Einstein'sche Theorie mitherbeigeführt worden ist. Wie die Abhandlung
bei solchen Ergebnissen ein Baustein zur Philosophie des
Als-Ob mit ihrem Fiktionalismus und ihrer Metaphysikfeindschaft
sein soll, ist mir unerfindlich.

Heidelberg. Robert W i n k 1 c r.

Bau mann, Konsist.-Rat Lic. theol. Eberhard: Alte Prophetenstimmen
in neuer Zeit. Jesaja in unsrer Gegenwart. Zehn
Predigten. Halle: C. Ed. Müller 1923. (85 S.) 8°. Rm. 1.50.

Den Propheten Jesajas mit seinen gewaltigsten Worten
in unsere trübe Gegenwart zu setzen, um von ihm,
der in ähnlicher Lage war, sich weisen zu lassen in
unserer Not und Sorge um die Zukunft unseres Volkes,
ist gewiß eine Aufgabe, die sich lohnt. Der Verfasser
dieser Predigten hat mit großem Geschick solche Worte
ausgewählt, die unserer Zeit besonders zu sagen haben,
doch sind auch einige Predigten (über 6,1—8; 2,12
bis 22; 7,2—9 und 1,2—6) vor dem Kriege gehalten,
wirken aber vielleicht ebenso nachhaltig wie die anderen
, die nach dem Friedenschluß gehalten sind. Besonders
möchte ich die beiden Predigten 7, 2—9 (Glaubet
ihr nicht, so bleibet ihr nicht) und über 1,2—6 (Gottes
Prozeß mit seinem Volk) hervorheben. — Die Ausführungen
in allen Predigten sind feinsinnig und bleiben
nicht an der Oberfläche haften, auch ist die Form der
Predigten eigenartig, aber ganz dem Inhalt entsprechend.
Man kann sich denken, daß die Zuhörer den Wunsch
gehabt haben, die Predigten auch in der Stille noch
einmal zu lesen und durchzudenken. Den Mitgliedern
der theologischen Fakultät zu Halle haben aber diejenigen
, welche sie nicht gehört haben, zu danken, daß

sie den Verfasser zur Herausgabe bewogen haben, denn
man wird sie mit Gewinn für das innere Leben studieren
.

Das Vorwort geht auf die Frage alttestamentlicher
Predigten in der evangelischen Kirche ausführlich ein.
Man kann dem Verfasser in seinen gesunden Grundsätzen
nur beistimmen, wenn sich auch etwas dabei
offenbart, daß er auf einer reformierten Kanzel predigte
. Alles in allem eine sehr erfreuliche Gabe, die
viel Anregung und Förderung bietet.

Ahlden/Aller. E. W. Bussmann.

Conrad, Geh. Ob.-Konsist.-Rat Pfarrer Dr. Paul: Freude und Friede.
Evangelische Zeugnisse. Berlin: Verlag der Schriftenvertriebsanstalt
1924. (220 S.) 8». geb. Rm. 5—.

Conrads Predigtweise ist aus seinen früheren Veröffentlichungen
bekannt. Kurze, knappe Sätze in ruhigem
Fortschritt, meist ausgehend von einem allgemeinen
Satze oder einer bekannten Tatsache, führen den Hörer
aut die Höhe, wohin der Prediger zu bringen wünscht.
Die Sprache ist gedrungen, kein überflüssiges Wort.
Es scheinen allerdings diese Predigten einzeln vorher
zum Lesen verbreitet zu sein, denn jede umfaßt grade
vier Seiten, zu Anfang steht ein Lied, zum Schluß ein
kurzes Gebet. — Sehr ausführlich geht der Prediger
auf die besonderen Nöte des letzten Jahres und auf alle
Schäden unserer verwirrten Zeit ein, scheut auch starke
Worte nicht. Obwohl er öfters betont, daß auf die
Kanzel keine Politik gehöre, scheint er mir doch nicht
überall diesem Grundsatze treu geblieben zu sein, vielmehr
manchmal seinem patriotischen Temperament zu
sehr nachgegeben zu haben. An einigen Stellen kann
man leicht erkennen, daß er einer bestimmten Partei
angehört und andere schilt. Doch sind es Ausnahmen,
im Ganzen führt er vom Zeitlichen zum Ewigen und
weiß zu erbauen. Die Predigten werden von vielen mit
Freude begrüßt werden, da sie nicht nur einfach und
klar sind, ohne je trivial zu werden, sondern auch zur
Klarheit verhelfen können, und so wird der Wunsch des
Verfassers wohl Erfüllung finden, daß aus ihnen den
Leser etwas anweht von Freude und Frieden.

Ahlden/Aller. E. W. Bussmann.

Vor kurzem erschien:

A. E. Biedermann

in der neueren Theologie

Von

Lic. Theodor Odenwald

Privatdozent an der Universität Heidelberg
Inhalt:

I. Die Theologie Biedermanns in ihrer systematischen
Abzweckung: 1. Das theologische Werden. 2. Das Werk.

II. Die theologische Position Biedermanns unter besonderer
Berücksichtigung seiner Frage nach dem Wesen
der Religion. 1. Die Erfassung des Wesens der Religion.
2. Das Wesen der Religion nach der Auffassung Biedermanns
. 3. Die Ergebnisse für Biedermanns theologische
Position. Die Bedeutung Biedermanns für die Theologie.

Die Schrift will über das theologische Werk Biedermanns
Licht und Schatten aufs neue verteilen. Dies ist
notwendig, denn die Geschichtsschreibung hat Biedermann
in eine isolierte Stellung gezwängt, und der Gang der theologischen
Entwicklung ging Wege, die das Werk Biedermanns
als Petrefakt in der Geschichte der Theologie erscheinen
ließen. Mit dem Umschlag dieser Entwicklung
dürfte das Urteil über Biedermann einer Nachprüfung unterzogen
und seine Bedeutung für die Theologie anders gesehen
werden.

_119 Seiten. 8°. Rm. 2—._

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 16. Mai 1925.
Beiliegend Nr. 9 des Bibliographischen Beiblattes.

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