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Ausgabe:

1925

Spalte:

206-207

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Troeltsch, Ernst

Titel/Untertitel:

Christian thought, its history and application 1925

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

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Hermann von Salza mehr als glänzender Diplomat, der
als Vermittler zwischen Kaiser und Papst langst anerkannt
ist, statt als wirklich schöpferischer Staatsmann zu

gespannten Chiliasmus erschütternd offenbarte, durch
das Abflauen der chiliastischen Stimmung im ganzen
Volke und durch die zunehmende Verkirchlichung des

werten ist. Es bleibt mir zweifelhaft, ob ihm wirklich Quäkertums. Isaac Penington ist der erste, welcher
ein absolut klares Ideal für seinen Ordensstaat vor i kabbalistische Gedanken zu dem apologetischen NachAugen
stand. ! weis verwendet, daß das Innere Licht kein bloß na-
Mfcwter i. W. O. Grützm acher. türliches sei, wie die Gegner behaupteten. George

__________......____._______________. j Keith, der frühere Theologe und Hebraist, hat dann

_ . . CJ . ». , p. „. . n ... . , mit dem größten Geschick die quäkerische Doktrin um-

Grubb, Edward, M. A. : Das Wesen des Quäkertums. Jena: <rph;]Hpt b,. . kabbalistisch-mvstischen Svstem in
Eugen Diedcrichs 1923. (239 S.) 8». i gebildet zu einem xaooausascn mysuscnen oysrem, in

%.. , „ , , , D , . , . . , . welchem die christlichen Elemente zwar auch vorkommen,

Edward Grubb s Buch ist, wie er in der Vorrede aber a,g unwesentlich hingestellt werden. Die berühmte
bemerkt, „seit vielen Jahren, ja vielleicht seit zwei Jahr- . A , ie des Quäkertums von Robert Barclav, auf deren
hunderten, der erste Versuch, in zusammenhangenden Abfassun„ er nachweislich den größten Einfluß gehabt
Lmrissen die religiösen Ansichten und Gebrauche der , nat M pjn treues Spiegelbild seiner ideen. Nur die
„Oesellschaft der Freunde" zu schildern und zu zeigen kabbalistische Metempsychosislehre haben die Quäker
in welch lebendiger Beziehung sie zu dem Kernpunkt nicht yon ihm übernehmen wollen Als sie es später
ihres Glaubens - dem Inneren Licht - stehen . Es h abIehnten seinem Drängen auf ein offizielles -

natürlich in seinem Sinne abgefaßtes — Glaubensbekenntnis
nachzugeben, trat er aus dem Quäkertum aus,
wurde Pfarrer der anglikanischen Kirche und fanatischer

ist in der Tat vorzüglich geeignet, dem Leser einen
Begriff davon zu geben, wie die heutige Generation der
Quäker innerlich eingestellt ist. Ausgehend von dem

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Grunderlebnis des Quäkertums dem Inneren Licht, wer- Bekä fer des Ql,äkertums. Mit beißendem Hohne
den der Reihe nach behandelt der schweigende Dienst, <
die Stellung zu den Sakramenten, die eigentümliche
Kirchenverfassung, die Auswirkung des quäkerischen
Geistes auf den verschiedensten Lebensgebieten: Einfachheit
und Wahrhaftigkeit, die Stellung zum Krieg,
zur Politik, zur sozialen Reform, zur Erziehungsfrage,
zur Frauenfrage, zur Heidenmission. Wer als Ergänzung
noch das Selbstzeugnis des Quäkertums in dem
Buche „Christian Life, Faith and Thought" London
1922, das ebenfalls demnächst in deutscher Übersetzung
erscheinen wird, hinzunimmt, bekommt einen deutlichen
Begriff von dem Wesen des Quäkertums, wie es die
heutigen Quäker sehen.

Die Frage aber, wie weit sich nun dieses moderne
Quäkertum mit dem ursprüglichen deckt, ist damit noch
unerledigt. Was ist überhaupt das ursprüngliche
Quäkertum seinem Wesen nach?

Schon Weingarten hat klar gesehen, daß ein tiefgehender
Unterschied zwischen dem Quäkertum der
ersten Periode (bis 1660) und dem der Folgezeit besteht
. Auch Braithwaite und Grubb empfinden deutlich
, daß seit etwa 1660 etwas Neues, Fremdartiges
eingedrungen ist. Sie setzen auch mit ihrer Kritik an
der richtigen Stelle ein, indem sie Robert Barclay's
Lehre vom Inneren Licht als eine sehr unvollkommene
Darstellung, ja eine Trübung der echten quäkerischen
Lehre bezeichnen. Aber was dahinter steckt, ist merkhat
er von da ab den Quäkern stets vorgehalten, daß
sie nicht nur von dem geschichtlichen Christentum, sondern
auch von dem Glauben der ersten Quäkergeneration
abgefallen seien.

Diese knappen Andeutungen dürften wohl genügen,
um zu zeigen, daß eine wissenschaftlich zuverlässige
Darstellung vom Wesen des Quäkertums unmöglich
ist, ehe nicht die folgenden Vorfragen gelöst sind. Zunächst
müßte das Quäkertum der ersten Periode auf
Grund des vorhandenen handschriftlichen und gedruckten
Materials neu untersucht werden nach den obigen
Gesichtspunkten. Sodann wäre die kabbalistische Mystik
George Keith's im Zusammenhang darzustellen und festzustellen
, wie weit seine Theologumena im Quäkertum
Eingang gefunden und in der Folgezeit nachgewirkt
haben. Endlich wäre zu prüfen, ob nicht auch das
Tagebuch von George Fox, das erst in der zweiten
Periode abgefaßt wurde, das mystische Element stärker
hervortreten läßt, als wir dies nach seinen Briefen und
Schriften der ersten Periode erwarten dürften.

Daß das Quäkertum mehr als 150 Jahre lang die
christlichen Offenbarungstatsachen vielfach zurückgestellt
hat, wird von vielen Quäkern selbst mit Recht als
Hauptursache des vorübergehenden Niedergangs und
der inneren Verarmung anerkannt. In der neueren Zeit
ist aber durch das Einströmen des Evangelikaiismus, seit
den Tagen lohn Wilhelm Rowntree's auch durch ein

Än Zt% nOCH ^^r^.worä^ obwjhl I tieferes geschichtliches Verständnis der Offenbarungsur-
es m den Schriften des führenden Theologen jener Pen- . , ... rhristHf.hp Spirp HpQ f*,äi,Pr4* c„

ode, George Keith, von dem Robert Barclav völlig abhängig
ist, überall deutlich zu Tage tritt:' es ist der
Einbruch der kabbalistischen Mystik in das Quäkertum.

Das Quäkertum der ersten Periode ist seinem
Wesen nach spiritualisierter Chiliasmus, das Innere
Wort der in den Heiligen im Geist gegenwärtige
Christus, der schweigende Dienst die Anbetung Gottes
durch die erlöste Endgemeinde (nach Apoc. 21 und 22),
die ethische Einstellung bedingt durch das sieghafte Bewußtsein
, bereits jetzt völlig im aldtv nfllojv zu
leben. Die mystischen Gedanken sind in diesen Pneu-
matismus eingeschmolzen und werden in erster Linie
dazu benutzt, um die Forderung der Innerlichkeit und
der persönlichen Heilserfahrung praktisch erbaulich einzuprägen
. Der Zusammenhang mit dem geschichtlichen
Christentum wird auf das stärkste betont, sei es, daß
das Quäkertum als Wiederaufleben des urchristlichen
Prophetismus, oder als Wiederkunft Christi im Geist
gefaßt wird. Beides fließt ja leicht ineinander. Bemer

künden die positiv christliche Seite des Quäkertums s(
sehr wieder in den Vordergrund getreten und in so bewundernswerter
Weise zur praktischen Auswirkung gekommen
, daß man gegenwärtig in der Tat von einer
Renaissance des ursprünglichen Quäkertums reden darf.
Marburg. Theodor S i ppe 11.

Troeltsch, Prof. Emst: Christian thought, its history and
application. I.ectures writteu for delivery in England during march
1023. Translated into engfish by variotu hands and edited with
an introduetion and index. London: Universitv of London Press
1023. (XXXI, 179 S.) kl. 8". . 5 s|,.

Das von Friedrich von Hügel herausgegebene, von
ihm mit einer interessanten Einleitung und zugleich
kurzen kritischen Würdigung versehene, Buch enthält in
drei Abteilungen fünf ins Englische übersetzte Vorträge
verschiedenen Inhalts, die von Troeltsch im Dezember
und Ja mar 1922—23 niedergeschrieben worden sind
und während des Monats März 1923 in England ge-
kenswert ist dabei die feinsinnige Umbildung der luttie- j halten werden sollten.

rischen Rechtfertigungslehre bei James Naylor, die | Die erste Abteilung besteht aus einem Vortrag,
ganz auf der Linie des Pietismus liegt und doch viel ' der „die Stellung des Christentums unter den Welttreuer
Luthers Gedanken gerecht wird.'

Die neue Wendung wird vorbereitet durch die
Katastrophe Naylors, welche die Gefahren dieses hoch-

religionen" betrifft. Er knüpft an die Gedanken an, die
Troeltsch in seiner Schrift über die Absolutheit des
Christentums entwickelt hatte, schwächt jedoch die dort