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Ausgabe:

1924

Spalte:

169-171

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, P. W.

Titel/Untertitel:

Menschheitswege zum Gotterkennen, rationale, irrationale, superrationale 1924

Rezensent:

Wobbermin, Georg

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Postalischer Erscheinungsort Marburg.

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise für das Ausland vierteljährlich 12.50 s. Fr.; 10 sh.; 2.25 $■ 6— Fl.; 12.50 d. Kr.; 15— n. Kr.;

8.20 s. Kr.; 50— Lire; 75— tsch. Kr.; 85— finn. Mark.

.A . , MO Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, 3> Mai 1Q1A

4". Jahrg. Nr. y. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. »"•« lytt.

Sch m id t, Menschheitsweße zum Gotterkennen, ! Melanges thomistes (Koch).

rationale, irrationale, superrationale (Wobber- j Prutz, Zur Geschichte der Jungfrau
min).

Heiler, Die buddhistische Versenkung (Kranke).
Wilke, Die Religion der Indogennanen in

archäologischer Beleuchtung (Kauft'tnann).
Aptowitzer, Kain und Abel In der Agada,

den Apokryphen, der hellenistischen, christl.

und muhainniedanischen Literatur (Beer).
Brückner, Die grolle und die kleine Bucli-

rolle in der Offenbarung Johannis (Dibelius).
PI o o i j, A primitive Text of the Diatessaron

(Ders.).

Feine, Einleitung in das Neue Testament
(Bauer).

Schmitt, Römischer Katholizismus und politische
Form (Hirsch).

Orleans (Hasenclevcr). I Schmidt, Die okkulten Phänomene im Lichte

Precht, Die Begründung des römischen Pri- | der Wissenschaft (Maver, Strallburg).

mates auf dem Vatikanischen Konzil nach Kronfeld, Das seelisch Abnorme und die

Irenäus und dem Florentinnm (Koch).
H ü 11 e r o t h , Kurhessische Pfarrergesch ichte

(Bachmann).
Vorländer, Inunan. Kants Leben (Buchenau).
K ü h n e m a n n , Kant (Stephan).
Schmidt-Japing, Die Bedeutung der Person
Jesu im Denken des jungen Hegel (Hirsch).
Lask, Gesammelte Schriften (Titius).
Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage des
heutigen Parlamentarismus (Hirsch).

Gemeinschaft (Titius).

Grabinski, Wunder, Stigmatisation und Besessenheit
(Stephan).

Tu markin, Prolegomena zu einer wissenschaftlichen
Psychologie (Titius).

Müller-Freienfels, Persönlichkeit und
Weltanschauung (Wobbermin).

Giemen, Die Mystik (Stephan).

Vorträge der Bibliothek Warburg (Thimme).

Schmidt, P. W., S. V. D.: Menschheitswege zum Gotterkennen
, rationale, irrationale, superrationale. Eine reli-

die Sache selbst wie für Sch.s Art der Stellungnahme
und Beurteilung. Jene beiden Schüler Sch.'s erhielten

gionsgeschichtiiche u. religionspsychologische Untersuchung. Kemp- im Hause eines früheren evangelischen Missionars von
ten: J. Kösel & Fr.Pustet 1923. (X.228S.) gr.8°. Gm.3.-; geb.4-. i 7Wej Frauen die Auskunft, die die übrigen dunklen, un-

Der Verfasser dieser Schrift ist der durch seine
ethnologisch - religionswissenschaftlichen Forschungen
über die Primitiven bekannte Pater Wilhelm Schmidt.

Nachdem er in einer Einleitung über die Verzweiflung
der Modernen am Rationalen, ihren Hang zum
Irrationalen und ihre Scheu vor dem Superrationalen gesprochen
und dabei durch die polemische Stellungnahme
sogleich seine eigene Position skizziert hat, behandelt er
sein Thema in drei Abschnitten: [. Die Geschichte des
Gotterkennens in der natürlichen Religion; IL Die Geschichte
des Gotterkennens in der übernatürlichen Offenbarung
; III. Die Wege zum Gotterkennen und Christuserkennen
. Diese ganze Behandlung des Themas wird
fortlaufend als Auseinandersetzung mit Rudolf Otto
gegeben.

Der erste Teil ist der Frage nach den Anfängen
der Religion gewidmet. Hier befindet
sich der Verfasser auf seinem eigensten Forschungsgebiet
, hier kann man immer von ihm lernen. Hier ist
denn auch Sch.'s Polemik gegen Otto, der seine Konstruktion
des religiösen Entwicklungsprozesses ohne zureichende
Kenntnis des tatsächlichen Materials entworfen
habe, besonders scharf. Sch. selbst trägt als Hauptargument
wieder die Urmonotheismus-Theorie vor, die er
von Andrew Lang übernommen hat und die durch exakte
ethnologische und religionswissenschaftliche Forschungen
sicherzustellen er als seine Lebensaufgabe ansicheren
und widerspruchsvollen Nachrichten ins rechte
Licht zu rücken geeignet sein soll. Die Bedenken und
Einschränkungen, die sich einem solchen Bericht gegenüber
geradezu aufdrängen, existieren für Sch. — wie in
allen ähnlichen Fällen — nicht. Er hat neue Belege für
seine Urmonotheismus-Theorie. Und der Urmonotheis-
mus war im tiefsten Grund rationaler Art; erst nachträglich
seien irrationale Elemente hinzugetreten. Im übrigen
genügten Begriffsbildung und Kausalerkenntnis, um den
primitiven Menschen auch zu einer wirklichen Religion,
zur Anerkennung eines höchsten Wesens zu führen.

Zu dem ganzen Problemkomplex der Urmono-
thcismus-Frage habe ich wiederholt, zuletzt in meinem
„Wesen der Religion" (S. 334 ff.) Stellung genommen.
Das Resultat, zu dem ich dort gelangt bin, wird auch
durch die neuesten Ausführungen Sch.'s nur bestätigt:
es sei eine noch undifferenzierte Vorstufe später differenzierter
Glaubensformen anzunehmen, und zwar nicht
nur das Undifferenziertsein von Monotheismus und Polytheismus
, sondern viel allgemeiner von Religion, Magie
und Mythologie; ebendeshalb könne aber gelegentlich
aus diesem Untergrund heraus der religiöse Glaube sogleich
mit einer starken monotheistischen Färbung hervortreten
.

Auf der Grundlage dieses ersten Teils gibt dann
Sch. im zweiten und dritten Teil die weitergreifende
prinzipielle Behandlung seines Themas. Aber hier hat

sieht. Dies Mal bringt er als neues Material über das in i er viel weniger Eigenes zu bieten; hier ist ihm der Weg

seinen früheren, seine Einzelstudien zusammenfassenden ; in der Hauptsache durch die offizielle kirchlich-katho-

Werken („Die Stellung der Pygmäenvölker in der Ent- ! lische Betrachtung gewiesen. Immerhin finden sich auch

Wicklungsgeschichte des Menschen", Stuttgart 1910, und ! hier sowohl in der Polemik wie in dem Aufriß der

„Der Ursprung der Gottesidee", Münster 1912) zu- j eigenen Position wertvolle Momente. In ersterer Hin-

sammengestellte hinaus die neuesten Forschungen über ; sieht rechne ich dazu die kritischen Erörte-

die zentralkalifornischen Indianer sowie über den Ya-
mana-Stamm der Feuerländer. In Bezug auf diesen
Stamm der Yamana berichtet Sch. über die „Entdeckunigen
", die zwei seiner Schüler seit dem Jahre 1919
> gemacht haben. Dieser Bericht ist ebenso lehrreich für

rungen über den Begriff des Irrationalen.
Dieser Begriff ist ja an sich nicht eindeutig, da er immer
von der Fassung des mit ihm im Korrelatverhältnis
stehenden Begriffs des Rationalen abhängig ist. Vollends
hat er im Sprachgebrauch Rud. Otto's eine Vieldeutig-
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