Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1924 Nr. 3

Spalte:

72

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lietzmann, Hans (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Liturgische Texte II: Ordo missae Romanus et Gallicanus. 3., erw. Aufl 1924

Rezensent:

Smend, Julius

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

71

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 3.

72

wegs ausgeschlossen; B 1 a c k m a n bespricht altägyptische
Parallelen zur Idee der Wiedergeburt durch die
Taufe. Und D i t c h f i e 1 d , der über Geschichte und
Folklore in der Genesis schreibt, behandelt mit offenem
Ernst den sagenhaften Charakter mancher Erzählung,
die wir dort finden. Ein erhebliches Maß sowohl von
historischer Gelehrsamkeit als auch von Freiheit in
philosophischen Meinungen gehört überhaupt zu den
guten anglikanischen Traditionen; Collingwood,
der das Problem des Übels erörtert, wendet sich dabei, in
bewußtem Gegensatz zum englischen Utilitarismus, Kantischen
Gedanken zu. Dagegen würde es überraschen,
wenn M c. N e i I e in seinem Aufsatz über Pauli Ver-

Ton ist auf Ircnik, nicht auf Polemik gestimmt. Sehr hoch rühmt er
die Innere Mission (S. 76 ff.), und zwar mit wirklicher Herzens-
wärmc. Daß er der Grundcinstellung des Protestantismus völlig; ablehnend
gegenübersteht, bleibt trotzdem deutlich. Besonders bezeichnend
ist die Methode, das, was ihm am Protestantismus anerkennenswert
erscheint, aus der katholischen Kirche herzuleiten. Der gläubig
die Bibel lesende Protestant zehrt von altem katholischem Erbgut
(S. 31); in seinen Gebeten und den Resten seines gemeinsamen
Gottesdienstes lebt er von dem Erbgut der Kirche (S. 70); die organisierte
evangelische L.icbcstätigkeit stammt aus dem uralten Christen-
•Inn, den die katholische Kirche gepflegt hat und der sich bei den
von ihr Getrennten, die guten Willens sind, wieder auf die rechten
Bahnen zurückgefunden hat (S. 85). In dieser letzteren Formulierung
klingt wenigstens etwas von der richtigen historischen Erkenntnis
an; sie ganz zu gewinnen, ist dem Katholiken, dem schon

hältnis zum Herrn die Auffassung Wredes anders als j das NT katholisch ist, nicht möglich. So dankbar wir den Unter

wesentlich ablehnend behandelt hätte. KirchengeSChicht- I schied zwischen dieser freundlich ironischen und mancher grob

liehen Inhalts ist ein Aufsatz May's über Fletcher, den
Gehilfen Wcsleys, und einer von U s h e r über Bancroft
und das göttliche Recht der Bischöfe (es handelt sich
nicht um den bekannten amerikanischen Historiker aus
dem 19. Jahrhundert, sondern um einen englischen Prälaten
um 1600; U. prüft die überlieferte Meinung, daß
B. der Urheber der These vom göttlichen Recht der
Bischöfe sei). Daß daneben rcligionspsyehologisehe
Untersuchungen stehen, wie die von Thouleß über die

polemischen Behandlung des Protestantismus anerkennen, — darüber,
dal! von diesem Standpunkt aus ein wirkliches volles Verständnis
des Protestantismus nicht möglich ist, kann kein Zweifel herrsehen
. Der ruhende Ozean harrt, daß der fließende Strom sich
weiter in ihn ergieße: das ist der Standpunkt des — übrigens gut
geschriebenen und hübsch ausgestatteten — Büchleins.

Gießen. M. Schi an.

Liturgische Texte II: Ordo mime Romanus et Gallicamts.
Hrsg. von Hans Lictzmann. 3., erw. Aufl. Bonn: A. Marcus u. E.
Bekehrung im Lichte moderner Psychologie, und daß 1 Weber 1923. (29 S.) 8° *= Kl. Texte f. Vorlesungen und Übungen.

Literaturberichte wie über neuere englische Schriften j 19. Qz. -.40.

zur Versöhnungslehre, Einzelrezensionen, liturgische Die Neuauflage dieser, mit bekannter Sorgfalt wiedergegebeneu.

Winke, Meditationen u. a. in fast jeder Nummer enthalten
sind, erwähne ich nur, um die Reichhaltigkeit
der Zeitschrift anzudeuten. Mit besonderem Interesse
verfolgt sie natürlich Unionskonferenzen wie die Genfer
für Glaube und Kirchenordnung und alle Beschlüsse der
letzten Lambethkonferenz (über den kirchlichen Dienst
der Frauen, Ehescheidung, Theosophie usw.). Daß ein
anglikanischer Bischof aus Australien die Zahl der morgenländischen
Christen auf 300 Millionen schätzt, ist
(wenn nicht einfach Druckfehler vorliegt) der einzige
so grobe Irrtum, den ich fand. Afit einem Wort: mag der
Glaube und der Wille der Männer, die hinter dieser Zeitschrift
stehen, es veranlaßt haben, daß manche wichtige
Frage von ihnen nicht scharf gestellt wird, von erheblichem
Interesse ist uns dennoch das Zeugnis eifriger
theologischer und kirchlicher Arbeit, das in dieser Zeitschrift
vorliegt, zumal wir Deutschen so von mancherlei
Werken hören, die uns sonst heute leicht unbekannt
bleiben wie der Schrift von G o o c h über Germany and
the french revolution (Longmans, Green u. Co.) oder
Frau Trevelyans italienischer Geschichte (London,
Putnain, 1020), deren antipäpstlicher Haltung der Rezensent
Fletcher namentlich im Blick aut den Weltkrieg
in charakteristischer Weise beitritt.
Kiel. H. Mulcrt.

Krebs, Engelbert: Die Protestanten und wir. München: Thea-
tiner-Verlag 1922. (112 S.) kl. 8° = Der katholische Gedanke,
Bd. 4. Gz. 2—.

Diese Vorträge, gehalten bei der Heidelberger Tagung des katholischen
Akademikerverbandes 1922, gehen von der nicht unrichtigen,
aber doch übermäßig gewerteten Beobachtung aus, daß die protestantische
(K. sagt immer „protestantisch", nie „evangelisch") Welt in
der Annäherung an den Katholizismus begriffen sei. Wenn sich dabei
auch der Protestantismus wie ein Stromgebiet geistiger Bewegung, der
Katholizismus wie der ruhende Ozean verhalte, so könne doch auch
dieser sein Entgegenkommen beweisen. K. will solches Entgegenkommen
in einer sehr seltenen Form üben: in dem Bemühen, den Protestantismus
in seiner Frömmigkeit kennen und verstehen zu lernen.
Er zeigt zu diesem Zweck nach drei Richtungen Einigendes und
Trennendes auf: im Glauben an das Gotteswort, in Gebet und Oottes-
dienstlesung (der Gebrauch dieses Worts ist durch das Gesagte nicht
gerechtfertigt; es muß heißen: Gottesdienst), und in der Liebe. Unter
jedem dieser Gesichtspunkte hat K. sowohl Anerkennung wie Kritik bereit
. Im Allgemeinen bewährt er ein ruhiges sachliches, bis zu einer
gewissen Grenze verständnisvolles Urteil; nirgends karikiert er; der

längst als nützlich, ja unentbehrlich erwiesenen Texte wird allenthalben
von Lernenden wie Lehrenden dankbar begrüßt werden.
Münster i.W. J. Smcnd.

Nachtrag zu ThLZ. 1923 Sp. 536ff.

Herr Professor Wensinck in Leiden hat an die Th L Z eine Entgegnung
auf meine Besprechung seines Werks „Mystic treatises by Isaac
of Nineveh" ThLZ 1923 Nr. 25/26 eingesandt, in der er sich erregt
über die von mir gestellten unbilligen Forderungen, im Grunde über
den Mangel an Verständnis für seine Aufgabe als des Obersetzers eines
syrischen Mystikers beschwert. Die Redaktion ersucht mich um eine
Äußerung über diese Antikritik. Da bedaurc ich denn, daß W. atm
meinem Referat gar nichts von Dankbarkeit für seine mühevolle und
fördernde Arbeit herausgehört hat. Ich bedaurc ferner, daß häßliche
Druckfehler in jenem Artikel stehen geblieben sind, wie Trust statt
Truth Sp. 537 Z. 15 v. u. Und ich gestehe offen ein, daß mir, obgleich
ich die ganze Einleitung aufmerksam gelesen hatte, die Stelle,
die einen Verweis auf Barhebraeus' Book of the Dove enthält S.
XXII f., wunderlicherweise entgangen ist; ich muß sie nicht apper/ipiert
haben. Aber eine vollständige und klare Angabc über jene 1919 von
Wensinck herausgegebene Übersetzung bietet auch sie nicht. An der
Stelle, wo ich eine solche unter den Literaturangabeti vermißte, steht
jedenfalls nichts darüber; und mit Verweisungen auf dies Werk ist dem
Leser Isaaks, dem wie den Meisten in Deutschland jener Barhcbraeus-
Text unzugänglich ist, nicht gedient; namentlich nicht, wenn er nicht
genauer gesagt bekommt, was er aus dem anderen Werk herzuholen
könnte.

Meine übrigen Ausstellungen muß ich aufrecht erhalten; ich habe
aber keine von ihnen niedergeschrieben mit der Absicht, den Wert
dieser Interpretation herabzusetzen, sondern nur, um für weitere ähnliche
Qaben etwas mehr Rücksicht auf den weiteren Kreis von
Lesern, den ich solchen Büchern wünsche, zu beantragen. Eine solche
wäre auch ohne jahrlange Mönchsarbeit gerade von einem eingearbeiteten
Fachmann leicht zu erweisen: unmögliche Vollkommenheiten zu verlangen
ist absurd, aber bei einem Werk, das für mehrere Menschen-
alter nicht wiederholt werden wird, sind die Ziele m. E. anders zu
stecken als etwa bei einer Verdeutschung von Augustins Confessiones.
Zum Schluß bemerke ich noch, daß ich die Besprechung dieses
Buches übernommen habe, nicht weil ich mich als einen Wensinck auf
seinem Gebiet gleichgeordneten Sachverständigen betrachtete, sondern
weil ich seit Jahrzehnten in der Vorarbeit für die „kirchliche Prosopo-
graphie der Kaiserzeit" mich mit Isaac von Ninivc beschäftigt habe,
weil mir in Marburg die überaus seltene Ausgabe des griechischen
Textes zur Verfügung stellt, und weil neuerdings die Probleme Euagrius
und Macarius sich in den Vordergrund meines Interesses gedrängt
haben. Zudem glaubte ich', daß ein Forscher wie Wensinck für
Historiker — wenigstens in erster Linie mit — arbeitete und schriebe,
und nicht für Weihrauch spendende Adepten.

Marburg. Ad. Jülicher.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint als Doppclnummer am 1. Marz 1924.
Beiliegend Bibl. Beiblatt Nr. 2 und Rest des Jahresregisters zum Beiblatt der ThLZ 1923.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Nikolausberper Weg 31.
Verlag der J. C. H i n ri c h s'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei B

Druckerei Bauer in Marburg.