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Ausgabe:

1924 Nr. 25

Spalte:

548-550

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elert, Werner

Titel/Untertitel:

Die Lehre des Luthertums im Abriß 1924

Rezensent:

Hirsch, Emanuel

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 25.

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und ist wie dieses mit außerordentlich guter Kenntnis der zeitgenössischen
publizistischen Literatur geschrieben. Da sein eigentlicher
Zweck politischer Natur ist, können wir uns mit ihm hier
nicht auseinandersetzen. Es sei nur darauf hingewiesen, daß das
reiche Material dem wertvolle Dienste leisten kann, der sich für die
neueste Geschichte des Papsttums interessiert.

Göttingen. Kurt Dietrich Schmidt.

Gereformeerd Theologisch Tijdschrift. Redactie: Dr. G. Ch.
Aalders, Dr. T. Hoekstra, Dr. G. Keizer, Dr. C. Lindeboom, Dr. J.
Ridderbos. 24. Jahrgang: Mai 1923 bis Mai 1924. 12 Hefte.
Aalten: Drukkerij de Graafschap (520 S.) gr. 8°.

Die vorliegende Zeitschrift ist das wissenschaftliche
Organ der Theologen der holländischen Gereformeerde
Kerk, jener unter Abraham Kuyper von der niederländischen
Staatskirche abgespaltenen streng reformierten
Freikirche. Aus dem reichen Inhalt des 24. Jahrgangs
(Mai 1923 bis Mai 1924) sei zunächst hervorgehoben
ein kurzer Aufsatz von Dr. H. W. van der Vaart
Smit über des Groninger Philosophen Kohustamm „Personalismus
". Von neukantischen, speziell südwestdeutschen
Voraussetzungen ausgegangen, versucht Kohn-
stamm den Idealismus durch einen theistischen Personalismus
zu überwinden. Van der Vaart Smit bestreitet
den Gegensatz, den K. zwischen Idealismus und Personalismus
konstruiert, und glaubt auf der andern Seite,
daß vom Idealismus neukantischer Richtung entschiedener
abgerückt werden müsse. — In dem gleichen
Heft behandelt J. van Katwijk den der Synode vorgelegten
Neuentwurf eines Katechisationslehrbuchs. Der
Verf. wendet sich gegen den systematischen Aufbau
desselben, der zwar eine theologische, aber keine pädagogische
Methode befolge, sowie gegen den Verzicht
auf die Katechismusfrage. Im 2. Heft (Juni) setzt Dr. J.
Waterink die Diskussion fort und bestreitet scharf die
von Katwijk betonte Alternative zwischen „theologischer
" und religiös-pädagogischer Methode. „In Dingen
des Glaubens gilt die Logik doch wohl auch."
Heft 3/4 (Juli-August) bietet einen Aufsatz von F. C.
Meijster über die Bedeutung des Dogmas für den
Dienst am Wort. Abgelehnt wird die dogmatische Auswalzung
der Texte (ist das Manna in der Wüste in dogmatischen
Eiskrystallen herabgeregnet?), abgelehnt wird
ebenso die rein dogmatische Predigt, die in den theologischen
loci ihre Fundgrube sucht. Aber das Dogma
muß als Ausdruck der konfessionellen Glaubenswahrheit
in der Predigt deutlich werden. Gefordert wird eine
dogmatisch bekennende Predigt, die das docere nicht
vom movere trennt. Heft 1, 5 und 6 berichten ausführlich
über eine allgemeine „gereformeerde" Pfarrertagung
, deren Vorträge teilweise auch außerhalb dieses
Referats in der Zeitschrift wiedergegeben sind. Hingewiesen
sei auf den Vortrag von Dr. J. C. de Moor über
die Frage, ob die Wahl der Amtsträger durch die Gemeinde
ein kirchenregimentlicher Akt sei. Für den calvi-
nistischen Kirchenbegriff ist die Kirchenvertassung eine
dogmatisch-biblische Frage, daher die Schärfe des
Streits um die Verfassung. Für de Moor hat die Abstimmung
der Gesamtgemeinde nur beratende Bedeutung
. L)ie Entscheidung liegt in den Händen des
Kirchenrats. So wird die dogmatische Frage akut in
dem Streit zwischen aristokratischem und demokratischem
Geist im calvinistischen Kirchentum. Heft 9, 10 und 12
bringen aus der Feder von Dr. V. Hepp eine eingehende
Darstellung und Würdigung der gesammelten Schriften
von Bruining, der von den „Ethisch-Modernen" herkommend
und von der religiösen Erfahrung ausgehend
im Kampf gegen die Orthodoxie sich mehr und mehr
einer philosophisch-metaphysischen Begründung der Religion
zuwandte. Hepp gibt eine ausgezeichnete Charakteristik
von der Streitbarkeit und der scharfsinnigen
und gern über weite Umwege das Ziel verfolgenden
Dialektik dieses Theologen. Gegenüber Luther und
Calvin hat Br. dem Humanismus Zwingiis eine besondere
Palme zuerkannt. Auf die einzelnen von Hepp
ausführlich besprochenen Aufsätze Bruinings kann hier

nicht hingewiesen werden. Von besonderem Interesse
ist gegenwärtig vielleicht eine Auseinandersetzung Bruinings
mit Chantepie de Ia Saussaye, gegen dessen Verknüpfung
von Glaubenswahrheit und historischer Erfahrung
er sich wendet. Der Gereformeerde Hepp pflichtet
ihm bei und zieht die Folgerung: Christuserfahrung,
und, wie er streng gereformeerd hinzufügt, Erlösungserfahrung
sind „contradictiones in terminis". Br. seinerseits
freilich fordert nunmehr eine rein philosophische
Begründung der Religion. Eine Zahl deutscher theologischer
Neuerscheinungen sind in der Zeitschrift besprochen
Jena. Theodor S i egf r i e d.

Altkirch, Ernst: Maledictus und Benedictus. Spinoza im
Urteil des Volkes und der Geistigen bis auf Constantin Brunner.
Leipzig: F.Meiner 1924. (209S.) gr. 8°. Hbl.Gm. 13—; Hlbpgt. 20—.
Dies Buch besteht in einer Sammlung der Urteile, die über
Spinoza gefällt worden sind, von seinen Lebzeiten an bis auf die
Gegenwart. Die Texte sind, soweit sie fremdsprachlich waren, in
deutscher Übersetzung gegeben; die Fundstelle ist in der Regel so
deutlich angegeben, daß der Kundige mit wenig Mühe die Verifizierung
vornehmen kann. Der erste Teil (Die Zeitgenossen) umfaßt auch
Auszüge aus dem Briefwechsel; er reicht bis Bayle einschließlich.
Der zweite Teil (Die Nachwelt) setzt mit Dan. Georg Morhof 1688
und Johann Georg Wachler 1699 ein. Es ist im Ganzen mehr Wert
darauf gelegt, möglichst viele Stimmen vertreten sein zu lassen, als
darauf, den einzelnen ausführlich zu Worte kommen zu lassen; so
kann das Gebotene vielfach kaum anders denn als Kostprobe bezeichnet
werden. Auch sind die Werturteile, die deutlich ausgesprochenen
pros und contras vor sachlichen Darlegungen bevorzugt,
wie schon der Haupttitel andeutet, und wie es begreiflich ist bei
einem Herausgeber, dem dies pro oder contra zur Entscheidungsfrage
der Philosophie geworden ist.

Das Buch gehört, wie aus allem hervorgeht, zu denen, die man
hinnehmen muß so wie sie sind. Am lehrreichsten ist es dem Gelehrten
für das 19. Jahrhundert. In den früheren kommen Namen, die
nicht von jedem leidlich mit der Materie Vertrauten ohnehin zu rate
gezogen worden waren, kaum vor; im 19. dagegen finden sieh
häufiger Lesefrüchte, die einem zum dankenswerten Hinweis werden
können. So, als Hilfe für die Obersicht des Materials, ist das von
großer und gewissenhafter Arbeit zeugende Buch auch für die Wissenschaft
nicht ohne Wert.

Göttingen. E. Hirsch.

Thyssen, Priv.-Doz. Dr. Johannes: Die Einmaligkeit der
Geschichte. Bonn : Fr. Cohen 1924. (VIII, 259 S.) 8°. Gm. 6.50.
Verf. nimmt die von Rickert entwickelte These vom auf das
Individuelle gerichteten Ziele des historischen Erkennens auf, bildet
sie aber um, sofern er an stelle der inhaltlichen Individualität eine
formale setzt; die Zeiteinmaligkeit ist das entscheidende Kennzeichen
der historischen Individualität. Diesen Satz sucht er in breit angelegten
logischen Untersuchungen im einzelnen durchzuführen und
vor allem innerhalb wissenschaftstheoretischer Erwägungen als den
einzig denkbaren zu erweisen.

Den Einwand, der gegen die ganze Betrachtung zu erheben
ist, formuliert Verf. S. 188 selbst, indem er die Frage stellt, ob nicht
Stellenbestimmung in (Raum und) Zeit an das Vorhandensein einzigartiger
Inhalte gebunden sei. Für mich hat Verf. diesen Einwand
durch seine verwickelte Theorie vom Diesseitssystem nicht beseitigt,
und ich stehe staunend vor einem Satze wie dem S. 191: „Nicht
irgendein Inhalt oder eine noch so weit getriebene Inhaltskomplexion,
sondern allein Raum und Zeit sind prineipia individuationis." Da
steht die Welt doch irgendwie auf dem Kopfe. Die Verkehrung
scheint mir daraus entsprungen, daß Verf. das Wesen der historischen
Zeitbestimmung, Bestimmung der Gliedschaft in einem eigenartigen
Werden zu sein, völlig verkennt; er redet (ganz anders als
Rickert) über Geschichtslogik ohne zureichende Bekanntschaft mit
Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. So wie er kann man
der Zeitbedingtheit der Geschichte gegen Rickert nicht zu ihrem
Rechte verhelfen.
Göttingen. E. Hirsch.

Ellert, Prof. D. Dr. Werner: Die Lehre des Luthertums im
.'Abriß. München: C. H. Beck 1924. (XIV, 81 S.) 8°.

Gm. 2.50; geb. 3.50.
E. bietet in diesem Hefte einen kurzen Abriß seiner
Dogmatik und Ethik: 1. „Der Kampf mit Gott" - Dog-
matik I; 2. „Die Versöhnung" - Dogmatik II; 3. „Die
Freiheit" - Ethik. Der Titel der Schrift drückt den
Anspruch aus, die genuine Lehre der lutherischen Ortho-