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Ausgabe:

1924 Nr. 25

Spalte:

544-545

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klostermann, E.

Titel/Untertitel:

Die Apologie der heiligen Katharina 1924

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 25.

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gereiften Kunst will Verf. namentlich durch enge
Verbindung zwischen Bild und Kultus erklären. Anwendung
auf den gegebenen Fall. — 2, 369 Günther-
Marburg (Lahn). Der älteste Cyklus des Drachentöters
Georg. Sachgemäße Erklärung des roi-anischen Kirchenportals
in Großen-Linden bei Gießen. — 2,413
Stuhlfauth- Berlin. Der algerische Danielkamm und
der Berliner Danielstoff (Gewebe). Sehr spezielle Auseinandersetzung
mit dem im Oriens. Christ, dargelegten
Forschungsergebnis Strygowskis. — 2,429 Sauer-
Freiburg. Der illustrierte Physiologus der Ambrosiana.
Inhaltsdarstellung der Handschrift, die eine der seltenen
illustrierten griechischen ist. — 3,49 Michel-
Rosenheim (Bayern). Der Autor des Briefs Leos von
Achrida. Eine Väterversammlung des Michael Kerulla-
rius. Ergebnis der geharnischten Untersuchung: Der
Brief stammt inhaltlich vom Patriarchen, aber nicht der
Form nach. Die Väterversammlung das älteste byzantinische
Schriftstück über das Schisma. — 3,95 G.
F icke r-Kiel. Das Epiphanias-Kloster in Kerasus und
der Metropolit Alaniens. Zwei griechische bisher nicht
herausgegebene Urkunden von 989 und 1024, wichtig
für die Erkenntnis, wie die byzantinische Kirche sich
der Grenzvölker angenommen hat. Übrigens findet sich
zwar nicht noyßvQt< > aber doch fioyß^oniaiha
bei Passow und Sophokles. — 3,158 B a n e s c u - Cluj.
Encore une fois sur Makarios Kalorites. Beharrt trotz
aller Gegenrede anderer dabei, daß der Berg Athos
(Hagionoros) früher Kalonoros und seine Mönche
Kaloriten genannt seien. Unten (4, 9) antwortet Mercati.
Ich stimme letzterem bei. Vor allem müßte man erwarten
, daß in den ersten Athosurkunden, dem -Typikon
des hl. Athanasios, also bei Beginn der Besiedlung mit
Klöstern, der Berg so geheißen: Er hieß aber schon
damals Hagionoros. Meine Athosurkunden S. 104,8
u. später. — 3,161 Nikos Bees - Berlin. Die Bleisiegel
des Arethas von Kaisareia und des Nikolaos
Mesorites von Ephesos. Entzifferung dieser, die
Schlumberger nicht gelungen. — 3,273 Preisen-
d a n z-Karlsruhe. Zwei griechische Schatzzauber aus
Cod. Paris. 2419. — 3,311 A 11 g e i e r - Freiburg. Der
Ursprung der Siebenschläferlegende. Nachweis, daß sie
aus dem Syrischen stammt. — 3,351 Mystakides-
K/pel. Inhaltsangabe des Cod. 244, der Bibl. des
Metochions des hl. Grabes in K/pel: Ergänzung der Angaben
des Papadopulos Keramefs über diese Handschrift
in seinem Katalog. Inhalt: Mancherlei Homilien. —
3, 364 Nikos Bees - Berlin. Geschichtliche Forschungsresultate
und Mönchs- und Volkssagen über die
Gründer der Meteorenklöster. Überreiche Stoffsammlung
. Interessant auch die Berührung mit dem Sagenkreis
des berühmten Klosters der Evergetis bei K/pel.
Ich bitte den Verfasser, daß er auch die tvjcuü der
Klöster herausgibt. — 4, 93 Ftawoicovlog Argostolion.
Eine byzantinische Kirche in Gralisti bei Kastoria aus
dem Jahre 1286. Echt byzantinischer Typus. Unter den
vielen Altertümern besonders zu nennen das Bild des
hl. Georg auf Holz. — 4,101 Nikos Bees. Lied der
hl. Philothee aus dem Hause Veniselos auf die Panagia.
16. Jahrhundert. — 4,101 Derselbe. Darstellungen
altheidnischer Denker und Autoren in der Kirchenmalerei
unter den Griechen. Letzter Grund „die Hellenisierung
des Christentums". Nachweis der Darstellungen in verschiedenen
Gegenden. Starker Aufwand von Literatur.
Sehr brauchbar. — 4,270 Ganszyniec - Lemberg.
Die Apokalypse der hl. Anastasia. Soll vom Henoch-
buch abhängig sein. Inhaltsangabe mit Nachweis. —
4,277 E. Kurtz-Riga. Hagiographische Lesefrüchte,
Fortsetzung von oben 2,291. Sehr wertvolles Material
für den, der dort arbeitet. — 4, 282 C a n e 11 i -
Florenz. Dem. Cydonii ad Joh. Paleologon oratio.
Text aus einer Handschrift Der Laurentiana. — 4, 351
Nikos Bees-Berlin. Über den hl. Bessarion (1540).
Ein reicher Beitrag zur Kirchengeschichte Thessaliens
im 15.—16. Jahrh. Wenige Gelehrte dürften diese Belesenheit
auf diesem abgelegenen Gebiet haben, wie der
Verfasser.

C. Artikel, die sich nicht mit der Theologie berühren
.

1,35 Gardthausen-Leipzig. Die datierten griechischen
Handschriften. Zur Gewinnung eines Katalogs
von solchen. — 3,342 Derselbe. Hippodrom und
Velum in K/pel. — 1,94 H o f m e i s t e r - Berlin. Zur
Geschichte Amalfis in der byzantinischen Zeit. Erst am
Ende des 6. Jahrh. das byzantinische Castrum genannt.
Unter byzantin. Einfluß trotz Abhängigkeit vom Abendland
. Verschiedene Regierungen bis Ende des 11. Jahrhunderts
. Vielleicht führt Verfasser an anderer Stelle
aus, welche Klostergründungen im byzantinischen Reich
von Amalfi ausgegangen sind. Gewiß doch nicht nur
die auf dem Athos, deren mächtige Ruinen weit über
das Meer leuchten. — 3,135 M a r s h a 11 - London.
Eine neugriech. Übersetzung eines abendländ. Berichts
über die Belagerung Wiens 1683. Warum ist der Text
nicht kritisch bearbeitet?

Hannover. Ph. Meyer.

Robinson, J. Armitage: The Passion of St. Catherine and
the Romance of Barlaam and Joasaph. (The Journal of
Theological Studies Vol. XXV, 1924, S. 246 253.)

KI oster mann, Fl, u. E. Seeberg: Die Apologie der
heiligen Katharina. Berlin: Deutsche Verlagsgesellschaft für
Politik und Geschichte, 1924. (IV, 57 S.) = Schriften der Königsberger
Gelehrten Gesellschaft. Geisteswissenschaft!. Klasse. 1. Jahrg.
2. Heft.

Unsere patristisch interessierten Leser werden sich
erinnern, daß J. Rendel Harris unlängst die überraschende
Hypothese aufgestellt hat, es möchte in der
beim Metaphrasten überlieferten Passio der hl. Katharina
, genauer in der Apologie der Heiligen vor dem
Kaiser Maximinus, eine altchristliche Apologie versteckt
sein.1. In meiner kurzen Notiz in dieser Zeitung,
Sp. 431 f. empfahl ich diese kühne Vermutung der Nachprüfung
. Eine solche ist inzwischen von zwei Seiten
unternommen worden. Zuerst ist Robinson, derselbe
Forscher, der seinerzeit Harris' Entdeckung der Apologie
des Aristides in syrischer Übersetzung durch den
Nachweis ergänzte, daß diese Apologie in dem Roman
von Barlaam und Joasaph ( = BJ) verwertet worden ist,
in eine Prüfung der Quellenfrage eingetreten. Er erbringt
den Nachweis, daß die der Heiligen in den Mund
gelegten Aussprüche aus Diodorus Siculus, einem Nichtgenannten
(ö/Uov aov ziuv <io(j(i)v laroQwv) und Plu-
tarch, sowie die beiden Orphika aus Malalas oder einer
verwandten Kompilation stammen müssen, während Harris
auf gemeinsame Quelle geschlossen hatte, als welche
er eben jene altchristliche Apologie bezeichnete. Scheitert
somit dessen Hypothese an einem einfachen Tatbestand
, so glaubt Robinson darüber hinaus folgende
Sätze als Ergebnis seiner Untersuchung aufstellen
zu dürfen: der Verfasser von BJ hat den beim
Metaphrasten aufbewahrten Text der Passio benutzt,
dieser Text aber ist eine Bearbeitung einer der von
Viteau veröffentlichten Rezensionen der Passio, und
zwar in der in Cod. Paris. 1180 sanc. X u. a. überlieferten
Form, die ihrerseits die in Cod. Palat. 4 und Cod.
Vat. gr. 807 erhaltene Form voraussetzt. Dabei scheint
Robinson an der Abfassung von BJ durch Johannes
von Damaskus festhalten zu wollen; jedenfalls spricht
er sich bestimmt gegen die um ein Jahrhundert frühere
Ansetzung aus, für die man seit Krumbacher einzutreten
pflegt, und ist somit geneigt, auch die Passio erst dem
8. Jahrhundert zuzuweisen.

Bewegen sich diese Ausführungen auf einer verhältnismäßig
schmalen Grundlage, so haben Klostermann
und Seeberg die Frage von allen Seiten angepackt
. Robinsons Aufsatz hat ihnen noch nicht
vorgelegen. Um so beachtenswerter ist es, daß sie

1) Der Aufsatz, von Harris ist inzwischen auch in Buchform ausgegeben
worden: Manchester, University Preß, 1923.