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Ausgabe:

1924 Nr. 25

Spalte:

541-544

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bees, Nikos A. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Byzantinisch-Neugriechische Jahrbücher. I. - IV. Bd 1924

Rezensent:

Meyer, Philipp

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 25.

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endlich die Aufnahme selbst und die religiös-sittliche
Bedeutung der Kulte.

Einige Einzelheiten sind nicht ganz richtig. So ist bei Apulejus,
met. XI, 21 f. von keiner Aufnahmeweihe die Rede, die er, bez. sein
Held schon empfangen gehabt habe, bevor er durch einen von Isis
selbst gesendeten Traum zur Epoptic berufen wurde, und das Symbol
bei Firmicus Maternus, de err. IS schließt nicht mit den Worten: die
Geheimnisse der Lade habe ich vollständig kennen gelernt, sondern:
religionis secreta perdidici. Ferner wissen wir von eigentlichen
Mysterien des Adonis nichts, und von einem vierhundertjährigen
Kampf zwischen Mitlirasreligion und Christentum kann deshalb nicht
die Rede sein, weil beide zunächst in andern Gegenden verbreitet
waren; dann aber ist erstere nicht dem Madonnenkult unterlegen,
weil dieser erst im 5. und 6. Jahrhundert begann.

Doch diese geringfügigen Mängel können den Wert
der Arbeit, aus der auch der sonst schon mit dem Stoff
vertraute Leser noch manches Neue lernt, keinen wesentlichen
Abbruch tun. Sie ist namentlich vorzüglich
geeignet weitere Kreise, die die Mysterien noch nicht
genauer kennen oder sich, wie die Theo- und Anthroposophie
, von ihnen ein falsches Bild machen, über ihr
wahres Wesen aufzuklären.

Bonn. Carl Giemen.

Byzantinisch-Neugriechische Jahrbücher. Internationales wissensch.
Organ. Unter Mitwirkung zahlr. Fachgenossen hrsg. v. Dr. phil.
Nikos A. Bees {Bit)fi. I—IV. Bd. (Jahrg. 1920, 1921, 1922 und
1923/24), je 2 Doppelhefte (VI, 456 S. mit 31 Abb.; VI, 496 S.
mit 23 Abb.; 262 S. mit 12 Abb. u. 428 S. mit 4 Abb.). Berlin-
Wilmersdorf (Uhlandstr. 62): Verlag der „Byzantinisch-Neugriechischen
Jahrbücher", gr. 8°.
Nur mit der Bitte um Entschuldigung kann ich
diese Besprechung beginnen. Mehrjährige Teilnahme
an der kirchlichen Verfassungs - Arbeit hat mich gezwungen
, meine wissenschaftliche Betätigung auf das
Notwendigste zu beschränken. Die B. N.J., deren Herausgeber
durch seine vielfachen Veröffentlichungen auf
dem Gebiet des Byzantinischen und Neugriechischen
auch in Deutschland wohlbekannt ist, beruhen auf internationaler
Grundlage wie die durch Karl Krumbacher
gegründete Byzantinische Zeitschrift, erstrecken ihr Gebiet
ausdrücklich auch auf die neugriechische Zeit, was
jene nicht tut, so daß sie sich über die Jahre 330—1821
ausdehnen. Jedes der Doppelhefte teilt sich so, daß
zuerst selbständige Arbeiten und Texte erscheinen,
dann Besprechungen, und schließlich Notizen und
Bibliographisches. Bei der Fülle des Stoffs, die diesmal
vorliegt, denke ich in der Regel nur die Stücke hervorzuheben
, die sich mit der Theologie berühren, außerdem
nur solche von besonderer Bedeutung.

A. Altchristliches und Altkirchliches.

l,17Strzygowsk i- Wien. Ein Christusrelief und
altchristliche Kapitele in Moesien. Verfasser hat vor
dem Kriege Bulgarien, das für altchristliche Kunst zu
den noch dunkeln Ländern gehört, besuchen und einen
Überblick des Vorhandenen gewinnen können. Der
Christuskopf, der bei Trnovo gefunden wurde, ist hellenistischen
Ursprungs und stammt aus dem 4.-5. Jahrhundert
. Von den Abbildungen ist besonders schön die
des Innern der Peter-Paulskirche in Trnovo. — 1, 40
D ö 1 g e r - Münster. Über das Vorkommen der 1X6 YZ-
Formel; wohl von des Verfassers späterem Druck über
den Gegenstand überholt. — 1,151 Becker- Barenburg
. Auferstehung Christi oder Kreuzigung auf altchristlichen
Sarkophagen. Gegen Hans Achelis, daß bereits
auf römischen Sarkophagen eine Kreuzigung und
nicht die Auferstehung dargestellt sei. — 2, 112
Wulf f. Berlin, Rückblick auf die Entwicklung der
altchristlichen Kunst. Detaillierte Auseinandersetzung mit
Victor Schultze u. a. namentlich darüher ob ihr Ursprung
, als eines hellenistischen Sprößlings auf römischem
, oder auf jüdischem Boden zu suchen, und ob
etwa früher christlicher Einfluß anzunehmen sei. Zugleich
Nachweis des Wachstums in den verschiedenen
Ländern der antiken Welt. — 2,150. B e r 1 i n e r - München
. Frühchristlicher Agapentisch in Constanza. Mit
Abbildungen. Roh gehaltene Marmorbank in Tischhöhe
mit Weiheinschrift eines Neophyten an seinen
Lehrer. 4. Jahrhundert. Wohl aus einer Grabkammer. —
2,277 J a c o b y - Luxemburg. Erklärung der uvkai xoü
(fWTÖg. Justin, Dial. c. Tryph 7, Corp. Hermet VII u. a.
aus Ps. 119, 30, also nicht etwa gnostischen Ursprungs.
Sehr einleuchtend. — 2,303 Carl Maria Kaufmann
- Frankfurt a. M. Altchristi. Frauenstatuetten der
Menasstadt und ihre paganen Vorbilder. Sehr lehrreiche
Ableitung der noch jetzt in der katholischen Kirche
herrschenden Sitte an dem Beispiele, daß unfruchtbare
Frauen in vorchristlicher Zeit kleine roh geformte
Frauenstatuetten mit und ohne Kind in gewissen Tempeln
darbrachten. Ich besitze aus Kleinasien den Kopf
einer Terrakottastatuette, der wohl in die S. 309 dargestellte
Gruppe gehören könnte. — 2, 311 Hans Ache-
lis-Leipzig. Die Madonna in Priscilla. Der Stern über
diesem Bild in den Katakomben zeige nicht die Madonna
an, sondern daß die so geschmückte Frau, die in ihrer
Familie dargestellt sei, die Unsterblichkeit erlangt habe.
Mir sehr wahrscheinlich. — 2,379. B e c k e r - Barenburg
. Eine altchristl. Hirtenstatuette in Catana. Für eine
Rundnische bestimmt. „Sogenannter Typus der späteren
Lateranstatuetten". Vielleicht aus Kleinasien importiert.
— 3, 283. L a r f e I d - Bonn. Ein verhängnisvoller
Schreibfehler bei Eusebius. Will das xvglov bei Eusebius
K. G. 3,39. 3 4, das Aristion und Johannes zu
Herrn jüngern macht, als Lesefehler erklären: ICOY
statt 7-0 Y so daß die beiden jetzt zu Johannes-
jüngern .würden. Falls diese Konjektur noch nicht beachtet
sein sollte, verdient sie es jedenfalls. — 4, 5.
Peterson-Göttingen. Zu griechischen Asketikern I.
Zu Euagrius Ponticus. Griechisch überlieferte Paralleltexte
. — 4,85 B e ck e r-Baldenburg. Zu den am
Rhein u. a gefundenen altchristlichen Broncereliefs. Abbildungen
leider sehr dunkel. — 4, 257 Marshall-
London. The greek original of the Slavonic „Palaea
interpretata" sc. diaih'jxt). Eine Streitschrift zwischen
Juden und Islamanhängern, in der auch das N. T. behandelt
wird. Das griechische Orginal im British museum.
Eine Weltchronik bis 1571. Neue bedeutende Stücke
der Palaea interpretata. Textproben. — 4, 296 Max
Beer-Görke a. Rega. Hübsche Sammlung von Inschriften
auf frühchristlichen Tonlampen. Lateinisch und
Griechisch. Wohl sämtlich als Zauberformeln anzusprechen
.

B. Mittelalterliches.

1,90 Felix Haase - Breslau tritt stark für die
Glaubwürdigkeit des Gelasius v. Cyzikus ein (krit.
Ausgabe von Loeschcke 1918). — 1,131 Allgeier-
Freiburg. Über die Bedeutung des iicia%utQuv. Luc.
1,35. Lehnt nach eingehender Untersuchung semitische
Einflüsse ab, bleibt, so viel ich sehe, bei Theophylakts
zweiter Meinung, wonach das Licht Attribut Gottes,
namentlich des hl. Geistes, indem er zugleich auf religionsgeschichtliche
Parallelen hinweist. — 1,142
Kurth- Berlin. Ein Stück Klosterinventar auf einem
byzantischen Papyrus. Verzeichnis von liturgischen Gewändern
eines Klosters des Erzengels Gabriel. — 1, 148
J a c o b y - Luxemburg. Zu der Ammoniusinschrift in
der großen Oase der lybischen Wüste. Ist bestrebt,
nachzuweisen, daß die Inschrift für das Alter des Christentums
in der Oase (200—250) Wert habe. Lehnt
weitergehende Schlüsse gegen de Bock und Kaufmann
ab. — 2,285 Bonwetsch - Göttingen. Vita des heiligen
Theodor, Erzbischofs v. Edessa. Ihr Inhalt zeigt
Bedeutung für das innere Leben des Mönchtums des
9. Jahrhunderts, nach der altslavischen Uebersetzung
besonders, die für die Ausgaben noch nicht berücksichtigt
war. — 2,319 F i c k e r - Halle. Der Bildschmuck
des Baptisterium Ursianum in Ravenna. Das
eigentliche Problem der altchristlichen Kunst, die Verbindung
von ganz neuen Ideen mit einer völlig aus-