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Ausgabe:

1924 Nr. 2

Spalte:

518-520

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Orientalia Christiana. Vol. I, 3 = Num. 3: Documents inédits: „L’Église orthodoxe panukrainienne“

Titel/Untertitel:

créée en 1921 à Kiev 1924

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 23/24.

518

lieh miteinander verbundene Skizzen enthält, wird am
einfachsten ein Abdruck der Überschriften vermitteln.
[. Ein Verständigungsversuch zwischen Frankreich und
Habsburg. II. Ein Kreuzzugsplan. III. Allianzversuche
Frankreichs. IVa. Gegenzüge der kaiserlichen Politik.
IVb. Karl V. und Italien. IVc. Die Tragödie Filippo
Strozzis. IVd. Karl V. und Paul III. V. Der Gesandtenmord
bei Pavia. Via. Die Algierische Expedition. VIb.
Karl V. und Barbarossa. VII. Zusammenkunft von Lucca.
Mission Granvellas. Ausbruch des Krieges. VIII. Stellung
der Nordmächte. IX. Päpstliche Vermittlungs- und
Dynastenpolitik. Feldzug gegen Jülich und Landrecies.
X. Der Reichstag von Speier und der Marsch auf Paris.
[XL] Urkundliche Beilagen 1538 Juli 4 bis 1543 November
.

Baumgartens Darstellung der Geschichte Karls V.
endet bekanntlich mit dem Jahr 1540. Eine zusammenfassende
Darstellung der europäischen Politik der Folgejahre
bis zum Konzil von Trient und dem Schmalkal-
dischen Krieg kann deshalb von vornherein auf eine
dankbare Aufnahme rechnen. Und der von C. gebotenen
Zusammenfassung — eine solche liegt trotz der
Teilung in einzelne Bilder vor — können wir uns rückhaltlos
freuen, denn sie ist aus einer staunenswerten
Quellen- und Literaturkenntnis aller Herren Länder geschöpft
. In der Darstellung ist jedoch alles Gerüst bei
Seite geschafft, sodaß das Lesen des Buches zu einem
Genuß wird, der nur durch den äußerst knapp gehaltenen
Stil manchmal etwas erschwert wird.

Wie weit C. dem Fachgenossen auf dem Gebiet der
politischen Geschichte neue Erkenntnisse vermittelt, vermag
ich im Einzelnen nicht zu beurteilen. Der Kirchenhistoriker
, der die Einzelheiten des politischen Getriebes
der Zeit, die doch für die kirchliche Gestaltung von
ausschlaggebender Bedeutung gewesen sind, nicht so
überblicken kann, wird sich der Arbeit C.s, die ihm eine
rasche Orientierung in der großen Politik der Jahre vermittelt
, besonders freuen.

Daneben möchte ich noch auf einige Punkte hinweisen
, die für den Kirchenhistoriker im Besonderen
Wert haben.

Drei Gruppen lassen sich unterscheiden.

Zunächst die deutsche Territorialpolitik, insbesondere
die Politik der protestantischen Stände. Daß durch
sie dem Kaiser der klevische Krieg ermöglicht und dadurch
die Durchführung der Reformation in Westdeutschland
verhindert wurde, daß schließlich die Katastrophe
des Schmalkaldischen Krieges auf sie zurückzuführen
ist, ist bekannt. Bekannt sind auch die Fakta,
die diese Politik verursacht haben. C. schildert uns nun
im einzelnen die diplomatischen Vorgänge, die sich hinter
den Kulissen abgespielt haben, die Intriguen Frankreichs
mit Protestanten wie Katholiken, die Gegenzüge,
die dem Kaiser durch die Hauspolitik der Fürsten, die
Doppelehe Philipps usw. ermöglicht wurden. Gerade
aui letztere fällt neues Licht. Der Plan, sie zur Kaltstellung
Philipps zu benutzen, ging vom kaiserlichen
Hofe aus, der in scharfer Konkurrenz mit
Frankreich, das sich zum Schutze Philipps erboten hatte,
den Sieg behielt. — Das ganze Durcheinander des diplomatischen
Getriebes, das C. vorführt, läßt uns überhaupt
erst die politischen Vorgänge der Zeit im rechten Licht
erscheinen, die Enge der Fürsten, deren Hausegoismus
eine wahrhaft großzügige Religionspolitik nicht zuließ,
ihre, man möchte fast sagen kindliche, Vertrauensseligkeit
, die die verlockendsten Angebote der Franzosen
zurückwies, weil sie an die Aufrichtigkeit der kaiserlichen
Unionspolitik glaubte, aber auch ihre Größe,
die sich durch nichts zu einem Nachgeben in der Religionsfrage
bringen ließ (Vgl. S. 48ff.; 90ff.; 228ff.;
311 ff.; 316).

Eine 2. Gruppe bildet die päpstliche Politik. Auch
hier sind die Resultate meistens bekannt. Aber auch hier
läßt C. uns wieder einen Blick tun in die diplomatischen
Verhandlungen, die vorausgingen oder nebenherliefen.

Und sie erst erlauben ein der Wirklichkeit entsprechendes
Urteil über den Politiker Paul III. und seine Bemühungen
um die Erhebung des Hauses Farnese, die er
bei allen Unternehmungen im Auge behielt. Man muß
die betr. Partien Pastors daneben halten, um den Fortschritt
zu erkennen, den C. gebracht hat. Dabei ist er
mit seinem Urteil sehr zurückhaltend. Eine derartige
Verknüpfung des Eigeninteresses mit den Bemühungen
um den Frieden, wie sie S. 266 geschildert wird, hätte
meines Erachtens kräftigere Worte der Ablehnung verdient
, als C. sie S. 293 findet.

Ein wenig lernen wir schließlich noch in einer
dritten Gruppe für die politische Vorgeschichte des
Konzils. Das soll kein Vorwurf gegen C. sein. Die Tatsache
bestätigt nur den Eindruck, den man auch sonst
gewinnt, daß das Konzil zwar auch im Rahmen der
großen europäischen Politik eine Rolle gespielt, daß man
es immer im Auge behalten hat, daß es aber doch meist
vor wichtigeren, weil dringenderen Aufgaben des Tages
hat zurücktreten müssen. Erst als diese erledigt waren,
ist das Konzil in den Mittelpunkt der großen Politik gerückt
, und das auch nur, soweit der Schmalkaldische
Krieg das Interesse nicht in Anspruch nahm.

Wir können die Anzeige nicht schließen ohne einen
Dank an den Herausgeber Karl Schellhaß dafür, daß er
uns diese Gabe des 1915 gefallenen Cardauns übermittelt
hat.

Güttingen. Kurt Dietrich Schmidt.

Orientalia Christiana, Vol. 1: 320 S., 1923; II: 320 S., 1924. Rom:
Pontificio Istituto Orientale, je 18 Lire in Italien, außerhalb 20 Frs.

Num. l: d'Herbigny, Michel, S. J.: L'Unite dans le Christ.
(32 S.) Lire 3-.

Num. 2: Späüil, Uieophilus, S. J.: Conceptus et doctrina de
ecclesia juxta tlieologiam. Orientis separati: I Photii, II Libro-
rum symbolicorum. (40 S.) Lire 4 — .

Num. 3: Junio 1923: Documents inedits: „L'kglise orthodoxe
panukrainienne", creee cn 1921 ä Kiev. 1. Adresse au Patriarche
de Constantinople, 2-4 Actes du „Concile Orthodoxe Panukrainien"
(Octobre 1921 ä Fevrier 1922); Introduction, traduetion et notes.
(S. 73 -128.) ,

Num. 4, Julio-Septembre 1923: Volkonsky, Prince Pierre et le
Pere Michel d'Herbigny, S. J.: Dossier Americain de
„l'Orthodoxie Panukrainienne". Dix-huit documents inedits
traduits de l'Ukrainien. (S. 129-224.) Lire 8-.

Num. 5, Oclobre 1923: Lemmens, Leonardus, O. F. M.: Hierarchia
Latina Orientis 1622—1922, mediante s. Congr. de Propaganda
fide instituta, Pars I. (S. 225 -296.) Lire 6-.

Num. 6, 14. Novembre 1923: Hof mann, Georg, S. J.: S. Josaphat
(I). (S. 297-320.) Lire 5-.

[Num. 7 (= II, l): d 'H erb i gny, S. J.: La vraie notion d'ortho-
doxie. (S. 1 - 36.) Lire 3 - .1

Num. 8 (= II, 2, Januario-Martio 1924): Späcil, Theophilus, S. J. :
Conceptus et doctrina de ecclesia juxta theologiam Orientis
separati, Sectio tertia: Doctrina theologorum recentiorum. (S. 37
bis 132.) Lire 8—.

[Num. 9 (= II, 2): Leib, Bern.: Deux inedits Byzantins sur
les Azymes, au debut du XII. siecle. (S. 133—264.) Lire 12-.]

Num. 10 (= II, 4, Julio-Augusto 1924): Lemmens, Leonardos,
O. F. M.: Hierarchia Latina Orientis 1622—1922. Pars II.
(S. 265-320.)

Numero 1, 2 und 4 dieser Abhandlungen sind in
dieser Zeitung schon in Nr. 8, 12 und 13 d. J. (Sp. 160,
257—260 und 286) besprochen worden. Jetzt liegen
die beiden ersten Jahrgänge der aus diesen (einzeln
käuflichen) Heften bestehenden Orientalia Christ
i a n a (vgl. oben Sp. 258) vor. Die eingeklammerten
Nummern 7 und 9 sind der Schriftleitung nicht mit zugegangen
, der Übersicht wegen aber hier mit autgeführt
. Nr. 7 hat anscheinend kein geschichtliches Interesse
, würde höchstens (doch vgl. oben Sp. 286) für
den Symboliker Wert haben. Schriften ähnlichen Inhalts
, wie die in Nr. 9 veröffentlichten, gibt es vermutlich
viele unter den zahlreichen antilateinischen Werken,
die in den Bibliotheken des Ostens lagern. Daß die in
Nr. 9 gedruckten in höherem Maße, als die übrigen, gelesen
zu werden verdienen, ist möglich; es entgeht uns
aber nicht viel, wenn die Frage unentschieden bleibt.
Mit der oben (Sp. 160) besprochenen Nr. 2 gehört (als