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Ausgabe:

1924 Nr. 2

Spalte:

514-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Betzendörfer, Walter

Titel/Untertitel:

Die Lehre von der zweifachen Wahrheit. Ihr erstmaliges Auftreten im christlichen Abendland und ihre Quellen. Ein Beitrag zur Geschichte der Religionsphilosophie des Als Ob 1924

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 23/24.

514

häufigere Jvaiß, zu lesen. Der Engel Avar^k galt als
Engel des Planeten Venus z. B. Cat. cod. astr. VIII 2
S. 174, 33; Proc. Soc. Bibl. Archaeol. 1900 S. 344 usw. und
von da aus wird vielleicht das laszive Motiv begreiflich.
— In c. 3 wird dann Demokrit behandelt. Ich habe
schon gesagt, daß es nötig wäre, die Demokrit Überlieferung
im alchemistischen Korpus zu sichten. Ich vermute
, daß es möglich sein wird, die auf den Namen
des Philosophen Demokrit gefälschten theoretischen
Ausführungen von den Rezepten jenes andern
Demokrit zu scheiden, dessen Werk uns durch Well-
mann's grundlegenden Aufsatz in den Abhandlungen d.
Berl. Akademie d. W. 1921 (die Oeorgika des Demo-
krites) zum ersten Mal deutlich geworden ist. Die
Rezepte des Demokrit lassen S. 93 in Hammer Jensen
die Vermutung aufsteigen, daß ein griechisch gebildeter
Arzt der erste Alchemist war. Damit hat die Verfasserin
an einem entscheidenden Punkte ihrer Darstellung ihre
These vom gnostischen Ursprung der Alchemie aufgegeben
. Aber auch Reitzenstein's Behauptung (Alchemist.
Lehrschriften und Märchen bei den Arabern S. 64) von
dem Ursprung der Alchemie in den Priesterkreisen des
Orients, wird dann ihre Feuerprobe erhalten, wenn ein
Kenner dieser ganzen Literatur — ich denke vor allem
an Wellmann — die Demokrit Rezepte im alchemistischen
Korpus auf ihren Zusammenhang mit Bolos Demokrit
untersuchte. Jedenfalls weist schon der Titel
ifioi/.u /«! iivaxiy.u für den Alchemisten Demokrit auf
die q>vaixa des Bolos Demokrit (siehe Wellmann a. a. O.
S. 4 Anm. 3) und die von ihm ausgehende Entwicklung
zurück. — Die Ausführungen von Hammer Jensen in
c. 4 über Zosimos fördern nicht viel Neues zu Tage
und doch ist grade Zosimos wegen seiner ogdftara
den Theologen von größter Bedeutung. S. 111 und
Anm. 2 wird das Hermes Fragment bei Zosimos als
christlich angesehen. Wie mir scheint, mit Recht. Ich
habe denselben Nachweis zu führen gesucht in einem
Aufsatz, der in der Zeitschr. f. Neutest. Wissensch. 1924
erscheinen wird. — Die folgenden Abschnitte handeln
über Olympiodor, über Kommentare zwischen Olyrnpio-
dor und Stephanos und zuletzt über Stephanos und die
alchemistischen Dichter. Im Blick auf den Dichter Helio-
doros verweise ich auf die Ausgabe von O. Goldschmidt
in den Religionsgesch. Vers, und Vorarb. XIX 2 Gießen
1923. — Der Autsatz von Hammer Jensen enthält eine
Menge von feinen Bemerkungen, die für die künftige
Scheidung der einzelnen Bestandteile des alchemistischen
Korpus von Wert bleiben werden. Den Beweis
für die gnostische Herkunft der Alchemie halte ich
für nicht gelungen. Die Handschriftliche Überlieferung
wird stärker als bisher aufzuarbeiten sein. Bei der religionsgeschichtlichen
Verwertung der alchemistischen
Texte halte ich allergrößte Vorsicht für geboten.

Bonn. Erik Petersoii.

Wirtz, Dr. Richard: Der heilige Ambrosius und seine Zeit.

Buchschmuck u. künstlerische Ausstattung- von Prof. August Trüm-
per. Trier: Paulinus-Druckerei 1924. (175 S.) 8°. geb. Qm. 4—.
Dem von mir in dieser Ztg. 1924 Nr. 16 angezeigten
,profiIo' des hl. Ambrosius aus der Feder Buonaiutis
tritt hier eine deutsche Zeichnung des Charakterbildes
des großen Mailänder Bischofs zur Seite. Auch sie
schildert seine Tätigkeit auf dem Hintergrund seiner
Zeit, läßt aber namentlich seine Beziehungen zu Trier
und dem Rheinland hervortreten. Und während B. sich
straff an seine Aufgabe hält und sie in gemessenen
Zügen erledigt, läßt sich W. behaglich gehen und
plaudert nebenbei von diesem und jenem: von den
Improperien der Karfreitagsliturgie mit ihrem itacisti-
schen ,imas' (S. 26), dem ,mal de Saint Martin' (Katzenjammer
, S. 34), den Kaiserthermen in Trier (S. 92 ff.),
dem Trierer Dom (S. 131 ff.) u. dergl. S. 29 f. erzählt W.
im Anschluß an die Confessiones, wie Augustin nach
dem Tod seiner Mutter frühmorgens das Lied des Ambrosius
,Aeterne rerum conditor' einfällt, und dann

kommt in fortlaufendem Text eine Bemerkung über die
Übersetzung des Liedes, ehe es selber lateinisch und
deutsch angeführt wird. Eigentümlich ist auch die
Gliederung des ganzen Buches. Man begreift es, daß
ein Kapitel über die Völkerwanderung den Eingang
bildet als Hintergrund für die soziale Tätigkeit des Ambrosius
. Aber dann handelt das zweite Kapitel vom
Kirchenlied und den Hymnen des hl. Ambrosius. Erst
das dritte Kapitel befaßt sich mit seinem Leben. K. IV:
Weltflucht; Ambrosius über die Jungfräulichkeit. V:
Heidentum; des Ambrosius Stellung dagegen, sein Verhältnis
zu den Kaisern. VI: Die Irrlehre; des Ambrosius
Kampf gegen den Arianismus. VII: Im Kaiserpalast;
Ambrosius bei Maximus in Trier. VIII: Der Kirchenlehrer
. Dieses letzte Kapitel ist das schwächste und ungenügendste
von allen; es gibt kein richtiges Bild von
den theologischen Anschauungen des hl. Ambrosius.
Auch sonst finden sich in dem Buche neben trefflichen
Ausführungen und vorzüglichen Beobachtungen allerlei
| halbrichtige, schiefe und unrichtige Behauptungen. So
wird S. 23 neben Hieronymus Augustin das Verdienst
zugesprochen, die Geistesschätze des griechischen
Christentums dem Abendland zugänglich gemacht zu
haben. Auch von einer ,völligen Hingabe an Wissenschaft
und Kunst' kann weder bei Augustin noch bei
Hieronymus, nicht einmal bei Ambrosius die Rede sein
(S. 81). Der Geburtsort des Ambrosius ist wahrscheinlich
Trier (S. 53), aber daß auch ,Augustins Seele von
Trier aus erobert worden' sei, ist S. 77 ff. doch etwas
gekünstelt zusammengebracht. Bemerkenswert sind die
Angaben über die Geldentwertung während der Völkerwanderung
(S. 13), die Klagen des völkisch fühlenden
Römers Ambrosius über die Rassenmischung und den
Rassenselbstmord seiner Zeit (S. 19. 156). Seine Mahnung
, ,niemals im Troß der Macht einherzuwandeln',
,womöglich jedermann zu nützen, niemand aber zu schaden
' (S. 166), hat der Klerus herzlich schlecht befolgt.
Sehr gut gelungen ist die, von Drews zum Teil ziemlich
abweichende Übersetzung der Hymnen S. 30 ff. Vom
Buchschmuck (von Prof. Trümper) ist nicht alles gleich
wohlgeraten. So erscheint der Bischofsstuhl (vor dem
Vorwort) zu sehr als eine Fläche, und der Orpheus
auf dem Bilde vor S. 23 scheint in der Luft zu sitzen.

S. 14 heißt es: „Die heidnischen Schriftsteller sprachen, wie
wir sahen, von der ,alterndcn Zeit'," ohne daß vorher davon die Rede
gewesen wäre. Zudem sprachen von einer alternden Zeit nicht bloß
heidnische, sondern auch christliche Schriftsteller, wie S. 71 dann richtig
bemerkt wird. S. 12 wird eine Stelle aus „einer Lobrede auf
den Kaiser" angeführt mit der Angabe ,,V. 9". S. 24: Origines. S. 82
erfahren wir, daß der hl. Martinus im Heere des Kaisers Julian
„Feldwebelleutnant" gewesen sei. S. 69 ist dem Verf. der Weg der
Vorsehung beneidenswert „klar". Dagegen ist er S. 62 mit Recht
darüber „erstaunt, wie der Mailänder Bischof dazu kam, längst vergessene
Heilige wiederzufinden", er läßt es aber bei der erstaunten
Frage bewenden. Daß Helena und Konstantin die Kreuzesnägel zu
einem Pferdegebiß und in ein Diadem verarbeiten ließen und als Amulette
gebrauchten, erzählt Ambrosius, ohne es irgendwie zu beanstanden
und auch der Verf. unterläßt jede Bemerkung dazu (S.64ff.), Die
boshafteste Auslassung des Hieronymus über Ambrosius steht nicht
in de vir. illustr. 124 (S. 147), sondern in der praef. in librum Did-
ymi de Spiritu saneto (Migne PO. 39, 1032A.).

München. Hugo Koch.

Betzendörfer, Dr. Walter: Die Lehre von der zweifachen
Wahrheit. Ihr erstmaliges Auftreten im christlichen Abendland und
ihre Quellen. Ein Beitrag zur Geschichte der Religionsphilosophie
des Als Ob. Tübingen: Osiander'sche Buchh. 1924. (67 S.) gr. 8°.

Gm. 2—.

Der erste Abschnitt dieser Schrift enthält nicht grade
Neues, aber doch Nützliches, da der Verfasser es verstanden
hat, von der Religionsphilosophie des Hauptvertreters
der Averroisten, Siger von Brabant, ein klares
Bild zu geben, das demjenigen, der keine Zeit hat, sich
durch Mandonnet hindurch- oder an ihn heranzuarbeiten,
gute Orientierungsdienste leisten kann. Mit dem zweiten
Abschnitt kann ich mich dagegen nicht einverstanden
erklären. Betzendörfer glaubt dargelegt zu haben
! (S. 67), „daß die Lehre von der zweifachen Wahr-