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Ausgabe:

1924 Nr. 2

Spalte:

32-33

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schomerus, H. W.

Titel/Untertitel:

Die Hymnen des Manikka-Vasaga (Tiruvasaga) 1924

Rezensent:

Franke, R. Otto

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.'51

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 2.

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rung, Echtheit, Ausgaben und Kommentare, Übersetzungen
und Arbeiten über Me Ti etc.), behandelt das
Leben des Philosophen, geht dann auf seine Lehre ein
(I. Metaphysik, II. Praktische Philosophie) und stellt
Urteile chinesischer Schriftsteller und europäischer Gelehrter
über ihn zusammen, um daran Forke's eigene
kritische Bewertung seines Autors anzuschließen. In
fünf weiteren Kapiteln ist auch die Schule noch geschildert
, die sich an ihn anschloß. Ein Anhang (S. 123 bis
158) endlich bietet dem, dem es einzig darum zu tun
ist, das Lehrsystem des alten Denkers kennen zu lernen,
einen Versuch Forke's, dieses in seiner ursprünglichen
Form wiederherzustellen. Als eine Unterschiebung, d. h.
von späteren Mehisten verfaßt und dem System des
Meisters zugefügt, will der deutsche Sinologe das Werk
über Kriegskunst und Festungsbau nehmen, das ja nun
wirklich in etwas seltsamem Kontraste zu dem Pazifismus
Me Ti's steht. Denkbar wäre am Ende doch auch,
wie vor kurzem ein Fachgenosse Forke's, Ed. Erkes gemeint
hat, daß ihn gerade sein Beruf — er war der Überlieferung
nach Militäringenieur — zu seinen philosophischen
Anschauungen geführt hätte. Freilich, gerade diese
Überlieferung, so alt und gut bezeugt sie ist, meint F.
anfechten zu müssen: der Ausgangspunkt für die Legendenbildung
möge gewesen sein, daß Me Ti zu seinen
Schülern sagte, er könne mit seiner Gerechtigkeit mehr
erreichen als ein anderer mit seinen Rammen und Enterhaken
, denn er trete den Menschen mit Höflichkeit entgegen
und ziehe sie durch Liebe an sich heran.
Leipzig. H. Haas.

Seidenstücker, Karl: PäH-Buddhismus in Übersetzungen

Texte aus dem buddhistischen Päli-Kanon und dem Kammaväca.
Aus dem Päli übers, nebst Erläuterungen und einer Tabelle. 2.,
verm. u. verb. Aufl. München-Neubiberg: Oskar Schloß 1923. (XVI,
394 S.) gr. 8° G'. 7—1 Keb- in—■

Der Plan dieses Werkes ist gut, die Ausführung auf
den Strecken, die keine erheblichen Schwierigkeiten
bieten, befriedigend und der Inhalt reichhaltig und vielseitig
, das Register nützlich. Es ist auch anzuerkennen,
daß S. z. B. durch die Veröffentlichungen des Ref. in
zahlreichen Punkten der 1. Aufl. gegenüber sich hat belehren
lassen, mancherlei auch von sich aus verbessert
hat. Leider stößt man aber auch noch auf genug unüberwundene
Schwierigkeiten, und etwas wenigstens ist
schlechter geworden: daß er des Buddha Lehre vom
Nichtvorhandensein eines Selbst in den Erscheinungswesen
und -Dingen nunmehr dahin deutet, daß B. gemeint
habe, gesondert von diesen gebe es ein solches
(s. bes. p. 32 Anm. 1), welcher Deutung zuliebe er auch
Sätze wie „alles ist Nicht-Ich (-Selbst)" zuspitzt zu „alles
ist nicht das Ich" (Selbst), z. B. p. 16 u. 80 f. Mag S.
von sich aus hierauf verfallen sein oder, wahrscheinlicher
, von seines Überzeugungsgenossen und Mitbuddhisten
Georg Grimm geistreicher und bestechender
Dialektik sich haben beeinflussen lassen, jedenfalls befinden
sich beide in dieser Hinsicht im Irrtume. Schon
die von S. (p. 194) mit übersetzten Worte Buddhas von

Samy. XL1V, 10: „Hätte ich, Änanda, auf die Frage des
Wanderasketen Vacchagotta: ,Ist das Ich?' erklärt: ,Das

Ich ist', so wäre, Ananda, dadurch jenen Asketen und
Brahmanen, welche die Ewigkeit lehren, beigepflichtet
worden" (weil ja im Begriff des Selbstes die Unver-
änderlichkeit, Ewigkeit eingeschlossen ist), könnten sie
eines anderen belehren. Und was die ungelösten Rätsel
angeht, so ist für S.'s Exegese schon das bezeichnend,
daß er gar keinen Versuch macht, durch methodische
Untersuchung den Sinn der problematischen Termini
festzustellen. Wenn jemand, um nur weniges anzuführen,
ein so grundlegend wichtiges Wort wie Sankhära
bald mit Gebilde (z. B. 15, was noch am besten der
wahren Bedeutung vielleicht nahe kommt), bald mit Gemütsregungen
" (9, 17, 26 f.), bald mit „organische Prozesse
" (z. B. 29, 31, 32), bald mit „wirkende Energien"

(114), und im ganzen also durchaus unzutreffend übersetzt
, auch den Sinn des damit zusammenhängenden
Wortes sankhata mit der Deutung „zusammengesetzt
" (z. B. 31) verfehlt, wenn er „Bewußtsein" und
„Wahrnehmung" durchgängig vertauscht (was allerdings
eine weitverbreitete buddhologische Unsitte ist), wenn er
äsava (empirisch gerichtete Art der Auffassung und
des Fühlens, wörtlich ungefähr = „Überschwemmung"
[durch Erscheinungsweltliches]) fort und fort mit „Einflüsse
" wiedergibt (z. B. „was es an körperlicher Form
gibt . . . sofern es mit Einflüssen verbunden ist"), so
muß man doch sagen, daß er zur Klarheit über Buddhas
Lehre noch nicht durchgedrungen ist. Schon seine eigene
Übersetzung, richtiger sein notgedrungenes und woh*
erklärliches Abstehen von einer Übersetzung des Wortes
sankhära von Samy. XXII, 79,8 „...man gestaltet
die Sankharas zum Sankhära-Sein als ein Gestaltetes"
(p. 20) hätte ihn stutzig machen sollen. Man gestalte
einmal „Gemütsregungen", „Prozesse" oder „wirkende
Energien" als ein „Gestaltetes". Daß sankhata nicht
„zusammengesetzt" bedeutet, zeigt S.'s Satz (31): „Alter
und Tod ist zusammengesetzt". — näma-ropa ist
nicht „Geist-Leiblichkeit", „der körperliche Organismus"
(29), sondern „alles, sowohl was Name, d. h. Begriff, ist
(wie lang, kurz, grob, fein, schön, unschön s. Dlgh. XI,
85) wie auch was Gestalt ist". In Samy. 1, 5, 8 ergänzt
S. p. 37 ganz unverständlicherweise „ist" und übersetzt:
„Die Tat ist Wissen und Gerechtigkeit, sittliche Zucht
ist das höchste Leben. Hierdurch werden die Sterblichen
rein, nicht durch Abstammung oder Reichtum",
während die natürliche Übersetzung den vernünftigen
Sinn: „Tun, Wissen, Rechtschaffenheit, sittliche Zucht,
beste Lebensführung — hierdurch werden die Menschen
rein, nicht durch Abstammung und Reichtum" ergibt.
Es fehlt S. eben auch etwas an tieferem Sprachempfinden,
mahäbhütänam upädäya rüpam bedeutet nicht
„die von den vier großen Gebilden abhängige körperliche
Form" (18 f.), sondern „die Einzelgestaltungen der
großen Gebilde (Elemente) kraft u p ä d ä n a , realisierender
Auffassung". U. s. w.

Königsbergi.Pr. R. Otto Franke.

Sch o m er us, H. W.: Die Hymnen des Manikka-Vnsaga (Tiruva-
Saga). Aus dem Tamil übersetzt. Jena: Eugen Diederichs 1923.
(LI, 215 S.) 8° = Religiöse Stimmen der Völker, hrsg. v. Walter
Otto. Texte z. Oottcsmystik des Hinduismus Bd. 1. Oz. 4,50; geb. 7—.

Diese Hymnenübersetzung kommt (wenn „religiöse
Erbauungsliteratur", s. S. V ff., ohne weiteres „Mystik",
s. Titel, zu nennen ist, worüber ich mir kein Urteil erlaube
) einer Forderung des Zeitgeschmackes entgegen,
der sehr zur religiösen Mystik neigt. Sch., der durch sein
gutes Buch „Der Caiva Siddhänta, eine Mystik Indiens",
Leipzig 1912 (vgl. ThLZ. 38, 1913, Nr. 26) sich als
Forscher aufs beste bekannt gemacht hat, war sicherlich
hervorragend für die Aufgabe geeignet, uns mit den
literarischen Erzeugnissen des Hinduismus, d. h. der
Hauptform der indischen Volksreligion des Mittelalters
und der Folgezeit, die dem Buddhismus und Jainismus
ein Ende bereitet hat, bekannt zu machen. Sch. plant
mehrere Bände, zunächst aus der Literatur des Sivaismus,
später auch des Visnuismus. Mänikkaväsaga gilt bei
den Tamulen ganz allgemein als einer der größten unter
den Dichtern. Sch. will ihn ins 9. Jahrb.. setzen in seiner
langen Einleitung, in der er im übrigen z. B. über Leben
und Charakter des M„ über die Art seiner Frömmigkeit,
über die Zeit der großen tamulischen Hymnendichter des
Sivaismus und über Volk, Sprache, Kultur und Religion
der alten Draviden handelt. Die Übersetzung macht, soweit
ein Nichtkenner des Tamulischen urteilen darf, einen
guten Eindruck. Falsch ist aber doch wohl die Bezeichnung
Sivas als die Hälfte seiner Gattin z. B. S. 40 und 42
(5), da sonst in Indien umgekehrt die Weltgottheit als
aus männlicher und weiblicher Hälfte bestehend aufgefaßt
worden ist, wie übrigens auch hier S. 42 (4) Siva:
„O du, der du Mann und Frau bist". Die anerkennens-