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Ausgabe:

1924 Nr. 21

Spalte:

472-474

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maistre, Graf Joseph de

Titel/Untertitel:

Vom Papste. 1. u. 2. Bd. Hrsg. v. Joseph Bernhart 1924

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 21.

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ersteren, ist z. B. im Aprilheft 1923 (Nr. 191 der Gesamtreihe) der
Aufsatz ,,The Church in America"; Verfasser ist der Bischof
(George [H. S. WaLpole]) von Edinburg, der anknüpft bei
dem Buche des amerikanischen Theologen Will. Adams Brown („The
Church in America, a study of the present conditions and future
prospects of American Protestantism", 1922). Wer das deutsche
Buch von A. Keller, „Dynamis-Formen und Kräfte des amerik.
Protest." (1922) und das von mir hier (1924, Nr. 13; Juni) angezeigte
Yearbook of the churches von F. O. Watson (1923) kennt,
wird den Aufsatz mit besonderem Interesse lesen und für manches
neue Lichter gewinnen; Brown ist doch genauer orientiert als Keller,
der reichlich optimistisch alles aufgenommen hat, als Outsider eben
manches kaum ganz richtig beurteilen konnte. Zu den „kirchlichen"
Artikeln gehören ferner zwei über „The Revision of the Prayer
Book (von H .Wace, dean of Canterbury und E. C. Trenholm
|S. S. J. E.", heißt?]), nicht minder einer über The Epiclesis in
the Service of holy communion (von T. W. Drury, Cambridge),
alle drei im Oktoberheft 1923 (Nr. 193); auch in ihnen lernt man
eine ganze Reihe neuerer einschlägiger Studien kennen. Ich notiere
ferner von C. Canellopulos (Athen): Christian reunion from
the point of view of the eastern orthodox church (Nr. 192,
S. 247—305; der umfängliche Artikel, der geschrieben ist im Blicke
auf die Erörterungen, bzw. den Aufruf der letzten Lambeth-Konferenz,
1920, kann interessieren durch die unverkennbare Sprödigkeit der
„orthodoxen Kirche" gegenüber den anglikanischen Versuchen und
Hoffnungen in Hinsicht der „Wiedervereinigung" der Kirchen: immerhin
hält Verf. eine Art von Zusammenschluß seiner Kirche mit der
von England am ehesten für möglich; die römische werde man
mit einbeziehen können, wenn sie auf das Papsttum verzichte
— ja wenn!!). Auf eben dasselbe Problem beziehen sich
zwei Aufsätze in Nr. 190, der von F. A. Lacey (Canon of Wor-
cestcr) „Minimum Conditions of Intercommunion" und daran anschließend
, mit demselben Titel, einer von Vernon Bartlet
(Oxford). Der von Lacey verlangt unbedingt den bischöflich ordinierten
Sakramentsadministrator und hat auch für die Form der Feier
ein enges, fast würde ich sagen: ängstliches Gewissen, ihm gegenüber
ist Bartlet viel freier und klarer im Gewissen und bewährt
im Blick auf die Geschichte, zumal die urchristlichen Verhältnisse
richtigeres Verständnis: ihm liegt letztlich alles an der Einigkeit
im Geiste („Ein Herr, Ein Glaube") der Feiernden. — Ich
verzichte darauf, weitere Aufsätze der drei Bände (jeder umfaßt zwei
Hefte und rund 400 Seiten) namhaft zu machen. Sie sind sehr mannigfaltigen
Inhalts, beziehen sich auf biblische, kirchen- und dogmengeschichtliche
, sowie philosophische Fragen. Einer der Herausgeber
(Francis E. Barker) bringt sogar eine recht ansprechende Studie
über „Shakespeare's Observation of nature" (Nr. 194, Jan. 1924).
Halle. F. Kattenbusch.

Schulte, Aloj's: Die Kaiser- und Königs-Krönungen zu
Aachen 813—1531. Mit 3 Abb. auf 2 Tat. Bonn: K. Schröder
1924. (V, 102 S.) gr. 8°. = Rheinische Neujahrsblätter. Heft 3.

Gm. 3—.

Wenn ein Forscher wie Aloys Schulte es unternimmt
, eine Gesamtdarstellung der Aachener Krönungen
zu geben, um diese Feste im großen Zusammenhang
der deutschen Verfassungs- und politischen Geschichte
des Reichs zu spiegeln, so fallen auf so manches
Lichtstrahlen, die weiterer Forschung Anregung bieten
mögen, z. B. auf das Verhältnis von Erbrecht und Wahlrecht
, auf die Bedeutung Aachens als Krönungsstätte,
auf die Geschichte der Krönungsinsignien, auf die verminderte
Bedeutung der Krönung seit dem 14. Jahrh.:
Krönung und Thronerhebung schaffen (dann) nicht mehr
ein Recht, sondern bekunden es nur" — auf die politische
Bedeutung, die der Krönung früher und später
zu Grunde lag. Sie wird beleuchtet auch durch die
Bemühungen, die Verwahrung der Insignien in die
Hand zu bekommen — von 1424 bis 1796 hat die Stadt
Nürnberg diese Ehre behauptet. Zu dem in den Anmerkungen
(S. 91—102 in Kleindruck) mit großer
Umsicht verzeichneten Quellenmaterial füge ich hinzu
den beachtenswerten Bericht über die Überführung der
Reichskleinodien von Ofen nach Nürnberg, der in die
Hannoversche Hs. der Reinhardsbrunner Chronik gelegentlich
der Erwähnung des Vaters der heiligen Elisabeth
König Andreas von Ungarn gekommen ist: M. G.
S.S.XXXa, 572—73 und N. A. 21, 241. — Einen stattlichen
Teil des Heftes, 29 S., füllt die Beschreibung der
Krönung Karls V. im Jahre 1520. Sch. ist ihr mit sichtlicher
Liebe nachgegangen und hat sie nicht nur in den

Anmerkungen, wie er einleitend sagt, sondern auch im
Text ergänzt aus dem für andere Krönungen gebotenen
Material, Abweichungen hervorhebend. Er meldet, daß
von Edu. Eichmann, der 1912—16 seine verdienstliche
Quellensammlung zur kirchlichen Rechtsgeschichte und
zum Kirchenrecht bei Ferd. Schöningh in. Paderborn in
3 Heften erscheinen ließ, der im 1. Heft die wichtigsten
Quellen zur Salbung und Krönung der deutschen
Könige und Kaiser bot, eine Gesamtdarstellung der
Kaiserkrönungen im Mittelalter zu erwarten ist. Ein
kurzer Überblick auf die späteren Zeiten nach der
letzten Aachener Kaiserkrönung von 1531 beschließt
das Heft.

Marburg. Karl Wcnck.

Maistre, de: Vom Papste. 1. u. 2. Bd. Uebersetzt von Moritz
Lieber. Herausgegeben von Joseph Bernhart. München: Allgemeine
Verlagsanstalt München 1923. (III, 338 u. III, 339 S.) gr. 8°. =
Katholikon, Werke und Urkunden Bd. IV und V.

Graf Joseph de Maistre schrieb sein berühmtgewordenes
Werk ,Du Pape' als Gesandter des Königreichs
Sardinien in Petersburg in den Jahren 1816 und 1817.
Es erschien erstmals 1819 zu Lyon in zwei Bänden und
wurde beim Drucke von einem Freunde überwacht, während
der Verfasser selber zu Turin seines Amtes als
Staatsminister und Kanzler waltete. 1820 erschien die
zweite Ausgabe und nach ihr wurde das Werk von
Moritz Lieber, dem katholischen Politiker und Schriftsteller
, Vater des späteren Zentrumsführers Ernst Maria
L., ins Deutsche übersetzt (Frankfurt a. M. 1822). Diese
Übersetzung ist nun vom O. C. Recht-Verlag ,neit
herausgegeben worden mit den Anmerkungen, die Lieber
beigefügt hat, mit den Zitaten nach den alten Ausgaben,
mit all den falschen Stellenanführungen de Maistres,
ohne jeglichen Abstrich, ohne jegliche Bemerkung, wie
sie der Stand der kritischen Forschung heute, ja zu
einem großen Teil damals schon notwendig gemacht
hätte. Die einzige Änderung ist die Anwendung der
heutigen Rechtschreibung. Für diese Art der Herausgabe
trägt aber Bernhart keine Verantwortung, da er
nach seiner eigenen Erklärung (II, 298) nur den Anhang
beigesteuert hat, worin er ein Lebensbild de
Maistres zeichnet (11,221—297) und sich über dessen
Papstwerk verbreitet (II, 298—314), wobei auch die
methodischen Mängel unter Anlehnung an C. Latreille,
J. de M. et la Papaute (Paris 1906) gestreift werden.

Bernhart verweist (II, 308) auf ,die irrige Deutung eines ironisch
gemeinten Tertullian-Wortes (I, 57)' und ,die Verstümmelung
einer Cyprian-Stelle (I, 58)'. Allein jene Stelle bei Tertullian (de
pud. 1,6) ist neuestens noch trotz ihrer anerkannten Ironie, freilich
mit Unrecht, für den römischen Primat in Anspruch genommen
worden (von G. Esser). Und von Cypr. ep. 33, 1 (Härtel 566, 2)
sind allerdings die Worte ,ut ecclesia super episcopos constituatur
etc' weggelassen, aber im übrigen stimmt das Zitat. Dagegen sind
andere Cyprianstellcn bodenlos verzerrt und mißbraucht. So wird unter
dem .sacerdos Dei' in ep. 59, 5 (672, 2) der Papst (I, 60) in ep.
55, 8 (629, 10) unter dem ,sacerdotii sublime fastigium' das Papsttum
(I, 68) verstanden, während beidemal ganz offenkundig das
Bischofsamt gemeint ist. Nach I, 69 soll eine Cyprianstelle lauten
,das Band der Einheit', eine andere ,die Kirche, wo die vorzüglichste
Gewalt ihren Sitz hat' — diese Stellen gibt es nicht, ep. 59, 14
(683, 10), woran man denken könnte ,wird eigens angeführt und
irrigerweise in zwei verschiedene Briefe verlegt; und während I, 69
richtig von der .Quelle der priesterlichen Einheit' gesprochen wird,
lautet dieselbe Stelle I, 78 ,wo die Priesterwürde ihren Ursprung genommen
' und in der Anmerkung ,unde dignitas sacerdotalis exorta
est'. I, 70 soll die römische Kirche bei ,Ignat. epist ad Rom. in
subscript' heißen ,die apostolische Quelle', was sich dort nicht
findet. Das 7rp«x«.'fr/UsVr/ rijs (lyicnrjs ist merkwürdigerweise nicht
verwertet. Nach I, 57 berief Jrenäus sich schon auf den Stuhl des
hl. Petrus als auf die Richtschnur des Glaubens und bekannte jene
regierende Obergewalt ('Jfytuot'in), die in der Kirche so berühmt
ist'. I, 69 nennt ,S. Anacletus pap., epist. ad omnes episc. et fideles'
die römische Kirche .Wurzel und Mutter aller andern Kirchen' — nämlich
bei Ps.-lsidor. Nun wurde laut I, 71 Anm. 1 de Maistre sogar
von einer .römischen Kritik' auf die Unechtheit und Fragwürdigkeit
verschiedener der vom hl. Franz von Sales gesammelten und von ihm
I, 68 ff. übernommenen Stellen aufmerksam gemacht. Und was
entgegnet er darauf? ,Und wären sie alle falsch, so müßte man