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Ausgabe:

1924 Nr. 21

Spalte:

462-463

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hertel, Johannes

Titel/Untertitel:

Die Himmelstore im Veda und im Awesta 1924

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 21.

162

sicut in nullis unquam erat. Sicut posset incorporale
habitare in corpore, id est in toto homine, ita habitat,
ne o ex David unctus alienus sit a sapientia
neque sapientia in alio ita habitet." S. 53,13—20;
B. 314.

2. „Et post alia: In solo domino principaliter in eo;
etenim etiam in prophetis erat et in Mose et in
multis dom in is, sed magis in Christo sicut in
templo de i." S. 53, 21 ff-; B. 312f.

Daß diese Äußerungen Pauls aus den Disputationsakten stammen,
beweisen erstens die gesperrt gedruckten Teile, denn sie sind, von
Textvarianten abgesehen, identisch mit Hab meiner Reihe (PvS
77f.; = 10a b, S. 70), und 14 hat bei Leontius das Lemma: Tnv
avxov ix rov ngog yiaXyimxa d'iaXiyov ; zweitens folgt es daraus,
daß das Disputationsfragment 12 (PvS 76) Ausführungen Pauls, wie
Nr. 1 sie bietet, voraussetzt; und drittens daraus, daß der Synodalbrief
in Fragm. 18 a (PvS 70 = 332, 13 f.) und in Fragm. 32 d
(PvS 90 = 333, 24) auf Sätze in 1 und 2 hinweist. Und zwar sind
beide Zitate unmittelbar (nicht durch Vermittlung des Synodalbriefes
) den Disputationsakten entnommen. Das beweist das Lemma
von Nr. 2, das die in Fragm. Hab unmittelbar aneinander gerückten
gesperrten Sätze von Nr. 1 und Nr. 2 auseinanderhält. Auch die
Auslassung des ,in solo domino principaliter in eo" (= iv eiöxtg rü>
xvgüg <'tgycx(Sg ix ttvu»:) in Fragm. 14, das, wie ich bewiesen zu
haben glaube (PvS 118—120), aus dem Synodalbrief entnommen ist,
spricht dafür. Inbezug auf die Textvarianten ergibt sich daraus, daß
das durch Fragm. 10b und Hb für den Synodalbrief gut bezeugte
uiiXXnx de ix Mmaet dort festzuhalten ist, daß aber Paul in der
Disputation ,,et in Mose" gesagt hat. Dagegen ist das „dei" am Ende
von 2 auch im Synodalbrief (PvS 331, 17) einzusetzen, weil bei Hb
die einzige bekannte Hs, bei 10b eine Gruppe von Zeugen das
»eov bietet.

3. „Verbum e Spiritu saneto non genitum est. Verbum
homo non erat. In homine habitavit, [in] Abraham [in]
David. Verbum non genitum est. Sed omnes rursus
aeeeperunt salutem in spe praeparatam ex generatione in

Virgine Maria." S. 64, 28—33; B. 320.

Die Herkunft aus den Disputationsakten läßt sich bei diesem
Fragment ebenso wenig beweisen, wie bei den drei folgenden.
Aber wo die beiden ersten herstammen, da wird auch die Heimat der
vier andern mit Sicherheit anzunehmen sein. Der Text ist, wie Bardy
und seine Helfer durch die Einfügung des „in" anerkennen, nicht intakt
. Aber man muß fragen, ob er mit dem „in" verständlich wird.
Das „sed" bleibt unerklärlich, das isolierte „Verbum non genitum
est" anstößig. Genügt eine andre Abteilung: „6 Xoyng ovx rjx
' äxäwonos (vgl. Fragm. 15, PvS 337, 13—15), ix z(S <tx»gti>no)
r]x. V fiix 'Aßpctau ö daßiti ovyi cfs 6 Xiyog iyexxrj»rj"?
Dann wäre das „Verbum non genitum est", das tautologisch klingt,
oder, absolut, neben dem „rix Xuyox iyixxrjoex i, »eis" in Fragm. 24
(PvS 334, 28) auffällig (wenn auch nicht unmöglich) ist (denn das
7tQoeX»eix des Logos ist für Paul etwas anderes als das yexxr»r]xai
des Logos-Sohnes, vgl. PvS 205—208), deutlich von der Geburt
ins Fleisch gesagt, und der mit „sed" beginnende Satz könnte
an einen Gedanken anknüpfen, der vor dem „Verbum e spiritu saneto
non genitum est" ausgesprochen war. Oder entspricht das zweite
„non genitum" (trotz des „ingenitum" in Nr. 6) einem „ayixxritog"
und ist nach „Abraham, David" oder „in Abraham, in David" etwas
ausgefallen, das auf das adamitische Todesverhängnis hinwies (vgl.
das rursus aeeeperunt)? Diese Fragen sind ohne Kenntnis des
Armenischen auf keinen Fall zu beantworten — und vielleicht auch
mit solcher Kenntnis nicht.

4. „Dicta est Virgo parere (Jes. 7,14). Peperit Virgo;
proles Virginis Jesus Christus. Jesus Christus autem
passus est, et passus vivifieavit nos. Percussus est
»sciens portare infirmitatem« (Jes. 53, 3), et hominis »se-
pultura stiblata est e medio«, et passus est ille »sicut ovis
ad occisionem dueta, sicut agnus coram tonsore suo sine
voce« (Jes. 53, 7). IIIa scripta avertere non possunt a
fide nostra." S. 79, 3—10; B. 321 f.

Zu dem „sepultura sublata est e medio" bemerkt Bardy: „Sens
assez obscur! Peutetrc: l'homme a ete delivre de la mort". Aber es
gilt, ein Schriftwort nachzuweisen! Und man erwartet eine Stelle
aus Jes. 53. Kann Jes. 53, 8 {ft xpiois nliov r}g»r}) benutzt sein?
Vermutungen darüber, wie dann 'das „sepultura" zu erklären sein
würde, sind billig, aber ohne Kenntnis des Armenischen wertlos.

.5. Dies Fragment (S. 89, 18—21; B. 318) ist nach
Umfang und Inhalt identisch mit Fragment 15 meiner
Reihe (PvS 78 = 337, 13—15). Daß es unmittelbar
aus den Disputationsakten stamme, habe ich schon
PvS 125 angenommen.

6. „Nos cognoseimus unum ingenitum Deum, unum

genitum Christum, filium ejus factum. Non 6 »ex semine
David secundum carnem praedestinatus filius dei secun-
dum spiritum sanetificationis« (Rö. 1, 3f.), in quo verbum
praeelectum (praeeligens?) incarnatum est, [est] Verbum
filius, Verbum deus genitus." S. 108, 20—25; B. S. 322.

In diesem Texte, der die Lesart ngougwUeig in Rö. 1,4 für
Paul bestätigt (PvS 255) und dessen „nos" an das r)umx in Fragm.
23 (PvS 335, 14; vgl. 335, 22) erinnert, ist das „verbum praeelectum"
(=o Xiyog ngoogia»eig) unerträglich. Freilich hat C. E. Raven gemeint
, daß nach Paul „the Word existed toi rrpoogtaum" (PvS p. VII),
und auch Bardy (S. 407) behauptet, daß die Arianer „avec Paul"
gelehrt hätten, „que le Verbe n'est eternel que ngoyxmoei xai ngo»e-
ftjpt'n (vgl. Theodorct h. e. 1, 4, ed. Parmentier 11, 18)". Allein nur
ein falsches Verständnis des Fragm. 43 (PvS Hl = 338, 2; vgl.
139 II) erklärt diesen argen Irrtum (vgl. B. 324, Anm. 1). Verständiger
ist im Druck des Fragments (wohl von J. Lebon) statt praeelectum
" „praeeligens" vorgeschlagen. Aber ich glaube nicht, daß so
zu helfen ist. Kann nicht im Griechischen gestanden haben: „ix m i
Xoyog xarit ugiyxmaix (oder ix w Tipoeyxaiouixo) [vgl. 1. Petr.
1, 20] i Xöyog) owpf iyixeto"? Übrigens bietet das Fragment keine
Schwierigkeiten. Aber die ausdrückliche Abweisung der Begriffe
„Logos-Sohn" und „,7zöc Xiyog yexxr^ig" (vgl. Marceil, Fragm.
32, ed. Klastermann S. 190; vgl. Fragm. 80 u. 84, S. 202 f.) sowie
die Verwertung von Joh. 1, 14 ist dogmengcschichtlich in höchstem
Maße interessant.

Bardy hat, mitbestimmt dadurch, daß Timotheus
Aelurus — wie andre Monophysiten (B. 40, 44, 472,
474) — auch Leo d. G. mit Paul von Samosata in Zusammenhang
bringt (B. 15), gemeint, „que l'origine
meme des textes, qu'il (Timotheus) apporte, est trop
souvent suspecte" (S. 469). In Wirklichkeit gehören die
Fragmente der Disputationsakten, die Timotheus bringt, zu
den sichersten, die wir haben. Sie sind zugleich, wie
schon meine Anmerkungen gezeigt haben werden, besonders
lehrreich. Unerwartetes bieten sie freilich nicht.
Aber sie bestätigen literarkritische und dogmengeschichtliche
Erkenntnisse, die mir wertvoll scheinen, und verraten
auch etwas von der Heilslehre Pauls (vgl. PvS
202). Weiter beleuchten sie — namentlich Nr. 1 und
Nr. 2 — grell die parteiisch-unwahrhaftige Zitationsweise
der Synodalen von 268. — Eine bestimmte Stelle
in der an sich schon nicht sicheren Reihe der sonstigen
Disputationsfragmente läßt sich ihnen nicht zuweisen, obgleich
man Vermutungen derart haben kann. Ich hätte
sie, wenn ich sie gekannt hätte, unter Hinweis auf die
Unmöglichkeit einer mehr als willkürlichen Einordnung
ans Ende gestellt (nach PvS 337, 27).

Es hätte meinem Buche nicht wenig genützt, wenn
ich Bardy's Monographie, insonderheit (vgl. PvS 74)
seine Nachweisungen aus der monophysitischen Literatur
und seine sieben neuen sichern Fragmente hätte verwerten
können. Wesentliches anders darzustellen, als
ich es getan habe, hätte mir aber dies Buch, so wertvoll
es trotz seiner Schranken ist, keine Veranlassung gegeben
.

Halle a. S. Friedrich Loofs.

Hertel, Johannes: Die Himmelstore im Veda und im Awesta.

Leipzig: H. Haessel 1924. (69 S.) 8°. = Indo-lranische Quellen
und Forschungen, Heft 2. geb. Gm. 5—.
In seinem Vorwort bemerkt H. auf S. 5: „In einem
Vortrag über das Brahman habe ich gezeigt, daß die
gesamte indologische Forschung... in der Erklärung
des zentralen Begriffes des indischen Geisteslebens völlig
in der Irre gegangen ist"---- „Im Banne dieser

selben Tradition ist sie über Ort und Zeit des Rgvedas
zu völlig falschen Schlüssen gekommen", und S. 8:
...,,S. 196" (jenes Vortrags) „heißt es:...,Daß Sonne
und Mond die durch Zerschmettern des Steinhimmels
entstandenen Himmelstore sind, läßt sich schon für
die indo-arische Zeit nachweisen'. Diesen Nachweis
werden die folgenden Seiten erbringen; sie werden auch
zeigen, daß die Sterne den Indo-Ariern gleichfalls als
Öffnungen des Himmelsgewölbes galten." Nach einer
rgvedischen Anschauung drehe sich, sagt er ferner,
das steinere Himmelsgewölbe (41). So sauer es mir
wird, auf keine Weise läßt sich, schon damit nicht etwa
die Vedenforschung durch H. auf falsche Bahnen ge-