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Ausgabe:

1924 Nr. 20

Spalte:

440-441

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mpratsiotes, P. J.

Titel/Untertitel:

Ho Ioudaikos ochlos en tois Euaggeliois 1924

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 20.

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den ist, herum; auf verzweifelte Auskünfte von verkürzter
zeitlicher Perspektive u. a. m. verfallen wir nicht
mehr. Hinsichtlich jenes erwähnten Auszuges und Einzuges
etwa zu bemerken S. 66: „Vom Ölberge aus
sollte der Gottessohn der sündigen Stadt den Untergang
verkünden, aber auch in ihr seinen Einzug halten; von
ihm aus sollte er auch in die himmlische Glorie eingehen
. So hat der Ölberg tatsächlich die ,Herrlichkeit
Jahwes' gesehen", liegt einem protestantischen Schriftwissenschaftler
nicht mehr nah. Oder den Sinn von
C. 47, 13ff. schließlich S. 230 darin zu finden, daß dieser
Abschnitt wohl lehren wolle, daß, wer nur Gott innerlich
angehört, vom Heil nicht ausgeschlossen sei, und
daß die ihm am nächsten stehen, die durch Tugend
und Frömmigkeit sich auszeichnen, fällt uns nicht mehr
bei. Wir destillieren nicht mehr in solcher Weise,
sondern scheiden scharf zwischen rein historischem Verständnis
und etwa noch möglicher praktischer Verwertung
. Aber mit dem Gesagten soll nicht über die
vorliegende, in ihrer Art erfreuliche Arbeit abgeurteilt
werden, es gilt vielmehr ihre Bedingungen zu verstehen,
eine Exegese zu begreifen, die S. 16 „mutig das Übernatürliche
in der Erscheinung des atl. Prophetentums
bejaht". Und solches Begreifen macht um so mehr
Freude, als dieser Kommentar sich mit der neuesten
Literatur, auch der protestantischen wohl vertraut zeigt.

Während in dem neuesten protestantischen Kommentar
die Abbildungen fortgeblieben sind, bietet dieser für

4 Mk. zu habende von Heinisch auf einem Blatt deren

5 bzw. 7, die als Ergänzung einzelner unserer Kommentare
betrachtet werden können.

Dassensen, Kr. Einbeck. Hugo Duensing.

Wiesmann, Hermann, S. J.: Das Buch der Sprüche. Ueber-
setzt und erklärt. Bonn: P. Hanstein 1923. (VII, 100 S.) 4°. =
Die heilige Schrift des Alten Testaments. Übers, u. erkl. In
Verbindg. m. Fachgelehrten hrsg. v. Franz Feldmann u. Heinr.
Herkenne VI, 1. Gm. 1.40.

Das neue Bonner katholische Bibelwerk hat durch
den vorliegenden Band eine erfreuliche Fortsetzung
erfahren. Wenn auch naturgemäß mit großer Vorsicht
wird in der Einleitung auf Grund einer guten
Kenntnis auch der evangelischen Theologie — warum
fehlt Volz? — über die Einleitungsfragen mit Offenheit
des Blickes auch für die Abhängigkeiten von
der außerisraelitischen Spruchdichtung, die leider im
Kommentar selbst nicht aufgeführt wird, gehandelt und
im Kommentar, der durchgängig auf dem M.T. sich
aufbaut, der Textkritik ihr Recht eingeräumt. Daß
die neusten Entdeckungen auf ägyptologischem Gebiete
nicht mehr verwertet werden konnten, ist nicht Schuld
des Verfassers; sein Urteil über die Bedeutung der
Achikarparallelen im Verhältnis zu den ägyptischen wird
zu revidieren sein. Einzelne Unebenheiten in der Darstellung
— vgl. S. 10 die Einreihung der Prov. in die
philosophische Ethik gegenüber der richtigen Verwertung
auf S. 2 — oder der Übersetzung — etwa die
Wiedergabe von |-|V-] durch „Geist" in 1, 23 — können

den guten Gesamteindruck nicht beeinträchtigen. Der
sehr knappe Kommentar, dessen Benutzung ein ausführliches
Register erleichtert, umschreibt die Gedanken
des Textes und gibt reichliche Parallelen aus dem A.
u. N.T.

Halle a. S. joh. Hempel.

Bees, Dr. Nikos A.: Die Inschriftenaufzeichnung des Kodex
Sinaiticus Oraecus 508 (976) u. d. Maria-Spiläotissa-Kloster-
kirche bei Silie (Lykaonien). Mit Exkursen zur Geschichte der
Seldschukiden-Türken. (Texte und Forschungen zur Byzant.-Neu-
griech. Philologie Nr. 1) Berlin: Verlag der „Byzantinisch-
Neugriech. Jahrbücher" 1922. (89 S.) gr. 8°.

Einer noch heute im Süden verbreiteten Sitte der
literarischen Hochzeitsgabe folgend, bietet Bees zu einer
Vermählung Pianos-Tzetzes eine von ungemeiner
Belesenheit zeugende Studie, die sich an handschriftlich
erhaltene Bauinschriften der kappadokischen Klosterkirche
Maria Spiläotissa in Sille anknüpfend, über
gar vielerlei verbreitet: Legende und Kult des h. Chari-
ton als Beleg für palästinensisch-syrischen Einfluß auf
Kappadokien, Longinoslegenden, Ikonographie der Kirche
, ihre Baugeschichte; die Seldschukendynastie der
Sultane von Ikonion, ihre Genealogie und ihre Religionspolitik
; freundliches Verhältnis christlicher Mönche
und islamischer Derwische, Datierungen, byzantinische
Familien- und Ortsnamen usw. Die Bauinschriften
werden möglichst allseitig und restlos interpretiert. Es
ergibt sich trotz der schon in nicht geringer Zahl vorhandenen
Literatur darüber doch noch manch wertvoller
Aufschluß. Hie und da spürt man am Ausdruck den
Ausländer. S. 6 ob. muß es wohl heißen 7108.

Halle a. S. vonDobschütz.

Mpratsiotes, P.].: inouvriua tig zt]v npo; <Pi'kr]fj.oi'a intazo-
Xrjv IlavAov xov nnoaxoXuv, iiexa nanagz^fircxog tzeqi xov xijg
rhvbeiag {heaiiov li> xe xfj aQ/aiöxrjXt xai zfj K.J. Athen:
Prometheus-Druckerei 1923. (141 S.) 8».

Ders.: o 'lovda'Cxvg oyXog eV xolg EvayyeXioig. Athen: Ebd. 1923.
(60 S.) 8°.

P. J. Mpratsiotes, ein Schüler Heinricis, ein treuer
Freund deutscher Wissenschaft unter den griechischen
Theologen, der schon allerlei Studien über das Judentum
z. Zt. Jesu Christi 1918, über die religionsgeschichtliche
Schule 1920, über die Erziehung bei den Hebräern
1920, über Johannes d. Täufer im Gefängnis 1920, und
Johannes als Prophet 1921 veröffentlicht hat, fährt
fort wichtige Probleme des Urchristentums zu behandeln
.

Die eine Schrift (1923) ist ein Kommentar zum
Philemonbrief in der Art der früheren Meyerschen
Kommentare. M. läßt den Brief von Rom aus Anfang
63, kurz vor der Freilassung des Apostels, geschrieben
sein. Die Auslegung, die sowohl die Papyri als die
gesamte neuere Literatur — auch Reitzenstein u. A. berücksichtigt
, ist durch ruhige sachliche Klarheit und
Nüchternheit ausgezeichnet. M. geht m. E. sogar in
der Nüchternheit zuweit, wenn er die Namen - Wortspiele
in uyqrfxoq unnütz und Nichtchrist und evyqrjaxoq
nützlich und ein guter Christ leugnet. Daß von den
Auslegern besonders die griechischen zu Worte kommen,
ist begreiflich und erwünscht. M. sieht in v. 14 und 21
Andeutungen, daß Paulus die Freilassung wünscht und
erhofft, ebenso in dem iiüllov %Qf<am 1. Kor. 7, 21 eine
Anweisung, von der Möglichkeit des Freiwerdens Gebrauch
zu machen und sucht in dem Exkurs über Antike,
Sklaverei und das N. T. im Anschluß an v. Walter den
Einfluß des Christentums auf die Neugestaltung der
Sklaverei möglichst hoch anzuschlagen, ohne freilich
zu verkennen, daß das Evangelium an der Rechtslage
zunächst nichts geändert hat, daß umbildende Tendenzen
auch in der gleichzeitigen Philosophie vorhanden waren.
Da, wo das Problem eigentlich interessant wird, bei
der Frage: ist es die christliche Kirche oder ist
es das Mönchtum gewesen, das die endgültige Beseitigung
der Sklaverei bewirkt hat, bricht M. leider ab.
Zum Schluß vergleicht er noch 3 antike Briefe, den
des Abbas Kaor an Fl. Abinäus (bei Deißmann „Licht
v.Osten", 154), den des Isidor v. Pelusium an den Scho-
lasticus Eiron (MPG. 78, 277) und Plinius an Sabinian
ep. IX 21, dabei gut Heinricis Distinguamus befolgend.

Das andere Schriftchen ist eine Studie über den
Amhaarez im palästinensischen Judentum der Zeit Jesu.
M. versucht erst ein Bild dieser Volksklasse nach den
außerbiblischen Quellen zu zeichnen (Mischna, Talmud,
Pseudepigraphen — auf Josephus' Tendenzschriftstelle-
rei sei nicht viel zu geben) und dies dann mit Hilfe der
Evangelien auszuführen. In Anbahnung an Schürer und
Paß (ERE I, 385) versteht M. unter Amhaarez die nicht
pharisäisch gerichtete Volksmenge, die in gedrückter
ökonomischer Lage, jüdisch fromm und voll nationaler
Erwartung, doch nicht die pharisäischen Besonderheiten