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Ausgabe:

1924 Nr. 20

Spalte:

437

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilson, Robert Forrest

Titel/Untertitel:

The living pageant of the Nile 1924

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Seite 1

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437

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 20.

438

(S. 40—72); 3. Bleichen, Färben und Waschen (S.
73_101); 4. Die Tracht der afrikanischen und Mittelmeer
-Völker (S. 102—141) und 5. Die Tracht der asiatischen
Völker (S. 142—192). Dazu kommen 151 Abbildungen
, die nicht gerade erstklassig sind und für so
subtile Untersuchungen nicht genügen. Das Buch von
Walter Reimpell über die „Geschichte der babylonischen
und assyrischen Kleidung" (Curtius, Berlin
1921) wird vom Verfasser nicht erwähnt und scheint
ihm völlig unbekannt zu sein; sonst hätte er seine Darstellung
über die Tracht der asiatischen Völker wohl
nicht zu veröffentlichen gewagt. Auch die Ausführungen
über die Tracht der afrikanischen und Mittelmeer-Völker
sind unzulänglich und fördern die geschichtliche Erkenntnis
nicht. Dagegen ist der Stoff, der in den ersten
drei Abhandlungen gesammelt ist, als Vorarbeit zu
tieferem Eindringen nützlich; doch empfiehlt es sich,
genau nachzuprüfen und andere Darstellungen, namentlich
die Archäologie von Samuel Krauss, zur
Kontrolle heranzuziehen.

Bvrlin-Schlachtensee. Hugo Greßmann.

Wilson, Robert Forrest: The living pageant of the Nile.

Illustrated by E. F. Ward. Indianapolis: The Bobbs-Merrill Company
1924. (240 S. m. 4 [lfarb.] Abb.) 8°.

Plaudereien eines Touristen über Hatschepsut
„Prinz Memmons Weib", Thutanchamon, die ewige
Jugend Thebens, ägyptische Geschichte, Ausgrabungen
und Anderes. Der Verf. hat sich für einen Laien verhältnismäßig
gute Kenntnisse angeeignet, aber bisweilen
geht doch die Phantasie allzusehr mit ihm durch;
so läßt er z. B. in den Adern der Südägypter auch
phönikisches Blut rollen, wodurch sie sogar zu Blutsverwandten
der Philister wurden (S. 16 f.).

Berlin-Schlachtensce. Hugo Greßmann.

Saintyves, P.: Essais de folklore biblique. Magie, mythes
et miracles dans l'Ancien et le Nouveau Testament. Paris: E.
Nourry 1023. (XVI, 483 S.) 4°.

S. vereinigt hier Aufsätze, die meist schon anderswo
erschienen sind, die aber bei uns in Deutschland
kaum zugänglich waren. Um so dankbarer sind wir für
diese außerordentlich wertvolle Sammlung, deren Studien
geradezu mustergültig sind. Solche Arbeiten brauchen
wir, um in der Erkenntnis fortzuschreiten, und es ist
dringend zu wünschen, daß unsere Alt- und Neutesta-
mentler hier in die Schule gehen und lernen, wie man
nicht nur auf dem Gebiet der Literarkritik Früchte
ernten kann, die der Religionsgeschichte zu gute
kommen. Hier wird nicht bloß Stoff auf Stoff gehäuft,
obwohl das auch dazu gehört, sondern er wird zugleich
ideengeschichtlich verwertet. Die „Legenden"motive
werden zunächst auf ihren magisch-religiösen Ursprung
zurückgeführt, der anderswo oft auf einen Namen oder
ein Bild, in der Bibel dagegen meist auf einen Ritus
zurückgeht. So lehrt z. B. die Folklore, daß noch auf
christlichem Boden die Verwandlung von Wasser in
Wein oft mit einem Libationsritus verbunden ist, ein Beweis
dafür, daß dies Wundermotiv überhaupt einem
Ritus entsprungen ist, der die Fruchtbarkeit des Weinbergs
gewährleisten will. Aber es genügt nicht, diesen
ursprünglichen Sinn festzustellen; wenn ein solches Motiv
im Alten oder Neuen Testament benutzt wird, kommt
oft eine Vergeistigung oder ein symbolischer Sinn hinzu
, der für den Historiker ebenso wichtig ist wie die
primitiv - magische Anschauung. Das Verwandlungswunder
auf der Hochzeit zu Kana ist von dem Ritus
ganz losgelöst, und zweifellos muß der Forscher untersuchen
, wie das möglich war und was das bedeutet. So
wird man den Prinzipien des Verfassers durchaus zustimmen
müssen. Erfreulich ist auch, daß die Belege
stets wörtlich gegeben werden, wenn auch in französischer
Übersetzung, und daß man infolgedessen bequem
nachprüfen kann; gewiß wird man in besonderen Fällen
den Urtext zu Rate ziehen müssen, aber man weiß

wenigstens, was man dort erwarten darf, und das ist gerade
bei dieser weitzerstreuten folkloristischen Literatur
sehr wünschenswert. Lieber weniger Beispiele, aber
diese dann wörtlich, als eine Fülle von nichtssagenden
Verweisen in Hieroglyphenform! Das ist ein Vorzug, den
S. im allgemeinen vor Frazer voraus hat, wie er ihn
auch darin übertrifft, daß er sich von allzukühnen
Vermutungen fernhält; auch wenn man nicht überall
überzeugt wird, wie es bei den oft sehr disparaten Stoffmassen
natürlich ist, folgt man doch überall willig den
geistvollen Ausführungen.

Behandelt werden 1. das Feuer, das vom Himmel fällt, und die
Wiedererneuerung des heiligen Feuers (S. 1—58); 2. Der blühende
Stab Aarons oder das Thema von dem dürren Stock, der wieder grünt
(S. 59—137); 3. Das Wasser, das aus dem Felsen springt unter
dem Stock oder dem Pfeil; Mose, Dionysos und Mithra; Jesus und
die Quelle lebendigen Wassers (S. 139—176); 4. Der Umgang um
die Stadt und der Fall Jerichos (S. 177—204); 5. Der liturgische
Ursprung des Wunders der Verwandlung von Wasser in Wein
(S. 205—229); 6. Das Wunder der Vervielfältigung der Brote
(S. 231—306); 7. Das Wunder des Meerwandeins und seine Bedeutung
(S. 307—363); 8. Der Ring des Polycrates und der
Stater im Maul des Fisches (S. 365—404); 9. Zwei Themata der
Passion und ihre symbolische Bedeutung [der Rock ohne Naht; das
Zerreißen des Vorhangs und der Aufruhr der Elemente] (S. 405—463).
Ein ausführliches Namensverzeichnis schließt den Band (S. 465—483).
Berlin-Schlachtensee. Hugo Greßmann.

H e i n i s c h , Prof. Dr. Paul: Das Buch Ezechiel. Übersetzt u.
erklärt. Mit erzbischöflicher Druckerlaubnis. 1. bis 5. Tausend.
Bonn: P. Hanstein 1923. (VIII, 236 S. m. 5 Abb.) 4°. = Die
heilige Schrift des Alten Testaments. Obers, u. erkl. In Verbindg.
m. Fachgelehrten hrsg. v. Franz Feldmann u. Heinr. Herkenne,
VIII, 1. Gm. 4—.

Dieser im Inhalt knappe, im Ausdruck klare, im Urteil
bestimmte Kommentar ohne gelehrten Apparat ist
ein Beweis für die Möglichkeit des Zusammenarbeitens
katholischer und protestantischer Exegese, wenigstens
streckenweise. Eine erste Strecke, auf der ein gemeinsames
Zusammengehen möglich ist, ist die Textkritik
. Dem Kommentar ist die Textherstellung von
Rothstein v. J. 1906 zu Grunde gelegt. Aber auch von
andern Textherstellungen und Konjekturvorschlägen ist
Kenntnis genommen, ja der Verfasser verschmäht auch
eigene Konjekturen nicht. Verglichen mit dem neuesten
protestantischen Kommentar, dem von Herrmann, gewährt
er das interessante Schauspiel, daß der Katholik
stellenweise freier verfährt und der Protestant der konservativere
ist. Die Textänderungen sind in der über
dem Kommentar stehenden Übersetzung gesperrt gedruckt
. Hinsichtlich der Behandlung der poetischen
Stücke schließt sich der Verfasser an die von Zapletal
gegebenen Richtlinien an. — In gewissen Grenzen ist
! auch eine Verständigung hinsichtlich der Literar-
I kritik möglich. Der Verfasser erkennt Redaktoren-
arbeit an, will auf sie manche unglückliche Anordnung
zurückführen, auch die Stellung von 11,1—13; 11,14
bis 21; 39,17—20; 39,23—29; spürt ihre Hand besonders
in C. 40—48 und urteilt, die Auffüllung in
C. 10, wo er nur die Verse 2. 3a. 7. 18. 19 für ursprünglich
hält, stamme nicht von der Hand der Propheten,
und seine Autorschaft sei bei 45,9—12 sehr fraglich.
Das alles ist diskutabel, und es handelt sich, wenn überall
in der katholischen Exegese so verfahren werden
sollte, um das Maß des Beanstandeten, das innerhalb
der protestantischen Exegese dadurch vergrößert wird,
daß nicht nur innere Unstimmigkeiten, sondern auch
sachliche und geschichtliche Urteile oft zum Zweifel
an der Authentizität führen. Die gegenseitige Verständigung
und das Voneinanderlernen wird schwieriger beim
sachlichen Verständnis und bei der Beurteilung
. Wenige Beispiele genügen zum Beleg: Jahwe
zieht nur symbolisch aus Stadt und Tempel aus und
wieder ein (43,2). Mit der Frage, wie sich die dem
Wortlaut nach offenbar nicht erfüllten Prophetien doch
erfüllt haben, schlägt sich dieser Kommentar, nicht aber
mehr die protestantische Exegese, die historisch gewor-