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Ausgabe:

1924

Spalte:

433-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dimand, M.

Titel/Untertitel:

Die Ornamentik der ägyptischen Wollwirkereien 1924

Rezensent:

Pieper, M.

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I

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von

Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise vierteljährlich 7.50 Gm.; 11— s. Fr.; 9 sh.; 2— $; 5.40 Fl.; 11.50 d. Kr.; 14.40 n. Kr.;

7.50 s. Kr.; 45— Lire; 66.50 tsch. Kr.; 80— finn. Mark.

40 abret r 70 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind au sschli eßlich an Professor D. Hirsch in Oöttlngen, A Pkfnhpr |Q?4

17. .idlirg. Hr. Z.U. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. *• V/tvlUUCl I7i.t.

Dimand, Die Ornamentik der ägyptischen

Wollwirkereien (Pieper).
Lutz, Textiles and Costumes among the Peop-

les of the Ancient Near East (Grelhnann).
Wilson, The Eving pageant of the Nile (Ders.).
S a i n t y v e s , Essais de folklore biblique (Ders.).
Heinisch, Das Buch Ezechiel (Duensing).
W i es m a n n , Das Buch der Sprüche (Hempel).
Bees, Die Inschriftenaufzeichnung des Kodex

Sinaiticus Oraecus 508 (976) und die Maria-

Spiläotissa-Klosterkirche bei Sille (Lykaonien)

(v. Dobschütz).
Mpratsiotes, Snotunuut eis rrjx TiQog

i'iX^iioxa tTUOToXrji' UaiXov (Ders.).
- 6 'fovdaixog üy'Aog ix xolg Ev«yye'Aiotg(Ders.).
Geys er, Augustin und die phänomenologische

Religionsphilosophie der Gegenwart (Winkler).

Altan er, Die Dominikanermissionen des 13.

Jahrhunderts (Lempp).
Rossi, Lutero e Roma (Kattenbusch).
Müller, II Dr Paulus di Monaco il Beato

Fidati e Lutero (Ders.).
Conscientia (Ders.).
Rivista trimestriale (Ders.).
II Progresso religioso (Ders.).
Solovev, I fondamenti spirituali della vita

(Ders.).

G r i s a r, Luther (v. Harnack).

Stock mann, Die deutsche Romantik (Petsch).

— Die jüngere Romantik (Ders.).

Levin, Die Heidelberger Romantik (Ders.).

Salonion, Das Mittelalter als Ideal in der

Romantik (Ders.).
Müllers Schriften (Ders.).

Schlegels Vorlesungen (Petsch).
Novalis Werke (Ders.).

Jahrbuch des Evangelischen Vereins für westfälische
Kirchengeschichtc (Hashagen).

Rundschreiben Unseres Heiligsten Vaters Pius XI.
(Mulert).

Rundschreiben Unseres Heiligsten Vaters Benedikt

XV. (Ders.).
K a s t n e r, Praktischer Brevier - Kommentar

(Fendt).

Charles, La Robe sans Cotiture (Katz).
Ell wo od, Zur Erneuerung der Religion
(Thimme).

Piper, Weltliches Christentum (Schian).
Heim, Glatibensgewiliheit (Wehrung).

Dimand, M.: Die Ornamentik der ägyptischen Wollwirkereien
. Stilprobleme der spätantiken und koptischen Kunst. Hrsg.
vom kulturhistorischen Museum in Lund (Schweden). Leipzig:
J. C. Hinrichs 1924. (IV, 76 S. u. 18 Tafeln.) 4«.

Gm. 12—; geb. 14.50.

Über der Wissenschaft von den Kopten hat ein
eigener Unstern gewaltet. Ging die Ägyptologie von
vornherein darauf aus, ein Gesamtbild der ägyptischen
Kultur zu entwerfen, so haben sich in die Hinterlassenschaft
der christlichen Ägypter von vornherein drei
Wissenschaften geteilt, die nicht immer die nötige Fühlung
miteinander behielten, Theologie, Sprachforschung
und Kunstgeschichte. Darunter hat das Ganze offensichtlich
gelitten. Das ist schade, denn gerade die koptische
Kultur hat ein völlig einheitliches Gepräge. Das
Christentum hat ihr den Stempel aufgedrückt, konnte
aber nicht verhindern, daß das alte Volkstum wieder
durchbrach.

Unter diesem Gesichtspunkt: Übernahme neuer Formen
, dann Wiederdurchdringen des alten Volkscharakters
muß auch die koptische Kunst beurteilt werden.

Es war zu erwarten, daß ihr Formenschatz christlich
, d. h. in diesem Falle hellenistisch-syrisch sein
würde.

Es lag andererseits das Bestreben nahe, auch in der
koptischen Kunst das Altägyptische herauszufinden. Aber
hier stand man vor anscheinend unlösbaren Schwierigkeiten
. Josef Strzygowski und seine Schule glaubten
schließlich des Rätsels Lösung in Indien und China (gelegentlich
auch in Turkestan) gefunden zu haben.

Auf ähnlichen Bahnen wandelt der Verfasser, ein
schwedischer Gelehrter, der in dem zu besprechenden
Buche der Entstehung des koptischen Textilornaments
nachgegangen ist. Er hat seine Aufgabe mit dem weiten
Blick in Angriff genommen, den ziergeschichtliche
Untersuchungen nicht immer zeigen. Zunächst sucht
er über die kulturgeschichtlichen Voraussetzungen zu
orientieren. Ich kann freilich nicht verhehlen, daß
nach meiner Ansicht der Verf. sich allzuschnell aus
Handbüchern ein Bild der vorderasiatischen Kultur geschaffen
hat. Das im einzelnen zu belegen, verbietet
der Raum.

Verf. bespricht ziemlich ausführlich die christliche Zeit Ägyptens,
aber, wie mir wenigstens scheint, ohne für sein kunstgeschichtliches
Thema daraus die Konsequenzen zu ziehen, d. h. ausführlich, nicht
nebenbei darzulegen, was die Ägypter von der Kunst der Völker, die
ihnen das Christentum gebracht, übernommen und wie sie es verarbeitet
haben.

Im zweiten Kapitel: Entwicklung der Gewandverzierung
, hebt Verf. den Gegensatz zwischen der
einfachen und unverzierten Gewandung der Ägypter
und den reich geschmückten Gewändern der Fremdvölker
hervor. Aber den Schluß, daß die reiche Verzierung
der koptischen Gewänder im Gegensatz zu den
altägyptischen einfach auf asiatischen Einfluß zurückzuführen
sei, kann ich nicht für richtig halten, zum
mindesten täuscht er über die Kompliziertheit des Problems
hinweg.

Die Entwicklung der ägyptischen Kultur zeigt uns eine von
Jahrhundert zu Jahrhundert reichere Entfaltung des Ornaments, die
zwar in der äg. Spätzeit einen Rückschlag erleidet, aber ihn bald
wieder überwindet. Die ptolemäischen Tempel, die jedes Kapitel individuell
behandeln, sind ein deutliches Beispiel dafür. Das ist
wachsende Freude am Ornament, die allerdings durch ausländische
Vorbilder angeregt sein mag, sich in ihrer Weise zu betätigen.

Die christliche Kunst Syriens fand die Ägypter nicht
unvorbereitet, so entstand eine neue Ornamentik, bei der
sich das dekorative Stilgefühl der Ägypter ebensowenig
verleugnete, wie später in arabischer Zeit. Der Besprechung
dieser koptischen Ornamentik, soweit sie sich
auf Geweben findet, ist der Hauptteil des Buches
gewidmet. Zunächst wird das einfarbige Ornament
behandelt und mit kurzen Worten der figürlichen Darstellungen
gedacht. Verf. glaubt die Stoffe, die er bespricht
und abbildet, in das dritte bis fünfte Jahrhundert
setzen zu können, im wesentlichen wird man ihm darin
zustimmen.

Auch darin, daß die ursprünglich plastisch realistischen
Figuren allmählich geometrisch stilisiert werden
. Daß dies ein Zeichen des vordringenden Ägypter-
tums ist, ist möglich, allerdings nicht sicher. Durch die
ganze antike Welt geht von der späteren Kaiserzeit an'
ein Streben nach Verflüchtigung des Individuell-Realistischen
, Schematisierung und Geometrisierung, dessen
Ursachen sehr tief liegen, sie dürften genau wie im

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