Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1924 Nr. 19

Spalte:

415

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Robinson, Th. H.

Titel/Untertitel:

The Book of Amos 1924

Rezensent:

Volz, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

415

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 19.

416

seiner Freiheit bewußt werden solle. Im zehnten Gebot
meine das Begehren tatsächlich die bloße Absicht
auf den Gewinn des Gutes, das Gott einem anderen gegeben
hat. Der Unterschied der Formung des Gebots
in Exodus und Deuteronomium sei nur formal, die Erwähnung
des Feldes im letzteren durch die Nähe Kanaans
veranlaßt. Die besondere Auslegung der Gebote
im rabbinischen Recht wird nicht berücksichtigt, und
zum Schluß von jüdischer Orthodoxie und vor allem
von der Forderung des ersten Wortes weit abgewichen
mit dem Lobpreise des Dekalogs als „des Meisterwerks
des religiösen Genies (Crn^N) Israels".

Greifswald. G. Dal man.

Robinson, Th. H.: The Book of Arnos. Hebrew Text ed.
with critical a. grammatical notes. Texts for students Nr. 30. London
, Society for Promoting Christian Knowledge. New York a.
Toronto: The Macmillan Co. 1923. (61 S.).
Die Ausgabe ist für Studenten bestimmt und dient hauptsächlich
zur Befestigung in der Grammatik. Der Text, metrisch gedruckt
und nach Sinnabschnitten getrennt, folgt der Masora mit kleinen Abänderungen
, meist nach G oder nach heutigen Konjekturen (z.B. 9,1).
Die Noten enthalten absichtlich nur wenig Exegetisches, ganz überwiegend
Grammatikalisches; außerdem kurze Angaben des Inhalts, des
Rhythmus, der Text- und Literarkritik. Die Einleitung äußert sich
über Rhythmik und Metrik und über die literarische Entstehung des
Amosbuches und folgt hierin der kritischen Schule. Das Vokabular
ist besonders nützlich für den grammatikalischen Zweck, und das
ganze Büchlein wird dem englischen Studenten im Studium des
Arnos guten Dienst leisten.

Tübingen. P. Volz.

Galrdner, W. H. T.: King Hezekiah, a tragical Drama in a
Prologue and four Acts. London, Society for Promoting Christian
Knowledge. New York a. Toronto: The Macmillan Co. 1923. (X,
84 S.).

Vf. ist überzeugt, daß die Bibel durch das Drama so gut wie
durch das Oratorium dem gegenwärtigen Menschen näher gebracht
werden kann. Es ist in der Tat ein sehr glücklicher Gedanke, das
Erlebnis Jerusalems im Jahr 701 v. Chr., eine der bewegtesten
Szenen seiner wechselvollen Geschichte, für die Bühne zu bearbeiten
. Vf. stellt dabei den König Hiskia in den Mittelpunkt und
zeigt in eigenartig selbständiger Auffassung dessen seelische Kämpfe
als Spiegel der äußeren Kämpfe. Die überragende Gestalt des
Jesaja ist gut erfaßt, und da der Vf. das biblische und außerbiblische
Material trefflich benutzt, hat der Leser nicht nur die geschichtlichen
Vorgänge lebendig vor sich, sondern vor allem auch die Eigenart des
prophetischen Auftretens und die Stimmungen des Volkshaufens.
Tübingen. P. Volz.

Boutflower, Charles, M. A.: In and around the Book of Daniel,

with Preface by Th. G. Pinchcs. 15 Illustr. London, Society for
Promoting Christian Knowledge. New York a. Toronto: The Macmillan
Co. 1923. (XVIII, 314 S.).
Vf. gehört zu den, besonders in England nicht seltenen Schriftstellern
, die archäologische Gelehrsamkeit mit äußerst konservativer
Bibelbetrachtung vereinigen. Auch dieses Buch zeigt sich sehr vertraut
mit der profanen Geschichte (auch mit den neuesten Funden über den
Fall Ninives) und enthält einige wertvolle, teilweise vorzügliche Abbildungen
(z. B. die Kamee Nebukadresars). Daneben her geht eine
hochkonservative Schätzung der Danielapokalypse. Vf. hält sie für das
Erzeugnis eines gottbegnadeten Juden aus der Zeit der babylonischen
Gefangenschaft; die wunderbaren Erzählungen sind wirkliche Erlebnisse
; die Gesichte erweisen Daniel als einen besonderen Günstling des
Himmels, dem Offenbarung über das Ende der Zeiten zu teil wurde
wie sonst keinem andern Menschen außer Johannes, dem Seher des
N.T.; dies erklärt auch, daß Jesus keinem andern Buch des A.T. mehr
Ehre gab als dem Buch Daniel.
Tübingen. p. Volz.

Heinisch, Prof. Dr. Paul: Die persönliche Weisheit des Alten
Testaments in religionsgeschichtlicher Beleuchtung. Münster
i. W.: Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung 1923. (63 S.) 8°. =
Biblische Zeitfragen, Heft 1/2.
Der gelehrte und belesene Vf. bespricht die religionsgeschichtlichen
Parallelen zur biblischen Weisheitshypostase und untersucht, was in
der babylonischen, ägyptischen und persischen Religion an verwandten
Gestalten vorhanden ist. Mit den gründlichsten Quellenbelegen werden
der Reihe nach durchgesprochen Ea, Marduk und Nebo, Istar, Nina
und Nisaba, außerdem der wenig genannte, am meisten mit der Hypostase
der Weisheit vergleichbare Chasisu; dann Ptah, Tot und Isis;

endlich unter den persischen Hypostasen vor allem Armatai. Grundsätzlich
seien, meint H., äußere Einflüsse, die zur Hypostasierung der
Weisheit im A.T. führten, nicht ausgeschlossen und mit der Tatsache
der Inspiration vereinbar; auch bestehe zwischen der biblischen Hypostase
der Weisheit und jenen erwähnten Gestalten der anderen Religionen
manche Verwandtschaft, besonders auch darin, daß die Weisheit
hier wie dort nicht lediglich Lebensklugheit, sondern ein religiössittlicher
Begriff ist. Aber Vf. kommt doch zu dem Ergebnis, daß in
Israel die göttliche Weisheit ganz selbständig, ohne äußeren Einfluß
von einer Eigenschaft Jahwes zur Hypostase entwickelt wurde, daß
weder Babylonien noch Griechenland hierin eine entscheidende Wirkung
auf das A.T. ausgeübt habe, und daß die alttestamentliche Hypostase
von jenen außerisraelitischen Parallelen vor allem durch ihren streng
monotheistischen Charakter doch wesentlich verschieden sei. — Ich
gebe zu, daß die Beziehungen zwischen den babylonisch-ägyptischen
Göttern und der biblischen Weisheitshypostase sehr lose sind; aber ich
frage, ob das Verhältnis zwischen der biblischen Hypostase und den
Hypostasen der Gathas nicht doch enger ist, als H. annimmt. Seine
Äußerungen über die Hypostasen der Gathas selbst (S. 35f. 45) sind
nicht eindeutig und deutlich, und es ist auch nicht genügend geschieden
zwischen der Stellung Sarathuschtras und der späteren Zeit.
M. E. sind die Hypostasen der Gathas nicht ursprüngliche Naturgottheiten
, sondern ursprüngliche Personifikationen abstrakter Begriffe
und Eigenschaften, und ich halte es nicht für unwahrscheinlich, daß
dieser persische Vorgang die gleiche Entwicklung im Judentum mit
veranlaßt hat.

Tübingen. P. Volz.

Nr. 705 — II.

G a n z f r i d, siomö; Qissar sulhän cärok Mm tt däwtd. Tl. 1. Leipzig:
Rabbiner D. Feldmann'1924. (III, VI, 164 S. und Anhang: Feldmann
, David: jja'ar hassijjürim. 26 S. mit Abb.) gr. 8°. = Ganzfried
: Auszug aus d. Schulchan Aruch. Erl. u. hrsg. von David
Feldmann. 1. geb. Gm. 5—.

Es ist ein Zeichen von neuem Aufleben der jüdischen
Orthodoxie in Deutschland, daß dieser hebräische
Abriß des Schulchan Aruch, den Salomo Ganzfried
(gest. 1908) 1864 zum ersten Mal herausgab und der
mir in achter Auflage vom Jahre 1874 vorliegt, von dem
Leipziger Rabbiner Feldmann mit Benutzung von handschriftlichen
Bemerkungen des Verfassers neu herausgegeben
wird, wie es scheint, zu Unterrichtszwecken,
weil eine Einleitung vorangeschickt ist, welche nützliche
Vorkenntnisse mitteilt, und ein Anhang beigegeben
wird, aus dessen Abbildungen man lernen kann,
wie mit Schaufäden, Gebetsmantel, Gebetsriemen und
Pfostenschrift zu verfahren ist und wie man am Sabbat
einen Schlüssel tragen kann. Quellenangaben unter dem
Text werden fortgeschrittenen Schülern, Verdeutschungen
einzelner Ausdrücke den Anfängern nützen. Doch
fehlt ein Schlüssel für die angewandten Abkürzungen.
Rätselhaft ist, warum das Buch mit § 97 schließt,
während das Original 221 Paragraphen hat. Das Recht
der Festtage und der Totengebräuche, aber auch vieler
anderer sittlicher und religiöser Pflichten fehlt. Es muß
also wohl ein zweiter Band bevorstehen, der nirgends
angekündigt ist. Wer jüdische Ritualistik kennen lernen
will, kann sich hier rasch und zuverlässig unterrichten.
Greifswald. G. D a 1 m a n.

Mader, Prof. Dr. Joh.: Viereiniges Evangelium. Münster i.W:
Aschendorffsche Verlagsbuchh. 1923. (24 S.) gr. 8». Gm.-75.
Das Heft enthält eine Evangelienharmonie in Perikopen-Ober-
schriften. Der Verf. meint damit aber mehr zu geben als eine' Obersicht
über den Inhalt der Evangelien zu praktischem Gebrauch; er
denkt offenbar die historische Reihenfolge des Lebens Jesu herzustellen
. Er benutzt als Grundlage Lukas und Johannes, jenen, weil
er nach der zeitlichen Reihenfolge, diesen, weil er nach Tagen und
Jahresfesten ordne. Die Übereinstimmung zwischen den Synoptikern,
die M. „Drillinge" nennt, und Johannes wird dadurch hergestellt, daß
dieser und jene drei in einander geschoben werden und auch aus Johannes
die einjährige Dauer des Wirkens Jesu herausgelesen wird:
6,4 sei eine zu Unrecht in den Text eingedrungene Glosse. Von Einzelheiten
interessiert vielleicht, daß „Königischer" und Hauptmann von
Kapernaum nicht identifiziert werden, und daß die Lukas-Salbung an
ihre Stelle, die Bethanien-Salbung, durch Mt. Mk. und Joh. bezeugt,
an ihrem johanneischen Ort, also vor dem Einzug aufgeführt wird.
Warum mir diese harmonistische Arbeit wertlos scheint, brauche ich
wohl nicht erst zu begründen.

Heidelberg. Martin Dibelius.