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Ausgabe:

1924 Nr. 16

Spalte:

349-352

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buonaiuti, Ernesto

Titel/Untertitel:

Apologia del Catholicismo 1924

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 16.

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Die von der Straßburger wissenschaftlichen Oesellschaft
unter Leitung von Ed. Schwartz unternommene
Nctiherausgabe der Akten des Konzils von Ephesus (vgl.
diese Ztg. 1923, 161 und 374) nimmt erfreulicherweise
ihren Fortgang. Im ersten Teil des vol. V veröffentlicht
Schw. die Collectio Palatina (Vatic. 234). Es liegen
2 Hefte vor (144 S.). Die Prolegomena fehlen noch.
Schw. hat sich aber schon in seiner Akademie-Abhandlung
,Die sog. Oegenanathematismen des Nestorius'
1922, 6 ff. über diese Sammlung verbreitet. Sie enthält
zunächst den Brief des Papstes Anastasius I. an
den Bischof Johannes von Jerusalem über Rufin als
Übersetzer des Origenes. Sodann ein namenloses Glaubensbekenntnis
, worin ein Mann, der zu den hl. Stätten
Jerusalems und Bethlehems gereist ist und sich dort
wohl als Mönch niedergelassen hat, das Ärgernis, das
er durch Irrtümer gegeben hat oder gegeben haben soll,
durch Verfluchung von zwölf, zum Teil offenkundig
origenistischen Sätzen wieder gut macht. Vielleicht ist
es von Hieronymus aufgesetzt als eine Art Antiorige-
nisteneid. Hierauf folgt eine Abhandlung des Marius
Mercator ,Commonitorium adversum haeresim Pelagii
vel etiam scripta Juliani', woraus man seit Garnier und
Baluze geschlossen hat, daß alle folgenden Stücke der
Sammlung von Marius Mercator herrührten. Daß dies
nicht der Fall ist, hat Schw. a. a. O. dargetan. Während
Marius Mercator seinen, gegen Pelagianer und Nesto-
rianer gerichteten, Streitschriften Einleitungen vorausschickt
, hören nachher bei den weiteren Stücken Vorreden
und zum Teil sogar die Überschriften auf, selbst
wo sie so notwendig wären wie bei der Übersetzung der
Sitzung der cyrillischen Synode zu Ephesus vom 22.
Juli 431 (p. 85). Auch der Name Mercators kommt
nach dem ,Commonitorium super nomine Caelestii'
(von p. 71 an) in der Sammlung nicht mehr vor. Die
ganze Sammlung gehört, wie schon die Aufnahme der
,Blasphemiae' des Bischofs Ibas von Edessa und andere
Beobachtungen zeigen, der Zeit des sich vorbereitenden
oder schon entbrannten Streites um die drei Kapitel an
und stammt aus dem Kreise scythischer (gothischer)
Mönche, die ebenso für Augustins Erbsündenlehre wie
für den Satz vom slg rf/C rgindog 7ta&wv eintraten
und zu diesem Zweck das Schrifttum des Mercator
wieder ausgruben. Die sog. Gegenanathematismen des
Nestorius aber (p. 71 sqq.) rühren nicht von diesem
her, sondern von einem eifrigen Anhänger. Sie blieben
zunächst unbeachtet und tauchten erst wieder auf, als
der Nestorianismus ein Schlagwort des Streites zwischen
strengen und cyrillisch gesinnten Anhängern des Chalce-
donense wurde. Wie Schw. über diese Dinge erstmals
Klarheit geschafft hat, so bietet er eine die wissenschaftlichen
Anforderungen vollauf befriedigende Ausgabe
und bringt damit einen schon oft laut gewordenen
Wunsch zur Erfüllung (vgl. Krüger in Schanz' Gesch. d.
röm. Lit. IV. 2. 1920, 480 ff. und Bardenhewer, Gesch.
d. altkirchl. Lit. IV. 1924, 525 ff.). In der ersten Ausgabe
von Garnier ist die ursprüngliche Ordnung gestört
und sind die in der Sammlung enthaltenen Stücke
der ephesinischen Akten ausgelassen. ,Der Text selbst
ist mit der liederlichsten Willkür behandelt und wimmelt
von Änderungen, zu denen nicht der geringste Grund
vorliegt. Das Bild der Überlieferung ist arg entstellt.
Die meist leichten und selbstverständlichen wirklichen
Verbesserungen kommen dem gegenüber nicht auf
(Schw. a. a. O.). Besser, aber immer noch ungenügend
ist die Ausgabe von Baluze v. J. 1684, der übrigens
nicht die Sammlung, sondern nur die Werke Mercators
herausgeben wollte. Schw. gibt in seiner Ausgabe ein
klares Bild der Überlieferung und einen Text, dem man
nach angestellten Stichproben auch bei Verbesserungen,
Bezeichnung von Lücken und dergl. nur zustimmen kann.
München. Hugo Koch.

Buonaiuti, Ernesto: Sant 'Ambrogio. Rom: A. F. Formiggini
1Q23. (78 S. m. 1 Bildnis.) kl. 8°. == Profili Nr. 65. Lire 3.50.

Buonaiuti, F.: Apologia del Catholicismo. Ebd. 1923. (84S.)kl.8°.
Ders.: Verso la luce. Saggio di apologetica religiosa. Foligno:
Franco Campitelli 1924. (135 S.) 8°. Lire 7.25.

1. Im Bändchen Nr. 65 der ,Profili' zeichnet B.
mit scharfen Strichen ein Bild von der Persönlichkeit
und dem Wirken des großen Bischofs von Mailand mit
dem Hintergrund seiner Zeit, wobei er ihn selber in gut
gewählten Auszügen aus seinen Schriften zu Wort
kommen läßt. So schildert er die arianischen Wirren
vor seiner Wahl zum Bischof und während seiner Amtszeit
, seine von Philo und Origenes beeinflußte Schrifterklärung
, seine durch die griechischen Kirchenlehrer
bestimmte theologische Haltung, seine Stellung zu den
Kaisern Valens, Gratian, Valentinian IL, Theodosius L,
namentlich in Sachen der ara Victoriae, der fruchtlosen
Gesandtschaft an den Hof des Maximus zu Trier, der
für die Arianer beschlagnahmten Basilica Porcia, der von
Christenhand zerstörten Synagoge von Kallinikum (wobei
Ambrosius der judenfeindlichen Bewegung im Morgenland
aus religiösen Gründen kräftig zu Hilfe kam),
des Blutbads von Thessalonich. Daß der Vorgan'g
zwischen Ambrosius und Theodosius an der Kirchentüre
der Legende, nicht der Geschichte, angehört, ist
nach B. jetzt so ziemlich unbestritten (S. 66). Man kann
wohl sagen, daß die Kirchenbuße des Theodosius ,ha in
se qualchosa che fa presentire Canossa', darf aber dabei
den Unterschied nicht übersehen. Für Ambrosius
handelte es sich um den Ernst des christlichen Sittengesetzes
und um nichts anderes sonst, und er hat auch,
wie ich glaube, niemals die Religion in den Dienst der
Politik, sondern stets die Politik in den Dienst der Religion
gestellt. Wie unerträglich ihm jede Gewaltanwendung
und jedes Einschreiten der staatlichen Gewalt
in religiösen Fragen ist, zeigt er durch sein Verhalten
gegen die spanischen Bischöfe, die die Hinrichtung
Priszillians auf dem Gewissen hatten (S. 39f.).
Weiterhin streift B. die Abhängigkeit und den inneren
Unterschied der ambrosianischen Ethik (de offieiis) von
der stoischen (Cic. de offic), sowie die asketischen
und sozialen Anschauungen und Bestrebungen des Bischofs
. Vermissen könnte man einen Hinweis darauf,
mit wie feinem Spott der Prediger die Unsitten seiner
Zeit (nicht bloß bei den Ehevorbereitungen, S. 72) zu
zeichnen und zu geißeln versteht. Bemerkt sei noch, daß
B. die umstrittene Stelle in ep. 20,4 ,missam facere
coepi' wiedergibt mit ,si accinge celebrare la sua messa',
die ,missa' also nicht von der Entlassung, sondern von
der Opferfeier versteht, was ich für durchaus richtig
halte (vgl. Katholik 1908. I, 114 ff.).

2. Die kurze .Verteidigung des Katholizismus' will
,in großen Linien zeigen, daß die aus der Predigt des
Evangeliums entsprungene religiöse Bewegung die übernatürliche
Vollendung in der Entwicklung der menschlichen
Religiosität darstellt, und daß vom Christentum,
das vom reinen Licht eines göttlichen Offenbarungshauches
besiegelt und geweiht ist, der Katholizismus in
einer völligen Wesenseinheit die logische Verwirklichung
in der Geschichte verkörpert'. Demgemäß erweist der
erste Teil das Christentum als vollkommene Religion
und der zweite den Katholizismus als angemessenes
Christentum. Jesus brachte ,die Offenbarung von der
völligen Umwertung aller menschlichen Werte und vom
unvergänglichen Heil im Ideal des Gottesreiches'. Seine
göttliche Natur, seine wunderbare Geburt, seine außerordentlichen
Kräfte gaben sich in einer ununterbrochenen
Kette von Wundertaten kund. Ein unmittelbares
Eingreifen Gottes entreißt sein gemartertes Fleisch der
Schmach des Grabes und hüllt es in den Siegesglanz
der Himmelfahrt. Das älteste Christentum lebt ganz
im Glauben an den auferstandenen Christus und an seine
immerwährende Gegenwart (Und seine baldige Wiederkunft
?). Die überraschende Bekehrung Pauli gab dann
zur ersten Verbreitung der christlichen Botschaft im
römischen Reiche den kräftigsten Anstoß und das klarste
Verständnis. Seine Seele bleibt freilich ,un indecifrabile