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Ausgabe:

1923

Spalte:

130-131

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Achelis, Werner

Titel/Untertitel:

Die Deutung Augustins, Bischofs von Hippo. Analyse seines geistigen Schaffens auf Grund seiner erotischen Struktur 1923

Rezensent:

Bauke, Hermann

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I2Q

Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 6.

130

So richtig und verdiendvoll dies Unternehmen ift, fo entdeht mir
doch die Pflicht, auf einige Übertreibungen hinzuweifen. Die Theorie
Schweitzers, daß Jefus habe derben wollen, daß er feinen Tod felber
herbeigeführt, um durch dies Opfer das Gottesreich herbcizuzwingen,
widerdreitet der feelifchen Gefundheit Jefu. Bedenklicher noch id mir ein
anderes. Wenn Mk 4,11 f. wirklich zurecht bedeht und Jefus durch feine
Glcichniffe hat verhüllen und verdocken wollen, fo wird die Gleichnis-
lede finnlos und fein Heilandsbild verzerrt. W. fragt, ob in Jefus Zorn
oder Liebe das Primäre fei, und meint, in folch einer Willensnatur müffe
der Zorn das cide fein. Merkwürdig. Der Zorn entfpringt doch nur,
wo menfehliche Kleinlichkeit feiner Heilandsliebe Hinderniffe bereitet
, wie wenn Klippen fich dem befruchtenden Lauf des Fluffes ent-
gegendellen. — Aber die charaktervolle Studie regt kräftig an, auch
wo man widerfprechen muß.

Hannover Kleefeld. Sc huder.

Baumrtark, Prof. Dr. Anton: Gefchichte der fyrifchen Literatur

mit Ausfchluß der Chriltl. paläft. Texte. Bonn: Marcus u. Weber
1922 (378 S.) gr. 8». Gz. 10; geb. 13.

Die Quellen der fyrifchen Literatur find in den
letzten Jahren in fo reichlichem Maße erfchloffen worden
und die Studien über diefelben wurden mit folchem Eifer
betrieben und erfchienen an fo weitverzweigten Stellen,
daß eine Zufammenfaffung großen Stiles immer mehr
zur Notwendigkeit wurde. Keiner war dazu geeigneter
als der bekannte Syrologe B, und er hat diefelbe in einer
geradezu monumentalen Weife gelöft. Seine Literatur-
gefchichte wird das Standard-Buch der fyrologifeben
Studien werden; denn in ihr liegt nunmehr das ganze
Material überfichtlich vor, wie es den Stand der heutigen
Forfchung darftellt, und es bleibt jetzt nur noch die Frage
zu löfen, wie diefes Werk durch Neuauflagen dauernd
auf dem Standpunkte der rafch fortfehreitenden Wiffen-
fchaft erhalten bleiben könne.

Das Werk B.s ift nun aber nicht nur eine Sammlung
biographifcher und bibliographifcher Daten, wenn dies
auch in erfter Linie zur Geltung kommt und die Grundlage
für weitergehende Betrachtungen bildet. Auch die
poetifchen Formen werden in ihrem Wefen und ihrer Ent-
itehung kurz erwähnt und weifen dadurch über den notwendig
begrenzten Kreis dieferLiteraturgefchichte hinaus:
auf die Darftellung des feelifchen Gehaltes diefes Schrifttums
(Anfchauungswelt, Gefühle) und feiner Ideen. B. ift
auch für diefe Arbeit durch feine Vorftudien in erfter
Linie berufen, die uns in den ethifchen, religiöfen und
weltanfchaulichen Hochfchwung der Syrer einführte. Auf
Grund der Raffenverfchiedenheit ift dabei vorzugehen.
B. weift — nach mündlicher Mitteilung — drei Gruppen
nach: eine chriftlich-helleniftifche, eine perfifche und eine
jüdifche Die fo häufig auftretende Dialogform führt er
auf den indogermanifchen — vielleicht rein perfifchen —
Einfchlag zurück. Die genannten drei Gruppen müßten
in ihrer feelifchen Formung getrennt betrachtet werden
und geben in ihrer Zufammenfaffung ein Bild, wie es bisher
noch nicht zur Darftellung gebracht wurde. Auch zur Aufhellung
der perfifchen Kultur mit ihrem Durcheinanderfluten
'verfchiedener Weltbilder wird dies Auffchlüffe
geben, die für die Vorgefchichte der Schiah und der
Jezidi-Religion wichtig find. Der Doketismus eines Halläg
wie auch der heutigen Babiften und Behaiften geht auf
einen Lichtmonismus zurück, den wir in der Religion des
Mazdak als fyftematifch ausgebildet vorausfetzen müffen,
wie anderfeits die neftorianifche Lehre mit dem perfifchen
Dualismus verwandt ift.

Befonders ift die klaffifch kurze Diktion von B. zu

als eine Weiterbildung gnoftifcher Religionsformen in
islamifchem Gewände angefprochen werden.
Bonn- Horten.

Roloff, Prof. Frnft M.: Im Lande der Bibel. Berlin: F. Dümmler
1922 (304 S.) kl. 8». Gz. 2,5; geb. 3,5.

Der Verf. hat von Kairo aus eine Reife über
Port Said, Jäfä, Jerufalem (von dort Ausflüge nach
Bethlehem und Hebron, nach Anätä und En-nelbi-Samwil,
zum Jordan und zum Toten Meer) und weiter durch
Samaria und die Ebene Jesreel zum See Genezareth gemacht
. Über Nazareth und Haifa ift er nach drei Wochen
wieder in Kairo angekommen. Das Jahr der Reife, die
am 15. Februar beginnt, ift, foviel ich fehe, nirgends genannt
. Es muß einige Zeit nach dem Aufenthalt des
deutfehen Kaifers in Jerufalem, alfo etwa 1905, gewefen
fein. Die .Pilgerfahrt' ift dem Verf. von Kindheit an ein
herzliches Anliegen gewefen. Er hat fie unternommen
in der Überzeugung, ,auf den Pfaden Jefu' in .fchweren
Weltanfchauungskämpfen' den feften .Archimedifchen
Punkt' zu finden. Nun, nachdem Jahre vergangen find,
hat er fein ,gewiffenhaft und eingehend geführtes Tagebuch'
hervorgeholt, um an dem .unvergänglichen Erleben'
auch andere teilnehmen zu laffen. Daneben und befonders
aber leitet ihn, den Pädagogen, die Abficht, ,ein wenig
dazu beizutragen, daß die Heilige Schrift unfern Gebildeten
wieder etwas näher gebracht wird'.

So wird die biblifche Gefchichte des Alten und Neuen
Teftamentes fehr eingehend zitiert. Mitunter (z. B. in
dem Abfchnitt über Anätä) bildet fie den eigentlichen
Inhalt des Buches. Es wird fo zu einer Bibelkunde mit
geographifchem Aufriß. Da der Verf. auf viel begangenen
und oft befchriebenen Wegen reift und doch nur eine fehr
kurze Zeit im Lande gewefen ift, wird man von ihm keine
Bereicherung der Wiffenfchaft erwarten. Aber wem es
etwa auch heute noch einmal vergönnt fein follte, in ähnlicher
Weife durch Paläftina zu reifen, dem möchte man
das Buch wohl empfehlen. Er wird neben den reichlichen
Zitaten aus der Bibel auch fonft viel Wiffenswertes, das
man fich an jenen Orten gern vergegenwärtigt, und das
der Verfafler forgfam zufammengetragen hat, finden; und
daß das aufgereiht ift an dem Faden perfönlicher Reife-
erlebniffe, gibt dem belehrenden Buch eine unterhaltende
Form. Der Verfafler hat die kurze Zeit feiner Reife bei
Tag und Nacht mit großem Eifer ausgenutzt und
viel gefehen. Sein Entzücken über die Erfüllung einer
Kindheitsfehnfucht und die Energie, mit der er ,das innere
Auge' — diefer Ausdruck begegnet oft — für die Er-
eigniffe der heiligen Vergangenheit offenhält, hat etwas
Rührendes. In Mefchdal z. B., dem biblifchen Magdala,
werfen ihn die Bewohner des Ortes mit Steinen. .Glücklicherweife
wurde ich nicht am Kopf, wohl aber an
Schulter und Schenkel recht unfanft getroffen. Die Weihe
der Stunde ließ ich mir jedoch durch diefes unliebfame
Erlebnis nicht beeinträchtigen; ich fetzte meine Wanderung
nordwärts fort und ließ mich an einfamer Stelle unmittelbar
am See im dichten Gebüfch nieder, um in meinem
Neuen Teftament zu lefen'.

Gießen- Hans Schmidt.

Achells, Werner: Die Deutung Augustins, Bifchofs von Hippo. Ana-
lyfe feines geldigen Schaffens auf Grund feiner erotifchen Struktur.
Prien am Chiemfee: Kampmann & Schnabel 1921 (VIII, 137 S.)
8r- 8°- Gz. 3,5; geb. 5.

Der Verfaffer, der fich als einen .Theologen von Fach' vorneilt
bewundern die PTgebniffe langer und fchwienger Studien , und fich verdeckter als Schüler Harnacks zu erkennen gibt, den er mit
oft in wenige Worte einfchließt. Das Material, deffen ^J^" -fj" *&T^Jim?**" protedantifchen Theologie- be-
. VTjPZ , • „,.,„u:r,v,,» c BW -ooro-pleat wird denkt, hat eine Idee gefaßt, näml ch de pfychoanalytifche Methode

blbllOgraphlfch-blOgraphlfche^ Seite^hier ™^lef&.™r^ Freuds und die darauf beruhenden Gedanken H. Blühers für das H-

dorifche Verdändms Augudins wirkfam zu machen. Gegen diefe Idee
wäre an fich nichts einzuwenden; ein Verfuch in diefer Richtung könnte
immerhin gemacht werden. Außerdem hat der Verf. aus der pfycho-
analytifchen Literatur und einigen modernen Autoren eine ganze Menge
gelefen. Dagegen von feinem Gegendande, nämlich von Augudin, kennt
er nur die Konfeffionen und das Kirchenhidorifche Seminar Harnacks
über diefe. Wer felbd Harnack gut kennt, der wird überall auf ihm
bekannte und geläufige Dinge aus diefem Glanzdück der akademifchen

*

fchreit geradezu nach einer Behandlung feiner feelifchen
Tiefenfchicht, die durch diefe glänzende Vorarbeit B.s
wefentlich erleichtert wird. Die Beziehungen zum Islam
werden dabei vielfache Klärungen erfahren. An Barde-
fanes hätten fich die Darlegungen anzuknüpfen, die zu
den Drufen führen. Sie bezeichnen fich felbft als Schüler
des iben Daifan-Bardefanes und könnten in diefem Sinne