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Ausgabe:

1923 Nr. 2

Spalte:

29-30

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ebeling, Erich

Titel/Untertitel:

Ein babylonischer Kohelet 1923

Rezensent:

Meissner, Bruno

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29

Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 2.

30

Clay hat die Briefe allem Anfchein nach meifterhaft herausgegeben
. Wegen einiger Kleinigkeiten, die gewiß zumeift den Schreibern
zur Lad fallen werden, erlaube ich mir folgende Anfragen und Vor-
fchläge: Nr. 10,21 und 26 wird doch diefelbe Stadt vorliegen und daher
wohl beide Male- (a[)Ta(!)-hi-h-ba-ak zu lefcn fem. — Nr. 17, 18
L wohl: ik-kaüyiu. — Nr. 25,26 L nach ib. 35 wohl: a-bu-uk(/). —
Nr. 42, 5 ].: a-kan[!)-na. — Nr. 43,23 L,j [l]u-us(/)-me. — Nr. 52, 20
1.: seia(!)-su. — Nr. 53,24 1.: hi-kun(!)-na-'. — Nr. 55,8 1.: (m. il)
Nabü-ahi-bul-litl!). — Nr. 58,6 h: balät ZI(l)-MES=*nap!äti. — Nr.
61, 10. "Beachte, daß hier und Öfterdas Zeichen; KA--ME mitsamt
den Lautwert: me (aus sum.: eine abgeleitet) hat. — Nr. 62,4 h: ü-
sal{!)-la. — Nr. 70, 11 1. wohl: la-al(/)-kun-nu. — Nr. 72, 26 1.: m-
gDytiu, - Nr."74, 23 ift entweder: (am.) sabe oder: (am.) ntie zu lefcn.

_ Nr 83 8 ift vielleicht nach ib. 16: ü-sa-az-ziz(>) zu lefen. — Nr.

87, 13, 24 ift gemeint: belu. — Nr. 88,2 1.: (in.) Na-di(!-nu. — Nr.
89, 6 1.: lik-ru-(bu(!) — Nr. 91, 10, 15 beachte die fonderbare Schreibung
des: da in: ta-an-da(!)-ku-ut und: (il) Lugal-mar-da(l) ebenfalls
die merkwürdige Form des: te in Z. 16: nu-ul-te(l)-ti-ik und Zz. 19,22:
ih-te(!)-lik-'. — Nr. 100, 8 1.: ahu(l)-ti-a. — Nr. 101, 11 1. wohl: /«-
labUybir. — Nr. 105, 19 1. wohl: u-hi-uz-zu(i). — Nr. 106, 6 1.: lu-u
i-di(i) _ ib. 23 1.: (SUU) d. i. maiak)nu-ti-tu und SU-E(!)-SIR=-"senu.

— Nr. 109, 6 1. nach ib. 20: dib-bi(!). — Nr. 109, 27^ fehlt hinter:
TIN-TIR das: KI. — Nr. 117, 9 ift: (tarn.) Rak-kai-(il) Samas gemeint.

— Nr. 119,6h: i-di(!)-ma. — h. 19h: rV/(/)-/«. —Nr. 133,43h! ih(!)-tal-ku'.-
Nr. 134, 13 h: ul-te(/)-bi-la. — Nr. 140, 25 h: TUK-HI-[A(!)]. — Nr. 142,
30h: mar(!) parzilli. — ib. 36 1. wohl: iu'/j-ie-bi-la. — Nr. 144, 14 h:
ma-as-(sa(!)-ar-ta. — Nr. 157, 22 1. wohl: il-li-kam(fy[ma]. — Nr. 176,
2 1.: RAT-ffI-[A{!)]. — Nr. 191, 29 h: mu-sah-[hi(.')ynu. — Nr. 193, 5
wird nach "der Rechnung nur: / ma-na 8 liklu veilangt, da nach Abzug
von 18 Sckel nur 50 Sekel übrig bleiben. — Nr. 194, 22 ergänze
vielleicht nach Peiser, Bab. Vertr. 38,2: ha-ar-mi-[li(!)].

Ein Verzeichnis der Eigennamen ift dem ftattlichen
Bande beigegeben. Es ift fehr zu wünfchen, daß Clay
feine Abficht, diefe keineswegs leicht zu verftehenden
Briefe in Umfchrift und Überfetzung vorzulegen, bald
verwirklichen möge.

Berlin. Bruno Meißner.

der Gottes Rat fucht'. Leider fehlt der Schluß des Gedichtes
, fodaß wir nicht erfahren, ob der Peffimismus
triumphiert, oder ob etwas anderes Befferes an feine
Stelle gefetzt wird. — Diefes literarifche Erzeugnis, das
wir nur in neuaffyrifchen und neubabylonifchen Abfchrif-
ten befitzen, ift jedenfalls älter als diele Epoche, und
ftammt, wie E. wahrfcheinlich gemacht hat, fpäteftens
aus dem 15. vorchriftlichen Jahrhundert, vielleicht aus
noch früherer Zeit.

In dem Kommentar hat E. viel fprachliche und fachliche
Erklärungen zufammengetragen; von letzteren erwähne
ich vor allem feine Ausführungen über den Toten-
fluß (S. 18f.).

Es ift fehr erfreulich, daß der Verfaffer in diefer
Zeit, wo die enormen Druckkoften die wiffenfchaftlichen
Publikationen faft unmöglich machen, Mittel und Wege
gefunden hat, auf feinem Opalographen den Text in lesbarer
Form felbft herzuftellen.

Berlin. Bruno Meißner.

König, Prof. D. Dr. Eduard: Die moderne Babyionisierung der Bibel
in ihrer neuesten Erscheinungsform [Delitzfchs ,Babel und Bibel'

1921] Kritifch betrachtet. (44S.) 8°. Stuttgart, Chr.Belfer 1922. Gz. 0,5.
Ed. König, der fchon beim Erfcheinen von Friedr, Delitzfch: Babel
und Bibel 1900 in erfter Reihe unter den Gegnern ftand, ift auch jetzt
nach Erfcheinen jenes crften Vortrags in nur wenig veränderter Geftalt
alsbald wieder auf dem Plan erfchienen, ,weil die wiffenfchaftliche For-
fchung unmöglich fchweigen kann'. Ob viele Gelehrte denfelben Drang
in fich fpüren werden, ift mir zweifelhaft, der größere Teil dürfte wohl
im Gedanken an das alte Sapienti sat das Schweigen vorziehen. Die hier
vorliegende Polemik Königs vollzieht fich in fünf Abfchnitten. Der erfte
befchäftigt fich mit den affyrifchen und israelitifchen Quellen und fucht
den Nachweis zu erbringen, daß Dclitzfch's Lob der affyrifchen Quellen
auf Kotten der israelitifchen vor einer unbefangenen Kritik nicht be-
ftehen kann. Der zweite Abfchnitt wendet fich gegen die Behauptung,
daß Paläftina zur Zeit der Einwanderung vollftändige Domäne der baby-
lonifchcn Kultur war. K. will nur die Möglichkeit des Einftrömens baby-
lonifcher Kultur in Isr. auf dem Boden Kanaans zugeben, aber die Wirklichkeit
laffe fich nicht beweifen, nur durch unparteiifche Vergleichung

Ebeling, Erich: Ein babylonifcher Kohelet. (Berliner Beiträge zur
Keilfchriftforfchung I, 1) (25 lithogr. S.) 4". Berlin, Selbftverlag d.
Verf. 1922.

Bereits feit längerer Zeit waren bedeutende Bruch-
ftücke eines Gedichtes bekannt geworden, das fchon [ laffe fich der Tatbcftand feftfteile'n. Dem find die folgenden Abfchnitte
äußerlich eine befondere Form aufwies. Es befteht nämlich
aus einer Anzahl Strophen von je 11 mit demfelben
Zeichen anfangenden Zeilen, die ein Akroftichon bilden.
Auf einer neubabylonifchen Abfchrift ift außerdem jede
Zeile durch 3 fenkrechte Linien in 4 Abfchnitte eingeteilt
, die die Zerlegung eines jeden Verfes in 4 Teile mit
je einer Plebung anzeigt. Zimmern hatte diefe Fragmente
fchon in Zeitfchr. für Affyriol. X, 1 ff. geordnet,
umfchrieben und metrifch behandelt. An eine Überfetzung
des fchwierigen Textes hatte fich aber bisher niemand
herangetraut. Daher ift es freudig zu begrüßen, daß
Ebeling, der in einem Affurtexte noch ein ergänzendes
Duplikat gefunden hatte, ihn uns erftmalig in Überfetzung
nebft Einleitung und Kommentar vorlegt. Wenn
man in Einzelheiten auch manchmal anderer Anficht
wird fein können, fo hat er im allgemeinen den Sinn gewiß
richtig getroffen. Ganz würdigen werden wir das
fonderbare Literaturprodukt allerdings erft können, wenn
der Text vollftändig vorliegt, und wir ihn eventuell durch
einen einheimifchen Kommentar erklärt ganz verliehen
können.

Was den Inhalt des Gedichtes anbelangt, fo ftellt es
die Klage eines vielleicht Balta-atrüa heißenden Dulders
dar, der durch unglückliche Erlebniffe veranlaßt wird,
an der Gerechtigkeit der Weltordnung zu zweifeln. Daher
hat E. die Dichtung ganz mit Recht mit dem bib-
lifchen Kohelet verglichen. Die Gedanken, die der Weltweife
hier vorbringt, find zwar häufig nicht logifch geordnet
; aber im ganzen wiederholen fich immer wieder
feine Klagen über fein Unglück und die Verkehrtheit
der Welt; vgl. z. B. Zz. 243(1.: ,paß auf, mein Freund!
Lerne meinen Rat! Bewahre meinen erlefenen Spruch:
Man hält hoch das Wort des Angefehenen, der morden

gelernt hat. Man erniedrigt den Schwachen, 1 der nicht i r**™- T, r ,Gerchic,hfe",bie'en' fonder" de™ t?

o-^fiinrlirrf. u . tjt 1 „1 v,,,„„: u r- j t>- r • u. durchdringt, zeigt fich israelitifche Eigenart. Deshalb habe ich auch
gelundljgt hat. Man legt Zeugnis ab für den Bofewicht, , kejn rechtes Verftändnis für K.'s Stellung zu Hi 9,,3. 26,12, wo er die Ab-
dellen P revel fchwer ift. Man verfolgt den Rechtfchaffenen, | hängigkeit von babylonifcher Anfchauung nicht leugnen kann, aber ge-

*

gewidmet. K. betont die Selbfländigkeit der Entwicklung der hebräifchen
Literatur fowohl in der Poefic wie in der Gefchichtsfchreibung, aber auch
im fonftigen kulturellen Leben, er erinnert an das babylonifche Sexa-
gefimalfyftem gegenüber dem israelitifch-jüdifchen Dezimalfyftem, an das
althebräifche Jahr von Herbft zu Herbft, endlich auch an den Sabbath,
der rein israelitifche Schöpfung fei. Auch in bezug auf eine Reihe von Erzählungen
der Urgefchichte beftreitet K. die Abhängigkeit ,von einem baby-
lonifchen Original'; nur zwei Stellen in der Poefie, die von der Bezwingung
der Urflut bei der Schöpfung reden, Hi. 9,13 und 26,12 erkennt K. als
von babylonifchen Vorftellungen abhängig an, wobei aber nicht zu vergehen
fei, daß diefe Sätze ,ausländifchen Sprechern' in den Mund gelegt
werden. Der letzte Abfchnitt befchäftigt fich mit dem religiöfen Geift des
A. T. Wie die Bibel in bezug auf Welt- und Gefchichtsanfang viel Ur-
fprüngliches enthalte, fo auch in bezug auf das religiöfe Gebiet des ,Urmono-
theismus und die Erhabenheit der göttlichen Sphäre über die gefchlechtliche
Differenzierung'. Die Gleichftellung der babylonifchen und der biblifchen
Geiftesgefchichte in bezug auf den monotheiftifchen Glauben weift K.
aber als eine Entftellung der gefchichtlichen Wahrheit ebenfo ab, wie die
andere Behauptung, daß die monolatrifche Gottesanfchauung die geiftigen
Führer Israels in die Selbfttäufchung verftrickt habe, als fei eben diefer fpe-
zielle Volksgott Israels der einzig wahre Gott. Auch in der fittlichen
Theorie und Praxis habe es Israel weder an Selbftändigkeit, noch an
Momenten der Überragendheit gefehlt. Der übertreibenden Verherrlichung
Babyloniens einerfeits und der ftarken Unterfchätzung der religiöfen
und fittlichen Faktoren Israels andrerfeits gegenüber wird
man diefe Zurückweifung von Delitzfch in vielen Punkten nur billigen
können. Nur fchade, daß K. in der Gefahr ift, in das andere" Extrem
zu fallen und daß feine Beweisführung in vielen Fällen nur für den Bedeutung
hat, der K.'s Auffaffung von den Erzählungen der Urgefchichte
als im Wefentlichen treuen gefchichtlichen Berichten teilt. Angefichts
des vorliegenden Materials betreffs des Einfluffes Affyriens und Babyloniens
auf Vorderafien werden nicht viele geneigt fein, mit König zu gehen:
dazu gehört nicht nur viel Mut, fondern auch ein gut Teil Kurzfichtig-
keit. Verlieht Delitzfch die Abhängigkeit der biblifchen Erzählung lediglich
als eine folche von ,babylonifchen Originalen', fo könnte man die
fchroffc Abweifung K.'s verliehen, aber das ift doch wohl kaum die
ausfchließliche Meinung von Delitzfch, faft immer wird die Abhängigkeit
keine unmittelbare, fondern durch die Kanaaniter vermittelte gewefen fein.
Diefe Anerkennung beeinträchtigt fo wenig die israelitifche Selbftändigkeit
, daß fie vielmehr erft von hier aus helles Licht empfängt: nicht