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Ausgabe:

1923 Nr. 1

Spalte:

359

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoppeler, Hans

Titel/Untertitel:

Bibelwunder und Wissenschaft. Betrachtungen eines Arztes. 4. Aufl 1923

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

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359

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 16/17.

360

erwähnt; Nietzsche wird im Rahmen des Pragmatismus
(!) mit wenigen Worten gestreift). Eine Darlegung
der aktuellen Probleme der Philosophie fehlt
ganz. Ein Vorzug der skizzenhaften durch Zitate wirksam
unterstützten Darlegungen ist ihre Anschaulichkeit
und Klarheit. Eine wirkliche Ableitung und Charakteristik
der „Strömungen" ist nirgends erreicht, aber auch
wohl nicht erstrebt. Als erste Einführung erfüllt diese
Skizze in den Kreisen, für die sie bestimmt ist, gewiß
ihren Zweck.

Bremen. Bruno Jordan.

Hoppeler, Dr. Hans: Bibelwunder und Wissenschaft. Betrachtungen
eines Arztes. 4. Aufl. Stuttgart: J. F. Steinkopf 1922.
(101 S.) 8° Gz. 1,60.

„Auch der moderne Mensch kann an die Bibel und
an die von ihr berichteten Wunder glauben, sofern er
nur will": das darzulegen ist die Aufgabe, die der Verfasser
nach seiner eigenen Aussage sich stellt. Die Angelegenheit
ist ihm sehr wichtig; denn, wie er selbst sich
ausdrückt: „wenn die Bibelwunder nicht wahr sind, dann
muß für uns auch die übrige Bibel ihren Wert verlieren".

Wie er, um seinen Zweck zu erreichen, verfährt,
läßt sich im allgemeinen folgendermaßen charakterisieren
. Er definiert zunächst das Wunder, ohne dieses
scharf gegen das „Mirakel" abzugrenzen als „etwas,
was nach unseren Erfahrungen und unserem Wissen
sonst nicht vorkommt"; und entwickelt nun im Anschluß
daran den an sich gar nicht zu bestreitenden Gedanken,
daß unser Wissen begrenzt sei, und daß, was über dieses
hinausgeht, darum noch nicht unmöglich und unwirklich
ist. Wie der Autor dann weiter die hiermit aufgestellte
These gegenüber einzelnen Wunderberichten des neuen
und namentlich des alten Testaments durchführt, dafür
nur zwei Beispiele, von denen das zweite, wie der Billigkeit
halber gesagt werden soll, absichtlich als ein besonders
krasses an dieser Stelle angezogen wird: Der
Bericht von der jungfräulichen Geburt Jesu ist oft als
unwahr abgelehnt worden, weil mit unserer wissenschaftlichen
Erkenntnis unvereinbar. Aber es hat sich gezeigt,
daß Parthenogenesis doch auch schon in der Tier- und
Pflanzenwelt vorkommt. Beiläufig, ein Argument, das
bereits Origenes in „Contra Celsum" vorbringt. Und:
Die Erzählung von Bileams redender Eselin ist vielfach
verspottet worden, weil im Widerspruch mit allen
unseren sonstigen Beobachtungen stehend. Aber die
Pferde Kralls in Elberfeld haben inzwischen den Beweis
geliefert, daß, was sie behauptet, nicht schlechtweg unmöglich
ist.

Satis superque! Dem Lutherleser wird wohl angesichts
solcher, gewiß wohlgemeinten, Laienapologetik
unwillkürlich das bekannte Wort des Reformators in
den Sinn kommen, das den Rat erteilt weniger von den
„äußerlichen Wundern" zu reden, diesen „Äpfeln und
Birnen" für die Ungläubigen, als zu „preisen und zu
rühmen die großen herrlichen Wundertaten, so Christus
täglich i n seiner Christenheit tut". Vor allem aber wird
derjenige, dem an einer gesunden und gedeihlichen
Pflege des christlichen Glaubens gelegen ist, sich zugleich
bewußt werden, wie*wertvoll auch für die Praxis
die Arbeit einer wissenschaftlichen Theologie ist, die
darauf abzielt, auf Grund ernsten Studiums und sorgfältiger
Prüfung festzustellen, was denn genauer echter
evangelisch-christlicher Glaube sei.

Gießen. E. W. Mayer (Straßburg).

Isenkralie, Prof. Dr. C: Waffen der Apologetik und ihre
Handhabung. Hrsg. v. Dr. Jos. Schnippenkötter. 1. Heft:
Der Apologet als Pädagoge (56 S.). 2. Heft: Geysers Philosophie

im Dienste der Apologetik (VII, 78 S.). 3. Heft: Zur Elementaranalyse
des kosmologischen Gottesbeweises (42 S.). 8° Bonn:
A. Marcus u. E. Weber 1922. je Gz. 1,10.

Aus dem Nachlaß des y kath. Mathematikprofessors in Trier, Dr.
Isenkrahe (vgl. TLZ. 1922, 532), hat sein Fachgenosse in Recklinghausen
vorliegende drei Hefte herausgegeben. I. gesteht den völligen
Mißerfolg der kathol. Apologetik d. h. Religionsphilosophie ein und
findet seinen Grund in ihrer falschen Methode. Er sucht ihr deshalb,
in Heft 1, zunächst die rechte pädagogische Methode zu zeigen. Ihre
6 Leitsätze sind zwar Selbstverständlichkeiten, werden aber oft nicht
beachtet. Heft 2 und 3 enthalten Bausteine zu einer wissenschaftlichen
„Einleitung in die kathol. Apologetik", die zwar in ihrem Grundriß
schon dogmatisch vorgezeichnet ist, aber — wie die (vergeblichen)
Versuche, Max Schelers Philosophie für eine katholische Religionsphilosophie
zu verwenden, zeigen — heute eifrig auch noch auf undog-
matischem Weg zu konstruieren versucht wird. Geyser, mit dem sieb
I. im 2. Heft, teils Obereinstimmungen teils Abweichungen feststellend,
auseinandersetzt, ist der schriftstellerisch sehr fruchtbare katholische
Philosoph an der Universität Freiburg i. Br. Er hat Isenkrahes Buch
„Grundlegung eines bündigen kosmolog. Gottesbeweises" 1915 (wozu
Heft 3 Nachträge bringt), in der Theol. Revue 1916, Sp. 49/53 besprochen
, und daraus entspann sich eine Kontroverse der beiden Gelehrten
, deren Niederschlag die Schriften „Zum Problem der Evidenz"
1917 (Isenkrahe) und „Über Wahrheit und Evidenz" 1918 (Geyser)
und die nochmalige Replik Isenkrahes in der Zeitschrift „Theologie
und Glaube" 1918, 264—271 sind. Geyser scheint mir den peinlich-
bedächtigen Mathematiker Isenkrahe doch nicht genug gewürdigt zu
haben. Heft 3 enthält ein Bild des Heimgegangenen, dessen Verdienste
um die Gewissensschärfung der kathol. Apologetiker unter allen Umständen
groß bleiben. Im 3. Heft, S. 9, Anm. 1, Z. 4 und 3 v. u.
ist zu lesen adeoque demonstrari.

Binsdorf (Württbg.). Wilhelm Koch.

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig

lassen, und eine Zusammenstellung der N. T.-Zitate aus seinen Schriften
bietet keinen Ersatz dafür; denn er sowohl wie seine Schreiber haben im
Lauf der Zeit die verschiedenartigsten Bibelhandschriften benutzt. Ist nun
die Arbeit, die Örigenes dem Text der N.-T. unzweifelhaft gewidmet hat,
der Nachwelt völlig verloren gegangen? Nein, für den größten Teil des
Römerbriefes wenigstens besitzen wir in dem Codex 184 B 64 des Athos-
klosters Lawra einen Text, der der Gegenstand bewußter kritischer Tätigkeit
des Origenes gewesen ist. — Daß der Athoshandschrift diese Bedeutung
zukommt, beweist L. durch einen eingehenden Vergleich mit den Zitaten in
anderen Schriften des Origenes und mit anderen dem Origenes nahestehenden
N. T.-Handschriften. Der Zeugenwert dieses Textes reicht an den unserer
besten Unialindices heran, die Textkritik wird ihn künftig in viel höherem
Maße würdigen müssen, als dies bisher namentlich bei v. Soden geschehen ist.

Band 44, 4:

Neue Studien zu Marcion

Von

Adolf von Harnack

II, 36 S. 8». Gz. 1.25. Schw. Fr. 1.25

Die Neuen Studien zu Marcion bieten ein Doppeltes: Erstlich setzt sich
der Verfasser in ihnen ausführlich mit seinen Kritikern, vor allem mit D.
Bauer-Göttingen und D. von Soden-Breslau, auseinander und hält seine
Charakteristik Marcions nicht nur aufrecht, sondern verstärkt auch die Beweise
gegenüber den Versuchen, die Originalität und Bedeutung des Mannes
sei es herabzudrücken, sei es in der gnostischen Bewegung verschwinden zu
lassen. Sodann bietet er eine Fülle von wertvollen Nachträgen
und Berichtigungen, wie sie aus seinen fortgesetzten Bemühungen um
den großen Gegenstand stammen.

Vollständiges Verzeichnis der .Texte und Untersuchungen- steht kostenfrei
zur Verfügung.

Nach dem Ausland in der Währung des Bestimmungslandes auf der Grundlage
des Umrechnungssatzes der Außenhandelsnebenstelle f. d. Buchgewerbe.

In der Sammlung 'Texte und Untersuchungen zur Geschichte
der altchristlichen Literatur« erschien soeben :

Band 44, 3:

Der Römerbrieftext des Origenes

nach dem Codex von der Goltz

Von

Lic. Otto Bauernfeind

Privatdozent in Greifswald
VII, 119 S. 8°. Gz. 4.—. Schw. Fr. 4.—.
Origenes hat ein neutestamentliches Gegenstück zur Hexapla nicht hinter-

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint ami,8. September 1923.
Beiliegend ein Prospekt des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen und der J. C. Hinri chs'schen Buchhandlung

in Leipzig, sowie Nr. 18—20 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Nikolausberger Weg 31.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2.— Druckerei Bauer in Marburg.