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Ausgabe:

1923

Spalte:

203

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wrede, Adam

Titel/Untertitel:

Geschichte der Alten Kölner Universität 1923

Rezensent:

Levison, Wilhelm

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203

Theologische Literaturzeitung 1Q23 Nr. 9.

204

Nachträglich : Weiteres Suchen führte mich auf F. M i k 1 o -
sich, Ueber die Mundarten und Wanderungen der Zigeuner Europas,
VI, Denkschriften d. Wiener Akad., Hist.-phil. Kl. 26. Bd., 1877; Anhang
: „Der Ursprung des Worts Zigeuner". Hier schon die Oleichstellung
mit 'ASHyyavot. M. bemerkt, es sei „keine neue Lehre", die
er aufstelle, „in der älteren Zeit" finde man die Oleichsetzung „fast
allgemein". Zustimmend äußert sich De Qoeje, Memoire sur les
migrations des Tsinganes, Leiden, 1903, S. 74—75. — Zu den Quellen
s. noch Analecta Bolland. XXXVLXXXVII, 1922, S. 102 ff. (Vita des
Georgios Hagiorites, 11. Jahrh.). — Interessant eine archaische Steininschrift
von Thera (saec. VI a. Chr.): Mrj 'Hyyavi (Inscr. Gr., ed.
Hiller v. Gaertringen, XII, 3, 451; dazu Rademacher,
Wiener Studien, XXXIX, 1917). Was bedeutet (religiös) »lyyäveiv
im Unterschiede von "nzeif? (an,,rühren", er,,regen", gegenüber von
sich an,,heften", fest,,halten", sich an,,stecken"?) F. K.

Wrede, Adam: Geschichte der Alten Kölner Universität.

Köln: Oskar Müller 1921. (56 S.) kl. 8°
Die kleine Schrift, als deren Leser vor allem die Studierenden der
neuen Universität Köln gedacht sind, will nur einen kurzen Ueber-
blick über die Geschichte der alten Universität (1388—1798) geben.
Sie beruht aber auf guter Kenntnis der gedruckten Literatur und verwertet
auch mancherlei Aktenstudien, um namentlich das Bild von dem
Leben und Treiben der Studenten anschaulicher zu gestalten; Hinweise
auf die benutzten Hilfsmittel erleichtern den Weg zu tieferem
Eindringen in den Gegenstand. Die äußeren Erscheinungen des Universitätslebens
werden am ausführlichsten behandelt, weniger die geistige
Art der Hochschule und ihr ja auch bescheidener Anteil am deutschen
Geistesleben. Von „Lehrfreiheit" an der Universität kann man für jene
Zeiten kirchlicher Gebundenheit doch nicht schlechthin so reden, wie es
S. 22 geschieht. Im Hinblick auf den Leserkreis, an den die Schrift
sich wendet, würde sich bei einer neuen Auflage wohl ein Hinweis auf
wenige allgemeinere Werke empfehlen wie das Georg Kaufmann's und
das der studierenden Jugend gewidmete Buch Fr. Paulsen's über „die
deutschen Universitäten" (1902) mit seiner geschichtlichen Einleitung
oder etwa bei der Erörterung der Aufgaben der Provisoren (die Kenntnis
ihres Amts wird nicht sehr geschickt S. 14 vorausgesetzt, obwohl
erst S. 18 davon die Rede ist) auf den gerade auch Köln mehrfach berührenden
Aufsatz Fr. v. Bezold's über „die ältesten deutschen
Universitäten in ihrem Verhältnis zum Staat" (jetzt in der Sammlung
seiner Aufsätze: Aus Mittelalter und Renaissance, 1918, S. 220—245).
Beigegeben sind zwei Stücke aus den Kölner Ratsprotokollen von 14S0
und 1678, welche die Sonderstellung akademischer Gerichtsbarkeit
gegenüber der städtischen veranschaulichen, und (teilweise nicht sehr
scharf ausgefallene) Abbildungen von Siegeln der alten Universität.
Bonn. Wilh. Levison.

Bosch, J.W. van den: De Ontwikkeling van Bucer's Praede-
stlnatiegedachten voor het optreden van Calvijn. Dissertation
der Univers. Amsterdam 1922. (125 S.)

Es ist überaus erfreulich, daß nun auch bei den
Niederländern das Interesse und die Arbeit an dem
großen deutschen Reformator, dessen Rolle als Wegbereiter
Calvins und damit der Reformation in Westeuropa
zwar wohl lange erkannt, aber durchaus noch nicht so
herausgearbeitet ist, wie es erforderlich wäre, ihren
Fortgang nimmt. Die Hauptschwierigkeit für die Beschäftigung
mit Bucer liegt wie bekannt in der schweren
Zugänglichkeit seiner Schriften und in dem Fehlen jeder
Neuausgabe. Es ist deshalb ein großes Verdienst der
vorliegenden Dissertation, daß sie das Material zur Prae-
destinationslehre B.s aus seiner frühen Zeit mit recht
sorgfältiger Vollständigkeit bringt und so eine bequeme
Uebersicht und Nachprüfung ermöglicht. Die Einteilung
ist recht geschickt und gibt eine erschöpfende Darstellung
des Gegenstandes, wie wir sie in dieser Ausführlichkeit
bisher nicht besaßen. Sachlich freilich und
in Hinsicht auf die historischen Zusammenhänge bringt
die Schrift nichts wesentlich Neues — hier bleiben die
Forschungen und Darstellungen A. Lang's und G. Anrieh
's die Grundlage der Arbeit des Verf.'s. Aber gerade
seine verdienstliche, geschickte und von warmer innerer
Beteiligung getragene Darstellung, die alles erreichbare
Material benutzt hat, sowie es dem Kirchenhistoriker in
der Regel gar nicht zur Verfügung stehen kann, läßt
de.i Wunsch ganz besonders groß werden, daß endlich
diesem Manne, der wahrlich nicht der geringste in der
Reihe der Großen des 16. Jahrhunderts war, das Denkmal
einer Gesamtausgabe errichtet werde, und gerade
die reformierte Theologie der Niederlande, die jetzt die

Mittel dazu hat, hat, wie wir sehen und wissen, auch die
Kräfte dazu.

Halle a.S. Hermann Bauke.

Schmidt, ArthurB.: Kirchliche Simultanverhältnisse in Württemberg
. Tübingen, J.C.B.Mohr 1922. (S. 301—321) gr. 8°.
Aus der Festausgabe f. Karl Müller zum 70. Geburtstag. Gz. 0.5.

Die Arbeit Schmidts entspricht einem Bedürfnis.
Denn eine zusammenfassende Arbeit über die Simul-
taneen in Württemberg, wie solche Bayern und Hessen
haben, gab es nicht, während seit dreißig Jahren treffliche
Arbeiten über einzelne Orte mit simultanen Kirchen
erschienen sind. Schmidt hat die Akten des Konsistoriums
, der Dekanate und Pfarreien fleißig benutzt. Auffallend
ist, daß ihn das Konsistorium nicht auf die
kampfreichste Gemeinde aufmerksam gemacht hat, die
mit ihren Religionsgravamina im 18. Jahrh. sogar den
Reichstag in Regensburg in Anspruch nahm, und deren
Geschichte eine eingehende Bearbeitung in den Bl. f. w.
KG 1886,4—7,11—13,20—23 und in der Beschreibung
des Oberamts Crailsheim S. 359ff. durch den Ref. gefunden
hat. Es ist Lustenau an der Ostgrenze Württembergs
. Schmidt behandelt die Entstehung und Entwicklung
und zeitweise Beendigung des Simultaneums in den
einzelnen Gemeinden und geht dabei von dem wichtigsten
Ort Biberach an der Riß aus. Zur Entstehung des
dortigen Simultaneums wäre noch des Ref. „Interim in
Württemberg" (Sehr, des Ver. f. Ref. G.) S. 30, 76,
117, 139, 156 f., 168 zu vergleichen. Erwünscht wäre
eine klare Uebersicht über all die Rechtsbrüche samt
Lug und Trug, mit denen manche Simultaneen, z. B. in
Lustenau, Salach und Biberach OA Heilbronn begründet
wurden. Zu beachten sind die verschiedenen Anlässe
zu Reibungen in einzelnen Gemeinden. Besonders schwierig
sind die Verhältnisse in Eybach. Wertvoll ist das
Urteil Schmidts über die Benutzung der Marienglocke
in Zwiefalten durch die Evangelischen im Gegensatz
zum Standpunkt des bischöflichen Ordinariats S. 321. Die
Schlußworte über den Wert rechtlicher Ordnung, persönlichen
Takts und gegenseitigen Verstehens dürften
auch in simultanen Gemeinden außerhalb Württembergs
Billigung verdienen.

Stuttgart. G. Bossert.

Meisner, Heinrich: Schleiermacher als Mensch. Sein Wirken.

Familien- und Freundesbriefe 1804 bis 1834. Mit 1 Bilde. Gotha:

F. A. Perthes 1923. (416 S.) 8°
Vorher geht der Band „Sein Werden". Als Mensch soll auch in
diesem zweiten Band Schleiermacher sich darstellen. Wir haben insofern
eine Parallele zum 2. Band der ersten alten vierbändigen Briefsammlung
aus dem Reimerschen Verlage (2. A. 1860) vor uns; an Eingang
und Schluß finden wir beidemale dieselben Briefe aus Schleiermachers
Hand. Es standen auch zuvor oder seither veröffentlichte
kleinere Sondersammlungen, etwa der Briefwechsel mit Chr. Gaß oder
der mit den Dohnas, dazu sonst einzeln veröffentlichte und darum
weniger bekannt gewordene Briefe (z. B. die an den Gießener Theologen
Chr. Schmidt in der Berufungssache des Jahres 1810, Nr. 83—5)
zur Verfügung; vor allem konnte der Herausgeber auf die Originale
zurückgehen, auch einzelne (z. B. die an den Heidelberger Theologen
Schwarz) ganz neu bringen, bei anderen die Adressaten nennen.

M. tut sich etwas darauf zu gut (S. 3), daß er manche Briefe „mit
wesentlichen Erweiterungen und Verbesserungen" mitteilen könne;
er möchte seine Leser nicht „durch das Vergrößerungs- oder Fernglas
eines einseitig orientierten Biographen" sehen lassen. In der
Tat war kein Anlaß mehr, etwa in den Briefen Schleiermachers an
seine Frau vom Mai—Juni 1813 (Nr. 112—128) die Worte über
Alex. v. d. Marwitz und sein Verhältnis zu ihnen beiden zu unterdrücken
. Wir vernehmen besorgte Worte, durch die auch Vorwürfe
klingen, aber wie groß gesinnt zeigt sich doch Schleiermacher wieder
in der herrlichen, würdigen, zarten Art, mit der er alle Unstimmigkeiten
überwindet, Alexander entgegentritt, seiner Frau über die innere
„Verirrung" hinweghilft! Wieder in einem späteren Brief an seine
Frau (Nr. 220) wird uns auch nicht mehr der „recht herzhafte unbedeutende
" Abschiedskuß der Bettina vorenthalten. Oder es ist einem
Brief an Arndt von 1818 (Nr. 179) ein früher getilgtes Urteil über
den König (das freilich der heimlichen Zensur wohl nicht entgangen
ist!) richtig wieder einverleibt. — Indes, wer selbst im Glashaus sitzt,
werfe auf niemanden mit Steinen! Es sind jetzt auch Briefe und
Briefstellen ausgefallen, die für den Menschen Schleiermacher wich-