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Ausgabe:

1922 Nr. 26

Spalte:

563

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutberlet, Const. (Übers.)

Titel/Untertitel:

Das erste Buch der Machabäer 1922

Rezensent:

Staerk, Willy

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563

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 26.

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damit einen „guten Sinn" gewinnen will, fo wird das nicht
jeder glauben: „Wir ftraucheln am Mittage, als wäre es
Dämmerung, zur Zeit des Tages wie Tote" — befriedigt
nicht. Tote ftraucheln weder bei Tag noch bei Nacht.
Ich lefe: ÜirfQ? nplpti ISriSa = „es kommt über uns wie
Leichenftarre". vgl. Pf! 44,18*; Ez. 38, II. Das gibt in dem
Zufammenhang den erforderten Gedanken. — Dies eine
Beifpiel möge für viele dienen. — Ob Perles recht hat,
indem er den Wortfehatz befonders der arabifchen und
akkadifchen Sprache fo ftark heranzieht, ift gewiß fraglich
. Doch gewinnt er fo an manchen Stellen wirklich
einen guten Sinn.
Bonn. Meinhold.

Das erste Buch der Machabäer überfetzt und erklärt von Dr. Cond.

Gutberiet. (Altteftamentl. Abhandlgn., hrsg. v. Prof. Dr. J.Nickel,
VIII, 3/4). VI, 262 S. gr. 8». Münder i. W., Archendorff 1920. Gz. 6,6.
Eine fleißige, aber die wiffenfehaftlichen Probleme, die Text und
Stoff des überlieferten 1. Makkabäerbuches flehen, nicht fördernde
Arbeit. In der gefchichtlichen Kritik vertagt der Verf. fad volldändig.
Selbft die Urkunde 15, iöff. fucht er für den Autor des Buches zu
retten durch Hinweis auf den Kanzleiflil, der die Übereindimmung mit
der von Josephus Ant. XIV, 8, 5 gebotenen Urkunde hinreichend
erkläre! So einfach liegen die Probleme, die 15, 16ff. fleht, denn
doch nicht.

Die Einleitung S. 1—7 id etwas gar zu dürftig ausgefallen. Im
Kommentar zu den einzelnen Abfchnitten, in die die 16 Kapitel des
Buches zerlegt find, fleht manche gute Bemerkung.
JeDa. W. Staerk.

Drews, Arthur: Das Markusevangelium als Zeugnis gegen
die Gefchichtlichkeit Jefu. (326 S. 12 Abbildgn. u.
i2Sterntaf.) gr. 8rt. Jena, Diederichs 1921. Gz. 4; geb. 7,5.

Das neufte Buch von D. fteht mitten zwifchen feinen
Arbeiten über die Chriftusmythe, deren Ergebniffe vorausgefetzt
find, und einer eingehenden Darlegung der
gefchichtlichen Verhältniffe, die zur Entftehungdes Chriftus-
mythus geführt haben. Diefe wird vor allem den Paulinismus
, fowie die Evangelien des Matth, und Joh. in die
richtige Beleuchtung rücken, konnte jedoch wegen der
Ungunft der Zeit bisher nicht gedruckt werden. Verf.
ift der Überzeugung, daß bisher nichts von Belang gegen
die in feinen früheren Büchern entwickelte Auffaffung
vorgebracht worden ift, und von größtem Optimismus
bezüglich feines Sieges befeelt. ,Wenn das Ganze fertig
vorliegt, hoffe ich, daß niemand, dem es wirklich um die
gefchichtliche Wahrheit felbft zu tun ift, an der Richtigkeit
meiner Behauptung mehr wird zweifeln können'
(S. 2). Da er ferner urteilt, es fei nicht weiter zu kommen,
folange noch irgend wie die Meinung beftehe, wir hätten
es in den Evangelien mit Gefchichtsquellen, wenn auch
von erbaulicher Art zu tun, unterwirft er das Mkevange-
lium einer Unterfuchung, die zu dem Refultat gelangt:
.nichts, fchlechterdings nichts im ganzen Evangelium hat
der Kritik ftand gehalten ... es ift von aller biogra-
phifchen und gefchichtlichen Wirklichkeit überhaupt ver-
laffen' (318). ,Mk. ift kein Zeuge für, fondern gegen die
Gefchichtlichkeit Jefu!' (319).

Wie ift es dann zur Entftehung diefes Evangeliums
gekommen? Die jefusgläubigen Meffianiften, die am Anfang
der chriftlichen Bewegung flehen, haben es gefchaffen
in dem Drange, das Leben ihres Kultheros zu erzählen.
Den Stoff bot ihnen das AT, und bei der Anordnung
ließen fie fich von der Betrachtung des Himmelsglobus
leiten.

Die chriftlichen Theologen kommen fchlecht weg bei
D., unverdient fchlecht, da, wie er felber klagend und
anklagend hervorhebt, die,amtsförmlichen' Profanhiftoriker
und Philologen ihn ganz ebenfo einhellig ablehnen. Die
.unüberbrückbare Kluft' gähnt nicht .zwifchen der theo-
logifchen und der gewöhnlichen Gefchichtsfchreibung'
(144,2), fondern zwifchen der fonft üblichen und feiner
eigenen. Es ift daher durchaus deplaziert, in dem Motto
aus Kant die vierte Fakultät gegen die erfte auszufpielen.
Befonders nimmt der Vert. fich J. Weiß aufs Ko%, daneben
P. W. Schmiedel, deffen .Grundläulen eines wahrhaft

wiffenfehaftlichen Lebens Jelus' es ihm angetan haben. Er
1 verfäumt nicht, ihre Namen immer wieder mit dem in
i Anführungsftriche gefetzten Prädikat .Hiftoriker' zu ver-
fehen, und gießt einen wenig graziöien, auf die Dauer
langweilig wirkenden Spott über fie aus. Nun ift gewiß
richtig, daß in den Darftellungen des Lebens Jefu viel
Unbewiefenes, überhaupt Unbeweisbares mitläuft, und
Worte und Redensarten wie .unerfindlich', .unvergeßlich',
„Stempel der Echtheit' kann auch ich gut entbehren. Aber
immerhin ift nicht dem, der Überliefertes fefthält, fondern
dem, der es verwirft, die Beweislaft aufgebürdet. Und
die Unechtheit eines Jefuwortes oder die Unwirklichkeit
einer evangelifchen Szene ift dadurch noch nicht bewiefen,
daß man etwas an dem einen oder anderen Punkt damit
Zufammentreffendes im AT oder bei einem Rabbinen
entdeckt. Die Genügfamkeit unferes Verf. in diefer Hinficht
ift geradezu erftaunlich.

Natürlich benutzt D. wiffenfehaftliche Vorarbeiter,
wo er fie brauchen kann. Wrede tut ihm bei feiner
Kritik an Mk. allerlei Drenfte. Bei der Herleitung des
evangelifchen Materials aus dem AT ftützt er fich in
weitgehendem Maße auf Volkmar, merkwürdiger Weife
nicht auf D. Fr. Strauß oder doch nicht direkt auf ihn.
Die jüdifchen Forfcher Chwolfon, Graetz, Friedländer
fpielt er gegen die chriftlichen aus. Und natürlich weiß
er fich geiftesverwandten Chriftusmythenfchwärmern wie
B. W. Smith, Steudel, Robertfon, Lublinski dankbar verbunden
. P. Jenfen bleibt — begreiflich genug — ganz
aus dem Spiel. Seine methodifche Schulung geblattet D.,
an irgend einen Gelehrten und das, was er,bewiefen' hat
zu erinnern, in der Erwartung, daß nun alle übrigen ver-
ftummen müßten. Heiße der Mitftreiter J. Wellhaufen
oder A. Pott: causa finita.

Der Einfluß des AT auf die evangelifche Gefchichte
ift oft gefehen und hervorgehoben worden. Es blieb D.
vorbehalten, eine richtige Erkenntnis zu überfpannen und
zu der Behauptung zu verzerren, alles flamme aus diefer
Quelle. Ich bin froh, daß die mir auferlegte Raumbe-
fchränkung fich mit meinem Wunfche trifft, den Anfchein
zu vermeiden, als fuche ich befonders fchwache Punkte
feiner Beweisführung aus; und fo fehe ich von einer Vorführung
einzelner Beifpiele ab. Auch die andere Haupt-
thefe des Buches, wonach die Reihenfolge der Perikopen
durch die Aftronomie bedingt fei, kann hier nicht durch
Einzelbelege illuftriert werden. Trotz emfiger Vertiefung
in die beigegebenen Sterntafeln habe ich mich nicht davon
zu überzeugen vermocht, daß D. damit auf dem
richtigen Wege ift. Aber felbft wenn an den beiden
grundlegenden Sätzen unferes Verf. mehr fein follte, als
ich zuzugeftehen vermag, das eine ift mir fchon jetzt ganz
gewiß: das Rätfei der Entftehung des Mkevangeliums
und feiner einzelnen Beftandteile ift durch die fimple
Formel ,AT und Himmelsglobus' nicht zu bewältigen.
Göttingen. W. Bauer.

Weir, T. IL, B. D., M. R .A. S.: The Variants in the Gospel

Reports. With prefatory note by the Rev. Prof. Milli-
gan, D. D. (150 S.) kl. 8°. Paislay, Alex. Gardner 1920.
W. beabfichtigt zu zeigen, daß unferen Evangelien
eine hebräifch-aramäifche (über den Unterfchied beider
Sprachen äußert er fich p. 70f.) Urfchrift zu Grunde liegt
und daß ihre Abweichungen von einander zum guten Teil
als Überfetzungsvarianten zu beurteilen find. Er holt zur
Beweisführung in erheblichem Umfang das AT heran und erweift
fich als Orientalin: auch durch die Berückfichtigung des
Talmud fowie die Parallele, die er zwifchen Jefus und
den Evangelien einerfeits, Mohammed und dem Koran
andererfeits zieht. Daß ihm jedoch der Beweis für feine
Hauptthefe gelungen fei, vermag ich nicht zuzugeben.
Weder die bekannte Ausfage des Papias über die Entftehung
des Matth., noch die von W. angeflehten fprach-
lichen Beobachtungen können die Überzeugung ernftlich
erfchüttern, daß nnfere vier Evangelien griechifche Ori-