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Ausgabe:

1922 Nr. 25

Spalte:

553-554

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mausbach, Joseph

Titel/Untertitel:

Aus katholischer Ideenwelt 1922

Rezensent:

Koch, Wilhelm

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 25.

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Trennung im fozialiftifchen Staat. Die vorhergehenden
Abfchnitte behandeln die Quellen für die Beftimmung
des Verhältniffes der Kirche zum modernen Staate und
die Stellung der katholifchen Kirche zur Staatsfouverä-
nität und zur Interkonfeffionalität des modernen Staates.
Die Haltung des Buches ift fo ftaats- und kulturfreundlich
, als das einem Katholiken möglich ift, der fich ftreng
an die päpftlichen Kundgebungen hält. Dies anzuerkennen,
ift mir wichtiger, als mit Argumenten, die von ftrengften
Kurialiften einerfeits, Gegnern des Ultramontonismus wie
Hoensbroech andererfeits hergenommen wären, an den
Vermittlungen, die Vf. und Herausgeber namentlich etwa
in Auslegung des Syllabus von 1864 vornehmen, Kritik
zu üben.

Nur 3 Einzelheiten feien bemerkt: ,die mittelalterlichen und neuzeitlichen
Theologen find einig, daß man dem Papfte Widerdand leiften
dürfe, wenn er offenbar ungerechte Gefetze gäbe'. Und Bellarmins be-
kannntes Wort über die vom Papfl als virtutes gelehrten vitia? S. 176
ift die preußifchc Tandtagsreform als bereits 1917 befchloffen hingeftellt;
Tie ftieß aber da noch auf ftarlten Widerftand. S 194 ift der Satz miß-
verftändlich: ,Lutkeranismns und reformierte Kirche marfchieren von
nun an wieder rechtlich getrennt, nachdem der weftfalifche Friede fie ftaats
rechtlich unter eine Haube gebracht hatte'.

Groß gibt eine volkstümliche Verberchrift für katholifche Schulforderungen
namentlich bei Parhuncntswahlen, ohne auf die Schwierigkeiten
einzugehen, die in einigen für Nichtkatholikcn fchwer annehmbaren
Anfprüchen der katholifchen Kirche liegen.

Kiel. H. Mulert.

Feuling, Daniel, O. S. B.: Das Wefen des Katholizismus.

Grundfätzliches zu Friedrich Heilers gleichn. Schrift.
(49 S.) gr. 8". Beuron, Vlg. d. Beur. Kunftfchule 1920.
Eine ruhige, ernfte Auseinanderfei zung, die freilich
in der Sache nicht nennenswert weiter führt. F- tadelt
fchon den Namen von Heilers (hier 1922 Sp. 166 durch
Kattenbufch gewürdigter) Schrift; aber find nicht fchließ-
lich ein paar Einzelbilder, die wirklich Farbe haben, oft
mehr wert als eine zufammenhängende Befchreibung? Z.
T. find die Gegenfätze nicht fonderlich fchroff. fo in der
Beurteilung des Probabilismus. Aber wenn H. fchon als
18jähriger auf Grund dogmengefchichtlicher Kenntniffe nicht
an das Dogma von 1854 glauben konnte, deshalb ohne
Abfolution blieb und das bitter empfand, fo findet F. das
Seelenleben H.'s ,fchon damals mit gedanklichen Unklarheiten
belaftet'; den felbftändigen Gewiffensernft des
jungen Zweiflers würdigt er nicht recht. Sehr verftänd-
lich dagegen, daß er nach H.'s Stellung zu Chriftus fragt,
in der Hoffnung, ihn von orthodoxer Chriftologie zum
katholifchen Glauben zurückzuführen; freilich wird ein
evangelifcher Chrift, der jene Chriftologie tatfächlich ablehnt
und bei dem ihre Preisgabe das Ergebnis ernften
Nachdenkens ift, noch weniger für den Katholizismus
gewonnen oder wiedergewonnen werden können, als einer,
der jene Chriftologie fefthält.

Kiel. H. Mulert.

Mausbach, Jofcph: Aus katholifcher Ideenwelt. Gerammelte Auf-
fätze und Vorträge. (VI, 504 S.) 8°. Münftcr i. W., AfchendorfF 1921.
Der jetzt fechzif;jährige katholifcbe Vertreter der Apologetik und
Ethik an der Universität Münfter gibt hier 18 Abhandlungen und Vorträge
aus feinem Fachgebiet wieder, die mit zwei Ausnahmen bereits
gedruckt find und fich an Akademiker wenden. Zeitlich geordnet find
es folgende: i. Eine Kritik der Ethik F. Paulfens (Zeitfchrift „Katholik"
1895, II): 2. chriftl. Freiheit und kirchl. Gebundenheit (Wiffenfch. Beilage
zur Germania 1899); 3. das religiöfe Leben (Zeitfchrift „Hochland1'
1903, I); 4- die Bedeutung der Ideen für die fittl. Kultur (ebda 1904/05);
5. Wunder und Naturgefetz (ebda 1904, II); 6. die Entwicklung des
kathol. Dogmas (ebda 1906, II); 7. die Perfdnlichkeit und ihre Stellung
zur Ideenwelt (ebda 1907. II); 8. die Enzyklika Paszendi und das kirchl.
Geiftesleben (Internat. Wochenfchrift 15. 2. 1908); 9. der Modernismus
als Gegenfatz zum chriftl. Denken und Glauben (Generalverfammlung
der Katholiken Deutfchlands in Düffeldorf 17. f. 1908); 10. Rudolf
F.uckcns Welt- und I.ebensanfchauung (Hochland 1909, II); H. das
Chriftentum eine Religion der Gnade und Tatkraft (ebda 1909/10);
12. Nationalismus und chriftl. Univerfalismus (ebda 1912, I); 13. die
moderne Moral der l.ebensfteigerung (Vorträge zu Berlin 1913; noch
nicht gedruckt); 14. die Stellung des hl. Anguftin in der chriftl. Kultur-
gefchichte (Hochl. 1916,1); 15. der konfeffionellc Friede in Deutfchland
(Thimme, Vom inneren Frieden des deutfeheu Volkes, 1916); 16. das
Friedensprogramm Benedikts XV. vom I. 8. 1917 (Hochland 1917, I);

17. Schuld, Sühne, Erlöfung (Zeitfchrift „Seele" 1920); 18. das orga-
nifche Prinzip im Staats- und Gefellfchaftsleben (Vortrag in Fulda 1920;
noch nicht gedruckt). Nur kleine Kürzungen und Zufätze find am
urfprünglichen Wortlaut vorgenommen worden. Der Ton ift durchweg
fachlich und vornehm; das Ziel ftets Apologie. Ganz wie einft bei
Hettinger! Für einen gläubigen katholilchen Akademiker wüßte ich
heute keinen gewinnenderen Apologeten in deutfeher edler Sprache als
Mausbach. Darum wohl hat ihn auch die Zentrumsparlei in die ver-
faffunggebende Verfammlung zu Weimar gewählt, und darum ift er
auch auf deutfehen Katholikentagen der angefehenfte Herold katholifcher
Kulturpolitik. Freilich, folch leuchtende, fiegesfrohe Apologie hat auch
ihre Schattenfeite: fie vergißt zu fehr die Selbftkritik und überfieht oft
die eigenen Schwächen und Angriffspunkte. Mausbach bewegt fich
ftets im Generellen. Da hört fich alles aufs fchönfte an. Wer fich nun
aber an die Anwendung des Generellen auf den Einzelfall macht, kommt
vor immer neuauffteigenden Fragen, die noch keineswegs gelöft find,
nicht mehr weiter. Mausbachs Apologie vermag beim Andersgläubigen
wohl Achtung, aber nicht Überzeugung zu gewinnen. Was H. H. Wendt
über Mausbachs Apologie der katholifchen Moral (1901) in der TLZ
1902 (480/4) geurteilt hat, wird ein Nichtkatholik auch über diefe
„gefammelten Auffätze und Vorträge" als Urteil fallen.
Binsdorf (Württbg.) Wilhelm Koch.

Adam, Prof. Dr. Karl: Glaube und Glaubenswiffenfcliaft im
Katholizismus. Akad. Antrittsrede. (27 S.) 8°. Rottenburg
, W. Bader 1920.
Die Tübinger Antrittsrede Adams zeigt, in wie hohem
Maße die heutige katholifche Theologie Anknüpfungspunkte
an Geiftesftrömungen der Gegenwart fucht und
auch gerne Berührungen mit der proteftantifchen Theologie
hervorhe"bt, ohne im geringften die Konfequenz zu
ziehen, daß fie einer inneren UmMdung bedarf. A. knüpft
unter Berufung auf R. Otto an die Anerkennung des irrationellen
Faktors in der Religion an. Dies Irrationale,
fchlechthin Gegebene ift für ihn das katholifche Dogma,
das fich der Prüfung durch das rationale Denken entzieht.
Der Glaube ift nach übereinftimmender allgemeinchrift-
licher Auslage durch Gott hervorgerufen, pfychologifch
betrachtet eine Art Intuition. Trotzdem bleibt nach katholifcher
Auffaffung fein Inhalt das autoritative Dogmen-
fyftem. Denn der Gnadencharakter des Glaubens wird
fofort dahin verftanden, daß er eine cognitio iniusa fei.
Was die Entftehung des Glaubens betrifft, fo verweift
A. auf die auch bei Schleiermacher auftretende Erkenntnis
, daß die chriftliche Gemeinde den Glauben des einzelnen
trägt. Aber die Gemeinde wird bei A. fofort zur
autoritativen Papftkirche. So zeigt A.'s Rede zwei Seiten
der katholilchen Theologie: Anknüpfung an Forderungen
der Gegenwart und Fefthalten an dem ftarren, unveränderlich
fettgelegten Dogma.
Basel. J. Wendland.

Ilmberg, Johannes Bapt., S.].: Die Schriftlehre vom Sakrament
der Firmung. Eine biblifch-dogmatifche Studie.
(XII, 217 S.) gr. 8°. Freiburg i. B., Herder 1920. Gz.4,7.
Der biblifche Beweis für den heutigen Beftand der
fieben Sakramente, der ja erft in langer, wechfelvoller
Entwicklung geworden ift, macht den kathol. Dogmatikern
viel zu fchaffen. Der Jefuit Umberg verfucht fich in
einer fehr fleißigen und pünktlichen Erftlingsarbeit nochmals
daran, und zwar am Sakrament der Firmung, weil
— dies zeigt er richtig in der erften Hälfte feines
Buchs — ein wilfenfehaftlich genügender Beweis bis
jetzt noch nicht geführt fei. Bellarmin erft habe planmäßig
biblifch argumentiert — es ift die heute noch in
den Katechismen übliche Argumentation —, aber bis
ins 19. Jhdt. habe man feine Mängel nicht verbeffert.
Das Befte habe bisher der Seminarprofeffor Ruch-Nancy
(jetzt Bilchof von Straßburg) im Dictionnaire de la theo-
logie catholique Bd. III (icjo8) 975 ff geboten. Aber
auch Ruch befriedige nicht in allem. Ich finde aber,
daß nun Umberg mit dem eigenen Verfuch, den er in
der zweiten Hälfte feines Buches unternimmt, weder
etwas Neues noch etwas Befferes bietet. Die Art, wie
er z. B. den Wechfel von bloßer Handauflegung ohne
Salbung zu bloßer Salbung, von der er behauptet, fie
fei gleichzeitig Handauflegung, biblifch begründen will,