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Ausgabe:

1922 Nr. 23

Spalte:

492-493

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ehelolf, Hans

Titel/Untertitel:

Ein altassyrisches Rechtsbuch, übersetzt 1922

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 23.

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„der Wirbelftröme, der Lichtfelder, der Ätherftrudel,
welche alles u. auch uns zur Subftanz werden ließen",
bleibt ihm die Seele; fie ift die Idee, kraft derer wir exi-
ftieren, folglich muß fie ewig fein. Nun aber kommt es
der Natur darauf an, aus der Materie die höchfte Geiftig-
keit emporzubilden, u. nirgends läßt fie das einmal Erreichte
fallen. Es ift daher nicht anzunehmen, daß fie
nicht, nachdem fie einmal das königliche Ich möglich gemacht
hat, mit andern feineren Subftanzen es noch zum
Über-Ich fteigern follte. Durch folche Gedanken „voll
höchfter Wahrfcheinlichkeit" kann die Naturwiffenfchaft
dazu beitragen, „eine Brücke zu bauen von der Theologie
zur klaren Erkenntnis." Mit Recht wird man ftrengere
Zucht der Begriffsbildung u. Beweisführung, genauere
Scheidung von Wiffen u. Glauben fordern, als fie bei S.
fich finden, aber dem Grundgedanken des geiftvollen For-
fchers, deffen Lebenslauf nun auch bereits abgefchloffen
ift, möchte ich freudige Zuftimmung nicht vertagen.
Berlin. Titius.

Bilychnis. Rivista mensiie di studi religiosi. Anno X,

vol. XVII, 1921.
Rivista Trimestriale di Studi Filosofici e Religiosi, vol. I, 1920.

jährl. L. 20 —

II Progresso religioso. Anno I, Num. 1—6. 1921, Mai bis

September. jährl. L. 18 —

Über den Charakter und wefentlichen Inhalt der
Bilychnis habe ich in diefer Zeitfchrift 1921, Nr. 7/8
(Mai) genauer referiert. Sie ift ein Organ der scuola
teologica Battista in Rom. Das will nicht befagen, daß
fie im befonderen Sinne den Intereffen der Baptiften
diene, fie zeigt höchstens, wie frei und weit diefe evan- I
gelifche Kirche (wir wollen nicht mehr von ,Sekte' fpre- ,
chen) ihre miffionarifche Aufgabe in Italien verfteht. Die
Zeitfchrift beabfichtigt, fo weit als möglich .moderne'
Menfchen für das Chriftentum oder doch überhaupt die
Religion zu werben, durch theologifche und philofophifche
Auffätze. Sie will zugleich orientieren über das geiftige
Leben der andern Völker, und wir Deutfchen brauchen
uns nicht zu beklagen, daß wir zu kurz kämen. Der neue
Jahrgang wird fogleich eröffnet mit einem Auffatz über
E. Höckel, S. 1—12 und H. v. Treitfchke, S. 13—27), und
man erkennt, daß durchaus der Wille vorhanden ift, uns
gerecht zu werden. Ich nenne von Artikeln nur bei-
fpielsweife, um den religiöfen Geilt der Bilychnis zu
illuftrieren, den discorso, den Mario Rossi im September
1918 gehalten hat und jetzt im Druck mit einem offenen
Briefe feinem lieben exkommunizierten Freunde Buona-
juti mitteilt, um ihn zu trotten und zu ftärken: Che cosa
e la communione e il corpo del Christo? Es ift moder-
niftifche, myftifch warme, auguftinifche (wie der Verf. es
anfieht auch lutherifche — und daran ift Richtiges!) Empfindung
, die da zum Ausdrucke kommt. Das Abendmahl
wende fich als ,rito' dem kommenden Herrn entgegen
. Ein Bild von P. A. Pafchetto (wohl einem Verwandten
des redattore capo der Bilychnis) verfinnlicht
diefen Gedanken, indem vom Abendmahlstifch aus (die
Feier müffe als ,Feftmahl', banchetto, agape, mit Chrifto
und den Brüdern vorgeftellt werden) der Blick durch
hohes weites Fenfter auf Jerufalem, die hochgebaute
Stadt' hinaus fchweift. Das Bild wirkt um fo ftärker
.myftifch', als kein Menfch am Tifche ift, man fieht nur
die Vorbereitung des Mahles, zu dem geladen ift.

Die zu zweit oben genannte, ganz neue Rivista di
studi filosofici e religiosi ift von ähnlichem Geifte
getragen wie die Bilychnis, nur unter Betonung der
Philofophie. Der Herausgeber A. Bonucci (ord. Prof.
an der Univ. zu Siena) hebt im Profpekt hervor, daß die Zeitfchrift
getragen feivonderÜberzeugung.daß.Philofophieund
Religion die höchften Ausdrucksformen des gleichen
Strebens der menfchlichen Seele zum Abfoluten' feien.
Der erfte Auffatz, den Bonucci felbft verfaßt hat, gilt
dann dem richtigen Begriff und den verfchiedenen Formen

des .Imperativs'. Im nächsten Aufsatz begegnet uns
der vorhin genannte Buonajuti; er kann zeigen, wie weit
die Zeitfchrift ihr Programm faßt, denn er handelt unter
der Überfchrift .Conversazioni del Risorto' von den ,Ge-
fprächen Jefu mit feinen Jüngern nach feiner Auferftehung',
die Carl Schmidt aus einem koptifchen Papyrus bekannt
gemacht hat. Von demfelben Buonajuti treffen
wir im I. Heft einen kleinen Auflatz, der wohl in ge-
wiffer Weife auch programmatifch gemeint ift: ,Imma-
nentismo idealistico ed esperienza religiosa' (man dürfe fie
nicht vermifchen). Noch ein zweites Mal begegnen wir
B. (der fich hier unterzeichnet als Profeffor an der Königl.
Univerfität zu Rom) in demfelben Hefte, S. 95 ff: ,Piu
grande, l'amore!' Hier beleuchtet er diefes Pauluswort in
Auseinanderfetzung mit Harnack, Reitzenftein u. a.; ich
verweife meinesteils dazu für weitere Diskuffion auf die
Studie von A. Fridrichfen (Kriftiania) und Edv. Lehmann
(Lund). ,1. Kor. 13, eine chriftlich-ftoifche Dia-
tribe', in .Neuteftamentl. Forfchungen. Sonderheft der
Theol. Studien u. Kritiken', 1922, S. 55—95. — Von Buonajuti
treffen wir weiter: in Heft 2 eine Studie über
.L'esperienza e il messaggio di Paolo', nicht minder eine
über .Evagrio Pontico e il de virginitate atanasiano' (bzw.
eine ,nota' zu den neueren Forfchungen über ältefte
Mönchsliteratur: Reitzenftein, Butler). Am meiften cha-
rakteriftifch für ihn ift jedoch in Heft 3 der Auffatz
,Religio irreligiosa' (auch ein Kampf wider den .immanenten
Idealismus' als Religionserfatz). — Ich kann hier
nicht weiter auf die einzelnen Arbeiten, befonders von
Bonucci, Varisco u. a., eingehen, da ich dafür genauere
Kenntniffe befitzen müßte über die heutige italienifche
Philofophie, als ich habe.

Nur kurz auch kann ich hinweifen auf die oben an
dritter Stelle bezeichnete Zeitfchrift. Ich kenne nur die
erften fechs Nummern in continuo. Soviel ich fehe, legt
diefe Zeitfchrift ihr Hauptgewicht auf Berichterftattung
über Vorgänge, literarifche Erfcheinungen ufw., die charak-
teriftifch find für .Fortfchritte', die die Religion in unfern
Tagen macht. Ein prinzipieller Artikel, eine .conferenza'
von A. Chiapelli (Florenz) ,Per il progresso morale e
religioso' eröffnet die fich als .Rivifta del movimento
contemporaneo' im Nebentitel kennzeichnende Zeitfchrift.
Nicht minder als er charakteriftifch ift im zweiten Hefte
der Auffatz von E. P. Lamanna ,La Religiosita' (I. Reli-
gioni e Religiosita), der wohl noch eine Fortfetzung, fei
es fchon gefunden hat, oder noch finden foll. Unter den
Mitarbeitern finde ich auch F. Heiler (No. 3—4). Der
.berichtende' Teil führt die Überfchrift ,Vita e Cultura
religiofa'; er ift fehr mannigfaltig und beachtenswert.
Halle a. S. F. Kattenbufch.

Ehelolf, Hans: Ein altaffyrifches Rechtsbuch, überfetzt. Mit
einer rechtsgefchichtlichen Einleitung von Paul Ko-
fchaker. (Mitteilgn. a. d. Vorderafiat. Abtlg. d. Staatl.
Mufeen zu Berlin, Heft I) (45 S.) gr. 8°. Berlin,
K. Curtius 1922.
Bei den deutfchen Ausgrabungen in Affur find recht
umfangreiche Refte eines altaffyrifchen Gefetzbuch.es gefunden
worden, das zwar in kultureller Beziehung fich
mit dem Kodex Hammurapi nicht meffen kann, aber für
unfere Kenntnis der affyrifchen Rechtsgefchichte doch
von eminenter Bedeutung ift. Diefe Fragmente find jüngft
von Schroeder in den Keilfchrifttexten aus Affur verfchiedenen
Inhalts in mufterhafter Weife herausgegeben
worden. Nr. 1 ift mit feinen 8 Kolumnen nahezu voll-
ftändig, Nr. 2 enthält nur noch 6, teilweife recht befchä-
digte Kolumnen, dazu kommen dann noch 9 kleinere
Bruchftücke. Nr. 1 befchäftigt fich befonders mit dem
Frauen- und Familienrecht, Nr. 2 mit dem Sachenrecht;
fchwieriger ift es, den Inhalt der kleineren Fragmente zu
beftimmen, die zudem meift einer anderen, älteren Redaktion
angehören.

Diefe wichtigen Texte haben fofort nach ihrer Ver-