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Ausgabe:

1922 Nr. 15

Spalte:

347-348

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilson, James M.

Titel/Untertitel:

The Worcester Liber Albus, Glimpses of Life in agreat Benedictine Monastery in the fourteenth Century 1922

Rezensent:

Grützmacher, Georg

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 15.

348

339 berichtet er des Äthan. Abfetzung und zum 22. Mz.
den Einzug des zu feinem Nachfolger gewählten Grego-
rius. Die beiden letzten Daten find unerfchütterlich,
dann können die beiden erften nicht richtig fein, weil
zwifchen der Rückkehr des Ath. und feiner Wiedervertreibung
vielerlei so gefchehen ift,allein fchon vonRom aus,
daß der Raum von 4ll2 Monaten als ausreichend nicht in
Betracht kommt. Hier hat Seeck, unbelehrt durch neuere
Forfchung, die unglücklichfte Vermifchung einer alten
Berechnung, die diefe 2. Periode von Ath. Episcopat
337 anheben läßt, und einer jüngeren, die 339 als das
Jahr feiner Flucht nach Rom feftlegte, vorgenommen,
dabei auch verfchwiegen, daß wir über die Zeit der
beiden erften Begegnungen des Ath. mit dem Kaifer
Conftantius gar nichts Bestimmteres wiifen als: vor Okt. 346.

Eine Stelle bleibt in dem Regifter übrig, wo unfern
Verfaffer das Unglück verfolgt, daß er Fehler begeht,
deren Urfache Niemand erraten kann, nämlich bei der
Angabe der Oftertermine. Daß fie in feinem Werk nicht
fehlen durften, hat er mit Recht eingefehen; auch dadurch,
daß er fie für Werten und Orten, fobald die Tafeln getrennt
laufen, je befonders anführt, feine Lefer an die
Differenzen der Ofterberechnung zwifchen den ver-
fchiedenen Hauptkirchen erinnert. Aber einen zuver-
läffigen Bericht über die Ofterfefte Roms empfangen wir
bei ihm nicht; daß man in Alexandria im Jahre 377 auch
ein Ofterfeft gefeiert hat und daß uns deffen Lage am
beften bekannt ift, würde man von S. 272 k nicht lernen.
Schlimmer ift, daß er S. 30x3 und 301 für das Jahr 400
Oftern auf den 2. April anfetzt, ftatt auf 1. April, S.
357f. für 430 auf den 29. März ftatt 30. März, S. 372t.
für 442 auf 13. April ftatt 12., S. 355 für 428 im Orten
(wie im Werten) „15. April Ofterfeft", während für Ägypten
der 22. April außer Zweifel fteht. Wie leicht hätte es
S. gerade hier gehabt, das Richtige zu treffen, wenn er
die von Ed. Schwartz 1905 in „Chriftliche und jüdifche
Ofterfefte" S. 1856*". gebotene Tabelle'der alexandrinifchen
Ofterfefte von 361 bis 892 eingefehen hätte. Aber die
Hilfe diefes Gelehrten fcheint er grundlätzlich zu ver-
fchmähen, was fich auch in den Irrtümern rächt, die er
bei den Daten aus Athanafius Leben begeht! Ich fchließe
mit der Bitte an unfre Lefer, diefe unter Umftänden
verhängnisvollen Fehler aus ihrem Seeck-Exemplar zu
befeitigen und fich verfichert zu halten, daß die Fülle
von Falfchdaten in der Ofterfeftreihe in geradem Gegen-
fatz fteht zu der fonft von S. betätigten Äkibie; er muß
fich die Ofterfefttafel von einem feiner Aufgabe nicht
gewachfenen Schüler haben anfertigen laffen; und ein unglücklicher
Zufall hat ihn gehindert eine Kontrolle felber
vorzunehmen.

Marburg. Ad. Jülich er.

Wilson, James M., D. D. Canon and Vice Dean: The
Worcester Liber Albus, Glimpses of Life in a great
Benedictine Monastery in the fourteenth Century
(XVIII, 284 S.) 8°. London, S. P. C. K. 1920. 15 sh.
Der liber albus, von dem Wilson erftmalig einen
Teil veröffentlicht, enthält die Korrefpondenz des Priors
des Benediktinerklofters Worcester. Im vorliegenden Band
ift eine Auswahl von Briefen abgedruckt, die aus dem
Jahre 1301 bis 1338 flammen, während die gefamte
Korrefpondenz fich auf die Zeit von 1301 bis 1446 er-
ftreckt. Diefe Brieffammlung bildet ein Gegenftück zu
den von Sheppard 1887 herausgegebenen Briefen des
Klofters Canterbury, den literae Cantuarienses, die faft mit
dem liber albus gleichzeitig find, da fie fich auf die Zeit
von 1320—1373 beziehen. Die Briefe des liber albus
tragen einen weniger offiziellen Charakter als die von
Canterbury und befchränken fich auch nicht nur auf das
eigentliche Klofterleben, dadurch vermitteln fie uns ein
vielfeitigeres, kulturhiftorifch intereffanteres Bild als diefe.
Worcester war ein Kathedralklofter, deffen Abt der
Bifchof war, fo daß an der Spitze des Klofters ein Prior

ftand, der allerdings bisweilen in Kompetenzftreitigkeiten
mit feinem Bifchof geriet. Die Ausgabe wie der Druck
des Buches ift mufterhaft.

Münfter i.W. G. Grützmacher.

Koch, Walter: Die Stellung des Quäkertums zur (ozialen
Frage. (Chriftentum und foziale Frage). Heft 7 (39 S.)
8°. München, Chr. Kaifer 1921. M. 4.50

Lief mann, Robert: Die kommuniltifchen Gemeinden in Nordamerika
. Jena, G. Fifcher, 1922 M. 12 —
Die kleine Schrift von W. Koch erhebt keine An-
fprüche an felbftändige wiffenfchaftliche Bedeutung. Sie
will ein ,Verfuch' fein, ,auf Grund foziologifcher und hif-
torifcher Unterfuchungen, die nur einen ganz vorläufigen
Charakter tragen können, die augenblickliche Situation
der ,Gefellfchaft der Freunde' in ihrer Stellung zur fo-
zialen Frage klären zu helfen'. Koch hat im Herbft 1920,
wie er im Vorwort mitteilt, in Jordans und (1. ,in') England
' an einer Konferenz junger Quäker' teilgenommen,
die, geiftig wie es fcheint infonderheit beeinflußt durch
den .Quäkerproletarier' Newbold, eine Neuorientierung auf
Verwirklichung eines eigentlichen Sozialismus im Kreife
der .Freunde' bzw. von diefem aus oder unter möglichfter
Mitwirkung diefes Kreifes überhaupt in der Kulturmenfch-
heit herbeizuführen trachtete. Es handelt fich offenbar
um eine in fich felbft noch unklare Bewegung unter den
Quäkern, aber eine durch und durch fittlich ernftgeftimmte,
wobei der Gedanke obwaltet, daß man nur bei den äl-
teften und beften Traditionen der von George Fox begründeten
Gemeinde anknüpfe. Diefem fei es durchaus
auf .Verwirklichung des Gottesreichs auf Erden' (nicht
bloß den .fchweigenden Gottesdienft') in einer Gemein-
fchaft der Liebe, nicht ohne kommuniftifche Neigungen
oder Idealforderungen, angekommen. So fei es wohlgetan
, wenn man jetzt, zumal nach dem Erlebnis des
Weltkrieges und unter feinen fchweren, ja fchrecklichen
Nachwirkungen, ftrebe, den .Klaffenftaat und die kapi-
taliftifche Lohnfklaverei' zu überwinden. Koch gibt eine
gut lesbare Skizze der Entwicklung des Quäkertums aus
urfprünglich überwiegend von .kleinen Leuten' (Handarbeitern
, Bauern) getragener Bewegung zu einer Gemeinde
von wohlhabenden Gefchäftsleuten, die durch
Redlichkeit und Schlichtheit der Lebensführung beften
Chriftenruf bewährten, darüber hinaus aber wefentlich
nur ,philanthropifches'Intereffe zeigten und .Hilfe' brachten,
wo immer fie eine befondere Not fahen. Bekannt in
diefer Hinficht ift ihr Eintreten für Befferung des Loofes
der Gefangenen, zumal auch, daß fie die Antifklaverei-
bewegung eingeleitet haben. Aber im übrigen waren
auch die .Freunde' Anhänger des .Kapitalismus', deffen
Auswüchfe oder fchreiendfte Mißftände fie nur tapfer
bekämpften. Immerhin regte fich fchon um die Wende
des 17. und 18. Jahrhunderts wieder ein Geift von .chrift-
lich gefärbtem Sozialismus'. Der Name von John Bellers,
den Karl Marx mit Bewunderung wie einen Vorläufer
feiner Beftrebungen (,ein wahres Phänomen in der Ge-
fchichte der politifchen Ökonomie') feiert, leuchtet da
den heutigen jungen' Quäkern. Man wird Kochs Schriftchen
gern lefen, es fichert den Quäkern die Sympathie.

Das erheblich bedeutendere, obwohl ja auch nicht
gerade umfangreiche Buch des Nationalökonomen Liefmann
bringt eine große Überrafchung, nämlich die Kunde,
daß die .Huterifchen Brüderfchaften', die man allgemein
für untergegangen angefehen hat, fich nach
Amerika gerettet haben und dort noch geradezu blühen.
Man lefe nur in S. Cramers Art. .Mennoniten' PREri
XII, was man (im Umriß) von jenen mährifchen Gemeinden
zu fagen vermochte, die nach Jakob Huetter
(nicht zu verwechfeln mit Hans Hut!) fich nannten Sie
waren allmählich immer mehr nach Orten gedrängt und
zuletzt, bis 1874, in Südrußland anfäffig, dann find fie
nach Nordamerika ausgewandert. Bei Cramer läuft ihre
Gefchichte, S. 614/15, in beredtes Schweigen aus. Lief-