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Ausgabe:

1922 Nr. 12

Spalte:

275

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pesch, Christian

Titel/Untertitel:

Nestorius als Irrlehrer 1922

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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Seite 1

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275 Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 12. 276

Federzeichnungen, deren Kunft in ihr fcheinbaren Kunft-
lofigkeit liegt. Wenige große und kleine Stücke, gefchickte
Verbindung von allgemeiner Charakterifierung und konkreten
Einzelzügen laffen die gefchilderten Perfönlicnkeiten
Leben gewinnen. Jedes Kapitel ift fpannend; die Palme
möchteich dem über Calvin zuerkennen. An diefen führenden
oder repräfentativen Perfönlicnkeiten find dann wieder
die Hauptmomente der Entwickelung des Chriftentums
aufgereiht. So bietet die Porträtgallerie ein innerlich zu-
fammenhängendes Ganzes, einen eigenartigen Abriß der
Kirchengefchichte, den mit der Art der Darbietung in
des Verfaffers bekannten ,Grundzügen' zu vergleichen
höchft reizvoll ift. Formulierung und Bearbeitung, Ausblicke
, gelegentliche Andeutungen und Schlaglichter werden
auch den Kundigen feffeln. Anfängern und weiteren Kreifen
die Gefchichte des Chriftentums anfchaulich zu machen
dürfte diefes Buch wie wenige geeignet fein.
Bonn. G. Anrieh.

Pefch, Chriftian, S. J.: Ncftorius als irrlehrer. Zur Erläuterung
einer wichtigen theologifchen Prinzipienfrage.
(VJII, 127 S) gr. 8°. Paderborn, F. Schöningh 1921.

M. 27 —

Dies Buch ift eine kirchen- und dogmengefchichtliche
Arbeit über den Neftorianifchen Streit unter dem Ge-
fichtspunkt der ,wichtigen theologifchen Prinzipienfrage',
auf welche die Vorrede mit den Worten hinweift: ,War
Neftorius kein Jrrlehrer, oder hat er wenigftens nicht den
Jrrtum gelehrt, wegen deffen er jahrhundertelang von der
Kirche zu den Ketzern gerechnet wurde, dann ift die
Kirche in der Beurteilung dogmatifcher Tatfachen nicht
unfehlbar'. Man kann aus dem Buche erfehen, wie zu-
verfichtlich (felbft Männern wie Duchesne gegenüber,
vgl. S. 48 f.), wie naiv (.Berufung an den Papft' ift der 5.
Abfchnitt überfchrieben) und — mit wie befcheidenen
Mitteln (felbft inbezug auf dogmatifche Genauigkeit; vgl.
S. 27 die Überfetzung von communicatio idiomatum
mit ,Austaufch der Ausfagen über Chriftus als Gott und
als Menfchen') ein jetziger Ordensgenoffe des gelehrten
Dionyfius Petavius die Aufgabe löft, die dem an die Unfehlbarkeit
der Kirche Glaubenden durch unter erweitertes
Wiffen über Neftorius (vgl. RE3 24, 239—244) geftellt
ift. Dies Wiffen felbft wird durch das Buch weder vertieft
, noch geklärt. Der Verfaffer fchreibt auch offenbar
nicht eigentlich für die Gelehrtenwelt. Denn er bringt
die vielen langen Quellenauszüge, die er mit vorausgehenden
oder nachfolgenden Fingerzeigen dem Urteil feiner
Lefer unterbreitet, ftets in deutfeher Überfetzung. Diefe
ift nicht feiten wiffenfehaftlich angreifbar und für den
deutfehen Lefer unverftändlich. Seiner großen Parteilichkeit
ift der Verf. fich nicht bewußt (vgl. S. 122); der
perfönliche Charakter Cyrills hat ja mit feiner Lehre
nichts zu tun (S. 50). Durch entfprechende Erwägung
feine, z. T. auf wenig vertrauensvollen Quellen ruhenden
Mitteilungen über Neftorius einzufchränken, ift dem Verfaffer
aber nicht eingefallen. Wiffenfchaftliche Auseinan-
derfetzung mit folchem Buche hat keinen Sinn. Aus der
Literatur find dem Verf. zwei lehrreiche Arbeiten von
Ed. Schwartz, die ihn freilich fchwerlich etwas gelehrt
hätten, unbekannt geblieben: Zur Vorgefchichte des
ephefinifchen Konzils (Hiftör. Zeitfchr. 112, 237—262) und:
.Cassian und Neftorius' (Schriften der wiffenfchaftl. Ge-
fellfchaft in Straßburg, 20. Heft, 1914).

Halle a. S. Loofs.

Robin Ion, D. D. Charles H.: Kow theGospel spread through
Europe. (184 S.) 8». London, S. P. C. K. 1919. sh. 3/6
Diefer Überblick über die Chriftianifierung Europas,
beginnend mit der Balkanhalbinfel und endigend mit
Rußland, wird zur erften Belehrung gewiß gute Dienfte
leiften können, zumal er, fo weit ich fehe, objektiv gehalten
ift und auch neuere wiffenfchaftliche Forfchungen
berückfichtigt hat. Gewiß mit Abficht werden die bedeutenden
Miffionare, wie Martin von Tours, Otto von
Bamberg u. a. ausführlicher behandelt, um fehen zu laffen,
von welchen idealen Kräften die Ausbreitung des Chriftentums
getragen worden ift. Nach dem Titel könnte man
auch auf die Frage Antwort erwarten, welchen Anteil die
Politik an der Miffion gehabt hat. Doch wird darüber
wenig oder garnicht gehandelt. Die beigegebenen Karten-
fkizzen genügen nur den befcheidenften Anforderungen.
Dem Zwecke des Buches würde es wohl entfprochen haben,
wenn die wichtigften Werke zu weiterer Belehrung angegeben
worden wären. Der Verfaffer verweift dafür auf
fein ausführlicheres Werk über die Bekehrung von Europa.
Kritik von Einzelheiten glaube ich unterlaffen zu follen.
Kiel. G. Ficker.

Jahresberichte der deutfehen Gelchichte. Von V. Loewe und
M. Stimming. Jahrg. 2: 1919. (100 S.) 8°. Breslau,
Priebatfch's Vlg. M. 25 —

Die Jahresberichte der Gefchichtswiffenfchaft', fchon
vor dem Kriege nur unter großen Opfern des Verlegers
aufrecht erhalten, find eingegangen an der Unmöglichkeit,
ein derartiges Unternehmen unter den gegenwärtigen Ver-
hältniffen weiterzuführen. Allzuviele wird es nicht geben,
die diefer unhandlichen und unüberfichtlichen Inhaltsangabe
der gefamten hiftorifchen Spezialliteratur nachtrauern. Aber
das Bedürfnis nach einer kurzen Orientierung über die
wichtigen Neuerfcheinungen auf dem Gebiete der Gefchichtswiffenfchaft
liegt unzweifelhaft vor. Diefem Bedürfnis
wollen die Jahresberichte der deutfehen Gefchichte' abhelfen
, von denen hier der 2. Jahrgang zur Anzeige gelangt
. Nun mag man freilich über den Begriff der
.Wichtigkeit' einer Schrift oft verfchiedener Meinung fein.
Vielfach ift der gewiß berechtigte Wunfeh hervorgetreten,
derartige Berichte auf fachlich geordnete Titelverzeichniffe
zu befchränken und dafür möglichfte Vollftändigkeit zu
erftreben. Allein man wird zugeben, daß gerade heutzutage
eine kurze Orientierung über die wefentlichen Er-
gebniffe der Unterfuchungen fehr erwünfeht ift, da nur
wenige imftande find, fich durch Zeitfchriften oder gar
eigene Anfchaffungen auf dem Laufenden zu erhalten.
Verfehlt ift nur, in derartige Überfichten kritifche Aus-
einanderfetzungen einzufchalten, wie es z. B. auf S. 31
unter Nr. 12 gefchehen ift. Ungebührlich lang find auch
die Referate S. 22 Nr. 7 oder gar S. 28 Nr. 17, wo es
fich nur um eine wenig bedeutende Differtation handelt.
Was foll man dazu fagen, wenn auf S. 32 Nr. 21 einem
Zeitfchriftenauffatz von 39 Seiten, der eine nicht eben
belangreiche Einzelfrage behandelt, 15 Zeilen gewidmet
werden? Aber auch eine ftattliche Monographie wie die
Werminghoffs über Ludwig von Eyb darf im Rahmen
einer folchen Überficht nicht 30 Zeilen in Anfpruch nehmen.
(S. 35 Nr. 16) Ob es einen Zweck hat, die oft fehr harm-
lofen Nachrufe auf verftorbene Hiftoriker gewiffenhaft zu
notieren (S. 4 Nr. 16—30), mag dahingeftellt bleiben. Sehr
erfreulich ift dagegen, daß auf wirklich grundlegende Abhandlungen
, wie die Burdachs über den Urfprung des
Minnefangs, mit allem Nachdruck hingewiefen wird, auch
wenn es fich nicht um felbftändige Werke handelt (S. 30
Nr. 8) oder wenn fie im befcheidenen Rahmen einer
Spezialunterfuchung zu finden find (S. 46 Nr. 6, Waas über
Vogtei und Bede). Jedenfalls könnte in den künftigen
Jahresberichten durch ftraffere Selbftzucht eine größere
Vollftändigkeit und ftärkereDifferenzierung erreicht werden.
Vielleicht ließen fich dann auch wichtige Rezenfionen einbeziehen
, was bisher nur vereinzelt gefchehen ift. Dadurch
würde das verdienftvolle Unternehmen, dem hoffentlich
ausreichender Abfatz befchieden ift, an Brauchbarkeit
noch gewinnen.

Hannover. Gerhard Bonwetfch.

Stadtmüller, 1'. Raphael Maria, O. P.: Dominikanerlegende. Aus

dem Lateinifchen des Gerhard von Frachet ausucwählt und bearbeitet
. (272 S.) kl. 8°. Dülmen, A. Laumann'fche Bh. 1921.

M. 18 —