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Ausgabe:

1922 Nr. 12

Spalte:

269

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klein, Samuel

Titel/Untertitel:

Jüdisch-palästinisches Corpus Inscriptionum 1922

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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269

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 12.

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hat, auf der einen Seite ftünden die (pfychifch) weich,
auf der andern die ftraff empfindenden Chriften, oder
aber dort die Äftheten, hier die Ethiker (etwa auch —
aber die find feiten — die ,Rationaliften', die fpezififchen
.Intellektuellen') unter den Theologen. Wir werden uns
einigen können, wenn wir beachten, daß das .Alles ift
Euer' von den pfychifchen Formen gilt, und daß der
Gehalt des Evangeliums, das Pneuma, das auch die Tiefen
der Gottheit .erforfcht' (d. h. fpüren läßt), fcharffichtig
macht für das, was, uns frommt und nicht.

2. Was den .Drei Masken-Verlag' veranlaßt hat, von
Newmans .Apologia pro vita mea' den Abfchnitt, der fein
prinzipielles Eintreten für,Rom' rechtfertigt, in einer Uber-
fetzung in Deutfchland jetzt herauszugeben, weiß ich nicht.
Außer für N. felbft kann ich ihn nicht .intereffant' finden. Ich
habe mich vor Jahren mal eingehend mit N. befchäftigt (f.
meinenArt. überihnPRE3XIV, 1904) undnicht den Eindruck
eines tiefen Geiftes von ihm empfangen. Der Katholizismus
ift für ihn als — mit Heiler zu reden — judaiftifche
Gefetzesreligion' sei. in Hinficht der chriftlichen Lehre,
des Dogmas, der Friedebringer gewefen. Der Sakramentalismus
, die Myftik ift es nicht gewefen, der ihn
zum Übertritt lockte. Denn dafür hatte er im Anglika-
nismus genug Rückhalt. Vielmehr find es Stimmungen
(Dispofitionen), die ihm ex patribus Judaeis angeflammt
waren, welche es ihm zum Bedürfnis gemacht haben, römifch
zu werden. Er blieb vornehm in der Lebensgebahrung.
Aber er war bei aller Feinheit und allem inneren Ernfte
wunderbar herzenskalt.

Halle a. S. F. Kattenbufch.

Klein, Dr. Samuel: Jüdifch-paläfiinifches Corpus Insrip-
tionum. (Ossuar-, Grab- u. Synagogeninfchriften.) (VI,
106 S.) 8°. Wien, R. Löwit 1920. M. 20 —

Die Bezeichnung Corpus Insriptionum läßt eine Wiedergabe
der mitgeteilten Infchriften in den urfprünglichen
Schriftzügen erwarten. Darauf hat der Herausgeber verzichtet
, er bietet aber in örtlicher Ordnung eine Überficht
über die Lefung von 183 Ossuar- und Grabinfchriften und
18 Synagogeninfchriften in hebräifcher, aramäifcher und
griechifcher Sprache. Beigefteuert hat er Bemerkungen,
welche die Anläffe und Ort der Infchriften, die darin vorkommenden
Namen, zuweilen auch die von ihnen bezeichneten
Perfonen aus der jüdifchen Literatur beleuchten.
Es war verdienftvoll, die an zerftreuten Stellen veröffentlichten
Infchriften zu fammeln und fachlich zu erklären.
Ohne meine Bücher und Notizen zur Verfügung zu haben,
konnte ich die vom Verfaffer für die Korrektur von mir
gewünfehten Bemerkungen nicht fo vollftändig machen,
wie es fonft gefchehen wäre. So fehlt auch die Infchrift
flTfl hDtDttfl aus der nördlichen Nekropole von Jerufalem.
Bei der Synagogeninfchrift Nr. 12 würde ich jetzt das
anfangende nn als ClIT = Km ,es fei' lefen. N. Slousch
hat in The Journal of the Pal. Orient. Society I 1,
S. 33 fr. die Synagogeninfchrift Nr. 3 einer Befprechung
unterzogen. Er lieft in Z. 2 OJ^D für 031B in Z. 6 anh],
nicht an[^], in Z. 9 pripTri TjlrrVj K^fn], was heißen
foll: ,es fei ihnen Anteil am Befitz', oder: ,es fei ihnen
eine Stärkung'. Gegenüber meiner von Klein mitgeteilten
Lefung kann ich darin keinen Fortfehritt fehen. Von
Slousch neuerdings gefundene Grabinfchriften werden
im Köbes der Jüdifchen archäologifchen Gefellfchaft in
Jerufalem I i, S. 18 ff. mitgeteilt. Natürlich fehlt es nicht
an Einzelheiten, in denen ich dem Verfaffer nicht bei-
ftimme. Aber im allgemeinen ift die Sammlung als
zuverläffig und vollftändig zu bezeichnen. Sie ift auch für
das Judentum zu Jefu Zeit von um fo größerer Bedeutung,
als es da fehr an zeilgenöffifchen Quellen fehlt.
Greifswald. Guftaf Dal man.

Zapletal, Prof. Dr. Vinzenz, O. Pr.: Der Wein in der Bibel.

Kulturgefchichtüche u. exegetifche Studie. (Biblifche

Studien, 20. Bd. 1. Heft) (VIII, 79 S.) gr. 8°. Freiburg
i. B., Herder 1920. M. 12_

Der Verf. hat gefchickt und wohl auch vollftändig
zufammengetragen, was die Bibel und namentlich das
Alte Teftament an Ausfagen über den Wein enthält.
Man lernt Paläftina als Weinland kennen, wird in lebendigen
Bildern in die gefamte Kultur des Weinbaus eingeführt
, fieht die fröhlichen Weingelage, die bis zu Ex-
zeffen führen können, und wird fchließlich mit den Fragen
vertraut gemacht, die fich an die Verwendung des Weines
bei Paffahmahl und Jefu Abendmahl knüpfen. Ob diefes
übrigens ein Paffahmahl gewefen fei, läßt der Verfaffer
unentfehieden.

Seinen Ausführungen, denen auch intereffierte Nicht-
Theologen ohne Schwierigkeit folgen können, dürfte nicht
viel hinzuzufügen fein. Als Beleg für Verwendung von
Wein bei Nabais Schaflchur hätte auch I. Sam. 25,11
genannt werden können, obwohl der Maforetifche Text
dort nur von Waffer fpricht; doch vgl. LXX, und dabei
ergäbe fich die Erwägung, ob die maforetifche Lesart
nicht am Ende mehr bedeutet als einen bloßen lapsus
calami. — Eigentümlich ift die Transskription sobe (S. 9).
Göttingen. A. Bertholet.

Die Kultusreformation des Esra. Ausfagen moderner Kritik
über Neh. 8—10 kritifch beleuchtet v. Martin
Kegel. (219 S.) gr. 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann
I92b M. 35 —

Der Haupttitel des Buches gibt das Ergebnis, der
Untertitel die Methode der Unterfuchung an. Esras
Werk ift Wiederherftellung. Sein Gefetzbuch ift nicht
etwa bloß Pg -f- Ph, fondern ein umfangreiches Werk,
das dem jetzigen Pentateuch fehr nahekommt. Es enthält
außer unwefentlichen Modifikationen nichts Neues,
es ift das alte längft bekannte Gefetz, das nur teilweile
in Vergeffenheit geraten war. Man weint bei feiner Ver-
lefung vor Rührung. Nichts ift: törichter als die Annahme,
Esra felbft: odi r irgendwer fonft hätte fich im Exil ,mit
Gefetzesfabrikation befchäftigt'; auch der 621 veröffentlichte
,Hilkiakodex', zu dem auch H gehört, entflammt
in Wirklichkeit alten Zeiten.

Das Buch ift mühfam und nicht fehr erquicklich zu
lefen. Das liegt an der Methode: Ausfagen moderner
Kritik werden kritifch beleuchtet. Diefe Beleuchtung
ergibt ein fehr dunkles Bild, denn die große Mehrzahl
der Forfcher ift von vornherein falfch orientiert, weil fie
auf dem Boden der modernen Pentateuchkritik fleht.
Verf. hofft, daß das bald beffer wird.

Eine Auseinanderfetzung im Einzelnen ift: nicht gut
möglich, man müßte fonft Seite für Seite Einwendungen
machen. Immerhin ift es lehrreich und nicht ohne Reiz,
einen Standpunkt mit Gelehrfamkeit und Temperament
vertreten zu fehen, der an längft vergangene Tage erinnert
.

Göttingen. Hans Duhm.

Kittel, Prof. D. Rud.: Die Religion des Volkes Israel. (220
S.) 8°. Leipzig, Quelle & Meyer 1921. Geb. M. 18 —

Auf 191 Seiten ziemlich kleinen Formats gibt Kittel
eine kurze Überficht über die gefamte israelitilche Reli-
gionsgefchichte von der Urzeit Kanaans an bis auf Jefus.
Eine folche Darftellung ift der wohlerwogene Ertrag
eines langen Gelehrtenleben; jeder Fachgenoffe wird fie
mit der gebührenden Achtung in die Hand nehmen und fich
gerne damit auseinanderfetzen. Freilich wird man die
Schrift auch nicht überfchätzen dürfen: genial gefchaute
Bilder und innerfte Erfaffungen darf man in ihr nicht
fuchen; die fich darin offenbarende Selbftändigkeit im
Urteil ift anerkennenswert, die Originalität — Kittel legt
befonders Wert auf feine Schilderung des älteften Kanaans
— hält fich innerhalb gewifler Grenzen.

Richtungsunterfchiede treten nicht befonders deutlich
hervor; auch aus diefem Buche läßt fich erfehen, wie breit