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Ausgabe:

1922 Nr. 11

Spalte:

247

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knight, H. A. Frank

Titel/Untertitel:

Nile and Jordan, being the archaeological and historical Inter-relations between Egypt and Canaan from the earliest times to the fall of Jerusalem in A. D. 70 1922

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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247

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 11.

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teres verftändlich find. Der Religionshiftoriker ift dankbar
für den trotz des kleinen Umfangs wertvollen Einblick
in die perfifch - türkifche Myftik. Die vorzüglich
ausgewählten Beifpiele enthalten lehrreiche Seitenftücke
auch zur chriftlichen Gnofis (Weltenbaum S. 29; Weltenrad
30; irdifche und himmlifche Liebe 30; Raufch und
Nüchternheit 32).

Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Knight, H. A. Frank, M. A. E. R. S. E.: Nile and Jordan,

being the archaeological and historical Inter-relations
between Egypt and Canaan from the earliest times
to the fall of Jerusalem in A. D. 70. (XI, 572 S.)
Lex. 8°. London, James Clarke & Co., 1921. 36 sh.
Eine bedeutfame Leiftung fchottifcher Wiffenfchaft —
der Verfaffer fteht im Kirchendienft in Glasgow — aut
einem Gebiet, das einen wichtigen Teil der Gefchichte
Ifraels bildet und doch oft außerhalb des Bereiches der
Theologen fteht. Sie werden dankbar fein, hier ein zu-
verläffiges, auf grund umfaffender Kenntnis, auch der
deutfchen Literatur abgefaßtes Handbuch zur Verfügung
zu haben, welches eben die Dinge beleuchtet, die für fie
wichtig find. Der Verfaffer nimmt dabei feinen Standpunkt
in der ägyptifchen Gefchichte. Er beginnt mit
der vorgefchichtlichen Zeit, indem er die phyfifche Beziehung
zwifchen Ägypten und Kanaan und die primitive
Kultur beider Länder in der Steinzeit betrachtet.
Dann begleitet er die Gefchichte Ägyptens von der
erften einheimifchen Dynaftie bis zu Ptolemäus XIII und
dem erften Jahrhundert nach Chriftus. Eine Überficht
über die bibiifche Chronologie, Verzeichnis der benützten
Bücher und Zeitfchriften und der angeführten Bibelfteilen,
fowie ein allgemeines Inhaltsverzeichnis bilden den
Schluß. Eine vom Mittelmeer bis Khartum reichende
Karte von Ägypten in 5 Teilen ift beigegeben. Der
Verf. befchränkt fich nicht auf die gefchichtlichen Ereig-
niffe, welche Ägypten und Paläftina im Zufammenhang
zeigen, fondern beachtet auch die Zufammenhänge aut
dem Gebiete der Kultur und Religion. Vom Buche Hiob
und vom Prediger vermutet er Entftehung in Ägypten in
der perfifchen, bez. ptolemäifchen Zeit. Kenntnis ägyp-
tifcher Kultur findet er in der Jofephsgefchichte und bei
der Stiftshütte, der priefterlichen Gefetzgebung, die
Maffeben der Israeliten und die Obelisken Ägyptens
werden in Beziehung gefetzt. Die Zuverläffigkeit der
biblifchen Chronologie. vermag er an einem wichtigen
Punkte zu rechtfertigen, indem er den Auszug der
Israeliten nicht unter Merenptah (13. Jahrh. v. Chr.), fondern
unter Amenhotep II. (15. Jahrh.) anfetzt und dies
durch mancherlei Tatfachen ftützt. Zuweilen werden
Dinge, die im alten Orient allgemein waren, zu ficher auf
ägyptifchen Einfluß zurückgeführt. Manche Einzelheit
bedarf der Richtigftellung. So wäre nach S. 177 die
Akazie kein paläftinifcher Baum, obwohl fie bei Jericho,
jenfeits des Jordans und in der Schephela vorkommt.
Bei Thutmofis III., feinem Pharao der Bedrückung, ift
Alts wichtige Bearbeitung feines paläftinifchen Zuges,
Paläftinajahrbuch 1914, S. 53 ff, überfehen. Gegenüber
dem Panbabylonismus unferer Tage bleibt es aber wichtig
, daß fich ein Panägyptismus ihm entgegenfetzt. Die
Wahrheit wird in der Mitte liegen, befonders dann, wenn
anerkannt wird, daß unter Beeinfluflung von beiden Seiten
in Paläftina eine religiöfe Literatur erwuchs, deren Eigenart
ihre Weltbedeutung begründete. Diefe wichtige
Überzeugung hat auch Knight trotz feines Panägyptismus
nicht verleugnet.

Greifswald. Guftaf Dalman.

Völter, Prof. Dr.Daniel: Die Patriarchen Israels im Licht der
ägypt. Mythologie. 2., voll, neu bearb. Aufl. (IV, 115 S.)
gr. 8° Leipzig, J. C. Hinrichs 1921. M. 12 —

Der Eindruck, den ich von diefem Buche empfange,

ift der, daß es die Thefe, um die fich fein Verfaffer bemüht
, fehr gegen feinen Willen ad absurdum führt: Was
das Alte Teftament von den Patriarchen und von Mofe
als Gefchichte erzählt, das foll feiner Grundlage nach
nichts anderes als Mythologie fein und zwar ägyptifche.

Abraham ift ein dem ägyptifchen Nun entfprechender Gott der
unterirdifchen Zone (S. 15*, Abimelech, der König des Philifteriandes, mit
feinem Hauptmann Pichol und feinen Knechten dagegen entfpricht dem im
Welten untergegangenen Sonnengott Re (20). Dem Sonnengolt Re als
Nuns Sohn entfpricht aber auch Abrahams Sohn Ifaak (30) Auch
lfaaks Name ,der Lacher' foll vortrefflich zu der Auffal fang lfaaks als
der .lachenden Sonne' paffen (34), wie er umgekehrt, wenn er des
Abends klagend über's Feld geht, offenbar gedacht ift als die zur Erde
fich neigende wehmütig ihrem Untergang entgegengehende Abendfonne
oder als die Herbftfonne (35)! Anderwärts ift Jahwe = Re (io), und
wiederum ift in Gen 14 Re repräfentiert durch den König von Sodom
(18). Sara ift Nunet bezw. Neith (io), in Hathor-Jufas ift das Urbild
der Rebekka zu fehen (38); allerdings erinnert an Hathor auch der
Name Keturas, und deren Bezeichnung als ,die in Weihrauchduft Gehüllte
' paßt auf Hathor als die Herrin der Weihrauchländer (46). Efau
und Jakob entfprechen den ägyptifchen Göttern Schu und Keb (52).
Hie Jofephsgefchichte ift im Grunde nichts anderes als der Ofirismythus
in der Form einer ifraelitifchen Legende (75). Für diefc Identifikation
fpricht u. a., daß in der Jofephsgefchichte Träume und Traumdeutungen
eine fo große Rolle lpielen; denn Ofiris ift als Apis und
fpäter als Serapis der Gott, der durch prophetifche Träume Orakel gibt
(79). Die Jahwelade ift eine Ofirislade, d. h. ein Ofirisfarg (87 ff.) Be-
deutfam find hier fchon die zwei jungen fäugenden Kühe, die fie ziehen, da
die Kühe der Ifis, der Gemahlin des Ofiris, heilig find und die Ifis felbft als
Kuh dargeftellt wird (89) 1 Ferner foll das eherne Meer das Lebenswaffer
des Ofiris darftelien. Zu den Stieren, die jenes tragen, vergleicht Völter,
daß Ofiris als Mond der Repräfentant der 12 Neumonde des Jahres ift.
Den Neumond haben die Ägypter fich als feurigen Stier vorgeftellt
(97) ufw.

Viel Scharffinn hat Völter darauf verwendet, feine
Thefe durchzuführen. Aber ich muß bekennen, daß ich
mit diefer Art der Behandlung nichts anzufangen vermag.
M. E. wird das fchwierige Problem des Einfluffes Ägyptens
auf die Gedankenwelt Ifraels auf diefe Weife feiner Löfung
um nichts näher gebracht. Am Wenigften habe ich dafür
übrig, daß durchaus nach einem Vorgang am Himmel
gefucht werden muß für Erzählungen, die fo viel Erdgeruch
ausftrömen, daß fie ihre irdifchen und menfeh-
lichen Wurzeln nicht verleugnen.
Göttingen. A. Bertholet.

Hempel, Priv.-Doz. Lic. Dr. Job..: Gebet und Frömmigkeit
im Alten Teltament. (46 S.) 8°. Göttingen, Vanden-
hoeck & Ruprecht 1922. M. 8 —

Vf. legt 2 Vorträge vor, die einer frömmigkeitsge-
fchichtlichen Unterfuchung des A. T. vorarbeiten wollen.

Der erfte Vortrag — Aus dem Gebetsleben des
A. T. — will ,durch Vergleich mit den Gebeten der Primitiven
und denen der benachbarten Kulturvölker die
Eigenart des israelit. Gebetslebens und damit der altteft.
Religion überhaupt herausftellen'. Vf. zeigt in anfpre-
chender Weife, ausgehend von der Religionsgelchichte,
wie das Gebet in Israel zwar Spuren einer tieferen Stufe
aufweift, auf der die Religion noch ftark mit Magie verwandt
ift, wie es fich aber zu einem vertrauensvollen,
fittlich bedingten Gebet zu dem perfönlichen, gefchichtlichen
Gott Jahve entwickelt hat.

Im zweiten Vortrag, feiner Antrittsvorlefung in
Halle, über ,die Bedeutung des Exils für die israelitifche
Frömmigkeit' führt Vf. aus, wie durch die Wirkung der
Propheten die israelit. Religion den Untergang des Staates
überdauerte, zum Teil durch das Exil und feine
Folgen vertieft wurde. Die Anfätze zum Univerfalismus
und Individualismus verkümmern freilich wieder, fo daß
Jefus neu an die Propheten anknüpfen muß. Dagegen
bleibt eine andere Wirkung des Exils: die fich fteigernde
Loslöfung der Frömmigkeit vom Kult.

Daß Vf. fich teilweife auf Andeutungen befchränkt,
liegt natürlich an der notwendigen zeitlichen Begrenzung
des Vortrags. Der Eindruck einer gewiffen Unruhe und
vom Vf. felbft empfundenen Unfertigkeit hätte vielleicht
durch eine Erweiterung des Vortrags vermieden werden
können.

Göttingen. Hans Duhm.