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Ausgabe:

1922 Nr. 10

Spalte:

211-212

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neumann, Karl Eugen

Titel/Untertitel:

Aus den Reden Gotamo Buddhos 1922

Rezensent:

Franke, R. Otto

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211

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 10.

212

Das Verhältnis der Mifchna zur Tofephta ift noch
ungeklärt. Sicher ift nur, daß die Texte beider Werke
aufeinander eingewirkt haben (f. meine Einl. S. 75). Eine
wiffenfchaftliche, kritifchen Anforderungen entfprechende
Ausgabe des einen wie die des anderen fehlt noch, ift
auch nicht in naher Ausficht. An fehr vielen Stellen
macht die Tofephta den Eindruck von Erläuterungen zur
Mifchna. Davon kann man fich aus den ja freilich nicht
zu einem Endurteil führenden Büchern von Danby und
Williams leicht überzeugen.

Der Traktat Sanhedrin würde für uns von der allergrößten
Bedeutung fein, wenn wir aus ihm ein Bild der
in der in der Zeit Jefu wirklich geübten Strafrechtspflege
gewinnen könnten; dies ift aber leider nicht der Fall.
H. Danby betont nachdrücklich und auch ich habe S. 5
meiner Ausgabe darauf hingedeutet, daß wir hier nicht
in den Jahren 30—40 n. Chr. feftftehendes Recht vor uns
haben, fondern was im zweiten nachchriftl. Jahrhundert
als wünfchenswertes oder in Jabne und Ufcha geltendes
Recht angefehen wurde. Vgl. B. N. Husband, The pro-
secution of Jesus, Oxford 1916. — Das in den Evangelien
über das ftürmifche Verfahren gegen Jefus Erzählte ift
unvollftändig, aber fachlich richtiger als das den rabbi-
nifchen Angaben zu Entnehmende.

Der Traktat Berakhoth in der Mifchna wie in der
Tofephta führt uns in einen wichtigen Teil des jüdifchen
Lebens hinein, in das Gebetsleben. Es ift zwar gefetz-
lich in viel höherem Grade geregelt gewefen als uns naheliegend
erfcheinen möchte (vgl. jedoch römifch-katholifche
Satzungen); aber es ermangelte, wie gerade das Neue
Teft. zeigt (Zacharias und Elifabeth, Simon und Hanna
ufw.) keineswegs der Innerlichkeit. Leider ift W. durch
den Krieg verhindert gewefen, meine 1915 bei J. C. Hin-
richs in Leipzig erfchienene Ausgabe des Mifchnahtrak-
tats B. noch zu benutzen.

Oefterley, W. O. E: The Sayings of the Jewish Fathers.

Birke Aboth.) (Translat. of Early Documents, Ser. III).
XX, 103 S.) kl. 8». London, S. P. C.K. 1919. sh. 5/ —
Wird dazu beitragen, die Ethik der alten jüdifchen
Lehrer in ihrer Eigenartigkeit und Verwandfchaft gegenüber
dem Neuen Teftament in weiteren Kreifen bekannt
zu machen. Die Sorgfältigkeit der Verweifungen auf
das N. Teft. verdient Lob.

Finch, R. G.: The longer commentary of David Kimhi on
the first book of Psalms. (1 —10. 15—17. 19/22. 24).
1919. (XXII, 130).

Von den drei größten jüdifchen Schriftauslegern ift
Rafchi am häufigften, D. Kimhi am wenigften durch
Überfetzungen bekannt gemacht worden, namentlich durch
lolche zu Auslegungen zu den ,Kleinen Propheten' (f.Stein-
fchneiderCatalog. Bodl. No. 4821). In meinem Seminar habe
ich Ks.längeren Pfalmenkommentar nach Schiller-Szineffys
Ausgabe wiederholt lefen laffen.

S. XXI Anf. mehrere befremdliche Irrtümer. Paulus Fagiua hat
nur die erften 10 Pfalmen überfetzt, Konftanz 1544, crfl Janvicr den
ganzen Kommentar, Paris 1666. In Amfterdam 1709 und Königsberg
l847[—1850] ift des Tomtob Lipmann Mühlhaufen ,Niccachon' gedruckt
worden; die feltene antichriftliche Schrift Milchemet Choba Konftantinopel
1710 (nicht 1790 ,zufammen mit K.s Antworten gegen die Chriften aus
den Pfalmen (diefe rroilBn wohl fchon Isuni 1544) 2 auf zwei Blättern
bei K.s Kommentar, f. Catal. Bodl. Nr. 91. Rittenberg's Ausgabe der
Grammatik K.s ift iu Lyck, nicht in Paris gedruckt; Biefenlhals trefflicher
Mitarbeiter beim Lexikon hieß Lebrecht, nicht Labrecht. Merom-
See ift nicht Name des Semachonid's-Sees (S. Iii). Die Quelle
für die Namen der heben Seen und der vier Flüffe Paläftinas ift Baha
Bathra 14b, bzw. Mifchna Para 8,10.

Bln-Lichterfelde Well. Herrn. L. Strack.

Neu mann, Karl Eugen: Aus den Reden Gotamo Buddhos.

(Reclams Univerfal-Bibliothek No. 6245) (79 S.) kl. 8°.

Leipzig, Ph. Reclam jun. M. $ —

Über Neumann's ,Überfetzungen' von Werken des
buddhiftifchen Kanons find auf Seiten der Wiffenfchaft
die Akten gefchloffen, und ein genügendes Verftändnis

für die Tatfache des Wiederabdruckes von fünf Einzel-
ftücken daraus aufzubringen wäre auch ohne den jetzigen
Papiermangel eine nicht ganz leichte Aufgabe.

Über N's. Wiedergabe des iten diefer Stücke ift
fchon S. LUIff. der Einl. von Bd. 4 der ,Quellen der
Religionsgefchichte', Göttingen und Leipzig 1913 (Digha-
nikäya-Übers. in Auswahl) geurteilt worden.

Aus der Fehlermenge der vier übrigen Stücke hier nur einige
Proben: S. 49 ,mit Doppelhauern' (ein Elefant) fallen für ,mit Hauern
wie Pflugdeichlein'; ,in den Kampf geraten' falfch für ,von edler Raffe'.
S. 57 ,der Willkommene' falfch für ,der den guten Weg gegangen ift'
(Verwechslung von sugata mit svägata). S. 61 ,von unhehtbarer
(nippurisehi) Muhk' falfch für ,Mufik, bei der kein Mann mitwirkt
(fondern nur Mädchen)'. S. 68 ,fuhr fich . . der Pilger mit der Hand
eben über Augen nnd Stirne: ,Das was, o Gotamo, Gefundheit bedeutet,
das bedeutet da Wahnerlöfchung ...' falfch für ,ftreichelte der Pilger mitder
Hand feine Glieder' (draftifch könnten wir fagen ,feincn Bauch') (und fprach
dabei): ,Dies hier ift Gefundheit, Gotama, dies ift (die wahre) Seligkeit.'
S, 75 ,Hinwegtun was den Hausner hält umwoben, nach innen tief wie
Ebenholz verdichtet' falfch für .Ablegend die Merkzeichen des weltlich
Lebenden, dem entlaubten Kovilära-Baum vergleichbar'. S. 76 ,auf daß
euch keiner blöde weiß' falfch für ,damit nicht der Todesgott eure Läf-
figkeit erkennend euch verblendet'; ebd. 'Ermüden muß der fchlaffe
Mann, Ermüdung mehr nur macht ihn fchlalf falfch für ,Läffigkeit ift
(irdifcher) Schmutz . . . , der Läffigkeit folgt (irdifche) Befchmutzung'.

Weitere Nachweifungen wären überfiüffig, fowohl für
diejenigen, die zu urteilen wiffen, wie für die Prophetengläubigen
.

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Kittel, Prof. Rudolf: Die Zukunft der Alttertamentlichen
Wiffenfchaft. Ein Vortrag, gehalten auf dem Erften
Deutfchen Orientaliftentag in Leipzig am 29. September
1921. (20 S.) gr. 8". Gießen, A. Töpelmann 1921.

M. 3.30

Der Vortrag ftellt drei Strömungen der neueren Wiffenfchaft
von AT feft: Die Wellhaufenfche, die religions-
gefchichtliche oder auch ,äfthetifch-folkloriftifche' und
eine dritte, für die keine Bezeichnung geprägt wird, die
man aber, weil fie fich bemüht, ,das Wertvolle am Erbe
der älteren in Synagoge und Kirche überlieferten Auf-
faffung zu erhalten und zu vertiefen' die traditionaliftifche
nennen darf. Ihrer aller Aufgabe für die nächfte Zukunft
ift in erfter Linie eine dreifache: ftatt ,Einleitung' oder
Literaturgefchichte eine Darfteilung der Geiftesgefchichte
Israels, in der Exegcfe eine Herausarbeitung der Perfön-
lichkeit des Autors und des geiftigen Lebens feiner Zeit,
in der a.tlichen Religionsgefchichte ein Suchen nach dem
Einfluß auch der kanaanäifchen Kultur auf Israel und
befonders dann, den eigentümlichen Wahrheitsgehalt der
a.tlichen Religion und ihren Vorrang vor allen antiken
Religionen zur Darftellung zu bringen. Dazu treten die
Aufgaben einer Unterfuchung des Textes, der Metrik, der
Kulturgefchichte Israels und der religiös-fozialen Probleme
.

Königsberg i. Pr. Max Lohr.

Bewer, Prof. Dr. Julius A.: Der Text des Buches Ezra.

Beiträge zu feiner Wiederherftellung. (94 S.) gr. 8".

Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1922. M. 12 —
Biewers Beitrag zur Herftellung des Textes des Esra-
buches fetzt fich eingehend mit den nach feinem Urteil verfehlten
Arbeiten von Jahn und Batten auseinander und ftützt
fich befonders auf Torrey's Ezra Studies. Vor allem lag
ihm daran, bei diefer Arbeit die alten überfetzungen felbft,
fpeziell die griechifche, richtig zu benutzen, d. h. immer
unter Berückfichtigung der Tatfache, daß fie uns ja nicht
in ihrer Originalform, fondern felbft in verderbter Geftalt
vorliegen. Dabei kommt dann für den griechifchen Text
faft ebenfoviel neue Erkenntnis heraus, wie für den he-
bräifchen. Natürlich find auch die anderen Vorarbeiten
zum Text des Esra berückfichtigt. Wie immer man fich
im Einzelnen zu feinen textkritifchen Vorfchlägen ftellen
mag, das Ganze ift ein fehr beachtenswerter Beitrag zum
Verftändnis des Esra-Buches.
Königsberg i. Pr. Max Lohr.