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Ausgabe:

1922 Nr. 9

Spalte:

198-199

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harden, J. M

Titel/Untertitel:

The Ethiopic Didascalia 1922

Rezensent:

Duensing, Hugo

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197 Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 9. Tf,x

nicht mehr als eine folche Bekanntichaft; gerade hier ! fig vgl. Dillmann, Gr2 s. 30. Die überfetzung ,Turml für mnfhad

hätte ich eine tiefer gehende und die Probleme weiter
führende Darlegung für nötig gehalten.

Einzelheiten: 1 Der Verf. vertritt einen eigentümlich erweiterten
Begiiff von Gefchichtsquelle und legt dem Unterfchied von Überreft
und Tradition wenig Bedeutung bei. Beides hängt damit zufammen,
daß er diefe Frage wefentlich erkenntniskritifch entfcheidet, und daß
er entfchloffen einer alle Seiten des menfchlichen Lebens gleichmäßig
erfaffenden Gefchichtsfchreibung das Wort redet. Ich fürchte von feinem
neuen Quellenbegriff her eine Erweichung der methodlfchen
Strenge. 2. Die Kirchengefchichtslchreibung ift mißhandelt. Ich
wenigftens habe die Skizze der Gefchichte der Kirchengefchichte und die
Auswahl der kirchengefchichtlichen Literatur nur mit Kopffchütteln
gelefen. Vielleicht läßt fich Bauer für die wahrscheinlich notwendig
werdende 2. Aufl. hier von feinem Kollegen an der ev.-theol. Fakultät
ein wenig beraten.

Göttingen. E. Hirfch.

G roh mann, Priv.-Doz. Dr. Adolf: Äthiopifche Marienhymnen
. Hrsg., überf. u. erläutert. (Des 33. Bds. der
Abhandlungen der phil.-hift. Kl. der Sächf. Akad. d.
Wiff. No. IV.) (XII, 507 S.) Lex. 8". Leipzig, B. G.
Teubner 1919. M. 58.50

Den Anftoß zu diefer Veröffentlichung hat eine dem
Prinzen Johann Georg von Sachfen gehörige äthiopifche
Bilderhandfchrift gegeben, die dem Herausgeber acht
Jahre lang zur Verfügung ftand. Der kunftgefchicht-
liche Wert der Miniaturen der Hf. ließ den Plan einer
Bearbeitung und Pierausgabe reifen, wobei dann die
philologifchen und literanfchen PVagen vorweg in dem
vorliegenden Bande erledigt wurden, die kunfthiftorifche
Bearbeitung fich aber zu einer Gefchichte der äthiopifchen
Miniaturmalerei überhaupt auswuchs, die, mit einem Geleitwort
Strzygowskis verfehen, noch erfcheinen foll.

In der vorliegenden Publikation find aus derHf. des
Prinzen (S) mitgeteilt 1) das Mähleta Sege, das ,Blu-
menlied', ein Marienhymnus von 156 Strophen, der nach
Ausfage des Abba Tecle Marjam im Ospizio italiano cat

ift nicht zutreffend S. 273. mäljfad ift der Lappen, in den bei der
Meffe das Brot gewickelt wird vgl. im Meßgebet die von den mähfadät
handelnden Worte: ,Die deinen heiligen Leib bedecken follen.' Maria
wird fo als Mutter des Logos bezeichnet. Nicht recht glücklich ift der
Herausgeber in der Erfchließung neuer Bedeutungen, wobei der Sprung
vom Arabifchen ins Ge ez mehr als gewagt ift. So kann für hedegi
nur die Bedeutung ,um wie viel mehr (weniger)' in Frage kommen.
Hier muß der Imperativ im Femininum ftehen. wie er anderswo in der
Mehrzahl hedegu fteht. Ebenfo ift das S. 164 über kama Bemerkte
hinfällig. Die Worte in Strophe 5 lind zu überfetzen: ,Wie dein Wunder
, Maria, bewiefen hat, richtet das Anrufen deines Namens den auf
der gefallen ift, und macht auch den Sünder gerecht.' Die zwei letzten
Zeilen find präfentifch und allgemein zu fallen. Str. 106 S. 124 ift am
Anfang zu überheizen: ,das Buch deiner Wunder ift, Blume, bei mir
geehrt wie das Evangelium An mehreren Stellen, wo das Wort

kidän mit ,TeftamemV überfetzt werden muß, gibt der Herausgeber
es mit ,Bund' wieder. Zu der Lifte der Marienhymnen auf S. 29 fr.
bemerke ich, daß die beiden Hymnen 'akiila mekehena und faqada, die
fich nur in der angeführten Wiener Hf. Nr. 2 finden, auch in einer
Hf. der Pfalmen und biblifchen Hymnen ftehen, die ich 1914 dem
Abeffinier Walda Mikfi'el in Jerufalem abkaufte.

Daffenfen, Kr. Einbeck. Duensing.

Harden, J. M.: The Ethiopic Didascalia. (Translat. of
Chriftian Literature, Serie IV: Oriental Texts.) (XXIII,
204 S.) 8°. London, S. P. C. K. 1920. 9 sh.

Als Thomas Pell Platt 1834 die äthiopifche Didas-
kalie herausgab und überfetzte, Hand ihm nur eine einzige
, dazu ftark verftümmelte Hf. (drei Fünftel des Ganzen
) zur Verfügung. Die vorliegende Überfetzung macht
uns mit dem ganzen Werk bekannt, wie es in den 5
Hff. des Britifchen Mufeums Orient. Nr. 752, 793, 797,
798 und 799 vorliegt. Der Überfetzung ift die Hf. 752
zugrunde gelegt. Bis Kap. 23 ift die bis dahin reichende
Platt'fche Überfetzung benutzt, doch in felbftftändiger
Weife. Wo die Hf. 752 und der Platt'fche Text divergieren
, folgt der Überfetzer der erwähnten Hf, merkt
aber in der Fußnote die Stellen an, wo der von Platt

tolico zu Jerufalem feinen Namen davon haben foll, daß ^druckte Text vorzuziehen ift. Außerdem werden da-
er in der Blumenzeit (26. Juni - 26. September) in der , [elbft dle Varianten beider 1 exte m Überfetzung gege-
Kirche gefungen wird, ihn aber auch ficher deshalb ver- ! ft«1- rYon KaP-.2.3 gegen ,E"de ,bl s, zuvrSc^U ö, ,,ft d'e
dient, weil das Bild der Blume fich durch den ganzen i Überfetzung alleiniges Werk Harden s Wo die Hl 752
Hymnus hinzieht, und ihn vielleicht doch eher wie an- I »n d,e,fer ^artle Schwierigkeiten bot, hat er die andern,
dere Hymnen nach dem Anfangswort erhalten hat, das ^ befonders Nr 799 ™ Rate gezogen,
hier Blume' heißt. Bei der Textherftellung ift nicht j , |eftzt- ,wo.f.er vollßandige Inhalt bekannt ^worden ift, finden
ji 7. r j • t j ur „j„ „<U0„f. : auch htcrarkntifche Fragen ihre Lotung, bzw. bisherige Antworten auf

die Hf. S, fondern eine Londoner Hf zugrunde gelegt, folche ihre Berichtigung. In der Annahme, daß die äthiopifche Ver-
2) der nach den Anfangsworten benannte Hymnus fion mit der bis dahin bekannten Form der arabifchen Didaskalie zu-
'Akkontl be'esf 3) zwei Salame d. h. poetifche Eulogieen fammenhänge, meinte man, fie fei wie diefe eine Bearbeitung von Con-
aus dem Srhh'iH Her Hf Vor diefen beiden wird an- '< stlt- aPosto1- l~vfi vermehrt um Stoffe, wie fie Harnack, Gefch. d.
aUS dem SchlUlf der iTl..vor Clieien Deiaen ^' altchriftl. Literatur I, 518 charakterifiert. Es ftellt fich jetzt aber her-

hangsweife aus der Hf. Ath. 2 der Wiener Hofbibhothek daß fie vidraelir Constit apoftol ,_vn umfaßtJund daß jene

der kurze Hymnus ,Tor des Lichtes, Anqasa berhan anderen Stoffe fehlen, insbefondere 6 Zufatzkapitel, von denen 5 eine

eingefügt Diefer trägt feinen Namen nach den Anfangs- j Parallele im Teftamentum Domini hallen. Das fiebte Buch der Konfti-

worten der dritten Zeile und ftellt nur eine poetifche tutionen hat.die äthiopifche

D , ., 7 Vi, ,,- - r - A„~ t„ pLnhraf» i es fehlen KaP- '8-20. Aber da handelt es fich, wie der I berfetzer

Bearbeitung des Weddase wa Genaj dar, der Paraphrafe . s_ XVIII wahrfchdrdkh macht, um einen zufälligen Ausfall. Sonft

der Sonntagstheotokie, die mit dem gleichen Stichwort , feblen in dem constit. apostol. I—VII, 46 umfaffenden Werk nur

Htiert wird. Von diefen Hymnen ift der zweite der ! noch die Kapitel I, 9; II, 48, 52.

Subftanz nach bekannt S 328, infofem E. A. Wallis j Weiter fieht man jetzt, weffen Abkömmling die äthiopifche Ver-

Budge zwei Hff der Ta'amra Märjäm veröffentlichte, n°n ,Sie han*« zura™™", "J»Jder v°" Baumftark im Orte,,, chri-

,„ 1 ? 7. . , L , , . V- „,5H(M \t,,„ ftianus III 1903 p. 201—8 befchnebenen Recenfion der arabifchen Di-

welche die einzelnen Strophen durch die erzahlten Wun- daskaliei w?e bisher nur aus einer ein2jg dem Museo liorgiano

der getrennt enthielten. Eine Neuherausgabe war ge- gehörigen Hf. bekannt ift. Diefe fich eng an den griechifchen Text
rechtfertigt Weil die ErftaUSgabe fehlerhaft war. Pür 1 anfchließende Recenfion ift frei von Blattvertaufchungen und anderen

d'e beiden erften Haupthymnen hat der Herausgeber
ein ausgedehntes Handfchriftenmaterial herangezogen.
D'e Erklärung der zahlreiche Bilder, Vergleiche und
Anfpielungen enthaltenden Hymnen war nicht einfach.
In jahrelanger Arbeit hat Gr. das Material gefammelt
und im Wefentlichen den Sinn diefer Poefie aufgehellt,
[odaß feine überdies im Druck überaus fplendide Publikation
eine wirkliche Bereicherung der Kenntnis und des
Verftändniffes der äthiopifchen Kirchenpoefie darftellt.

Einige ergänzende bezw. berichtigende Bemerkungen brechen von
öem Gefagten nichts ab. Die baganä S. 204 ift zwar nach Guidi eine
Leier zu 10 Saiten; das ift fie aber nicht immer und überall gewefen.
Wie fie in Tigre im 17. Jahrhundert ausfah, befchreibt genau Barradas
_d. Beccari IV, S. 162. Die Schreibung von 'esrä'el durch das Zeichen
der Zahl 20 mit Ql, die dem Herausgeber S. 59 auffällt, ift ganz häu-

Verwirrungen, wie fie fich in der durch die andern Hff. vertretenen
Recenfion, die man handfchriftlich im Cod. Lagarde 107, einer Ab-
fchrift einer Parifer Hf. mit Varianten zweier dortfelbft befindlichen
andern, auf der Univerfitätsbibliothek in Göttingen einfehen kann, finden
. Diefe Recenfion ftellt, foweit man nach den vorliegenden Mitteilungen
fchließen kann, den Texttypus dar, aus dem der Äthiope ge-
floffen ift. Diefe Recenfion verhilft aber auch zu der Erkenntnis, daß
die Vorlage des Äthiopen aus einem koptifchen Text geflohen ift.
Das Wort nipilobanos in Kap. I, das fchon Lagarde, Reliquiae iuris
eccles. antiquiss. p. V als Verderbnis von üxuXnv&oi zu erklären verbuchte
, ift jetzt wahrfcheinlicher auf <pä6novoi mit vorgefetztem kopt.
Pluralartikel, bezw. auf wüon6vo>c zurückzuführen vgl. Funk, Didasc.
Vol. II p XXXII.

Der Herausgeber ftreift p. XXI die Frage, ob die apoftolifchen
Konftitutionen die Quelle der äthiopifchen Didaskalie feien oder ob fie
eine Kompilation darftellen, deren einer Beftandteil das griechifche Ori-
ginal des Athiopen war, und neigt lieh dazu, letzteres zu bejahen. In-