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Ausgabe:

1921

Spalte:

65

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Behm, Heinrich

Titel/Untertitel:

Zur Frage der Weltanschauung 1921

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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fchaftliche Beweife für den Glauben ausfindig zu machen, j Seele als .die Gefamtheit der innerlichen Tatfachen, die Gefcheh-
/t ir c r- i \j uu.___:„ Tt/r^„ .„.flu. ,„„ niffe in unferm Bewußifein' verlieht und unterfucht Die Darftellung,

ü- Kaftan, Eucken, Wobbermm). Man verfehlte das Ziel ™e min ftärkeren jnneren Zufammenh und raehr Begründung auf
nicht nur, fondern verkürzte dabei vielfach in verhängnisvoller
Weife das Chriftentum. Statt deffen gilt es, unbeirrt
von WilTenfchaft die religiöfen Tatfachen feftzu-
ftellen, und zwar nicht nur die ewigen, fondern auch die
einfchlägigen Tatfachen aus Gefchichte, Natur und Seelenleben
, und ohne Furcht vor Paradoxien aller Wiffenfchaft
Trotz zu bieten. Was ift dazu zu fagen? Ich meinte

Quellenftudien wünfchen möchte, ift gleichwohl fchon als Zufammen-
ftellung eines reichen und z. T. entlegenen Materials unentbehrlich für
jeden, der fich mit dem wichiigen Gegenftande befchäftigt. Die mangelhafte
Beherrfchung der deutfchen Sprache und Nachläffigkeiten des
Druckes ftören leider merklich.

Göttingen. Titius.

Wilbrand, Dr. W.: Kritifche Erörterungen über den katho-

Ganz recht, wozu überhaupt Apologetik, wenn man die

rehgiöfen Tatfachen ficher in Händen hält? Auf die ent- l.lchen Rel.g.onsunterncht an höheren Schulen Fragen
fchlidende Frage, wie das möglich, antwortet das Büch- ^^^j^^i^^1^ (V"' 212 S)

lein leider nicht. Es hätte doch mindeftens eine An
deutung gegeben werden müffen. Die Apologetik ent-
fprang der Situation, daß die religiöfen Tatbeftände abbröckelten
oder ungewiß wurden. Liegen die Dinge aber

Tübingen, J. C. B. Mohr 1919.

M. S.6oH-75<>/0 V.-T.-Z.
Das Buch ift aus Erfahrungen entftanden, die der Ver-
faffer als katholifcher Geiftlicher im Felde gemacht hat.
Ihm brennt es auf der Seele, daß fo viele gebildete

c • j , • ,___.___T,_____„,,«.„ uf „a-:„rr nm Drennt es aui tier oeeie, uau 10 vie e geunaete

fo, wird man ihre bisherigen Bemühungen nicht gering- . > u V u

e u j c r iua ^ft „nrU^crriff „nH ! Katholiken aus Vernunttgrunden der kathohfchen Kirche

fchatzig abtun dürfen felbft w^n fieoft vorb«g„ff und ^ b unterfucht dah h wie

in der Regel nur in der Defenfive erfolgreich bheb^ ^ ^ Religionsunterricht zu die'fer be.

ur^' .______'_'_ klagenswerten Erfcheinung Anlaß gegeben hat. Hierbei

Bob., OberUrchenr. D. Dr. Heinrich: Zur Frage der Weltanrchauung. f d«f Eigenart der Schülerfeele zu beachten: Liebe zur

Sonderdruck aus der Feftfchriit zur 350 jähr. Jubelfeier des Fried- : Freiheit, Drang nach Erkenntnis, Empfindfamkeit der Seele

rich-Franz-Gymnafiums zu Parchim. (S. 32—59) 8°. Parchim, H.
Wehdemann 1919. M. 2 •

Alle Erkenntnis gründet fich auf Wahrnehmung und Erfahrung,
wiffenfchaftl iches Erkennen auf finnliche, religiöfes Erkennen auf griftig

und Zug zum Idealen. Vom Religionslehrer ift neben
gediegener wiffenfchaftlicher Durchbildung Gabe der Erziehung
zu verlangen. Aber gerade diefe wiffenfchaftliche

Wi en cha t <ches erkennen au unnneue, reugioies crKeiiucu am geuug- n„„LL |i___-n. c- 1 r> r • 1 u r i_ • ,

fittliche Erfahrung. Darum follten Wiffenfchaft und Religion in ehrlicher gurchb.ldung ift für deni Rel.glOtlslehrer Schwierig. Die

Neutralität einander ruhig gewähren laffen. Es ift der Fehler des Monismus
, deffen lläckel'fche, Oftwald'fche und von Hartmann'fche Spielart
vorgeführt werden, auf der Wiffenfchaft Weltanfchauung aufbauen
zu wollen. Was er in diefer Hinlicht bieten kann, ift keine Wiffenfchaft
fondern nur Vermutungen, die nicht nur unbegründet, fondern obendrein
, wie kurz gezeigt wird, gänzlich unhaltbar find. Vergeblich fucht

Schuld hieran trägt im Grunde nicht er felbft, fondern
die katholifche theologifche Wiffenfchaft. Wie Ifenkrahe
die bisherige Art katholifch-philofophifcher Apologetik beleuchtet
hat, fo wendet fich Wilbrand der Bibelkritik zu
und findet dort ein ftarkes Vertagen der kathohfchen

er über feine wiffenfchaftliche Unzulänglichkeit durch Schönheitskult, | Wiffenfchaft. Eingehendere Ausführungen über das Ver-
Natur- und Kuiturfchwärmerei hinwegzutäufchen; ja er Hellt fich wohl j hältnis der Synoptiker zu Johannes, die fynoptifche Frage
gar fromm, und vermag doch niemanden zum leben Wunderfrage, die Dämonologie, die Auferftehung!

zu dem Gotte, der fich in Gefchichte und Leben offenbart hat und noch , => ' . ,. _ J» .T- ,

offenbart, und dem echte Naturforfcbung mit ihrem Nachweis der Ge- ! £yl_i;^fa£™ Eschatologie Jefu.^das alte

letzmäßigkeit und Entwicklungstendenz der Natur nur dienen kann.
Man kann den Ausführungen, die freilich vou anderen in ähnlicher Weife
fchon oft vorgetragen find — wann werden fie endlich Gemeingut der
Gebildeten geworden fein? — im Wefentlichen nur zuftiminen. Erfreulich
wäre es, wenn der Verf. die fchöne Freiheit, die er der Naturwiffenfchaft
gegenüber bekundet, auch gegenüber der Gefchichtswiffenfchaft vertreten
wollre. Die hier fich erhebenden Probleme berührt er leider nicht.
Iburg. W. Thimme.

Rudolph. Hermann: Das fiewifren, der Erzieher der Menfchheit. Ein
Beitr. z. Volkserziehg. (Theofoph. Kultur-Bücher Nr. 14) (38 S.)
8". Leipzig, Theofoph. Kulturverl. 1920. M. 2 50

H. R. vertritt im Unterfchied von R. Steiner die Anfchauungen
der von H. P. Blavatsky begründeten, von Dr. F. Hartmann reorganisierten
Internationalen Theofophifchen Verbrüderung (I. T. V.), deren
deutfehe Sektion ihre Gefchäftsftelle in Leipzig hat. Diefer Hauptzweig
der modernen Theofophie fühlt fich, wie aus unferm Büchlein hervorgeht
und auch ausdrücklich ausgebrochen wird, als fpezilifch protef-
tantifch und betrachtet unter Ablehnung aller äußeren Autorität das
unfehlbare, felbftlofe Liebe fordernde Gewiffen als die Stimme Gottes,
freilich nicht unmittelbar des höchften Gottes der Theofophie, des At-
ma = Aligeift, fondern des göttlichen Ego, der .Individualität1, die im em-
pirifchen Menfchen mit der niederen ,Perfönlichkeit' verfchmilzt. ,Die
Religion ift nichts anderes als die innerliche Vereinigung mit dem Gewiffen
', S. 34; .Das Gewiffen ift der einzige Führer der Menfchheit zu
Gott', S. 35. Wenn man fo im autonomen Gewiffen den einzigen Leit-
ftern fieht, welchen Wert hat, fragt man fich, dann noch das ganze auf
die Autorität Alt-Indiens und einer modernen Ruffin genützte gnoftifierende
theofophifche Lehrgebäude?

Iburg. W. Thimme.

Revesz. Dr. Bela: Gerchichte des Seelenbegriffes u. der Seelen-
lokaliration. (VII, 3^ S.) gr. 8°. Stuttgart, F. Enke '17.

M. 8 —

Revesz will 1. die Anhebten über das Wefen der Seele in
gefchichtlichem Nacheinander vorführen, 2. die Berührungspunkte auf-
fuchen, in welchen fich jene Lehren mit den Geiftesftrömungen ihrer
Zeit treffen und fchließlich unrerfuchen, ,ob und inwieweit fich in der
Gefchichte von dem Seelenbegriffe irgend eine Gefetzmäßigkeit nach-
weifen läßt'. Das Letzlere ift nicht der Fall. Von unverlierbaren Ein-

fichten läßt fich nur buchen t. daß feit Galenos das Nervenfyftem als "V uf ^«»»«"'«»«»"IS »™«» Frieder
alleinige Sitz der feelifchen Eieenfchaiten angefprochen wird, 2. daß ; »antifchei.Predigtkirchen' undGemeindehaufer gebaut. (13)

Teftament (befonders Gen. I—Ii) und die Dogmenentwicklung
find im Grunde ein hohes Lob für die
.liberale' Kritik der letzten hundert Jahre. An einem einzelnen
Beifpiel (Markus 3, 20—22, 31—35) zeigt er die
ganze Hilflofigkeit der kathohfchen Auslegung. Er
wünfeht daher Entladung des Religionsunterrichts von
der Apologetik, weil auf diefem Gebiet bisher die Fachtheologie
verfagt habe. Wilbrand ift kein Modernift,
denn er ftellt nur Fragen an die Wiffenfchaft, gibt aber
felbft keine Löfung; aber er und fein Freund Dr. Kerkhey,
der für die in dem Buche aufgeworfenen philofophifchen
Fragen die Verantwortung übernimmt, kommen in eine ge-
wiffe Schwierigkeit zum Antimodernifteneide, die fie offen
zugeben. Ihre Hoffnung ift die, daß die Kirche auf diefen
Eid ftillfchweigend verzichten wird. Dies in einem evan-
gelifchen Verlage erfchienene Buch muß wegen feiner
kritifchen Haltung unter den kathohfchen Religionslehrern
und Fachtheologen großes Auffehen erregen.
Effen. Hugo Bufch.

Bartning, Otto: Vom neuen Kirchbau. 130 S. m. 9 Bildern

u. 30 Skizzen.) 8°. Berlin, B. Caffirer 1919. M. 5_

Der Titel des B.fchen Buches kann im Zweifel laffen,
ob es fich in ihm handelt um eine Erörterung des
modernen Kirchenbaues, wie er vor uns fteht und gehandhabt
wird, oder um eine Erörterung des Kirchenbaues
der Zukunft, der dem alten als ein neuer Typus
gegenübertreten foll. In Wahrheit entwickelt der Verf.
eine neue Kirchbautheorie, die auf einer fcharfen Abrechnung
und einem förmlichen Bruch mit der ganzen
Vergangenheit des proteftantifchen Kirchenbaues ein-
fehheßheh des von B. felbft bisher Gefchaffenen beruht.

B. hat in den Gebieten des öfterreichifchen ,Los von
Rom' bis hinunter an die Donaumündung fiebzehn prote-

" alleinige Sitz der feelifchen Eigenfchalten angefprochen wird, ---im«,

durch Albrecht v. Malier die Annahme der Identität von Seele und 1 lvienr und mehr war ihm über feiner Begeilterurfg an ihnen
Lebensprinzip widerlegt ift, 3. daß die pfychologifche Forfchur.g die j nicht recht zu Mut. Da die fiebzehnte der Kirchen