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Ausgabe:

1921 Nr. 1

Spalte:

184

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zur Geschichte der Reformation in Polen 1921

Rezensent:

Benrath, Karl

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Seite 1

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183 Theologifche Literaturzeitung 1921 Nr. 15/16. 184

fchweren Katarrh am Predigen verhindert. Helts Aufzeichnungen
ermöglichten Buchwald eine neue Reihe
Katechismuspredigten Bugenhagens über das Vaterunfer
aus dem Mai 1534 zu veröffentlichen. Sie fpiegeln die
Sorge um die Folgen des Feldzugs Philipps von Heffen
nach Württenberg wieder. Verf. gibt den bisher unbekannten
Brief Melanchthons an Kurfürft Albrecht von Mainz vom
3. Juni 1530, in dem der ängftliche Pfälzer der katholifchen
Partei ähnlich, wie in dem Brief an den Sekretär des
Kardinals Campegius vom 7. Juli CR 2, 172, weit entgegen
kommt, dabei die Straßburger und den Landgrafen Philipp
verdächtigt und dem Kurfürften fchmeichelt. Statt des
finnlofen Eluctu S. 67 letzte Zeile in der Abfchrift ift
Eluetii zu lefen. Aus Uhlands Nachlaß flammen 2 kleine
Briefe Melanchthons an D. Merkurius von Morsheim in
Heidelberg und an Rektor und Profefforen in Wittenberg,
in dem Melanchthon einen jungen J. von Morsheim empfiehlt
.— ,Melanchthon und das Interim' beleuchtet Hirfch
auf Grund einer Zeichnung und zweigriechifchenDiftichen,
die in einem Sammelband der Bonner Univerfitätsbibliothek
fich finden, und zwar auf dem zweiten Druck von ,Bedenken
aufs Interim der Theologen zu Wittenberg' 1548, CR VI,
924 ff. Neben Luthers Sarkophag fitzt eine weibliche
Geftalt mit klagend hoch erhobenen Händen und der
Beifchrift: veritas affidens et conquerens. Die griechifchen
Verfe gibt eine lateinifche Überfetzung wieder. Hirfch
nimmt an, daß Melanchthon für den älteren Knaben einer
verwandten oder befreundeten Familie eine Unterhaltung
gefertigt hat, die unter Anreiz des Spiels Gemüt und
Verfland bilden und in der griechifchen Sprache üben
follte. Das ift fehr künftlich. Auf dem Titelblatt der
der Schrift fleht von alter, unbeholfener Hand: Philippus
Melanchthon d(ono) d(edit) Marco pridie Margerethae
1548. Alfo eben vom Meißener Tag nach Wittenberg
am 12. Juli nach Wittenberg zurückgekehrt, fchreibt
Melanchthon reifemüde die Widmung des neu vorgefundenen
Drucks an Markus, der kein anderer als Markus
Crodel in Torgau fein dürfte, dem Melanchthon am
9. Januar 1548 CR 6, 776 feine Dialektik widmete, mit
dem frifch aus dem Herzen quellenden Jammer über den
Betrug des Interims und der Sehnfucht nach Luthers
Wahrheitsmut. Clemen behandelt den heftigen Schriften-
wechfel Witzeis und Jonas und hat gewiß Recht, daß
Agrikola den Brief des Cochläus an Witzel, den Clemen
. wiedergibt, den Wittenbergern in die Hände fpielte, und
Anton Corvinus die Satire über Cochläus Rat, Witzel foll
feinen Eheftand verheimlichen, unter dem Pfeudonym
Sylvanus Heffus verfaßte. Ref. zeigt gegen Barge, daß
Küngold Bodenftein eine Tochter, nicht ein Sohn Karl-
ftadts ift, und gibt ein Brieffragment von Julius Pflug,
welchem die Adreffe an Erasmus und die vorangehende
größere Texthälfte fehlt. — Wotfchke handelt
von den Beziehungen Joh. Laskis zu dem Abenteurer
Heraklid Bafilicus, deffen Reformationsverfuch in der
Walachei merkwürdig ift, und gibt eine Reihe Briefe aus
der Korrefpondenz des Herzogs Albrecht von Preußen.
Stölzle hat ein unbekanntes Lied von Paul Schede Meliffus
mit Melodie aus der Zeit feines Aufenthalts in Padua
1579ff- aufgefunden. — Schornbaum zeigt die Stellung
des jungen Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg
zu den befonders von feinem Schwager Chriftoph von
Württemberg betriebenen Einigungsbeftrebungen der
proteftantifchen Stände 1556—59 und den beherrfchenden
Einfluß des Kurfürften Auguft von Sachfen, die Tätigkeit
Kargs und Eifens, von dem er Briefe mitteilt, auf demReli-
gionsgefpräch in Worms. Loefche beginnt einen eingehenden
Bericht überdiereformatorifchen Kirchenordnungen
Ober-undNiederöfterreichs, wobei befonders die vonSteyer
mit ihrer focialen Richtung zu beachten ift, aber auch
der Philippismus der für Oberöfterreich, die bisher unbekannt
war (S. 292 ff). Erichtag S. 293 ift nicht der Tag
des hl. Erich 18. Mai, fondern der bayerifche Name des
Dienftags. Eigenartig ift die Taufe Erwachfener in der

KO. für Niederöfterreich. Sehr wertvoll ift: die Mitteilung
über alle Neuerfcheinungen aus der Ref. Zeit.
Stuttgart. G. Boffert.

Burrage, Champlin: An answer to John Robinson of Leyden
by a Puritan friend. (Harvard theological studies IX.)
(XIII 94 S.) Cambridge, Harvard University Press 1920.

Burrage, zeitweife Bibliothekar am Manchefter College
in Oxford, der fchon 1910 eine Schrift über John Robinfon
veröffentlichte, legt uns hier den erften Druck einer aus
dem Jahre 1609 flammenden Handfchrift vor, die er in
der Bodleyanifchen Bibliothek in Oxford gefunden hat.
John Robinlon, der als Vater des Congregationalismus gilt,
früher ftaatskirchlicher Pfarrer an St. Andreas in Norwich
in England, löfte fich 1604 wegen feiner ftreng calvinifchen
Anflehten von der Staatskirche los und fiedelte 1607 oder
1608 mit dem ihm anhängenden Teil feiner Gemeinde
nach Amfterdam, von hier 1609 nach Leyden über. Aus
feiner dortigen Gemeinde flammen die 1620 zur Erhaltung
ihrer nationalen Unabhängigkeit nach Nordamerika ausgewanderten
,Pilgerväter', denen zu folgen wohl nur fein
1625 erfolgender Tod ihn hinderte.

Die vorliegende Handfchrift, 158 Seiten ftark, ift
nicht der Originalbrief, fondern eine vor deffen Abfendung
an Robinfon angefertigte Copie, in feiner und klarer Schrift.
Sie enthält in einzelnen, genau bezeichneten Abfätzen
einen Brief Robinfons an den ungenannten Schreiber diefer
Antwort, und abfehnittweife dieEntgegnung diefes Freundes
auf Robinfons Sätze. Der ungenannte Freund, der eine
genaue Kenntnis aller kirchlichen Verhältniffe von Norwich
verrät, vertritt Robinfon gegenüber den Standpunkt der
Kirche von England. Sie unterhalten fich über den Begriff
der Kirche, über das allgemeine Gebetbuch, fefte gottes-
dienftliche Formen, über das Gebet, den Kirchendienft und
die Priefterfchaft, die Ordination, bifchöfliche Succession
und andere kirchliche Fragen.

Die Schrift, die wegen ihres alten Englifch aus dem
17. Jahrhundert ftellenweife nicht ganz leicht zu lefen ift,
bildet ein wertvolles zeitgefchichtliches Dokument und
vermehrt durch ihre Wiedergabe von Robinfons Ausführungen
die von ihm auf uns gekommene Literatur
um ein intereflantes Stück.

Dortmund. Lic. H. Goetz.

Zur Gefchichte der Reformation in Polen.

In Warfchau erfcheint feit Beginn dieles Jahres eine
polnifche Vierteljahrsfchrift unter dem Titel: Die Reformation
in Polen. Sie wird herausgegeben von der
dort neu gegründeten Gefellfchaft für das Studium der
polnifchen Reformationsgefchichte und redigiert von dem
Profeffor der Gefchichte an der Univerfität Krakau Stanislaus
Kot. Das erfte Heft bringt zur Einleitung einen
Beitrag von Alexander Brückner über die allgemeine
geiftige Bewegung der Zeit der Reformation in Polen,
einen Artikel des Redakteurs über das erfte proteftantifche
Gymnafium gegründet 1551 in Pinczow, von Czubek über
Chriftoph Thretius, über deffen Tätigkeit auf der Synode
zu Sendomir Wotfchke Auskunft gegeben hat, und unter
den weiteren Beiträgen einen über Proteftantifche Buchhändler
in Krakau und zwei über arianifche Gebetbücher und
Überbleibfei arianifcher Kirchengebäude aus dem XVI.
Jahrhundert. Wenn man die reichen Früchte ins Auge
faßt, welche die Reformationsgefchichte in dem Gebiete
franzöfifcher Zunge dem Wirken der Parifer Gefellfchaft
für die Gefchichte des Proteftantismus verdankt, fo wird
man hoffen dürfen, daß entfprechende Ergebniffe für die
polnifche Literatur und Gefchichtskunde hier zutage treten
werden.

Königsberg, Pr. . Benrath.