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Ausgabe:

1920

Spalte:

308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Josephson, Hermann (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Schickt euch in die Zeit. Predigten und Reden 1920

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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aus; die anderen fordern nicht fo viel vom Hörer; No. i ift ganz .gemeindegemäß
'. Aber gedankenreich, gedankenfein und gedankentief find
fie alle. Von L. kann man lernen: nicht Worte predigen, fondern Sachen.
Gießen. M. Schi an.

Müller, Johannes: Gemeinfchaftliches Leben. (Baufteine f.
perfönl. Kultur, 4. Stück) (94 S.) 8°. München,

C. H. Beck 1920. M. 6 —

Auf Grund feiner reichen Lebenserfahrung gibt M.
in diefem inhaltreichen Heft ein fcharfes Urteil über
unfer unwahrhaftiges gemeinfchaftliches Leben ab; es
kann nur beffer werden, wenn wir in wunfchlofer Freude
den andern erleben und damit voller Vertrauen, Ehrfurcht
und Güte gegen ihn werden. Darin entfaltet fich unfer
innerftes Sein, und wir werden Gliedwefen am Körper
des Ganzen.

Heidelberg. F. Niebergall.

Merz, Georg: Religiöfe Anfätze im modernen Sozialismus.

(Chriftentum u. foziale Frage. Heft 1.) (38 S.) 8°.

München, Ch. Kaifer 1919. M. 1.20

Nur dem bietet diefes Heft ganz Neues, der fei es
als Chrift, fei es als Sozialift, noch in den alten Anfchau-
ungen feiner Partei über die andere ftecken geblieben ift.
Dem Unterrichteteren gibt M. manche Beftätigung für
einen Glauben an langfam wachfendes gegenfeitiges Ver-
ftändnis. Nachdem er Stimmen von Führern aufgezählt
hat, die von Landauer bis Allwohn von einem glühenden
Idealismus bis zu ganz pofitiver Würdigung einer neu zu
faffenden Religion auffteigen, zählt er Merkmale einer
Befferung auch in den Mafien aller Richtungen, zumal
der Kommuniften auf, wobei er mit Recht ausführlich von
der chriftlich kommuniftifchen Jugendorganifation Freifchar
fpricht. — Diefer Bewegung muß aber die Kirche entgegenkommen
, indem fie nicht nur kraft ihrer myftifchen
Frömmigkeit allen empfänglichen Sozialiften ihre Tore
zu Feier und Verwaltung öffnet, fondern auch kraft ihrer
prophetifchen an der Umgeftaltung der Welt nicht aus
Angft, fondern aus heiliger Opferbereitfchaft teilnimmt.
Heidelberg. F. Niebergall.'

Geyer, Chr. u. A. Pauli: Chriftliches und Widerchriftliches
im modernen Sozialismus. (Chriftentum u. Soz. Frage.)
(63 S.) 8°. München, Ch. Kaifer 1920. M. 3.20

Hofer, Dr. Hans: Irrtum und Wahrheit im Sozialismus all-
gemeinverft. dargeft. (102 S.) kl. 8°. Nürnberg, Zeitbücherverlag
J. Koezle (1920). M. 3 —
Beide Hefte können zur Beleuchtung des Verhält-
niffes von Sozialdemokratie und Chriftentum gute Dienfte Jofephfon, Geh. Konf. Rat, Sup., Dompr. Hermann-. Pfalter und
tun. Hofer gibt in einigen Kapiteln auch Beiträge zur f!arrfev™ht auf! »» Liederpredigten. (92 S.) so. Halle a. S
r* r 1.,. °, c . V. L . 0 , C E. Muller 1020. M. 5.50; geb. M. 8.50
Gefchichte des Sozialismus in Theorie und Praxis. jj]e Gattung der Liederpredigten (Horn, Friedrich) ift nicht reich-
Im Übrigen unterfcheiden fich beide Hefte infofern, als j Heb. in der Literatur vertreten; wir begrüßen diefe Bereicherung um fo
Höfel' mehr als G. und P. in der Kritik des Sozialis- [ mehr, als fie an 17 Beiipielen zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten auf-
mus tut; ich empfehle befonders das Kapitel über pfycho- ! weift: mit Text (meift!), °»ne Texti mel,r «läuternd oder nachpredigend,

U^;r-1.0 T—f,;-, ^„ :n- „ar lcu 5- m r u 1 1 mehr Grundgedanken heraushebend; Aufbau auf einem Lied oder lie-

logifche Irrtumer. es ift grundfalfch die Menfchen als | hamUung ei»„ Dichters mit fein c) gmxtn Uederfchöpfung (No. 11,

Joachim Neander). Stark zieht J. die Lebensumftände der Verfaller
heran; oft gedenkt er des Scgensganges des befprochenen Lieds. Immer
fpricht er frirch, warm und leicht faßlich. Kein Prediger darf die Gemeinde
mit Liederpredigten überfchütten; aber jeder folltc gelegentlich
auch folche halten.

Gießen. M. Schi an.

wieder etwas verfchieden empfunden von H. ,chriftlichfo-
zial', von G. und P. ,evangelifch-fozial' oder ,religiös-
fozial'.

Hannover-Kleefeld. Schuft er.

Le Mang, Richard: Die neue Erziehung im neuen Deutrchland. (no

S.) 8Ü„ Bonn, Marcus & Weber 1920. M 7

Her Verfaffer fucht mit Recht die pädagogifche Hauptfrage in dem
Beftrebcn, für unfer ganzes Bildungswefen einen neuen Mittel- und
Schwerpunkt zu finden. Diefer liegt nach ihm in dem, was man zu-
fammenfaffend mit Deutfehkunde bezeichnet. Da er auf 110 Seiten nicht
nur unfer ganzes Bildungswefen kritifch durchmuftert, fondern auch für
alle Schulen nach Bildungsinhalt und Organifation einen Aufriß des
Neubaues gibt, fo kann er natürlich die Einzelprobleme eben nur ftreifen,
ohne überall in die Tiefe vorzudringen. Das hat den Vorzug, daß der
Lefer fchnell fortfehreitend einen Überblick über die beachtenswerten
Anfchauungen des bewährten Schulmannes gewinnt, der lieber die Meinung
einer ganzen Richtung der modernen Pädagogik vertritt. Es hat
den Nachteil, daß viele Fragen doch nicht in der ganzen Schwierigkeit
erfaßt wurden, daß der Gegner naheliegende Einwände nicht widerlegt
findet.

Reichenbach i. Schi. H. Richert.

Arnold, Dr. Eberhard: Die Religiolität der heutigen Jugend.

Vortrag. (62 S.) kl. 8°. Berlin, Furche-Verlag 1919.

M. 1.50

Mit liebevoll einfühlendem Verftändnis fchildert Arnold
die durchaus romantifch-myftifch geftimmte, gegen Pedanterie
, Intellektualismus und die Laft der Gefchichte fich
auflehnende Frömmigkeit der heutigen Jugend, Wandervögel
, Freideutfche und ihresgleichen. Rainer Maria
Rilke, Franz Werfel, Stephan George find ihre dichter-
ifchen Sterne. Die Gefahr eines fittlich indifferenten
äfthetifch naturaliftifchen Pantheismus verkennt A. nicht
und weift deshalb im Anfchluß an Heim die Jugend auf
Jefus als den Führer einer im göttlichen Sollen gegründeten
und dadurch zur dunkel geahnten Reife heranwach-
fenden Perfönlichkeit hin.

Hannover-Kleefeld. Schufter.

Schicket euch in die Zeit. Predigten und Reden aus verfchiedenen
theolog. und polit. Lagern zur Zeitenwende unter Mitwirkung von
Unitätsdirektor H. Bauer, Sup. Prof. Bithorn, Sup. Brockes ufw.
hrsg. von Geh. Konf.-Rat, Sup., Dompred. FLrmann Jofephfon. In
4 Liefen. Lfg. 1. (48 S.) 8". Leipzig, Krüger & Co. 1919 M. I-
Das Charakteriftifche diefer Sammlung ift einmal die Milchung der
Verfaffer aus verfchiedenen Lagern, die freilich im I. Heft nicht fehl
ftark in die Erfcheinung tritt (Stolte, Brockes, Fifcher in Erfurt, Rolffs,
Quandt, R chter in Potsdam, der Herausgeber), fodann die ausdrückliche
Einftellung auf die Zcitumftände. Wird das Programm gut durchgeführt,
fo kann die Sammlung Sondcrwert bekommen.

Gießen. M. Schian.

von Natur gut und als gleich zu betrachten, und es
ift ein Wahn, vom Sozialismus Befreiung der Perfönlich-
keiten zu erwarten. Bei Geyer und Pauli tritt fehr viel
ftärker die Kritik an der Kirche, an ihren Unterlaflungs-
fünden hervor. Es fehlt aber auch nicht die Kritik an
der Sozialdemokratie. Sehr überzeugend fchildert Pauli,
wie der theoretifche Materialismus fich in dem Augenblick
verhängnisvoll auswirken mußte, da die Sozialdemokratie
am Ziel zu fein glaubte. ,Ein materialiftifches
Lebensideal macht notwendig im Augenblick der Erfüllung
gemein.' Dagegen vermögen die unbewußten reli-
giöfen Anfätze, die Geyer und Pauli im Sozialismus mit
fliehender geduldiger Liebe anerkennen, nicht aufzukommen.
In der Hauptfache find beide Schriften einig. Es ift eine
Tragödie, daß die Sozialdemokratie ihre große Aufgabe
löfen will unter Verkennung der einzig zum Ziele führenden
Kraft der Liebesgefinnung des Chriftentums. Daraus
ergibt fich unfere Aufgabe. 7uch fie wird von beiden

Schmökel, Ffr. Hermann: Auf Gottes Spuren. Ein Jahrgang Predigten
. (1.—5. Lfg.) (385 u. 3 S.) gr. 8". Leipzig, G. Strübig 1917.

M. 5 —

Sch. will in Bildern von den Geheimniffen des Reiches Gottes
reden. Er knüpft faft überall an ganz beftimmte fichtbare Dinge, Ge-
fchehniffe, Erlebniffe an und wendet fie ins Geiftliche. So gelingt es
ihm, die Aufmerkfamkeit zu wecken. Dennoch ift es zweifelhaft, ob
diefe Methode die richtige ift. Abgefchen davon, daß lie in verftimmen-
der Gleichartigkeit gar zu oft wiederkehrt, erreicht fie auch nur, daß
die Gedanken geweckt werden; beim Übergang ins Religiöfe werden die
Hörer öfter enttäufcht gewefen fein, weil das Gleichnis für das tiefere
Verftändnis der Zielwahrheit nichts austrug. Überhaupt leidet unter
diefer gefuchten Anfchaulichkeit die gedankliche Vertiefung. Endlich
begegnen Künftlichkeiten, z. B. S. 310: ,Vor Damaskus flach ihm (dem