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Ausgabe:

1920

Spalte:

292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Göttsberger, Johann

Titel/Untertitel:

Die göttliche Weisheit als Persönlichkeit im Alten Testamente. 1. u. 2. Aufl 1920

Rezensent:

Staerk, Willy

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291 Theologifche Literat urzeitimg 1920 Nr. 25/26. 292

Sie ift eine etwas zweifchneidige Gabe, er trägt zu viel Modernes
in den Buddhismus hinein, und ab und zu weiß man nicht recht, ob
man auf den Füßen oder auf dem Kopfe fteht. Neuerdings wird fein
Urteil auch etwas zu felbftficber. Wer näma deutet als ,das Namentliche
, das Wefenhafte, wörtlich: das was beugt, was zufammenhält'
(Sommerheft S. 27), pubbe va (,schon früher') überfetzt ,vor allem'
(ebd. 5 f.), ,Seele' und ,felig' in Zufammenhang bringt (S. 13), gand-
habba als Faktor bei der Empfängnis frifch und frei durch gantabba
erfetzen will (Frühjahrsheft S. 22), follte die Buddhaphilologie recht
vorfichtig kritifieren. Warum foll der Arzt eine belfere Einficht in den
Buddhismus haben als der Philologe? D. verdankt es der Philologie,
daß er buddhiftifche Texte und ihre Deutungen und Deutungsmittel
und -möglichkeiten in der Hand hat, und wo er felbft es mit der Deutung
verfucht, tut er es mit den Hilfsmitteln der Philologie und wird
da alfo felbft zum Philologen , freilich, wie zugeftanden werden kann,
zu keinem vollendeten. Könnte das wiffenfchaftliche Rültzeug durch
noch fo eifrig ausgenutzte (Schiffsarzt —?) Fahrten nach Indien und
noch fo langen Aufenthalt in buddhiftifchen Klöftern erfetzt werden, fo
wären vor allem des buddhiftifchen Mönches Nyäpatiloka, eines übergetretenen
Deutchen, Cberfetzungen buddhiftifcher Texte mehr wert, als
fie find, über die D. (ebd. S. 17 ff.) freilich ebenfalls wenig zutreffende
Anflehten entwickelt.

Königsberg i/Pr. R. Otto Franke.

Beiträge zur altteftamentlichen Wiifenfchaft, Karl Budde zum
70. Geburtstage am 13. April 1920 überreicht von Freunden
und Schülern und in ihrem Namen hrfg. von
Karl Marti (Beihefte z. Zeitfchr. f. d. altteft. Wiffenfch.,
34) (VII, 194 S.) gr. 8.° Gießen, A. Töpelmann 1920.

M. 40 -

Mit befonderer Freude zeige ich diefe Sammlung der
K. Budde gewidmeten Arbeiten an. Nicht weniger als
22 Freunde und Schüler haben damit den Dank zu erkennen
gegeben, den fie für manigfache Anregung und
Förderung dem fcharffinnigen und unermüdlich tätigen
Jubilar verdanken. Leider ift es bei der Pulle des hier
Gebotenen unmöglich, eine kritifche Würdigung des einzelnen
zu verfuchen, der Ref. kann nur mit wenigen
Strichen den Inhalt andeuten. Baudiffin giebt eine Entwicklung
des Gebrauchs von Ebed im religiöfen Sinn,
in der fich drei Stadien unterfcheiden laffen: die ältefte
Zeit, die prophet. und die Zeit feit den Deuteronomiften.
Baumgartner zeigt, daß Joel lf als abgefchloffene Einheit
zu betrachten find, die von den Heufchrecken und vom
Bußtag handeln, während c 3f überhaupt fich nicht mit
dem Gegenwärtigen befchäftigen, fondern rein eschatolo-
gifch find. Beer geht der Frage nach dem Alter des
Schöpfungsberichtes Gen 1—2, 4a nach und gibt einen
Excurs zu Gen 49,8 — 12 und 22—26: nach B. ift 49, 25f
Erweiterung, die den Einfchub von 49,10 zur Folge hatte.
Bertholet tritt für die Abfaffung der Damaskus-Schrift
um 63 v. Chr. ein im Gegenfatz zu Bouffet, Ed. Meyer
u. a. Cornill gibt beachtenswerte Bemerkungen zu Pf. 130
wie Gunkel zu Pf. 133. G. Dalman bietet eine Nachlefe
arabifcher Lieder aus Paläftina, während Gall eine Rekon-
ftruktion des griech. und maforet. Textes von 1 Reg. 8,i2f
verfucht: er fieht in ihm den Hinweis darauf, daß der
Tempel anläßlich des glücklichen Endes der Sonnenfin-
fternis am 22. Mai 948 gebaut ift. Greßmann befchäftigt
fich mit der Frage der Haartracht der Israeliten und
löft einige der Schwierigkeiten, die noch vorlagen. Guthe
unterfucht von neuem das gewöhnlich mit ,eggen' überfetzte
sidded und vermutet, daß es vom Ziehen der tiefen
Grenzfurche zu verliehen ift. Hölfcher gibt einen trefflichen
Beitrag zur Metrik durch die Darfteilung der ara-
bifchen, fyrifchen und hebräifchen Metrik, er zeigt, daß
wie die ältefte arabifche und fyrifche Dichtung auf der
Silbenalternation ruht, fo auch die hebräifche d. h. alfo
daß auch im Hebräifchen nur einfilbige Senkungen möglich
find. Holzinger erörtert die viel ventilierte Frage
des Menfchenfohnes und fcheidet zwifchen den Stellen,
in denen er eine eschatologifch-apokalyptifche Größe ift,
und denen, in denen Jefus damit fich felbft nach feinem
Innenleben und der Wirkfamkeit, die er jetzt ausübt, bezeichnet
. Für diefen Gebrauch erfcheint Anlehung an
jüdifche Spekulation und Myftik ausgefchloffen. Völter
hat Anlehnung an Ezechiel behauptet, was H. mit guten

Gründen beftreitet, H. vertritt den Standpunkt, daß
Jefus in der Auseinanderfetzung mit dem Meffiasproblem
für feine Auffaffung an den ihm geläufigen Pfalter anknüpft
, und zwar fei dafür Pf. 80,18 wichtig, was H. gegen
Völter aufrecht erhält. Lohr gibt beachtenswerte Bemerkungen
zu den dreiBildad-Reden im Hiob, Marti unterfucht
in Weiterführung feiner Anflehten im Kommentar die
Frage nach dem jefajanifchen Kern in Jef. 6,1—9,6. Nowack
behandelt die Frage nach dem Alter des Bundesbuches
und zeigt, daß die Verfuche, dasfelbe als mofaifch zu retten,
gefcheitert find; als term. ad quem fetzt er die Zeit um
650, als term. a quo das neunte bezw. zehnte Jhdt. an.
Prockfch befpricht die Berufungsvifion des Ezechiel.
Wie Zacharjas erftes Geficht eine natürliche Grundlage
hat, fo dürfen wir auch bei Ez. auf eine Naturer-
fcheinung fchließen, deren Umriffe in feiner Berufungsvifion
noch erkennbar find. P. facht nun darzutun, daß in diefer
Vifion fowohl eine mächtige Gottesanfchauung wie eine große
Weltanfchauung zur Geltung kommen.. Rothflein tritt dafür
ein, daß in Gen 6,1—4 in dem Zufammenhang der
jetzigen Genefis die Gottesföhne Bezeichnungder frommen
Sethiten, dieMenfchentöchter aber nichts anders als dieKains-
töchter feien, die Erzählung habe den Zweck vor dem con-
nubium mit den heidn. Weibern zu warnen. H. Schmidt verteidigt
die in feiner Feldvorlefung vertretene Anfchauung,
daß Arnos Nordisraelit gewefen fei. Steuernagel befpricht
das Problem, das Gen 17 bietet, und das er in feiner
Einleitung nur kurz berührt hat, er fucht zu zeigen, daß
nicht weniger als vier Hände an diefem cap. tätig waren.
Volz endlich erörtert das Problem von Jef. 53. Nach V.
ift die Unterfuchung auf eine verkehrte Bahn gedrängt
durch eine falfche Frageftellung: es fei nicht zu fragen:
wer ift diefer Knecht Jahves, fondern was für eine reli-
giöfe Idee wollte der Verf. von Jef. 53 zum Ausdruck
bringen. Ihn befchäftigte das Problem der Theodicee, und
die Löfung fieht er in dem ftellvertretenden Leiden. Um
aber den neuen Gedanken recht anfehaulich zu machen,
Hellt ihn der Verf. nicht in der Form eines Lehrfatzes,
fondern in der Form der Lebensgefchichte eines leidenden
Frommen dar.

Das ift in kurzen Zügen der Inhalt des Buches, es
wird genügen, um zu zeigen, welche Fülle von Anregungen
hier vorliegen. Ref. kann nicht fchließen ohne —
gewiß in Übereinftimmung mit allen Mitarbeitern — dem
Verleger für die hochherzige Gefinnung zu danken, indem
er in lchwerer Zeit die Veröffentlichung diefer Arbeiten
zu Ehren Buddes ermöglichte.

Leipzig. W. Nowack.

Göttsberger, Prof. Dr. Johann: Die göttliche Weisheit als Perfon-
lichkeit im Alten Teltamente. I. u. 2. Aufl. (Biblilche Zeitfragen,
9. Folge, Heft 1/2.) (79 S.) 8°. Münftcr i. W., Afchendorff 1919.

M. 2.20; 12 Hefte M. 10 —
In forgfältiger Auseinanderfetzung mit der dem Problem der hypo-
ftafierten Weisheit gewidmeten Literatur verfucht Vf. den Nachweis,
1) daß in den einfehlägigen at. und außerkanonifchen Quellen eine geradlinige
Entwicklung feftzuftellcn fei, die von Stufe zu Stufe die per-
fönliche Weisheit ausbaut, und 2) daß diefe Hypofta'e aus dem Zentrum
der Kultur Ifraels erwachfen ift, mit Merkmalen, die fleh nirgends
fonft wiederholen. Diefer Nachweis ift m. E. nicht gelungen. Das
Quellenmaterial (Hiob 38 u. Baruch 3,9 fr; Prov. 1—9; Jos. Sir. 1 4, 11 ff
14, 20 ff. 24, iff.; Sap. Sah 6, 12 ff.) wird zwar kritilch gewertet, aber
der darin enthaltene doppelte Weisheitsbegriff ift nicht klar herausgearbeitet
. Die Unterfuchung ift doch im Grunde dogmatifch intereffiert,
nicht literatur- und religionsgefchichtlich. Vf. hat den tiefgreifenden
Unterfchied zwifchen dem theoretifchen (kosmifch-metaphyftfchcn) und
praktifchen (religiös-ethifchen) Weisheitsbegriff, der doch z. B. in
Hiob 28 u. Prov. 1 ff., Sap. Sal. 7, 22 ff. u. 9, 6 mit Händen zu greifen
ift, nicht erkannt. Sonft würde er fich die Behandlung des damit ge-
ftellten religionsgefchichtlichen Problems (S. 64 ff.) nicht fo leicht gemacht
haben. Die Frage, ob die Hypoftafierung der Weisheit allein aus
at. Vorausfetzungen zu erklären ift oder nicht, wird m. E. fchon durch
das richtige Verftändnis der originellen Dichtung Hiob 28, 1—27 in
letzterem Sinne entfehieden. Zimmern, Jeremias und Gunkel haben
längft den Weg zum gefchichtlichen Verftändnis des philofophifch-fpcku-
lativen Weisheitbegriffs im Judentum gewiefen.

Jena. W. Staerk.