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Ausgabe:

1919 Nr. 1

Spalte:

141

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaeffer, Ernst

Titel/Untertitel:

Christus ist des Gesetzes Ende 1919

Rezensent:

Fiebig, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 11/12.

142

religiöse und fittliche Leben in Niederfachfen verdient
befondere Erwähnung; es zeigt in ausgezeichneter Weife,
welche Ergebniffe für die wiffenfchaftliche Erkenntnis
eines Ganzen aus der forgfältigen Erfaffung des einzelnen
gewonnen werden können. Im übrigen muß ich auf
Heraushebung von Einzelheiten verzichten; dafür ift das
Gebotene zu reich. Jedenfalls bildet das Werk ein be-
fonderes wertvolles Stück der .Evangelifchen Kirchenkunde
*, von der wir, fobald es die Verhältniffe geftatten,
ein rüftiges und rafches Voranfchreiten bezüglich der
noch ausftehenden Kirchengebiete erhoffen.

Halle a. S. K. Eger.

Schaeffer Miff-Pred. Paft. Ernft: Chriitus iTt des Gefetzes Ende.

Lehrgang f den Religionsunterricht jüd. Taufbewerber. (XI,
203 S.) 8". Gütersloh, C. Bertelsmann 1917. M. 4.50

Diefer Leitfaden ift aus der Praxis erwachten und für die Praxis
beftimmt. Er behandelt nach einer einleitenden Übersicht über Religion
und Religionen den Inhalt der Bibel, dann Jefus Chriftus
und im 4. Teil den Katechismus. Das Ganze ift klar und ver-
ftändlich gehalten und bietet in der Tat die Hauptfache deffen,
was der Religionsunterricht jüdifcher Taufbewerber erfordert. An
Einzelheiten ift mir u. a. aufgefallen: S. 2 daß der ursprüngliche
Buddhismus religionslofe Ethik fei, ift angefichts des epochemachenden
Buches von Beckh (Sammlung Göfchen) nicht richtig.
— S. 10 fehlt merkwürdigerweife die Ausfage des Tacitus über
JeTus, die doch fchwerlich unecht ift. — Für die Erklärung der
Bergpredigt müßte Sch. vergleichen, was ich Theol. Stud. u. Krit.
1918, Heft 1 ausgeführt habe. — S. 73 redet Sch. von der .Minderwertigkeit
' der jüd. Wohltätigkeit. Es ift aber doch nicht richtig,
(ich fo auszudrücken. Für den Juden ift Gefetz, Pflicht alles.
Selbftfüchtig kann man das nicht nennen. Sch. hätte auch fonft
die Auseinanderfetzung mit dem Judentum gründlicher geftalten
müffen. Dabei ift zu fcheiden zwifchen dem Pharifäertum, gegen
das Jefus lieh wendet, dem Pharifäertum als folchem und den
fpäteren Geftaltungen jüdifcher Lehre bis in die neuefte Zeit.
Die Kabbala erwähnt Sch. überhaupt nicht. Er gibt auch keinen
gründlichen Einblick in die Richtungen des heutigen Judentums
. - S. 77 ift ,kleinlicher Geift' doch nicht eine erschöpfende
Charakteriftik des Pharifäertums, vor allem nicht Hilleis.
Leipzig. Fiebig.

Brennecke, Dr. med.: Aus der Enge des Konfefrionalismus zur Freiheit
der Religion Jefu. Beitiäge zur Förderung deutfeh-chrift-
lichen Gemeindelebens. (65 S.) 8». Magdeburg, C. E. Klotz
1916. M. 1 —

Br. hat einen früher in der Magdeb. Zeitg. veröffentlichten
Auffatz: ,Ein innerer Feind deutscher Volkskraft', fowie den Vortrag
, den er auf dem Erfurter Gemeindetag 1912 gehalten hat:
„Bedürfen wir neben den Gemeindekörperfchaften noch anderer
Organifationen für die Gemeindearbeit?" zufammen mit einer
Abhandlung: „Idealismus und Christentum" neu abdrucken lallen
und eine Polemik gegen den Konfefflonalismus in der Konferenz
für evg. Gemeindearbeit angefügt. Gegenüber dem naiven Realismus
des Naturalismus einerfeits, des kirchlichen Konfefflonalismus
anderfeits erfcheint der mit der Immanenz Gottes Ernft
machende Idealismus, wie ihn Jefus vertritt und wie er im deutschen
Idealismus des 19.Jhrh. wieder zur Geltung kommt, als die Kraft,
die das deutsche Volk zur Erfüllung der vor ihm liegenden hohen
Kulturaufgaben allein gefchickt machen kann. Als Mittel, diefen
Idealismus im Volksleben zur praktischen Wirkfamkeit zu bringen,
erfcheinen an keinerlei dogmatische Vorausfetzungen gebundene
Ausfprachen über religiös-fittliche Fragen und Gemeindeliebestätigkeit
mit Hausväterverbänden und Vertrauensmännern in Sulze-
fchem Geift Die Polemik gegen die Kfz. f. evg. Gemeindearbeit
wäre vielleicht beffer weggeblieben; de biegt den warmherzigen
Aufruf zum praktischen Eintreten für chnftlich gefärbten Idealismus
zum Kampf gegen andere Beftrebungen um — ich fehe nicht
ein, was dabei Gutes herauskommen foll. Zumal Br. den Leitern
derGemeindekonferenz zweifellos nicht wirklich gerecht zu werden
vermag, wenn er nicht einfieht, daß mit der Forderung der .klaren
Erkenntnis und des Zugeftändniffes der immer nur untergeordneten
Bedeutung und des immer nur Subjektiven Wertes jeglichen Be-
kenntniffes'tatlächlich ,eine beftimmte kirchliche Haltung und eine
beftimmte Stellung zu Lehre und Bekenntnis zur Vorbedingung
der erfolgreichen Gemeindearbeit' gemacht ift. Wenn der Vor-
ftand der Gemeindekonferenz die Kfz., bei der viele das Bekenntnis
anders als Br. Würdigende mitarbeiten, nicht fprengen wollte,
mußte er die angegebene Forderung als Privatanlicht Br.'s bezeichnen
. Deshalb fcheint mir die Kfz. noch längft nicht dem Kon-
feffionalismus verfallen zu fein.
Halle a. S. K. Eger.

Marcure, Juftizr. Oswald, u. Friedhofsdir. Georg Hannig: Die
Feuerbestattung. Eine gefchichtlich-äfthet. Betrachtg., nebft e.
Abriß über vorbildl. Urnenbeifetzungsftätten. Im Auftrage
des Verbandes der preuß. Feuerbeftattungsvereine verf. u. hrsg.
(32 S. u. 26 S. Abbildgn.) 8". Braunfchweig 1917. (Leipzig,
L. A. H. Degener.) M. 2 —

,Die Zeichen einer allgemeinen religiöfen Erneuerung lind
in gegenwärtiger Zeit ganz unverkennbare'. ,Die Feuerbeftattung
fchließt (Ich ebenbürtig den großen Kulturbeftrebungen der Gegenwart
an'. ,Die rückhaltlofe Aufnahme der FB in die Reihe der
Volksbräuche muß notwendig zu einer Verfeinerung und Vertiefung
des allg. relig. Empfindens beitragen'. Die Erdbeftattung
kann demnach nur als Ausdruck roher Sinnesart betrachtet werden.
Gegen De werden alle guten Geifter aufgerufen, darunter einige
.rechtgläubige Geiftliche' mit nicht eben erfchütternd großen Worten
. ,Der gefunde Sinn der Bevölkerung' fpielt dabei eine ebenfo-
große Rolle wie der Hinweis auf die ,eklen Würmer', denen unfer
Leib nicht zum Raube werden darf. Die echte ,Totenverehrung'
nimmt zwar die ,Vernichtung der Persönlichkeit mit ruhiger Ge-
laffenheit entgegen', verlangt aber ftatt des Begräbniffes in der
noch immer herrfchenden Form die .Rückkehr zur Natur'; denn
,in ihr leben und weben und Und wir'. Man kann den Ablichten
der Verfaffer durchaus duldfam gegenüberstehen, ohne an den
Erfolg diefer, auf die Halbbildung berechneten Ausführungen bei
wahrhaft gebildeten Lefern zu glauben. Die Herren werden (Ich
bis auf weiteres trotz aller gut gemeinten Reden damit abfinden
müffen: Wer fleh nicht verbrennen laffen will, kann (Ich begraben
laffen. 6
Münfter W. J- Smend.

Bibliographie

von Oberbibliothekar Kippenberg in Leipzig,
Univerfitätsbibliothek.

Bezug!. Hinweije und Sendungen find jederzeit erwünjeht.

1. Jiinglt erfchienene Betprechungen.

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Walther: Luthers Deut. Bibel (ARifch: ThStKr 1918, 3).
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Wetter: Sohn Gottes (MDibelius: DtLtztg 1918, 20 21; Kögel: ThLtber
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Wilms: Be'en d. Myftikerinnen (Pf: LtZtbl 1918,41; NPaulus: Histjbu
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Wolf: Quellenkunde der deut. Relörmationsgefch. (GeorgBuchwald:
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Würsdörfer: Erkennen u. Wiffen nach Gregor von Rimini (GGrützmacher
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'18, 3; GGrunwald: ThRev '18, 17/18; PPeterfen: LtZtbl '19, 18).

Wunderle: Grundziige der Religionsphilolöphie (FSawicki: LtHdw 1918
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ZKathTh '19, 1).

Wundt: Griech. Weltanfchaug. 2. A. (TKaftan: ThLtbl 1918, l;JZiehen-

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'18, 18/19, RHGrützmacher: ThGgw '19, 1).
Wurfter: 100 Jahre Predigeranftalt in Tübingen (Sn: LtZtbl 1918, 17;

PGraue: PrtMhe '18, 1/2; AUckeley: ThGgw '18, 4; B. BläWürttembKg

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Zahn: Einführg. in die chriftl. Myftik 2. A. (CSchreiber: Philoljbu
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LLercher: ZKathTh T9, 2).