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Ausgabe:

1919

Spalte:

106-108

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rosenzweig, Franz

Titel/Untertitel:

Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus 1919

Rezensent:

Scholz, Heinrich

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I05 Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 9/10. 106

Bi bl, Viktor: Zur Frage der religiöfen Haltung K. Maximilians II.1 ! väter am Wiener Kaiferhofe in der 2. Hälfte des I7.jaür-
Sonderabdr. aus dem .Archiv f.öfterr. Gefch.' 106.Bde., hunderts'. Leopold war ja fehr für die Ordensgenoffen
2. Hälfte. (137 S.) gr. 8°. Wien, A. Holder 1917. des Vf.'s eingenommen, liebte aber nicht deren Ein-

M. 6— | mifchung in politifche Dinge. .Einzelne Jefuiten wurden
fleh der großen Gefahr, die in der Entwicklung des
defpotifchen Abfolutismus lag, nicht hinreichend bewußt
und laffen die nötige Entfchiedenheit vermiffen; fie berufen
fleh auf die notwendige Wahrung der kaiferlichen
Autorität'. In einer fehr reichhaltigen Zufammenftellung
gibt der öfterreichifche Schwärmer (v.) Kralik eine Überficht
über ,die Entdeckungsgefchichte des öfterreichifchen
Staatsgedankens' bis auf die jüngfte Gegenwart. Sie hat
heute nur noch einen gefchichtiichen Wert, man muß
staunen, wie blind kluge Männer für die Wirklichkeit und
Wahrfcheinlichkeit waren. Der vor einiger Zeit konvertierte
Hallenfer Profeffor A. v. Ruville unterfucht ,die
Triebkräfte des Kanoffakonfliktes'. ,Das Verfahren
Gregors entfprach nicht dem wahren Geifte der Kirche
und wurde von den würdigften und einfichtigften ihrer
Vertreter keineswegs für angemeffen erachtet.' P. IM. Bau m -
garten fammelt franzöflfehe und belgifche Stimmen von
,Haß, Lüge, Verleumdung' im Weltkriege, die leider z.T.
von hoch angefehenen und bedeutenden Männern, auch
katholifchen Geiftlichen flammen.
Königsfee (Oberbayern). Georg Loefche.

Kulturjahrbuch für 1917. Hrsg. v. der öfterreich. Leo-Ge-
fellfchaft. Geleitet v. Dr. Franz Schnürer. (256 S.
m. Abbildgn.) 8U. Innsbruck, Tyrolia 1917. M. 5.60
1. Kein deutfeher Habsburger gab den Forfchern fo
viel Rätfei auf, wie Maximilian IL Einen Markftein bezeichnet
Robert Holtzmanns Werk (1903), laut deffen
der Fürft im Herzensgrunde Philippift gewefen; einen
Bericht darüber fchloß ich damals mit der Empfehlung,
vor weiteren Verfuchen die Eröffnung neuer Quellen abzuwarten
. Solche hat nun der Wiener Univerfitätspro-
feffor Bibl, der mit der Herausgabe von Familienbriefen
der Habsburger betraut wurde und fleh auch um die Ge-
fchichte des Proteftantismus in Ofterreich verdient gemacht
, aufgedeckt, im fpanifchen Generalarchiv zu Sima-
nias, mit reichhaltigen Auffchlüffen über des Kaifers
Kirchenpolitik. Bibl hat eine hohe Meinung von ihm und
unterfchätzt als fein Anwalt manche Schwächen, wie fie
z. B. in dem Mahnbrief feines Vaters im J. 1547 fcharf
hervortreten. Religionspolitifch fteht er offenbar dem
f. Z. viele Wohlmeinende feffelnden erasmifchen Kreife
nahe, deffen milde Arzneien die Welt aus dem kurialen
Spittel bis heute nicht herausgebracht hätten. Mit Sorgfalt
erwägt er an der Hand der Überlieferung feinen
Vorwurf. Der Fürft wollte über den Konfeffionen flehen,
.weder Lutheraner noch Papift, fondern ein Chrift fein',
legte keinen Wert auf gottesdienftliche Formen; die
Nächftenliebe im Geift der Urkirche muß vor allem gepflegt
werden; dem Abfall von der alten Kirche darf
man nur durch Milde und Duldung und gutes Vorbild
fteuern; jedem gönnt er in religiöfer Hinficht freie Bewegung
, foweit fie nicht dem Staatswohl, dem Religionsfrieden
(und den Plänen der Hausmacht) entgegen ift,

Rofenzweig, Franz: Das ältelte Syftemprogramm des deut-
fchen Idealismus. Ein handfchriftl. Fund, mitgeteilt.
(Sitzungsberichte d. Heidelberger Akad. d. Wiff. Philof.-
hift. Kl. Jg. 1917. 5. Abb..). (50 S.) gr. 8». Heidelberg
, C. Winter 1917. M. 1.70
Die Königl. Bibliothek zu Berlin hat das Glück gehabt
, im Jahre 1913 ein abgeriffenes Folioblatt zu erwerben
, deffen außerordentliche Bedeutung und Tragweite
durch den Herausgeber Franz Rofenzweig in mufter-
hafter Weife aufgeklärt worden ift. Es handelt fich um
Seine Kirchenreform war katholifch gedacht, doch in Ge- j ein von Hegel zweifeitig befchriebenes Blatt aus dem

ftalt einer deutfehen Nationalkirche, wie er fein Deutfch- i Jahre 1796. Das Abfaffungsjahr ift zwar nicht überliefert;
tum haßvoll gegen Römifches und Spanifches betonte, j es läßt fich aber aus der auf das genauefte erforfchten
Die Reformgedanken der Vermittlungstheologen Caffander j Entwicklungsgefchichte der Hegelfchen Handfchrift mit
und Witzel, mit denen Melanthon nicht auf einer Linie
genannt werden follte, ähneln denen eines Febronius
unter Jofef II. Die Gewährung der Religionsfreiheit war
weniger ein Ausfluß von Proteftantenfreundlichkeit als von
ftaatlich-geldlichen Rückfichten.

Wie verlautet, foll das lange gehütete, nun der Veröffentlichung
entgegenfehende .Tagebuch' des Kaifers Belege
enthalten, daß er innerlich kein Proteftant war; man
muß das Erfcheinen abwarten, um fchlüffig zu werden.

2. Die Leo-Gefellfchaft für Wiffenfchaft, Literatur und
Kunft, deren Präfident jetzt der Fürfterzbifchof von Wien
ift, konnte kürzlich auf eine 25jährige Blüte zurückblicken,
die Görresgefellfchaft, der fie nachgebildet ift, auf eine
40jährige, beiden gelten die Scblußabfchnitte des Kulturjahrbuchs
; von den übrigen dreizehn feien wenigftens
die einfehlägigen gekennzeichnet. Der letzthin politifch
viel o-enannte Hofrat Lammafch weift auf ,katholifche
Vorboten des Völkerrechts' wie den Jefuiten Franz Suarez

völliger Sicherheit datieren.

Das Blatt enthält nicht eine .Abhandlung über Ethik'
— unter welchem Titel es von der Berliner Bibliothek
erworben wurde — fondern etwas, viel Intereffanteres,
nämlich ein philofophifch.es Syftemprogramm von über-
rafchender Genialität und Großzügigkeit. Der Verfaffer
diefes Programms kündigt zunächft eine Metaphyfik
im Stil der fpinoziftifchen Ethik, aber als das Kantifch-
Fichtifche Gegenftück zu diefer, nämlich als das am ab-
foluten Ich orientierte Syftem aller praktifchen Ideen an.
Hierauf fußend eine neue Phyfik, die, offenbar im Fich-
tifchen Sinne, die wirkliche Welt, mithin die Natur, vom
Standpunkt des fittlichen Subjektes aus zu deduzieren
habe. Der Verfaffer möchte damit zugleich der ,lang-
famen, an Experimenten mühfam fchreitenden Phyfik
einmal wieder Flügel leihen'.

An diefen metaphyfifch-naturphilofophifchen Unterbau
foll fich das Syftem der Kulturphilofophie, wie wir

und den Dominikaner Franz von Vittoria hin. Der feit ; es wohl kurz nennen dürfen, anfchließen. Es hat folgende

kurzem fich katholifch gebärdende Hermann Bahr entwirft
eine diefer Einftellung entfprechende .Wiffenfchafts-
lehre'. Dr. Max Herzog zu Sachfen behandelt ,die
Unionsrede des Erzbifchofs Nerfes von Lampron auf der

Gegenftände nacheinander zu behandeln. Erftens den
Staat — diefen freilich rein negativ; denn ,wir müffen
über den Staat hinaus', weil der Staat .etwas Mecha-
nifches' ift, es folglich keine Idee von ihm geben kann.

Synode von Rom-Cla', [nicht Tarfus] 1179 und kündigt ■ Zweitens die Prinzipien für eine Gefchichte der
Herausgabe und Überfetzung von deffen großem Korn- 1 Menfchheit. .Zuletzt die Idee, die alle vereinigt, die
mentar über die Sprichwörter Salomos an. B. Duhr, j Idee der Schönheit, das Wort in höherem, platon'ifchem
S. J., bricht eine Lanze für Leopold I. und ,die Beicht- ' Sinne genommen.' .Hier foll offenbar werden, woran

---, I es eigentlich den Menfchen fehlt, die keine Ideen ver-

, ,. TT , flehen und treuherzig genug geftehen, daß ihnen alles
t) Vgl. dazu: Bibl, die Kulturblüle Wiens und feiner Umgebung , , . 3£ fnhilrl ps lihpr Tuhpllpn ,,„i p vi v
unter Maximilian II. im „Monatsblatt des Vereines für Landeskunde ' dunkel ift, fobald es Uber labeilen und Reglfter hinaus-
von Niederöfterreich" 17. Tahrg. 1018, Nr, 7—9, S. 139—152- geht.'

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