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Ausgabe:

1919

Spalte:

82

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hilbert, Gerhard

Titel/Untertitel:

Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Ein Luther-Vortrag 1919

Rezensent:

Schornbaum, Karl

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Seite 1

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8i Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 7/8. 82

Ergänzungen und Berichtigungen und zeigt die Rot:, in
einem weit ungünftigeren Licht als Hilling, und die damit
in engem Zufammenhang ftehende Pfründenjagd.
Dem deutfchen Adel fpricht er vor allen Ständen die
Hauptfchuld an der konleffionellen Zerfplitterung zu,

Kircheniehre; die Gemeinfchaft der Gläubigen wurde zur Heils
anhält, der Beruf in feiner fittlichen Wertung zugunhen des
Mönchsleben degradiert. Luther hat durch die Rückkehr zur
Einfachheit auch die Größe des Evangeliums wieder gerettet.
,Alles Kämpfen und Arbeiten' der Vorreformatoren ,gegen Entartung
und Auswüchfe der Kirche konnte nur zum Zurückfchneiden

weil er fich durch einträgliche Stiftsftellen zur Unter- der Ahe und Zweige fuhren"; ,Luther hat das edle Pfropfreis ge-
wiirfio-keit und zum AhLVll locken ließ während die t funden, das in die abgehauenen Afte eingefenkt werden konnte",
wumgk.eit un" ..^umJ Abtall locken neu wanrena aie Dem Glauben gab er feine urfprüngliche Bedeutung wieder, die
bürgerlichen Rate der hurften und Städte als Manner | prierterkirche wandelte er in eine Gemeindekirche, in dem Beruf

fah er an und für fich fchon den rechten Gottesdienh. —- Einfache
Ausführungen; wohltuend, weil man nicht immer auf reformiertem
Gebiete der überragenden Bedeutung Luthers alfo gerecht
zu werden wußte.
Alfeld. Schornbaum.

von humaniftifcher und juriftifcher Bildung Anhänger
Luthers waren. Als Vorkämpfer der kath. Sache in
Niederfachfen zeichnet er dann den Inhaber zahlreicher
fetter Pfründen Livin Veltheim, Dompropft in Hildesheim,
Rat des Kurfürften Albrecht, der als deffen Gefandter
mit Wolfgang von Schönburg fchon 1525 alles tat, um
den religiöfen Bürgerkrieg gegen Magdeburg zu entfeffeln.
Wie im 14. Jahrg.'S. 65 ff. Gerard Geldenhauer, fo lehrt
uns jetzt R. Stölzle auch Joh. Fried. Cöleftin, den vielgewanderten
Schulmann und Theologen, in feinem Buch
,Von Schulen' 1568 als eigenartigen Erziehungstheoretiker

Hilbert, Prof. D. Gerhard: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Ein Luther-Vortrag. (41 S.) kl. 8". Berlin, Furche-Verlag
1918. M. 1-

Hilbert hat recht: die Frage: Wie kriege ich einen gnädigen
Gott? bewegt uns heute eben noch fo wie in vergangenen Zeiten;
er hat recht: keiner kann uns hier fo zur Klarheit verhelfen als
der Reformator; was alle erleben, hat ja er in befonderer Tiefe
kennen. Schade, daß Stolzle Loleitins Bericht über ; und Klarheit erlebt. Aber kann die Theorie vom ftellvertretenden

Strafleiden Chrifti — denn diefe kommt, im Grunde genommen
hier zumAusdruck — wirklich jene Frage befriedigend und er-
fchöpfend löfen? Dennoch intereffiert nicht nur als Verfuch alte
Weifen in neuen Formen zu lehren, fondern aus alten Weifen
den Forderungen der neuen Zeit gerecht werden zu wollen.
Alfeld. Schornbaum.

Schulzuftände erft an einem anderen Ort geben will. Es
ift ein ernfter frommer fittlicher Geift, der hier fbricht,
mit weitem Blick, der aber die Koedukation von Knaben
und Mädchen bedenklich findet, aber kräftige Kinder mit
3, 4, 5 und 6 Jahren fchon in die Schule nehmen will,
damit fie nicht durch Unverftand und böfes Beifpiel von

Eltern und Gefinde verdorben werden. Th. Wotfchke ßoehmer, Pfr. Lic. Dr. Julius: Die Leipziger Kirchenrchlacht. gegibt
die Fortfetzung feiner Studie ,Wittenberger und die nannt Leipziger Disputation'. Bilder u. Eindrücke aus der
Unitarier' die in Altdorf unter den Lehrern Anhänger i Wirkfamkeit des Reformators an e. Höhe- u. Wendepunkte
haben und einen Nürnberger Vogel gewinnen, der in I feines Werdeganges zum 400jähr. Gedächtnis der Reformation
, . , , , br XT.. P -57- 1 „ dem deut. ev. Chnftenvolke dargeboten. (32 S.) 8°. Leipzig

Wittenberg wirbt, aber auf Nürnbergs Verlangen ver- | Krüger & Co. 1917. M. -- 60

haftet, ausgeliefert und zum Widerruf gebracht wird. 1 Um dem ,deutfchen evangelifchen Chriftenvolke' die Bedeu-
Der Kampf der Wittenberger gegen die Unitarier in Dis- : tung der Leipziger Disputation klar zu machen, dürfte eine zu

putationen und Schriften wird eingehend gefchildert, wie
die Gefahr, die durch Sendlinge und Schriften aus Polen
und auch durchBriefe drohte, von denen 7 mitgeteilt werden.
W. Matthieffen veröffentlicht den Schluß der ungedruckten
zehn tlieologifchen Abhandlungen von Theo-
phraft von Hohenheim. Nicht recht verftändlich ift, daß
der erfte Abfchnitt des Traktats ,In principio' als ziemlich
wertlos weggelaffen wird, weil die darin enthaltenen
wichtigen Gedanken in den beiden folgenden Plomilien
fyftematifcher zufammengefaßt erfcheinen. Dazu foll der
Abfchnitt das erfte Kapitel des Johannes Vers für Vers
erklären. Das dünkt unwahrfcheinlich. Eher könnte es
fich um das in der Meffe verwertete Stück handeln.
Der Nachweis der Schriftftellen ift ungenügend, der Text
nicht immer ficher.

S. 6,40 In entvedern Tod in neutram mortem. S. 11,38 b wohl

fammenfaffende Darfteilung immer geeigneter fein als ,Bilder und
Eindrücke'; auch wird es nicht gelingen den Namen Leipziger
Kirchenfchlacht' einzubürgern.
Alfeld. Schornbaum.

Lang, Auguft, Dompred. Prof. D.: Bekenntnis und Katechismus
in der engliichen Kirche unter Heinrich VI».

(Beiträge z. Förderg. chrifti. Theol. 21. Bd., Heft 5.)
(107 S.) 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1917. M. 2.80
Erft in der neueren Zeit hat eine mehr in die Einzelheiten
eindringende Forfchung über die Reformation
in England bei den Engländern felber, bei den Amerikanern
und uns Deutfchen eingefetzt. Für die Anfangszeiten
, Heinrich VIII. und Elifabeth, ftehen unfraglich
die Forfchungen englifcher Hiftoriker noch bei weitem
voran. Eine dem Stande der Forfchung durchaus ent-
fprechende knappe Darfteilung der Urfprünge und äl-
laurcn ftatt Wen ,6,8 {^^am^^'^^ * JS teilen Dokumente der englifchen Reformation gab neue-
yppocras, 144,9 veltdeufel. Zu 27,41 mettm Fruhmeßc, vgl. Luc. 12,38. u„,„i, 7m„*LU,.J ..„,1 rLi„.., 7.

yppocras, 144,9 veltdeulel. Zu 27,41 merau rrunimare, vgl. nat. 1^,40. att 1 r t-> ..r li j j r>° 1 , "

Zu 5,15 Mat 13,24—30. Unter viel Worten von fchwerer Gedanken- j ftens bei uns A. Hauck f.Deutfchland und England in
entwicklung iß doch manches Goldkom. | ihren kirchlichen Beziehungen', 1914 S. 47 ff.). Was uns

J. Kvacala gibt den Schluß feiner Arbeit über i A. Lang in oben bezeichneter, L. Lemme gewidmeter
Wilhelm Poftell, feine Geiftesart und feine Reform- ! Schrift bietet, ift eine Spezialunterluchung, wie wir ihrer

oedanken. Wir begleiten ihn nach Wien, wo ihn Ferdi
nand I. begünftigt, nach Venedig, wo er in die Arme der
Inquifition kommt, nach Paris, wo er in einem Klofter
unter Aufficht bleibt, und fehen den Mann, der freimütig

noch eine ganze Reihe nötig haben, ehe wir völlig deutlich
fehen und vielleicht abfchließend urteilen können, was
Heinrich VIII. beabfichtigte und, vielleicht zum Teil unbe-
abfichtigt, veranlaßte. Lang behandelt die ,Zehn Artikel'

an die Väter des Konzils, an Melanchthon und Schwenck- ! (1536); die Jnftitution of a Chriftian man' (1537), das

feld fchreibt, für Servet gegen Calvin eintritt, fchließlich 1 fog. Bishops book (diefes bei weitem am ausführlichften:

die Bartholomäusnacht preifen und auf Frankreichs Welt- j es'ift auch fachlich das intereffantefte); das .Blutige Sta-

monarchie hoffen, aber auf Spätere Einfluß gewinnen. | tut' (1539, in gewiffer Weife das rätfelhaftefte Stück;

S. 161,1 1. ftatt Bornhaufen Borrhaus, S. 164,9 h Chriftoph ! Lang faßt es als rein politifch gedacht und dürfte damit

ftatt Ulrich von Württemberg. recht haben;; fchließlich die .Necessary doctrine' (1543),

Stuttgart. Guftav Boffert. ; das fog. Kings book. Die .Dreizehn Artikel' (1538)

ftreift Lang nur, da fie (zwar für die Ausarbeitung des

Schwarz, Pfr. Rudolf: Reformations-Gedächtnis. (I6S.1 8". Balel, I anglikanifchen Bekenntmffes unter Edward VI, die 42

Helbing & Lichtenhahn 1917. M. — 40 Artikel, aber) für die Entwicklung der Lehrbildung unter

Schwarz erkennt die Größe des Evangeliums Jehl in feiner , Heinrich nicht von Belang wurden. Das Refultat der fehr

Einfachheit: ,Gott durch Chriftus allein'. Die Entwicklung führte : fnr(Tf.MH Pindrimdichen Unterfuchuno-f>r, T ano-« ift etwa

zu einer Kompliziertheit und damit zu einer ftarken Beeinträcnti- -i-j/u & rua

gung desfelben. Aus dem Glauben wurde das Annehmen der dies, daß Heinrich wirklich evangelifchen Gedanken, felbft

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