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Ausgabe:

1919

Spalte:

43-44

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Thoma, Hans

Titel/Untertitel:

Die zwischen Zeit und Ewigkeit unsicher flatternde Seele 1919

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 3/4.

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Er beruhigt mehr über die Natur der Konflikte, als daß Sehnfucht und Gewiffen, Seele, Welt, Schickfal, Krieg,
er fie in der Tiefe aufwühlte, ,1m allgemeinen' wird eine 1 Chriftentum. Sie beanfpruchen nicht mehr zu fein als AnPolitik
, die dem Gefetz Gottes folgt, dem Staat nicht j fätze, Andeutungen, Fingerzeige, hingeworfene Fragen,
zum Unheil gereichen. Wenn aber das Staatswohl den j Alles ift fchlicht und gemütvoll gefagt, manches treffend
Staatsmann doch zur Anwendung nicht einwandfreier ! und fchön und zum Weiterdenken anregend. Schon der
Mittel führt, fo darf man dies nicht prinzipiell billigen, Titel des Büchleins verrät, daß der alte Künftler ein
kann es aber doch verftehen und fo bis zu einem gewiffen Myftiker ift, daß er träumt, fucht, nicht auf den Heer-
Grad entfchuldigen. D. h. von beiden Seiten muß ein ftraßen gängiger Weltanfchauungen wandelt, und daß er
wenig nachgegeben werden. Der Ethiker fordert, daß der gar befcheiden ift. Aber trotz diefes Titels fpürt der
Staatsmann das Staatswohl einfchränkt. Tatfächlich wird J Lefer hinter den oft gleichkam taftenden Worten eine
aber, obwohl dies der Ethiker nicht billigt, die fittliche j treue, fefte und charaktervolle Perfönlichkeit, die dem
Forderung zu Gunften des Staatswohles befchränkt werden. ' Leben und feinen Rätfein nicht etwa hilflos gegenüber-
Afthür Baumgarten, Profeffor für Strafrecht in Genf, J fleht, fondern es gemeiftert hat. Die Freunde Thomas
hat das innere Bedürfnis, die Grundlagen des Rechtes in werden gern zu dem Büchlein greifen und ihn nur um
der Sittlichkeit aufzufuchen. Er findet, daß das unbe- ! fo lieber gewinnen.

dingte Sollen ein fpezififches moralifches Glücksgefühl , Iburg. W. Thimme.

auslöft, die Freude am Glück des Mitmenfchen; aber er u_„, _„ 7-7 ;r. zr. — : 97-7 r~, n ,___

nähert diefen fozialen Eudämonismus dem Kantifchen : Ho°™£*' «0" $cho'T£n fa*ec,hf' R-kt°ratsrede.
Moralprinzip an, indem er die Eigenart, Herbigkeit und < f; 8°- Nijverdal E. J. Boich .916. fl. -90

Strenge der" moralifchen Luft betont und alle Erwägung ^„Jlftg1101 Schwiepke, ten und Note des

- n 1 ri 1 • ri t ____1« .t. -q Religions- und Konhrmandenunternchts werden letzt auch

äußerer Glucksfolgen ab weift. Im weiteren fucht B. ubei . ^ u d . { behandelt. Nach den UrteiienJhonändi.

die( Rechtephilofophie hinaus den tiefften Grund für die h Sachverftändiger fcheinen die Methoden, die man
Geltung des Sittlichen zu finden; er betritt fo die Bahnen f , . ]fif h fehr ^ unzulä ]ich zu

der Ethik, Rehmonsphilofophie und Metaphyfik. Sein - . ",4. ^ c , -n „__. , »" ,.

k k- -tt j -d • a 4. v fein. Eine Reformbewegung ift, wenn ich recht fehe,

erfter Gegner ift der Pofitivismus, den er unter Verwen- , ... twsst-» i.ja -4.4.1 rl-

j j 1 „__i)„„f„„' ,„j t „ •. , , noch recht jungen Datums. Doch ift man jetzt kraftig

dung von Gedanken von Bergion und James widerlegt: , a u -4. _r t? r u 1 r 1 rr s

die Wirklichkeit, die die exakte Wiflenfchaft aufdeckt, an Arbeit die Erfahrungen und _ Verbefferungen,

ift nie die ganze Wirklichkeit. Der religiöfe theiftifche die das Ausland ^tlf fich anzueignen. Vor allem

Glaube, in dem B. den tiefften Grund der Sittlichkeit [ac,ht ma" vof der deutfchen und der amenkamfchen

findet, ift ebenfo wie alle Metaphyfik unbeweisbar. Aber * auajJ?g<K zu ]erne.n-

j- nü-i z-u-1 , 4 - KL _ j__ 1: - r r u Ein Beweis dieler neuen Bewegung ift auch vor-

die Phi ofophie kann doch infofern den rehgiofen Glauben 1 ,. , c , .,. . r. , . . , s f 1 c u

, ... * 1 c u -r 1 „ j n 1 ä/t r u u -. hegende Schrift, eine Rektoratsrede von der theologifchen

vorbereiten, als fie beweifen kann, daß der Menfch bei c f , 17- ' T r 4. a i 4.ru

, c u u 1 1 4- „ a c;« ^,,f Schule zu Kampen. Im Gegenfatz zu modernen deutfchen

WiSertortTe Ä die den«xAefmnh^ouS Cha" ktei Religionspädaglogen fieht dir Verf. in der Pfychologie nur

l^X^^X'^^^^^l^ SdÄ das fe* da« Objekt des Unterrichts kennen zu lernen;

4. • j tu 1 : v tr^in, oio t „-k^44;4-,,„4v fi,- a^ was Religion ift und was für rehgiofe Stoffe mitgeteilt
hat 111 der Theologie K. Heim als Vorbereitung tur den , p,, , ... ,r , . , ,& ., . ,. , . °,. ,

,. :„r „, , P v t^4>„ t„u0if r„,-„QO 4.u0;n.,T^U44., werden tollen, darüber entfcheidet allein die kirchliche

rehgiofen Glauben benutzt.) Den Inhalt leines theiltilchen ^, .... t u- u^ j -c- u -rr j

A u 4. • 4. t3 rr_____„1:,__^„ m^ r,„u Tradition. Immerhin macht er von den Ergebmffen der

Glaubens entnimmt B. dem Evangelium, von dem er lieh T irui - ■ -u /-u . 6 , .L.

r , T V j11 • i-> r-i u Jugendpfychologie einen reichen Gebrauch und gibt zu-

lolgende Gedanken anzueignen vermag Den Glauben an J-^uo. ■ 11 r-i r 1.4 -u j- r 1-r u tj- *

.ö r.. .. , n 5 XT.. in.ru t- j 4. 1 nachft eine klare Uberficht über die pfvehifchen Enteinen
perfonhehen Gott, der Nachftenliebe fordert, dem . , , „ ,. , ir. , , v UJ1 M".„i,„„

. ... , f»" , " j tf, . „ tt <• 1 4.- ! , wicklungsftadien des Kindes, des Knaben, des Madchens

fitt ich ftrebenden Menfchen den Erfolg garantiert und , . s , , , rr'.„ t>„:ra -o': t„„ „ ..1___

" „ , . .44. ,. , . „ t u „ ßii 4 tt bis zur Erlangung der phyfifchen Reite. Bei den methodi-

lhn zur Freude im perfonhehen ewigen Leben fuhrt. Da- r , , & & r.. r / ,. ...r TT , • , . n , ,

j. tj U. , , c.f... ... • m ! fchen Fo gerungen für den rehgiofen Unterricht erftrebt

gegen fehlt die Begründung der Sittlichkeit in einem Er- n tt r l. r 1 4- w^r -4.- 1 v -j

b > . . , s . . & • , r.. ,. er große Umficht, fucht er Einfe tigkeit zu vermeiden,

löfungsglauben, der zeigt, wie der fündige Wille umge
wandelt und durch eine Gottestat die Gemeinfchaft des

aber das Gebundene feiner kirchlichen Stellung hindert

heiligen Gottes mit der fündigen Welt hergeftellt wird. ! Jnd°,ch' die Konfequenzen zu ziehen und vor allem den

Ferner meint B, daß der Glaube an Gottes Itorforge für f Bedll^ungen def ™?^&x* T ,

, , r 1 ■ . , r n- 1.4. - o- & Rechnung zu tragen. Richtig konftatiert er in der

das Einzelne fich nicht mit unferer pfl.chtmaßigen Sorge ; fycholo|ifchen Analyfe die Neigung des heranwachfen-

fur die Zukunft vertrage. Auch meint er, die Natur- V* eine Anweifung wto nun

mLQ — a' f r L lW- u Z' i den Menfchen zur Kritik, aber eine Anweifung, wie nun

wiflenfchaft habe diefen Glauben unmöglich gemacht. 1 j:„ ,^m:~ua. t.i,,. cjU.., wjhT^ .„„(.„„it

So fucht er einen Ausweg in der Anfchauung, Gott fei

nicht abfolut allmächtig fondern bedürfe der Mitwirkung

des Menfchen bei der Überwindung des Übels. — Ich habe

den Eindruck, daß der Verf., der fich befcheiden einen

die kirchliche Lehre tolchen kritifch-gefinnten jungen
Menfchenkindern vorgetragen werden toll, fucht man vergebens
. Er rechnet zu fehr mit dem engen Kreis ftreng
reformierter Familien, gar nicht mit Kindern aus modern
gefinnten Häufern. Was er bietet, ift gut, aber befchränkt
l£^ZZl?Z^^n^n 2Kf ÄntS. ?Xt Ich auf das Formale. Die fchwiengften und brennenden

feines Denkens angekommen ift Seine Erkenntnis der , F der nlodernen Päda ik (Auswahl des überliefer-
geheimnisvohen Tiefe des Seins konnte ihm zur Lofung tenöStoff feine Übertragung in das moderne Leben und
vieler Schwierigkeiten verhelfen. Sein jetziger Stand- | d Qn die notwendi überfetzung der religiöfen Lehren
punkt fleht zwifchen Pofitivismus und Offenbarungsglau- ; jn dgn neuen Di , ^ ^ berührt Die pf fa

ben in der Mitte Ich Eichte, daß er zwifchen diefen . j ifi .ft eben J . dje Theologie felbft darf fie
beiden konfequenteren Anfchauungen zerrieben wird. | njgjlt hineinreden

Immerhin bleiben B.s Nachweife unwiderleglich: die Sitt- i Leiden ' H Windifch

lichkeit bedarf des religiöfen Glaubens, dieter muß in j------1____

einer pofitiven Religion wurzeln. Der Glaube ift unbe- Boehmer, Pfr. Liz. Dr. Julius: Biblifch-homiletilcher Leitweisbar
, unwiderleglich und notwendig. faden. Die heilige Schrift Alten u. Neuen Teftaments
Bafel. Johannes Wendland. in 30 Bänden f. die Predigt hergerichtet. Unter Mit-

wirkg. anderer prakt. Theologen hrsg. v. B.Bd. 18 : Das

Thema, Hans: Die zwilchen Zeit und Ewigkeit unficher flatternde
Seele. (47 S.) 8°. Jena E.Diederichs 1917. M.2 —
Der allbekannte und verehrte Meifter ift es, der uns
dies finnige, mit eigenen Zeichnungen gefchmückte Büchlein
fchenkt. Es enthält allerlei lofe Betrachtungen über

Lukas-Evangelium v.JuliusBoehmer. (II, S.VII—X u.
III__VI u. 140 S.) 8°. Leipzig, Krüger & Co. 1918.

M. 2—; geb. M. 2.70
Es ift zu bedauern, daß fich gerade der Herausgeber
der ,Studierftube' hat bereit finden laffen, ein folches Buch