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Ausgabe:

1919

Spalte:

37-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pokorny, Julius

Titel/Untertitel:

Irland 1919

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 3/4.

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ten heute wenig mehr benutzt werden; auch die Einzelausführung I fich vorübergehen labt. MefTert beanfprucht wohl nicht,
verdient meid Lob: fo daß Märtyrer der Heidenmiffion mit auf- j pjr einen felbftändigen Forfcher zu gelten. Aber feine

genommen find, daß uns keine Folterfzenen ausgemalt werden,
und daß der ökumenifche Charakter des Proteftantismus nicht
vergehen ift. Natürlich foli man folches Buch nicht von A bis Z
durchlefen, fondern als StoffTammlung verwenden. Trotzdem wäre
bei den Märtyrern jedes Landes der alphabetifchen Anordnung
gefchichtliche vorzuziehen. Gut wären Hinweife auf ergänzende
populäre Schriften wie Rieh. Weitbrechts Novellenfammlung Ketzergerichte
oder Altendorfs Schaufpiel Leonhard Kaifer. Bei den
Spaniern fehlt namentlich J. Diaz. S. 107 Z. 5 1. in ft. zu Somer-
retshire, S. 22 Z. 2 unter franzöflfeher Herrfchaft ift Druckfehler
, S. 105 Z. 14 ft. Differtation 1. Disputation.
Kiel. H. Mulert.

Pokorny, Priv.-Doz. Dr. Julius: Irland. (Perthes' kleine

Länder-u. Völkerkunde, 1. Bd.) (JX, 168 S. m. 2Karten).

8°. Gotha, F. A. Perthes 1916. Geb. M. 3 —

Chatterton-Hill, Dr. Georges; Irland und feine Bedi u-

tung für Europa. Mit e. Geleitwort v. Geh. Reg.-Rat

Dr. Eduard Meyer. (XVI, 157 S.) 8°. Berlin, K. Curtius

I9'6- M. 5 —; geb. M. 6 —

Meffert, Dr. Franz: Englands Verbrechen am katholifchen

Irland. Eine apologet. Studie. (124 S.) 8°. M.Gladbach
, Volksvereins-Vei lag G. m. b. H. 1917. M. 2 —
Irland ift uns während des Krieges immer deutlicher
geworden als Opfer Englands. In den letzten Monaten
vor dem Kriege hatten wir manches gelefcn von der
revolutionären Gefinnung der Provinz Ulfter, welche
proteftantifch ift. Denn fie fürchtete bei der Einführung
voller Homerule von der katholifchen Majorität des

Landes vergewaltigt zu werden. Wir Evangelifchen in j nalen Befonderungen, aber die Gälen d. i. Iren flehen

Jr" VnrrlercrrimrD in Hinnehor.rs K,.lt„r

kleine Schrift verdient doch eine gewiffe Beachtung, gerade
als katholifche Stimmungsfchrift — ich für mein
Teil kann diefe Stimmung verliehen.

Von unzweifelhaftem, eigentlichem wiffenfehaft-
lichen Wert ift die Schrift von Pokorny (Privatdozent,
wenn ich recht fehe, der Keltologie in Wien). Sie verfolgt
auch Irlands Gefchicke durch die ganze Zeit hin,
feit die Gälen die Infel einnahmen. Meffert benutzt bereits
Pokornys Buch. Es ift in der Kürze höchft inhaltsreich
. Auch gut gefchrieben. Die irifche Kirchengefchichte
kommt bei ihm fo gut zu ihrem Rechte, wie die Staatsund
Kulturgefchichte; zumal die letztere ift von der
Kirchengefchichte gar nicht abzutrennen. Es find immer
noch fehr wenige, die es deutlich vor Augen haben, wie
groß Irlands Kultur gewefen und wieviel fie für das
Feftland, auch Deutfchland bis ins 11. und 12. Jahrhundert
bedeutet hat. Die eindringlichfte Unterfuchung
über das alte irofehottifcheKirchenwefen bietet G. Zimmers
Art. ,Keltifche Kirche' in der Hauck'fchen Realen-
cyklopädie, Bd. X, S. 204—243 (1901). Diefer Artikel ift
erftaunlich inhaltreich. Er überbietet Loofs' (darum
noch nicht etwa beifeite zu Hellende) Differtation, die ja
auch nur den älteften Verhältniffen gilt. Zimmer führt
bis ans Finde der Karolingerzeit. Eine intereffante Ergänzung
diefes Z.'fchen Artikels ift die von demlelben
Gelehrten verfaßte Überficht über die keltifchen Sprachen
und Literaturen ,im Allgemeinen' (alfo ohne die natio-

»s

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Deutfchland waren, foweit wir uns überhaupt für das, naturgemäß im Vordergrund) in Hinnebergs .Kultur
was in Irland vor fich gehe, intereffierten, wohl von an- der Gegenwart' (Teil I Abt. XI, 1, 19/09).
beftinimter Sympathie für Ulfter und feinen Führer Car- Lue Schrift von Chatterton-Hill, des bei uns in

fon erfüllt. Seither haben wir vielen Grund gefunden, Deutfchland heimifch gewordenen Iren, der Eduajd
unfer Urteil zu ändern. Für einen Mann wie Carfon Meyer ein Geleitwort mitgegeben hat, ift als Weibe-
war zweife los alles andere eher beftimmend als Sorge fchrift zu betrachten. Sie fucht Intereffe und Verum
den Proteftantismus als folchen und fodann — was ftändnis für fein armes Volk bei uns zu erwecken,
ift das für ein Proteftantismus, der fich in Irland heimifch Je näher Chatterton der Gegenwart kommt, umfo wertgemacht
hatl Wie find uns feither die Augen auf- voller und wichtiger wird, was er mitteilt. Auch Chatter-
gcgangenl Es ift mir zum Teil unbegreiflich, wie leicht ton ift katholifch, aber abgefehen von einer gewiffen
wir gewiffe Vorgänge gemeinhin genommen haben, die I Schüchternheit der kirchlichen Legende (über den heil,
mit der Unterwerfung Irlands durch Cromwell zuiammen- Patrick u. a.) gegenüber wird das kaum bemerklich,
hingen. Wieviel werden wir noch lernen müffen, ehe j Vermutlich ift auch Pokorny katholifch; bei ihm hören
wir einen Mann wie dielen fo unheimlichen als bedeu- ; wir jedoch deutlich den bloßen Wiffenfchaftler. Am
tenden, ja großen Menfchen in feiner .biblifchen' und fchärfften mit den Legenden geht Zimmer ins Gericht,
doch fo unevangelifchen Frömmigkeit richtig würdigen j Pokorny ift vorfichtiger, foweit ich zu urteilen Vermag,
werdenl Aber von ihm auch ganz abgefehen: wieviel wohl mit Recht. Mir erfcheint als intereffantelte Frage
müden wir über den englifchen Proteftantismus im Zu- j kirchengefchichtlicher Art die nach der Bedeutung des
fammenhang mit dem englifchen Volkscharakter noch ' Druidismus für das irifche Chriftentum und feine ur-
lcrnen, unof wieviel ift aus Irlands Gefchichte dafür zu j fprüngliche Geftalt. zumal den Geift, den das irifche
ifh b-ann Mfffprts oben zuletzt genannte | Mönchturn zeigt. Da wird wohl noch manches zu erheben
fein. (Pokorny hat den Druidismus zum Gegen-
ftand fpezieller Forfchung gemacht und deutet in feiner
oben genannten Schrift in der Kurze feine Refultate

lernenl Ich kann Mefferts oben zuletzt genannte
Schi ift, die ja im Titel deutlich genug fagt, daß fie eine
Tendenzfchrift ift, als objektiv garnicht unberechtigt bezeichnen
; fie ift einfeitig, ficht nicht, will und kann nicht
fehen was auch Rom an Irland gebändigt hat; aber man ; wenigftens an).

daif wirklich einfach von .Verbrechen'reden, die England Vielleicht darf ich hier zum Schlufle noch auf ein

Schriftchen hinweifen, das (nur) der allerneueften Gefchichte
Irlands, ihr aber mit großer Sorgfalt und genauer
Sachkenntnis nachgeht: Fi Brie (Profeffor der Angliftik in
Freiburg i. B.), Der irifche Aufftand von 1916. Berlin 1917.
63 Seiten.

Halle. F. Kattenbufch.

VJtlJ 1 W 11 , i,v 11 ^ . . .---— .

zahllos an Irland begangen und neuerdings allenfalls
verflicht hat (mit nicht viel Ernftl) zu begleichen (man
kann nicht fagen: zu fühnenl). England und Proteftantismus
wird von Meffert nicht identifiziert, aber auch
nicht ernftlich unterfchieden. Selbft der .englifche'
Proteftantismus ift doch nicht tinfach der Hintergrund
oder der vollgültige .Grund' für Englands Auftreten in
Irland. Auch das hat Meffert nicht verdeckt und doch
auch nicht lo hervorgehoben, wie ruhiges hiftorifches
Urteil verlangt. Meffert geht durch die ganze Gefchichte
Irlands kurz hindurch. Damit fchafft er fich den wirklich
bellen Malsftab zur Veranfchaulichung und Beurteilung
der Größe deffen, was England in Irland ver

Zeitfchrift der Gtlellfchaft lür niederlächlilche Kirchengelchichte
, unter Mitwirkg. v. Ph. Meyer u. Mirbt hrsg
v. F. Cohrs. 22.Jahrg. 2 Hefte. (IV, 276 S.) 8°. Braun-
fchweig, A. Limbach 1917. jyt 7 50

Das Reformationsheft der Gefellfchaft für nieder-
fächfifche K.G. enthält 6 größere Abhandlungen. Cohrs
nichtet hat. Es ift Vernichtungswerk einer alten ; behandelt unter der weitgreifenden Ubeifchrift .Wittengroßen
Kultur gegenüber, auf das man flößt, wenn man , berg und Niedei-fachten' 1. die Studenten in Wittenberg
Englands Verhalten gegen die hilf lote ,grüne Infel' an I von 1502 leider nur bis 1532 ftatt wenigftens bis 1546.