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Ausgabe:

1919 Nr. 2

Spalte:

292-293

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marx, J.

Titel/Untertitel:

Abriß der Patrologie. 2. Aufl 1919

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 25/26.

292

halt und Form des Gebetes überhaupt mit Umdeutung
und Surrogat, oder auch mit Verfuchen der Rechtfertigung
. — Alle diefe Ausführungen find reich an Belehrung
, neuem Stoff und intereffanter Neuordnung. Aber die
origine'lfte Leiftung des Verfaffers enthalten S. 193
bis 338; Kap. F: Das Gebet in den individuellen Frömmigkeiten
der großen reiigiöfen Perfönlichkeiten, und
Kap. G: das individuelle Gebet großer Männer. Schon
die fcharfe Ausfonderung diefer Sonderkapitel aus dem
allgemeinen Stoffe ift ein Veidienft. Es muß hier leider
genügen, durch einige Überfchriften zu zeigen, wie geift-
voll und erleuchtend hier der Verfaffer verfährt: Gebet
als Gnadeneingebung (201), als Selbftzweck (202), Ein-
famkeit des Gebetes (202), gefchichtlicher Zufammenhang
des Gebetslebens der großen Frommen (203), Chriften-
tum als Religion des Gebetes fchlechthin (205. — Eine
anfechtbare Thefel), die catena religiös-genialen Gebetslebens
von Mofe über Jefus und Paulus bis zu Luther
und Therefa (210). — Sodann erneuert der Verfaffer mit
fcharfer Sonderung und Sondercharakterifierung den
auch lonft gemachten Unterfchied von den ,beiden Haupttypen
perfönücher Frömmigkeit', die er beweifen will
als Myftik einerfeits und prophetifche Frömmigkeit
andererfeits. Ihnen entfprechend unterfcheidet er zu-
nächft das .Gebet in der Myftik'. Sein Wefen und Inhalt
ift .Aufftieg zum höchften Gut'. Das eigentliche Gebet
ift hier nur Stufe und Vorftufe zur Vereinigung mit dem
Göttlichen; feine Form das .wortlofe Gebet' mit .Konzentration
', und .Kontemplation'. Der Charakter und
Sinn des Vorganges ift .Verfenkung' in ihren Stufen, die
unterfchieden werden als Meditation, als Gebet der Ruhe,
der Wonne oder des Gleichmutes, und als Ekftafe.
Diefes Gebet der Myftik variiert dann je nach den Variationen
der Myftik lelber und gibt fich verfchieden in
der kultifch-fakramentalen Myftik, in der emotionalen
.Brautmyftik' mit Liebesfehnfucht, Liebesfeligkeit und
Einung durch Liebesgefiihle, und in der an diefer nach
Stimmung und Inhalt verfchiedenen quietiftifchen Myftik.
Solchem .Verfenkungsgebete' ähnlich und in feiner Staffelung
entfprechend ift auch die .Verfenkung' im Buddhismus
, deren Skala gefchildert und verglichen wird. —
Grundsätzlich verfchieden von diefem myftifchen Verhalten
zum Transzendenten (das doch wohl nur in
feinen Vorbereitungsftufen mit .Gebet' bezeichnet werden
kann?) ift das .Gebet der profetifchen Frömmigkeit', (das
doch wohl eigentlich allein ,Gebet' im genaueren Sinne,
genannt werden darf?). Es ift das ganz perfönliche, von
Perfon auf Perfon gehende, im Vorftellungskreife des Personenverkehrs
fich haltende Bitten, Beftürmen, Loben,
Preifen, Danken, Sich Unterreden, ift .Reflex' eines irdi-
fchen Sozialverhältniffes wie Freundes-, Diener-, Kindes-
verhältniffes, mit entsprechenden Geftimmtheiten. —

Das großangelegte Kapitel H Schildert dann das
rmttesdienftliche Gemeindegebet. Es befchränkt fich
wefentlich auf die Entwicklung desfelben in Synagoge
und Kirche und gibt hier nach einem gefchichtlichen
Überblicke Motiv und Zweck, Form, Inhalt und Idee des
Gemeindegebetes an. — Ein etwas kurzes Schlußkapitel
faßt noch einmal das ,Wefen des Gebetes' zufammen,
unterfcheidet es von .Anbetung und Andacht' und kehrt J
mit der Frage: .Warum das Gebet der Mittelpunkt aller i
Religion ift', zum erden Ausgangspunkte der ganzen
Unterfuchung zurück.

Es id unmöglich, mit den unzähligen und überreichen
Einzelaufftellungen des Werkes fich hier ausein-
anderzufetzen. Nur zu feiner Hauptlhefe, der drikten
Teilung in .profetifches' und .myftifches' Gebet ein kurzes
Wort. Mir fcheint, daß der Vf. hier zwei Dinge fehr
richtig fondert, daß er fie aber beffer als die beiden zusammengehörigen
Pole des religiöft-n Gemütsverhaltens ;
denn als getrennte und parallele Typen befchreiben und
verliehen follte, und daß man diefe Pole beffer mit dem
Namen von .Verfenkung' dort und .Gebet' hier unter- :
fcheidet. Wohl wahr, daß in jeder .scala paradisi' die |

Verfenkungsformen und Stufen im weiteren Sinne auch
zum .Gebete' gerechnet werden. Aber das id ungenau
und tut dem Etymon von Gebet Gewalt an. Andererfeits
aber gilt, daß Gebet und Verfenkung, perfonales,
oder wie der Verfaffer fagt, foziales Verhalten zum Transzendenten
undficheinfenkendes auf unio hindrebendes Verhalten
fowohl religionsgefchichtlich wie religionspfycho-
logifch zufammengehören. Und dies aus Wefensnet-
wendigkeit, denn das transzendente Objekt das in den
beiden Formen angedrebt wird, mit feinem Doppel-
adfpekte des Rationalen und des Irrationalen fordert fie
beide.

Marburg a. L. R. Otto.

Thomfen, Prof. Dr. Peter: Das Alte Teltament. Seine
Entdehg. u. feine Gefchichte. (Aus Natur u. Geides-
welt, 669. Bdchn.) (126 S.) kl. 8°. Leipzig, B. G.
Teubner 1918. M. 1.60

Der Verf. id der durch feine gründliche Kenntnis
Palädinas und feiner Kultur bekannte Verf. des Bändchens
derfelben Sammlung .Palädina und feine Kultur in
fünf Jahrlaufenden'. In der vorliegenden Arbeit zeigt er
fich auch auf dem Gebiet der alttedamentlichen Litera-
turgefchichte gründlich bewandert. Bei der Kompliziertheit
der Probleme id es nicht leicht, für weitere Kreife
eine Einführung in diefe Literatur zu geben, das vermag
nur ein gründlicher Kenner, welcher über dem verwirrenden
Detail klar das Wefentliche der einzelnen
Probleme erkannt und damit die Fähigkeit gewonnen
hat, fie dem Laien klar zu machen. Das id dem Verf.
trefflich gelungen: auf dem Boden der modernen kriti-
fchen Forfchung dehend fuhrt er den Lefer in knapper
und klarer Weife in die einzelnen kritifchen Fragen ein,
mit Recht dabei von dem Bedreben geleitet, zu zeigen,
wie diefe kritifche Forfchung nicht zu einer Entwertung,
fondern zu einem tieferen gefchichtlichen und reiigiöfen
Verdändnis des A. T.s führt. Die erden vier Kapitel
behandeln die Fragen der allgemeinen Einleitung: Inhalt
und Entdehung des Atl. Kanons, den Text, die Über-
fetzungen des A. T.s und die Gefch. der Atl. Forfchung
. Vom fünften bis elften Kapitel folgt die fpezielle
Einleitung, die fich mit der Entdehung der einzelnen -
Schriften befchäftigt. Das zwölfte Kapitel gibt einen
Überblick über die Entdehung der apokryphifchen
Bücher, während das dreizehnte eine Gefchichte des
A. T.s im Judentum und in der chrifllichen Kirche bringt.
Th. fchließt feine Dardellung mit einer kurzen Ausführung
über die gefchichtliche und religiöfe Bedeutung des
A. T.s Eine dankenswerte Beigabe find die Zeittafel,
ein Hinweis auf die wichtigde Literatur und ein Verzeichnis
der Perfonen und Sachen. Gründliche Kenntnis
der in Betracht kommenden Fragen, klare Dardellung,
befonnenes Urteil in den literarkritifchen und reiigiöfen
Fragen, das find die Vorzüge der Schrift, die vortrefflich
geeignet id, ihre Aufgabe zu erfüllen.

Leipzig. W. Nowack.

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: Lyrifche Überreizung
dtr Pfalmen 78—150. Nach der Handfchnft zum erften Male
hrsg. v. Klemens Löffler. (VIII, 106 S) 8". Münfter (Weftf.),
Univ.-Buchhdlg. F. Coppenrath 1918. M. 3.75

Diefe bis dahin unbekannte Pfalmenüberfetzung des Grafen
Friedrich Leopold zu Stolberg, die in die katholifche Zeit des
Verfaffers fallen wird, vorwiegend nach der Vulgata gearbeitet,
ziemlich frei gehalten, in deutl'chen ungereimten Verfen nachgedichtet
, wird jetzt nach einer in der Univeifitätsbibliothek zu
Münfter befindlichen Handl'chriFt herausgegeben. Diefe Ausgabe
mag vielleicht dem Literarhiftoriker bemerkenswert erfcheinen,
dem Pfalmenforfcher kann fie nichts bieten; befondere dichterifche
Schönheiten enthält fie fchwerlich.
Gießen. Hermann Gunkel.

Marx, Prof. D. Dr. J.: Abriß der Patrologie. 2. Aufl. (VII, 201 S.)
gr. 8 . Paderborn, F. Schöningh 1919. M. 6 —

Die erfte Ausgabe diefes Buches wurde i. J. 1901 als Han
fchrift gedruckt und ift vom Verfaffer feinen Vorlefungen zugru
degelegt, aber auch in Wien als Hilfsmittel benutzt word