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Ausgabe:

1919

Spalte:

289-292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heiler, Friedrich

Titel/Untertitel:

Das Gebet. Eine religionsgeschichtliche und religionspsychologische Untersuchung 1919

Rezensent:

Otto, Rudolf

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitun

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Professor D. Hermann Schuster

Jälurlich 26 Nrn. Verlair: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 12 Mark

— «- nn Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au s f ch 1 i e ß 1 i c h an _ , _ _

44. Jahrg. Nr. 25/26 Profeffor D. Titius in Göttingen Nikolausberger Weg 66, ru fenden. 23. Dezember 1919

D Rerenfionsexemplare ausfchheßhch an den Verlag,

Erneute Erwägungen veranlaffen uns, um den Beftand der Theologifchen Literaturzeitung zu sichern,
untere Bemerkungen in Nr. 23/24 in folgender Weife umzugeftalten, bzw. zu ergänzen:

Als Preis für den Jahrgang wird ab 1. Januar 1920 der alte FYiedenspreis eingefetzt, d. h., Mk. 20 —,
Fr. 25—, £ 1, $ 4.75, Gulden holl. 11.80, nord. Kronen 17.75.

Auf den Markpreis wird ein Teuerungszufchlag von 5O°/0 erhoben, fodaß alfo die Zeitfchrift im Inland
Mk. 30— jährlich, Mk. 15— halbjährlich koftet. *

Um eine Unterbietung und Umgehungen diefer Preife zu verhindern, werden wir ab 1. r. 1920 die Zeitfchrift
an Sortimenter und Wiederverkäufer nur liefern, wenn uns die Namen der Abonnenten mit ihren Wohnorten
angegeben werden.

Unfere Lefer bitten wir in ihrem eigenen Intereffe wie dem des Blattes, indem wir auf ihr Gerechtigkeitsgefühl
bauen, uns in unferen Beftrebungen, auf diefe Weife die Th. L. Z. der Wiffenschaft zu erhalten, zu unterftützen.

Da der Poftbezug ab Januar 1920 in Fortfall gekommen ift, erklärt fich der Verlag hiermit bereit, direkt
unter Kreuzband zu verfenden; bei Sendungen ins Ausland wird kein Portozufchlag erhoben.

Die Redaktion. Der Verlag.

Heiler, Das Gebet (Otto'.

Tho liifen, Das Alte Teftament (Nowack).

Friedrich Leopold Graf zu Stoibers;, Lyrifche

t'berfetzunRcn der ITalmen 78— 150 (Gunkel).
Marx, Abriß der Patrologie, 2. Aufl. (Krüger).
Grabmann, Die Phiiofophia pauperum und

ihr Vcrfaffer Albert von Orlamünde (Scheel).
Seckendorff, Die kirchenpolitifche Tätigkeit

der hl. Katharina v. Siena (Ficker).
Wächters, Lu'her (Scheel).
Haarten Luther in zijnlevcn en werken (Scheel).
S tei n lein, Luther als Seelfoigcr (Scbornbaum).
Anderten, Overfor kirkebruddet (Scheel).
Zwingli, Auswahl u. Biiefe, 1. Bd. (Bauer).

Köhler, Ulrich Zwingli und die Reformation

in der Schweiz (Bauer).
W a 1 d e n m a i e r, Entflehung der ev. Gottesdienft-

ordnungen Süddeutfchlands im Zeitalter der

Reformation (Schoinbaum).
Hemer, Echter v. Mclpelbrunn (Schornbaum).
Honigsheim, Staats- u. .Soziallehren der

franzöf. Janleniflen im 17. Jh. (Tönnies).
Larfeldt, Kirchengefchichte Rheinland-Weft-

.falens im Abriß (Giemen).
Horodezky, Myftifch-religiöfe Strömungen

unter den Juden in Polen (BifchofT).
Müller-Kolshorn, Azmi Eflendis Gefandt-

fchaftsreife an den preußifchen Hof (Sachffe).

Hering, Stubenrauch u. fein Neffe Schleiermacher
(Mulert).

Schacder, Schleiermacher (Derf.).

Seeliger, Albert Ilauck (Bonwetfch).

Thoden van Vclzen, Syllem des religiöfen
Materialismus (Titius).

Dingler, Die Kultur der Juden (Titius).

Schröder, Zwifchcn Gott und Welt (Thimme).

Wal ther, Neue Wege deutfehen Geißes (Derf.j.

Brieger, Die Neugeburt des religiöfen Gefühls
(Thimme).

Schriften zur Kirchenfrage. II. (Schian).

Mit'eilung (Greßmann).

Bibliographie.

Heiler, Friedrich: Das Gebet. Eine religionsgefchichtl. u. Sowenig wie Religion aus Magie, fowenig geht ihm

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religionspfycholog. Unterfuchg. (XV, 476 S.) gr. 8°.
München, F. Reinhardt 1918. M. 13—; kart. M. 15 —
,Wenn es gilt, das tiefe und geheimnisvolle religiöfe
Erleben zu vei flehen und zu verdolmetfchen, dann ver-
fagen all die kunftvollen Methoden der empirifchen Ge-
fetzespfychologie. Echte Religionspfychologie befteht
nicht in einer gefiihllofen Anatomie der religiöfen Pfyche,
fondein in einem intuitiven Nachfühlen fremden religiöfen
Erlebens.' So fchreibt der Verfaffer in feinem
Vorworte zu feinem erftaunlich reifen, umfaffenden und
vielfeitigen Werke. Und diefe Methode feinen intuitiven
Nachfühlens, die in der Tat für diefen Gegenftand die
einzige leiftun°-sfähige und darum die allein wiffenfehaft-
liche Methode5 ift, unterfcheidet fein Werk bedeutfam
von feinen Vorgängern auf diefem Gebiete, z. B. auch
von Le Segond's fcharffmnigem Buche ,1a priere'. Dazu
kommt die gewaltige Breite feiner hiftorifchen Induk-
tionsbafis. Heiler verfügt felbftändig über das Quellengebiet
der biblifchen Relio-ionen und Konfeffionen, über
intime Kenntnis katholifchen und proteftantifchen Seelenlebens
. Er ift zugleich eigener Forfcher auf affyriolo-
gifchem Gebiete und verfügt über eigene Quellenkunde
der indifchen Religionen und, wie feine vortreffliche
Studie über die buddhiftifchen Verfenkungsftufen be-
weift, befonders über den Buddhismus. Er hat zugleich
in weiteftem Maße das Gefamtgebiet der Religionsvergleichung
herangezogen und durchwandert die rohen
und die entwickelten Pormen der Religion.
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Gebet aus Zauberruf oder -wort hervor, fondern ent-
fpringt zunächft naiv aus Not als Wunfch und durchläuft
fchon im ,naiven Beten des primitiven Menfchen
die Stufen des bloßen Naturlautes, des Gebetsrufes und
Gebetsgefpräches, des freien und des gebundenen, des
kollektiven und des individuellen Gebetes, des Egoismus
und des Altruismus, ift Ausdruck von Bitte, Klage, Dank,
Ehrfurcht und Enthufiasmus, war Opferfpruch und Gelübde
, war Befchwichtigung, Überredung, Drohung, war
Sündenbekenntnis, Abhängigkeitsgefühl und reine Ergebung
und zeigt Anfätze der myftifchen Kontemplation,
und mechanifiert fich in der rituellen Gebetsformel'. Ergänzend
werden auf S. 94—123 die ,im Gebete angerufenen
höheren Wefen' und die ,dem Gebete zugrunde
liegende Gottesvorftellung' unterfucht und dabei eine
kurze Theorie der Religion und ihrer Objekte überhaup
gegeben. — Aus dem naiveil Gebete erwächfl dann das
.primitive Gebetslied' (mit Mufik und Tanz), der priefter-
liche Kult- und Befchwörungshymnus, und aus der
Ritualpoefie die befondere Form des ,literarifchen Hymnus
, wobei befonders auf den .vedifchen hingeblickt
ift, mit den ftäiker werdenden Regungen ,myftifcher
Gottfehnfucht' und ,keimhaften Pantheismus'. — Gegenüber
dem fo naiv entfprungenen Gebete erhebt fich dann
(Kap. E S. 182—97) der entnaivifierte, .filofofifche' Typus
des Gebetes, das ethifche Gebetsideal, das Gebet als Erhebung
und Kontemplation, als Gefinnung und Tat
und weiter die metaphyfifche Kritik an Möglichkeit, In-

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