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Ausgabe:

1919 Nr. 2

Spalte:

275

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Keller, Gottfried

Titel/Untertitel:

Pfarrer Eduard Frauenfelder. Ein auserwähltes Rüstzeug. 1836 - 1917. Lebensbild 1919

Rezensent:

Bornemann, Wilhelm

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275

Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 23/24.

276

Maurer, Gen.-Superint. a. D. Wirk. Geh. Oberkonfift -Rat D. H.:
Aus meinem Leben. (51 S.) 8". Wiesbaden, H. Staadt 1916.

M. — 75

Der frühere Generalfuperintendent des Konfiftorialbezirkes
Wiesbaden gibt in diefem Hefte eine kurze Selbftbiographie, die
in allerlei kleinen Zügen vor allen im Kreife feiner Heimat und
feines Amtsbezirkes auf Intereffe rechnen kann. Die Kürze der
Darftellung bringt es mit fich, daß fie auf Probleme und Ereig-
niffe von großer Bedeutung nicht eingeht.
Greifswald. Ed. von der Goltz.

Keller, Pfr. Gottfried: Pfarrer Eduard Frauenfe'der. Ein auserwähltes
Rüftzeug. 1836-1917. Lebensbild. (256 S. m. Bildnis.)
kl. 8°. St. Gallen, Buchh. d. Ev. Gefellfchaft 1918.

Geb. M. 5.50

Ein wohltuendes Büchlein. Pfarrer Frauenfelder (in Hailau
1863-1876, in Heiden 1876—1885 ,in Schaffhaufen 1885—1911)
war in den letzten Jahrzehnten einer der bekannteften, belieb-
teften und bedeutenften Schweizer Pfarrer, ein Mann in der Art
von Bodelfchwinghs und Gregorys, voll perfönlicher Wärme,
Lauterkeit und Hingebung, ein Meifter der Seelforge, ein erfolgreicher
Prediger, auch dichterifch begabt, für äußere und innere
Mifflon unermüdlich wirkfam. Befonders charakteriftifch find
allerlei Züge aus feiner Jugend und dann der Erfolg, den er als
Pfarrer der Minorität in Heiden durch feine ebenfo warmherzige
wie taktvolle Art erringt. Drei Jahre ift er als Lehrer am Privat-
gymnafium in Livland tätig gewefen (1859—1862). Turnerei und
Wandern waren feine Liebhabereien und hielten ihn körperlich
und geiftig frifch. Am Appenzeller Sonntagsblatt hat er fleißig
mitgearbeitet. Auch von feinen Eltern und Großeltern wird
allerlei Amüfantes und Bezeichnendes erzählt. Das fchlichte
Büchlein fetzt dem unvergeßlichen Manne ein edles Denkmal.
Frankfurt a. M. W. Borne mann.

Marx, Geh. Stud.-R. D. Herrn.: Ein Lebens- und Charakterbild
des Geheimen Schulrats D. theol. Wilhelm Stamm, entworfen
v. feinen Freunden. (73 S. m. 2 Bildniffen.) gr. 8°.
Frankfurt a. M., Englert & SchlofTer 1918. M. 3—

Diefe Aufzeichnungen aus dem Freundeskreife von Stamm
1837—1918, herausgegeben von H. Marx, geben ein fehr lebendiges
und auch für Fernerftehende anziehendes Bild von dem
charaktervollen und bedeutenden Mann, der in den kirchlichen
Kämpfen des Großh. Heffen fich hervorgetan und als Vorfitzender
der Landesfynode allgemeines Vertrauen erworben hat. Auch
zur Gefchichte von Helfen liefern die frifch gefchriebenen und mit
viel Humor gewürzten Blätter manchen Beitrag. Bei der Debatte
über die Trennung von Staat und Kirche verdienen S.'s Bemerkungen
S. 63. 64 Beachtung.
Göttingen. Titius.

Würz, Friedrich: Die Basler Miffion am Scheidewege. (S.-Dr. aus
Ev. Miffions-Magazin, April 1918) (23 S.) 8". Bafel, Basler
Miffionsbuchhandlung (1918). M. —30

Die Basler Miffion hat ihren Sitz in einem neutralen Lande,
ift von Anfang an durch die unpolitifche Gemeinfchaft deutfcher
und fchweizerifcher Miffionskreife charakterifiert und hat etwa
80 Jahre lang in Indien und an der Goldküfte in der loyalften
und felbftlofeften, auch von den Engländern felbft anerkannten
Weife unter englifcher Oberhoheit gearbeitet. Ihre Miffionare
haben fich vor dem Weltkriege und während des Weltkrieges
ausnahmslos durchaus einwandfrei benommen. Wie die englifche
Regierung gleichwohl die Basler Miffion im Laufe des Krieges
fchrittweife eingeengt, abgefperrt, bedrückt, vergewaltigt und
endlich in längeren, höchft merkwürdigen Verhandlungen für die
Gegenwart und Zukunft aus ihrem Gebiet ausgewiefen hat,
fchildert Würz in der vorliegenden kurzen Schrift, die nicht bloß
den Mifflonsfreunden, fondern auch dem gefchichtlich und poli-
tifch intereffierten Publikum zu empfehlen ift. Sie beleuchtet in
eigentümlicher Weife den Vernichtungswillen der Briten gegenüber
dem Wirken und Einfluß deutfchen Geiftes.
Frankfurt a. M. W. Bornemann.

Die Eiche. Vierteljahrsfchrift f. Freundfchaftsarbeit der Kirchen.
Ein Organ f. foziale und internationale Ethik. Hrsg. v. F. Sieg-
mund-Schultze. 5. Jahrg. Nr. 2—4 u. 6. Jahrg. Nr. 1. März 1918.
(S. 73—314) gr. 8". Berlin, F. Zillelfen. M. 5 —

Das Amerikaheft der ,Eiche' enthält auf 314 Seiten eine große
Anzahl für die amerikanischen Kirchen und amerikanifches Chri-
ftentum charakteriftifcher Dokumente, Verfammlungsberichte,
Refolutionen, Artikel, Vorträge, Briefe. Wir lernen die Stellungnahme
der großen Kirchengemeinfchaften Amerikas — insbe-
fondere des Bundeskonzils der amerikanifchen Kirchen, das 30
religiöfe Gemeinfchaften und 17 Millionen Mitglieder umfaßt —
und auch kleinerer Gruppen, fowie einzelner hervorragender
Perfönlichkeiten, deren Namen deutfchchriftlichen Kreifen wohlbekannt
find, wie Dr. Macfarland und John Mott, zur Kriegs- und
Friedensfrage kennen, beobachten die Entwicklung der Stimmung
der dortigen entfchieden chriftlichen Kreife von Anfang Auguft
1914 an, wo Delegierte amerikanifcher Kirchen fich mit deutfchen
Abgefandten auf der Friedenskonferenz in Konftanz in herzlichfter
Weife ausfprachen, bis zur Teilnahme Amerikas am Kriege und

muffen zugeben, daß, obwohl die Stimmung wechfelt, die chrift-
lich-pazifirifch-demokratifchen Ideale die gleichen bleiben. Willig
oder widewillig müffen wir einräumen, daß fich jenfeits des Ozeans
mit ausgefprochener Voreingenommenheit und mangelhaftem Ver-
ftändnis für deutfches Wefen ehrlicher Idealismus verband, und
daß dies wohl ein Hauptgrund ift, weshalb Amerika feine ganze
Macht mit voller Wucht und entfcheidend in die Wagfchale warf.
Wir können aus diefem Buche Amerika und amerikanifches
Chriftentum kaum liebgewinnen, am wenigften feinen Präfidenten,
über den der fonft fo milde Herausgeber in feiner Vorrede mit
Schärfe aburteilt, aber Achtung werden wir ihm nicht verfagen
und fchöpfen die befonders in gegenwärtiger Zeit tröftliche Hoffnung
, daß künftig fefte Brücken brüderlicher Verftändigung im
Geilte Jefu Chrifti, der auch drüben aufrichtig geliebt wird, ge-
fchlagen werden mögen.

Iburg. / W. Thimme.

Wohlgemuth, Dr. J.: Oer Weltkrieg im Lichte des Judentums.

(165 S.) gr. 8". Berlin, Verl. des JefchOrun 1915. M. 2.50
Simon, Dr. Max: Der Weltkrieg und die Judenfrage. (III, 80 S.)

8". Leipzig, B. G. Teubner 1916. M. 1.20

W. fammelt in diefem Band feine Auffätze aus der Zeitfchrift
Jefchurun (vgl. die Anzeigen in diefer Zeitung 1915, Sp. 396 und
1917, Sp. 189), mit denen er das erfte Kriegsjahr begleitet hat.
Es war mir lehrreich und im ganzen recht erfreulich, zu beobachten
, wie ein ftreng orthodox gerichteter und zugleich gut
deutfch gefinnter Jude den Krieg erlebt. Vor den Leiden der
ruffifchen Juden bricht die jüdifche Gerechtigkeitsidee zufammen.
S. zeigt mit überzeugenden Gründen, daß dem Judentum, trotz
dem deutfchen Antifemitismus, auf deffen Überwindung er hofft,
ein Sieg der Zentralmächte zugute kommt; denn die Verbindung
Rußland—Weltmächte hat die Lage der ruffifchen Juden nicht
gebelfert (die grauenhaften Kriegsleiden!), die der andern ver-
fchlechtert. Insbefondere eine felbftändige Entwicklung in Palä-
ftina ift eher von der Türkei als von England oder Frankreich
zu erwarten. Über die Kriegstüchtigkeit der Juden gibt es auch
andere Urteile.

Hannover-Kleefeld. Schuft er.

Baltgen, Prof. Dr. Hubert: Die römifche Frage. Dokumente
u. Stimmen. Hrsg. von B. 2. Bd. (XXVI, 864 S.)
gr. 8°. Freiburg i. B., Herder 1918. M. 30— ;

geb. M. 32.50

Das Werk, deffen erfter Band hier 1918 Sp. 302 angezeigt
wurde, ift rafch fortgefchritten, was um fo mehr
Anerkennung verdient, als B. im Dienlte der Feldfeelforge
auf dem Balkan ftand. Der zweite Band führt die Gefchichte
der römifchen Frage von 1861 bis 1871. Das find die
Jahre, in denen fie am lebhafteften verhandelt wurde. Den
militärifchen und diplomatifchen Verfuchen, die weltliche
Herrfchaft des Papftes zu retten, entfprach eine Fülle von
Erörterungen in Brofchüren, Zeitungen, Parlamenten. Der
überzeugte Katholik hat an diefen Dingen ein ftärkeres
Intereffe, als anders Denkende, die meift nur, fofern fie
Gefchichte jener Jahre ftudieren, die hier gebotenen Einzelheiten
verfolgen können. Immerhin ift es lehrreich, zu
fehen, daß die Vorgefchichte des italienifchen Garantie-
gefetzes von 1871 bis 1861 zurückreicht, daß man fchon
1871 fragte: ,und was wird, wenn Italien Krieg führt, aus
den Vertretern feiner Feinde beim Papfter', daß Visconti-
Venofta fogleich andeutete, eine endgiltige Löfung der
Präge fei diefes Gefetz, das der Papft nicht angenommen
hat, nicht. In der Beibringung vieles fonft heute fchwer
zugänglichen Materials ift diefer 2. Band fo verdienftlich
wie der erfte. Der Standpunkt B.'s zeigt fich gelegentlich
nicht nur in feinen Einleitungen zu den einzelnen
Gruppen von Urkunden, fondern auch darin, daß er die
Reden katholifcher Abgeordneter ausführlicher wiedergibt,
als die der Liberalen. Durfte Döllinger mit feinen Odeons-
vorträgen 1861 wirklich fchon den Liberalen, nicht den
Katholiken eingereiht werden? Bemerkenswert ift, daß
auch B. fagt, die Befetzung der Leoftadt im Sept. 1870
(die Cadorna, der Vater, frei laffen wollte) fei auf Wunfeh
der Kurie erfolgt.

S. 225 Z. 5 v. u. 1. cinverftanden ft. nicht cinverftanden; S. 67/6X
wird Scaduto zitiert, ohne daß man den Titel feines Buches erfährt;
S. 36 unten 1. 5 oder 600000 ft. 5 oder 6000.

Kiel. H. Mulert.