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Ausgabe:

1919

Spalte:

261-262

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jaeger, Martin

Titel/Untertitel:

Männliche Jugend 1919

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 21/22.

262

Jaeqer, Martin: Männliche Jugend. Ein Handbuch der
Jugenderziehg. Entwicklung u. Erziehg. der männl.
Jugend im Übergangsalter. (Schriften d. Ev. Erziehungsamtes
der Inneren Miffion.) (XVI, 559S.) 8°. Hamburg
, Agentur d. Rauhen Haufes (1918).

M. 11.50; geb. M. 13.50
In einer Zeit, die mehr als jede andere uns zwingt,
unfere Hoffnung auf unfere Jugend, auf kommende Ge-
fchlechter zu fetzen, und uns zugleich in traurigen Bildern
einen erfchreckenden Anfchauungsunterricht darüber gibt,
wie die Jugend verwahrloft, wenn ihr die ftarke Hand
des Führers und die Weisheit des Erziehers fehlt, darf
diefes Handbuch auf eine befonders dankbare Aufnahme
rechnen. Und es verdient fie auch in hohem Malle.
Denn es ift herausgewachfen aus der langjährigen Erfahrung
der Arbeit im Frankfurter Wartburgverein, der
durch feine muftergültige Organifation, in der Innere
Miffionsarbeit und geordnete Gemeindearbeit einen ver-
ftändnisvollen Ausgleich gefunden haben, fowie durch feine
weitgehende Heranziehung feiner Mitglieder zur Mitarbeit
weithin Vorbild geworden ift. Nicht minder aber gibt
das Buch Zeugnis von allfeitigen Studien auf pädagogifchem
und volkswirtichaftlichem Gebiet, und vor allem von einer
gründlichen philofophifchen und pfychologifchen Schulung.
Davon verrat fich fchon etwas in dem ftraffen fylte-
matifchen Aufbau, der ftreng architektonifchen Gliederung
des Stoffes. Es konnte ja nicht ausbleiben, daß dabei
manches, was zusammengehörte, auseinander geriffen, und
auch manche Wiederholung nötig wurde. Für den Zweck
des Handbuchs erweift fich aber diefer klare Aufbau
als fehr wertvoll.

Als erfahrener Kenner und feiner Pfychologe er-
weift fich der Verfaffer vor allem in der Schilderung des
Seelenlebens der Jugend. Daß er dabei befonders die
ihm vertraute Großltadtjugend vor Augen hat, obwohl ihm
auch die Landjugend nicht fremd ift, ift begreiflich. Mit
vollem Verftändnis für die Gefetzmäßigkeit der Entwicklungsvorgänge
imMenfchen, weiß er die zielweifenden
chriftlichen Erziehungsgedanken mit dem Entwicklungsgedanken
in fruchtbare Wechselwirkung zu bringen. Ein
hohes Ideal Hellt er für den chriftlichen Erzieher auf.
Es ift nur möglich, weil er ihn von fich felbft hinweg
auf den großen Erziehungsmeifter Jefus verweift, deffen
Bedeutung er im zweiten Hauptteil in eingehenden bib-
lifchen Ausfuhrungen fchildert. Nichtsdeftoweniger bleibt
auch da, wo er im zweiten Buch die Aufgabe des Erziehers
im Einzelnen befchreibt, doch der Eindruck, daß
da wirklich faft Übermenlchliches verlangt wird, dem nur
ganz feltene Menfchen fich nähern können. Die Art,
wie dann die Erziehung der Jugend zur körperlichen
Leiftungsfähigkeit, zur Bildungsreife, zur Glaubensmündigkeit
, zur chriftlichen Lebensgemeinfchaft, zum
Familienfinn, zur Lebenskunft, zur Berufstüchtigkeit, zur
Staatsbürgerlichen Gerinnung, in breiten und eingehenden
Schilderungen dargeftellt wird, in einer Fülle von Lebensweisheit
und vielfeitigen Einrichten, geht weit über das
Maß deffen, was in einem Verein geleistet werden kann,
hinaus und bietet eigentlich eine christliche Sozialethik.

Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Doch feien
noch einige Gefichtspunkte hervorgehoben. Jaeger betont mit Recht den
Frciwilligkeitscharakter der chriftlichen Jugendpflege und empfiehlt,
fcharte Trennung von etwa beabfichtigter ftaatlicher Zwangsjugeud-
pBege in der Form vorgreifender Heerespflicht, deren Berechtigung er im
übrigen anerkennt. Das find jetzt wohl vergangene Sorgen. Auch
fonft find in dem vor dem Zufammenbruch vollendeten Buch manche
Urteile über den Krieg und untere Kriegsleitung, manche Hoffnungen
und Erwartungen durch die Ereignirre überholt und als unrichtig cr-
wiefen. —Die Aufgabe des rechten chriftlichen Erziehers fallt J. dahin
zufammen, daß er das Mitlleramt zwifchen Jefus und der Jugend habe.
So fehr das, recht verftanden, auf Zuftimmung rechnen darf, fo hat fich
doch die Neigung des Verf., zu fchematifieren, in der Schilderung
der religiöfen Entwicklung der Jugend zu fehr geltend gemacht. So
einfach liegen die Dinge doch nicht zwifchen dem ,Eigen-lch' und dem
,Gottes-Du'. Sie find viel komplizierter und zarter, gerade bei den Beften
und lnnerlichlien, und verlaufen vielfach mehr unbewußt. So weit-
offen Jäger auch ift, und fo verftändnisvoll gegen moderne Forderungen,
z. B. auf fozialem Gebiet, fo ift er doch der Jugendbewegung, und auch

der Arbeiterjugend nicht ganz gerecht geworden. Auch die Charakte-
riltik der theologifchen Richtungen kann nicht als zutreffend anerkannt
werden. .Entwicklungsgläubig' ift kein glücklich gewähltes Wort, und
wenn es im Gegenfatz zu .offenbarungsgläubig' gefetzt wird, fo ift das
nur von einer ganz engen und äußerlichen Aufladung von Offenbarung
aus möglich.

Der damit gekennzeichnete Standpunkt des Verf.
macht fich natürlich auch Sonft, namentlich in dem bib-
lifcben Teil, geltend. Deffen unbefchadet darf man von
diefem Buch erwarten, daß es das fuhrende Handbuch
für unfere christliche Jugendpflege werden könne.
Frankfurt a/M. Schloffer.

Mitteilungen.

über diedeutfeh- fehwedifchen kirchlichen Beziehungen
und insbesondere über die Au 'rufe der fehwedifchen Chriften zur Friedensfrage
und die geplante ökumenüche Konferenz von Up'ala berichtet
das Septemberheft der ,E che'(Vierteljahrs'chrift für Freundfchaftsarbeit
der Kirchen, Berlin, Ziileffen, 7. Jahrg. Nr. 3). Über das Streben zu .internationaler
Freundfchaft durch evangeli'che Katholizität' fpricht in dem
gleichen Hefte Südcrblom, während Billing-Lund die lutherifche Volkskirche
Schwedens fchildert, Aulen-Lund die fchwedifche Theologie dar-
ftellt. Auf die Freundfchaftsarbeit der nordifchen Kirchen fei mit Dank
und mit Nachdruck hingewiefen.

Die Haag er Gefellfchaft zur Verteidigung der chriftlichen
Religion fchreibt folgende Frage aus zur Beantwortung vor dem 15.
Dezember 1921: Kritifche Überficht über die wiffenfehaftliche Literatur
der .Modernen Richtung' in Holland.

Bibliographie

von Oberbibliothekar Kippenberg in Leipzig,

Universitätsbibliothek.
Besilgl. Hinweije und Sendungen find jederzeit erwünjehe.

1. Jüngft erlchienene Befprechungen.

Reformation u. ihre Wirkg. in Erneftin. Landen h. v. GScholz
(ODobenecker: ZVThüringLlefchNF 24, 1, '19; HGrifar: ThRev '19
I5'l6).

Rehfeldt: Recht d. Judenmiffion (Studft 1918, 8; Anacker u. vllar-

ling: JbSächsMiffkirz 32, '19; Saa'Hffg '18, 3).
Reinhard: Wirken des III. Geiftes im Menfchen (JBehm: ThLtbl '19,

20; KBenz: ThRev '19, 15/16; AvanVeldhuizen: NThStud '19. 4).
Reifch: Uikundenbuch d. Kuftodien Goldberg U.Breslau 1 (JBKaifer:

StMittGefchBenedikt 39, 3/4, '18; JFKnöpfler: LtZtbl '19, 41;

PSchlager: ThRev '18, 3/4; FPelfter: SlimmZeit '18/T9, 10).
Revolution u. Kirche h. v. FTlumme u. ERolffs (GB: LtZtbl 1919,

27; FXKiell: ThRev '19, 9/10; JDuffe: Dt-Evg '19, 7; Neuberg:

PftrlbU 61, 11, '19).
Ribbach: 4 Bilder des Padma'ainbhava (HWSchomerus: ThLtbl 1918,

26; AllgMiff-Z '18, n; GSchulemann: LtHdw '19, 2; EErkes:

LtZtbl '19, 35).

Riggenbach: Reformat. Schätzg. d. Hl. Schrift (Weber: ThLtbl '18,
Ii; Klfhs: RefKZtg '18 LtBeil 2; R; ChrW '18, 14/15; Albrecht:
ThLtber '19, 9).

Ritfehl: Luthers relig. Vermächtnis (HGrifar: ThRev '19, 5/6; Albrecht
: ThLtber 'ig, 9).

Rolffs, E u. JMeyer: Zukunftsaufgaben der evg. Kirchen in Niederfachren
(TKaftan: ThLtbl '19, 1; PhMeyer: ZGefNdrfächsKg T8;
WL: AllgEv-LuthKztg '18, 37; Juft: Pftrlbll 61, 5, '19; AUckeley:
ThGgw '19, 2; OVeeck: PrtMhh '19, 12).

Ruck: Rom. Kurie u. d. deut. Kirchenfrage auf d. Wiener Kongreß
(FGiefe: LtZtbl '18, 37; AK: IntKiZ '18, 3; WWindelband: ZSa-
vignySt 39 KanAbt 8, 'iS; Sägmüller: ThQus 'i7/'i8, 2/3; KMirbt:
DtLtztg '19,5; HRothfels: Prffjbb 177, I, '19 Juli; HJordan: ThGgw
'19, 4).

Sawicki: Politik u. Moral (JMausbach: ThRev 1918, 13/14; Schilling:

ThQus 'I7/'iS, 2/3; JBiederlack: ZKathTh '19, 2).
Schäfers: Altfyr. antimarkionit. Erklärg. v. Parabeln (Leipoldt: ThLtbl

1918, 16; JSchäfer: Kath '18, 5; HVogels ThRev '18, 15/16; SWeber-

DtLtztg '18, 50; BiblZ 15, 2, '19; Brockelmann: LtZtbl '19, 38).
— Evangelienzitatc in Ephräms Komment, z. d.Paulin.Schriften! HJordan-

ThLtbl 1918, 18; HVogels: ThRev '18, 15/16; Pott; BerlPhilWs

'18, 47; BiblZ 15, 2, '19).
Schaeffer: Luther u. d. Juden (Henfel: ThLtbl 1918 9- Albrecht'

ThLtber '18, 8/9; Studft '18, 8).
Schanze: Galaterbrief (EHerr: LtZtbl 1919, 23; BiblZ 15, 2, '19;

HVogels: ThRev '19, u/12; HLietzmann: GöttGelAnz '19, '56).
Scharnagl: Neue kirchl. Gefetzbuch (JBSägmüller: ThRev 1918, 15/16;

Riekcr: BeitrBayKg 25, '18, 1; NHilling: ArchKathKr '18, 2; Derf:

LtHdw '18, u/12).
Schermann: Allg. Kirchenordng. frühchrifll. Liturgien u. f. w. (MDibe-

lius: WsKlaffPhil 1918, 49/50; FKattenbusch: DtLtztg '19, 21 u. 22).
Schlutter, W: Gefch. d. Basler Miffion (AUckeley: ThGgw 1918, 4;

Jordan: ThLtber '18, 12: MGrößer: ZMiffwfch '19, 3).