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Ausgabe:

1919 Nr. 2

Spalte:

243-244

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grosheide, F. W.

Titel/Untertitel:

De eenheid der nieuwtestamentische Godsopenbaring 1919

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 21/22.

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der Zeit Alexanders (lamme (S. 51), follte man heute nicht mehr behaupten
, auch nicht mit Berufung auf Jofephus. — S. 19 fpricht R.
von der ,in der Mitte der Stadt Jerufalem errichteten hohen Säule'. Das
ift ftüfch. Die Säule (land, wie Klameth richtig fchreibt, vor dem
Damaskustor, d. h. im äußerflen Norden der Stadt. Adamnanus berichtet
mißverftündlich (durch den Sperrdruck R.s wird das Mißverftänd-
nis noch erleichtert): columna, quae a locis sanctis ad septentrionem in
medio civitatis stans pergentibus obvia habetur, Baeda dagegen fälfch-
lich: in medio autem Hierusalem . . . columna celsa, und R. folgt diefer
falfchen Darflellung, weil das beffer zum ,umbilicus' paßt. — S. 24 lagt
R.: ,Die Exiftenz des Omphalos von Jerufalem läßt fich mindeftens
noch zwei Jahrhunderte früher nachweilen' als die Exiftenz des Omphalos
von Delphi. Nach den von R. felbft beigebrachten Zeugniffcn ift
ein Omphalos in Jerufalem früheltens im 8. Jahrh. n. (sie!) Chr. nachweisbar
(S. 21); ift denn der Omphalos von Delphi nicht älter als das
10. Jahrh. n. Chr.? Oder meint R. den .Omphalosgedanken'? Der ift
allerdings nach feiner Meinung zuerft im 8. Jahrh. v. Chr. nachweisbar
in Jef. 2, 2: Danach foll der Tcmpelberg am Ende der Tage zum höch-
(len Berg der Erde werden (S. 13). Im Anfchluß an Wenlinck verbindet
R. mit dem .höchften Berg' die Vorftedung des ,Erdnabels'; das ift
falfch, weil diefer .höchlle Berg' nicht im Mittelpunkt der Erdfeheibe,
fondern ,im äußerften Norden' gedacht wurde (Jef. 14,131 und mit dem
,Ararat' oder dem Hochland von Armenien identifch ift. Damit erledigen
fich auch die falfchen auf S. 39 vorgetragenen Anfchauungen:
Die Lage des Paradiefes auf dem höchften Berge hat mit .Nabel' oder
.Erdmitte' nichts zu tun, fondern hängt einfach mit Armenien, dem
Crfprungsland von Euphrat und Tigris, zufammen (Gen. 21. ■— Zu
S. 51 ff.: Man kann Rieht. 9,37 ebenfo gut .Nabel der Erde' wie ,Nabel
des Landes' überfetzen; ob damit ein Berg (Garizzim:) oder ein heiliger
Stein gemeint ift, muß ebenfalls fraglich bleiben. Die Möglichkeit, daß
man fpä'er den famaritanifchen Tempel auf dem Gari/zim für den
.Nabel der Erde' hielt, ift zuzugeben, aber fichcr ift das keineswegs,
und ein Beweis dafür läßt fich nicht führen. Die im Talmud bezeugte
Vorfteliung, daß der Garizzim nicht von der Sintflut überfchwemmt fei,
erklärt fich nicht aus dem Omphalosgedanken oder der Idee von dem
.höchftgelegenen Orte der Welt', fondern ebenfo wie die Verfchonung
des Tempels von Jerufalem oder der Kaaba in Mekka aus der Heiligkeit
des Ortes; das beftätigt auch Jef. 28, I4ff. Auf Grund befonderer Erwägungen
halte ich es für möglich, wenn auch für fehr kühn, diefen
Glauben fchon bei den Samaritanern des 8. Jahrh. v. Chr. vorauszufetzen.
Aber den Satz R.s kann ich doch nicht unterfchreiben: ,Daß es fich in
diefem Falle um uralte (siel) höchft wertvolle famaritanifche Lokaltraditionen
handelte, dürfte jedem Unbefangenen ohne weiteres (sie!) klar
fein'. — Zu S. 55 f.: Daß die Jakobsleiter zu Bethel im Mittelpunkt der
Erde geftanden habe, ift im 7. Jahrh. n. Chr. geglaubt worden. ,Diefe
außerordentliche Bedeutung Bethels fcheint tatfächlich durch die neuere
Forfchung beftätigt zu werden; denn auch nach A.Jeremias ift Bethel-
Luz der Nabel der Welt.' Hätte R. Kritik geübt, würde er finden, daß
A. Jeremias zwar die Behauptung aufgeftellt hat, aber den Beweis dafür
fchnldig geblieben ift. — Daß ,der Stein Schetija' rätfelhaft fei und
Jeder Etymologie fpotte', wie R. nach Kittel behauptet (S. 14), trifft
nicht zu; die Etymologie ift vielmehr völlig durchfichtig: ,der Grund-
ftein'. — Der allerdings fehr merkwürdige Text, daß Salomo auf dem
.Throne Jahwes' faß (1 Chron. 29,23; vgl. S. 10, Anm. 14), hängt gewiß
nicht mit dem Omphalosgedanken zufammen; eher erklärt er fich aus
der Vergottung der Könige. — Beachtenswert find die Ausführungen
über die Sage vom Turmbau zu Babel (S. 9). Hinter ihr mag in der
Tat die Vorfteliung flehen, daß fich die Menfchen vom Zentrum der
Welt aus in die Peripherie zerftreut haben.

Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Grosheide, Hoogl. Dr. F. W.: De eenheid der nieuwtefta-
mentifche Godsopenbaring. Rede, gehouden bij de over-
dracht van het rektoraat van de vrije univerfiteit te
Amfterdam, den 21. october 1918. (61 S.) gr. 8°.
Kampen, J. H. Kok 1918. fl. 1.25

Wer in diefer Schrift, einer Rektoratsrede der freien
Univerfität zu Amfterdam, etwa einen ausführlichen Beweis
dafür erwartet, daß die fynoptifche, paulinifche, jo-
hanneifche Heils- und Chriftuspredigt trotz aller individuellen
Verfchiedenheiten doch eine theologifche Einheit
forme (wie es z. B. E. Weber in feiner Arbeit: Die Vollendung
des neuteft.Glaubenszeugniffes durch Johannes 1912
zu zeigen verfucht hat), der wird fich beim Lefen enttäufcht
fehen. Ausfuhrungen der Art finden fich zwar auch (wobei
freilich über alle entgegenftehenden Talfachen hinweggegangen
wird), aber im wefentlichen gibt G. eine dogmatifch-
deduktive Erörterung, die die Einheit des Offenbarungs-
zeugniffes aus der Kanonsgefchichte und dem Kanonsbegriff
deduziert. Diefe Methode wird ausdrücklich aus dem
Prinzip ftreng reformierter Wiffenfchaft abgeleitet. Daß
die Schrift Gottes Wort fei, ift für die freie Univerfität
und für die an ihr geübte Exegefe das grundlegende
Prinzip. So ift auch die Einheit der Schriftoffenbarung
aus diefem Grundfatz zu deduzieren. Diefe dogmatifche

Gebundenheit hindert aber den Verf. glücklicherweife
nicht, die Kanonsgefchichte etwa im HarnackTchen Sinne
aufzufaffen. Denn die Hauptfache ift, daß von Anfang
an der Evgiog die Autorität für die Kirche ift, daß in
feiner Einheit auch die Einheit des N. T. ihren Grund
findet, und daß die Sammlung der Bücher des N.T.
zum Kanon, wie der Prozeß auch zuftande gekommen
ift, Gottes Werk ift. (Für göttliche Eingebung ift die
göttliche Zufammenfügung die nötige Ergänzung.) Für
die Exegefe ergibt dann diefe Erkenntnis die Vorfchrift,
daß, da das N.T. feine Einheit in Chriftus findet, auch
jede Stelle chriftozentrifch erklärt werden darf und muß.
Das ift ein bedenklicher Machtfpruch, dem diejenigen fich
nie beugen werden, die durch induktive Exegefe fich
davon überzeugt haben, daß 1. viele Partien (namentlich in
den Synoptikern und in Jac.) nicht chriftozentrifch find und
2. das N.T. mehr als einen Chriftus kennt. Für das Ver-
ftändnis des N.T. als eines ,Kanons' ift die Schrift gleichwohl
von Intereffe; man erkennt, wie das N.T. ausfehen
müßte, wenn es wirklich von vornherein in all feinen einzelnen
Teilen auf den .Kanon' angelegt gewefen wäre.
Auch erhöhen 151 gelehrte Anmerkungen den Wert des
Büchleins.

Leiden. Hans Windifch.

Hadorn, Prof. D. W.: Die Abfaffung der Theffalonicherbriefe

in der Zeit der dritten Miffionsreife des Paulus. (Beiträge
zur Förderg. chriftl. Theol. 24. Bd., Heft 3/4.)
(134 S.) 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1919. M. 4.80
Ahnlich wie Feine den Philipperbrief beffer als bisher
zu verftehen glaubt, wenn er ihn in die Zeit der
Wirkfamkeit des Paulus in Ephefus zurückverlegt, hofft
Hadorn das Problem der Theffalonicherbriefe zu löfen,
indem er fie aus der 2. in die 3. Miffionsreife hinabfehiebt.
DieZweifel an derEchtheit vonll.Theff. werden verdummen,
wenn man einfieht, daß II Theff. vor I gehört und beide
von einander durch einen längeren Zeitraum, von der
Gründung der Theff.-Gemeinde durch einen langen, getrennt
find. II. Theff. noch unter Claudius, weil nur diefer
mit 6 xartxcov gemeint fein kann, wohl 53 vor Abfaffung
von I. Cor. entftanden; I. Theff. nach der korinthifchen
Zwifchenreife, aber doch noch vor der Vertreibung des
Apoftels aus Ephelus, alfo etwa im Frühjahr 55. Be-
ftimmend zu Gunften diefer Konftruktion hat auf den
Verf. gewirkt, was Lütgert, ohne folche Konfequenzen zu
ziehen, über die Verwandtfchaft der Unruhen in Theffa-
lonich mit denen in Korinth vorgetragen hatte. Freimütig
bekennt H. aber auch, daß bisher F. Chr. Baur's
Zweifel an I. Theff. noch nicht gebührend gewürdigt
worden leien.

Für die Hadorn-Hypothefe läßt fich genau fo viel
lagen wie für die Feine'fche. Dreimaliges fitü-' TiftTv,
zweimal da&-£Vtia fällt auf, aber im Ganzen beherrlcht
H. das Material und verficht feine Sache als gefchickter
Anwalt. Was gegen ihn fpricht, bemerkt er nicht. Völlig
unglücklich ift die Identifizierung des xaxtxcov mit Kaifer
Claudius: fragt fich denn Hadorn garnicht, wie die Widerlegung
feiner Claudius-Erwartungen nach deffen Tod
auf Paulus und die Theffalonicher hat wirken müffen?
Die Voranftellung von II. Theff. vor I. vermindert die Bedenken
gegen II nicht, ftärkt aber, fobald man fie annimmt
, folche gegen I; wenn II. und I. Theff. doch nun
einmal beide als Briefe an diefelbe Gemeinde da flehen,
ftört einer den andern, und Alles fpricht nach wie vor zu
Ungunften von II. Dem Unbefangenen gibt fich I als
erfter Brief des Apoftels nach der Gründung der Gemeinde
, fchon durch die zahlreichen Erinnerungen an ihr
perfönliches Zufammenfein; nur die Buchftäbelei, die die
Hyperbeln im paulinifchen Stil wie I 1,8 oder 2, 18 auspreßt
, verlangt nach einer zwifchenliegenden Reife durch
ferne Provinzen. Nicht bloß die eigentümliche F"orm der
Adreffe würde gerade im Fall der Echtheit beide Briefe
gegen die übrigen paulinifchen zufammenfchließen, nicht
bloß Silas, fondern noch mehr der von Athen nach